Kalkputz oder Lehmputz für Ziegelwände innen?

17.08.2012



Hallo,

in meiner ca. 100 Jahre alten Stadtvilla mit 3,30 hohen Räumen und massiven ca. 40cm Ziegelwänden haben sich nun doch sehr viele Stellen mit losem Innenputz gefunden. In vielen Fensterlaibungen ist auch der Putz lose und die noch festen Stellen haben Ölfarbanstriche. Außerdem gibt es bei keinem Fenster irgend welches Dämmmaterial zwischen Rahmen und Wand. Da die Fenster außerdem in einem schlechten Zustand sind, haben wir uns für die Erneuerung entschieden.
Für die Wände mit Fenstern und für einige weitere Außenwände läuft das voraussichtlich auf ein vollflächiges Neuverputzen hinaus.

Mein ursprünglicher Gedanke war Kalkputz entsprechend der bisherigen Ausführung. Bin aber immer noch auf der Suche nach einem Maurer. Selbst traue ich mir einen Kalkputz auf größeren Flächen nicht so zu, dass es hinterher nicht jedem auffällt. Fensterlaibungen sind sicher auch nicht ganz einfach mit Kalk zu putzen.

Habe jetzt hier http://www.hanffaser.de/uckermark/index.php/lehmbau/daemmputz etwas von einem Hanf-Lehm-Dämm-Unterputz in Verbindung mit einem Lehm Feinputz gelesen. So wie es sich liest, erfordert das Aufziehen des HL-Putzes weniger Geschick als das Anwerfen und Glätten von Kalkputz. Bei meiner vorgesehenen Schichtdicke von ca. 2cm würde zwar keine großartige Dämmwirkung erreicht werden, aber jede zusätzliche Dämmung wäre willkommen, da sowieso verputzt werden muss.

Ist die Verarbeitung von HL-Putz und Lehm-Feinputz tatsächlich einfacher als die von Kalkputz?

Gäbe es Bedenken gegen den Lemputz z.B. wegen Haltbarkeit auf dem Ziegelmauerwerk, wegen normaler Mauerwerksfeuchte oder wegen fehlender Dämmung der Wände?

Danke
Erwin





Ich würde weiterhin einen Kalkputz aufbringen. Das ist authentisch und hat sich bewährt. Große Flächen zu putzen ist ohnehin nicht ganz einfach. Wollen Sie das selber machen?

Bernd Kibies



Die Qual der Wahl



Aus eigener Erfahrung arbeiten wir viel lieber mit Lehmputzen aller Art als mit Kalkputzen.

Gerade wenn Laien das Putzen in Eigenleistung erbringen möchten, halte ich die Verwendung von Lehm für vorteilhafter weil deutlich einfacher und angenehmer.

Auch sagen mir die bauphysikalischen Eigenschaften von Lehmputz mehr zu als die zweifellos schon hervorragenden von (zementfreien und ohne verarbeitungsfördernde Zusätze angemischten) Kalkputzen.

Bedenken gegen den Einsatz von Lehmputz würde ich im speziellen Fall jedenfalls nicht sehen.
Ob es aber unbedingt ein Hanf-Lehm-Dämm-Unterputz sein muss, würde ich mir gerade in Anbetracht der doch recht dünn vorgesehenen Putzstärke gut überlegen. Hier würde es m. E. ein ganz normaler Strohlehm-Unterputz auch tun.

Wer möchte, kann auf unserer Website mehr zum Thema "Lehmputz im Innenbereich" erfahren:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/64-lehmputz-im-innenbereich

Speziell zum Themengebiet "Auswirkungen von Lehmbaustoffen auf die Raumluftfeuchte" kann ich noch den nachfolgenden Link empfehlen:
http://www.claytec.de/fileadmin/user_upload/pdf_download/lehmputz_raumklima.pdf

Wir haben bei uns im ganzen Büro- / Wohngebäude Lehmputz. Zum Einen auf Poroton-Wänden (etwa 20 - 23 mm Strohlehm-Unterputz und 2 - 5 mm Lehm-Feinputz), zum Anderen auf den Stampflehm-Ausfachungen der Innenwände im OG und DG (2 - 5 mm Lehm-Feinputz). Die Oberflächen sind gänzlich unbehandelt.
Die nebenstehende Aufnahme zeigt einen noch nicht mit Feinputz versehenen Wandbereich.





