Lehmputz ausbessern und wiederherstellen

13.01.2005



Hallo liebe Fachwerkgemeinde,

ich renoviere gerade meine Wohnung. Die Wände bestehen aus einem Holzständerwerk, ausgefacht mit Tonziegeln, darauf aufgetragen eine Schicht Lehm. In den letzten einhundert Jahren wurden diverse Farb- und Tapetenschichten aufgetragen. Diese entferne ich gerade, der Lehm bleibt weitestgehend an der Wand. Jetzt will ich den Lehmputz wiederherstellen. Dabei sind mir einige Dinge noch unklar. Vielleicht kann mir dabei jemand Tipps geben?

1. Müssen alle Farbreste gänzlich abgemacht werden? Und wie ist es mit Resten einer Kalkung?
2. Man erzaehlte mir von einer Tiefengrundierung, mit der der Lehm behandelt werden soll, um den Putz besser haften zu lassen. Wie bewerten Kenner eine solche Tiefengrundierung?
3. Die einen raten zu einer Armierung des Putzes, die anderen meinen, das haelt auch so. Kann man sich also die Muehe sparen, eine Armierung ganzflächig anzubringen?
4. Muss die Lehmschicht, die jetzt auf dem Mauerwerk liegt, wieder gekalkt werden (frueher machte man das anscheinend so gegen Schimmelbildung ?)?
und zu guter Letzt:
5. reicht es, den alten Lehmputz zu glätten und auszubessern und dann eine neue, dünne Schicht aufzutragen?

Wahrscheinlich ist alles noch viel komplizierter, als ich mir das so naiv vorstelle!

Wäre schön, wenn die eine oder andere Frage zu einer Anwort findet!
Schon mal vielen Dank,
Franz Schenk



Lehmputz ausbessern.



Zu
1. Alte Farbreste (man weiß meistens nicht was drin ist) und Reste von Kalkung würde ich entfernen.
2.Tiefengrund auf Lehm ist absoluter Quatsch. Macht den Lehm dicht. Er verliert seine Wirkung.
3.Armierung mache ich nur, wenn die Balken mit eingeputzt werden. Ansonsten genügt der Strohanteil im Lehm.
4.Lehm im Innenbereich muß nicht mit Kalk gegen Schimmelbildung geschützt werden. Der Strohanteil im Lehm schimmelt nur bei dauerhafter Übersättigung mit Wasser zB Wasserschaden. Da würde auch kein Kalkanstrich helfen.
5. Lehmputz anfeuchten (nicht zu wenig)und ausbessern.
Als Endbeschichtung bieten sich farbige Lehmedelputze oder Lehmfarbe an.
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



Hallo Franz :)



Kann mich Harald naürlich nur anschliessen. Grundierungen kenne ich nur zum verfestigen von sandigen Untergründen, z. B. Betonwänden (bin Laie), da braucht es dann schon mal einen "Tiefengrund", meist ziemlich chemisches Zeug ;). Bei unseren kleineren Reparatur/Sicherungsmassnahmen (in kleinem Rahmen, keine ganzen Wände) hat eigentlich immer ein Vornässen des Lehms ausgereicht. Wenn Du dein Abgeschlagenes fein aussortiert, könntest Du eventuell auch den alten Putz recyceln, wenn kein Schimmel oder ähnlicher Befall vorhanden. Such mal hier im Forum nach "einsumpfen" :)
"Kalk beugt Schimmel vor", auch dazu gibt es schon einige Beiträge, wenn man sucht, die Überlieferung der "Altvorderen" ist nicht von der Hand zu weisen, aber womit willst Du denn kalken? Weßkalkhydrat? Such mal hier im Forum, auch in den letzten Tagen gab es dazu Beiträge :)

Liebe Grüße
Heide



nochmal zur Armierung



Erstmal Danke Herr Vidrik und Heide für die Antworten! Das hat mir schon sehr weitergeholfen in meiner Unklarheit.
Es seien mir noch ein paar Ergänzungsfragen erlaubt!?

Zum Thema Armierung: Freunde von uns haben auch bestehenden Lehmputz erneuert, ohne Armierung. Bei Ihnen gibt es jetzt (nach etwa 3 Jahren) Risse ueber den Tuerrahmen (Spannungsrisse?). Ist das eine Erscheinung mit der man Rechnen kann oder gar muß?

Zum Thema eingeputzte Balken (@Harald): Das Ständerwerk ist komplett mit dem Lehm bedeckt. Diese Lehmschicht ist mit dem eingemischten Stroh hinreichend armiert?

Zum Thema Farb -/Kalkreste: Was kann denn passieren, wenn stellenweise Flecken bleiben?

Und:
Können Stellen, wo mit Gips früher einmal ausgebessert wurde, einfach mit dem Lehmedelputz überarbeitet werden (hier bringt ja anfeuchten wahrscheinlich nicht so viel)?

Gruesse,
Franz Schenk



Hallo Franz :)



Gips und Lehm, bemühe bitte noch mal die Suche: Suchwort "Schalenbilder" :) Will also heissen, der auf den Gipsputz aufgebrachte Lehm kann keine Verbindung mit seinem Untergrund eingehen, ein Schale bilden und eventl. irgendwann abfallen, abplatzen Beulen in Tapeten verursachen etc ;)

Haarrisse und winzige/minimale Putzrisse lassen sich kaum vermeiden (Laienmeinung) da bei der Kombination: starrer Baukörper (Putz) und beweglicher Baukörper (Fachwerk) wohl immer der "starre" Anteil den Kürzeren ziehen wird.

Ist die Lehmschicht an den Balken und die Kalkoberfläche noch intakt? Dann kommt es darauf an, wenn Schädlingsbefall und/oder Durchfeuchtung der Beuteile vorliegt, würde ich (Laie) auch die Balkenummantelung abschlagen, gibt es keine solche Einschränkungen, dann würde ich sie lassen, wie sie sind, denn so wäre der Feuchtehaushalt am Balken durch den alten Lehmschlag gewährleistet (never change a running system!).
Gibt es Hinweise auf Schäden, dann immer einem Menschen mit Sachverstand hinzuziehen, denn man "baut" nur einmal und will noch die Fertigstellung erleben, oder? ;)