Es ist wohl weniger eine Frage der Wahl und der Qual, sondern hier rückt die Baukultur in den Vordergrund. Mir sind jedenfalls keine Stadthäuser mit massiven Ziegelmauerwerk und Lehmputz bekannt. Fotos im Landhausstil sind hier nicht wirklich hilfreich.

Bernd Kibies



Baukultur



Danke soweit,

Baukultur dürfte das Stichwort sein.
Das Gebäude hat ja auch Denkmalschutz.
Ich denke, dass mein zuständiger Denkmalschützer ähnlich wie der Herr Kibies reagieren würde.

Ok, geht die Suche nach einem Maurer, der sein Handwerk versteht und nicht gleich anfängt zu jammern, wenn ich Kalkputz erwähne, also weiter.

Gruß Erwin





Wo steht denn das Gebäude? Bei der Suche helfe ich gern.

Bernd Kibies





Das Gebäude steht etwa in der Mitte von Mecklenburg Vorpommern.





Ein Ort, eine Stadt....?
Ich wohne z.B. in Köln. Würde ich einen Handwerker suchen, macht es erst einmal weniger Sinn in Orten wie Dortmund zu suchen, obwohl es auf der Karte nicht soweit entfernt zu sein scheint. Falls die Suche nicht erfolgreich ist, kann man später immer noch den Suchradius erweitern.

Bernd Kibies



Wärmeschutz?



Da wohl das Amt für Denkmalschutz involviert ist, die Innenputzaktion also "amtlich registriert" wird, wird man, denke ich, wohl oder übel um die Frage nach dem Wärmeschutz nicht herum kommen.
Selbst unter dem Aspekt, dass gem. § 24 der EnEv bei einem Baudenkmal unter bestimmten Voraussetzungen von den Anforderungen dieser Verordnung abgewichen werden kann. - Wohlgemerkt kann, nicht ohne Weiteres darf oder muss.

Vermutlich wird sich bei einer Wandstärke von etwa 40 cm unter Zugrundelegung von Vollziegeln der U-Wert zwischen 1,4 W/m²K (bei einer Ziegelrohdichte von 1800 kg/m³) und 2,0 W/m²K (bei einer Ziegelrohdichte von 2400 kg/m³) bewegen.
Damit ist man sozusagen meilenweit von dem von der EnEV geforderten Wert von 0,24 W/m²K entfernt.

Insoweit ist es m. E. schon eine Überlegung wert, ob man die Innenputzerneuerung nicht zur Verbesserung der energetischen Qualität des Gebäudes nutzen sollte. - Wohlgemerkt nur im Rahmen des bauphysikalisch ratsamen / vertretbaren und denkmalpflegerisch zulässigen.

Von daher wäre meine Empfehlung, die Frage das Wärmeschutzes zu thematisieren und ggf. eine Ausnahme zu erwirken.



in



Meckl-Vorp. gibt es genug Maurer, die in ihrer Ausbildung noch trad. Handputz mit Kalk, Kalk-Zement und Zementputz gelernt haben. Die sollten aber so über 40 sein ! An Kalkputz ist wirklich nichts ungewöhnliches. Nur eben am Putz mit der Kelle - da sollte schon etwas Erfahrung mitgebracht werden. Und Kalk+Sand wird es wohl bei Euch genug geben.



Wärmeschutz



da gäbe es sicher keine größeren Probleme mit dem Denkmalpfleger, wenn man mit dem Wärmeschutz argumentieren würde. Allerdings will ich an so einen schwerwiegenden Eingriff nicht heran, ohne erst einmal ein Gefühl für das Haus bekommen zu haben.

Ja, Maurer werde ich schon früher oder später finden. Bin wahrscheinlich etwas spät in diesem Jahr dran, so dass alle relativ ausgebucht sind und wahrscheinlich gibt es genug andere Baustellen, wo sich das Geld leichter verdienen lässt.