Hilfe, Putz platzt auf!!!!

19.12.2004



Bin kurz davor mich zu erhängen!!!!
Brauche dringend Eure Hilfe, damit es nicht zu Aüßersten kommt. Hier eine kurze Schilderung meines Probleme : Habe in diesem Sommer mein Fachwerkhaus das mit Lehm ausgemauert ist mit einem Trass-Kalk-Maschinen-Leichtputz selbst verpuzt, was auch super geklappt hat. Alle waren von meiner Leistung und vom Ergebniss begeistert und ich war ziemlich stolz auf meine erste Putzarbeit. Nach wochenlangem Wässer und ohne einen einzigen Riss in den Putzfeldern habe ich das gesammte Haus dann gestrichen und wie mir geraten wurde erst Aussen fertig gestellt, bevor es an die Innendämmung geht. Seit einigen Wochen bin ich nun dabei. Die Dämmung sieht wie folg aus: Eine waagerechte Verlattung auf das Ständerwerk - die Zwichenräume mit feuchtem Lehm aufgefüllt so das Lehm und Latte eine Fläche ergibt - die 5 cm. starke Heraklithplatte in den noch feuchten Lehm drücken und in der Verlattung verschrauben. War Alles ziemlich mühsam aber seit einer Woche habe ich das gesammte EG fertig. So, und jetzt kommt der absolute Alptraum!! Die Putzfelder im Aussenbereich platzen so nach und nach auf, genau dort wo ich vor 2-3 Wochen fertiggedämmt habe. Seit dem ist mir total schlecht und ich könnte nur noch heulen!!!!! Hab` natürlich wie wild vor mich hingerätzelt und mir schon so einige Fragen gestellt. Liegt es an der Feuchtigkeit vom Lehm, der zwischen H-Platte und Außenhülle nicht richtig austrocknen kann? - Muss der Lehm trocknen, bevor die Platte angeschraubt wird, obwohl sie ja in den feuchten Lehm gedrückt werden soll? - Ist es zu kalt, weil mein Haus noch nicht geheizt wird? - Liegt es an irgendwelchem Druck der entsteht? - Oder liegt es einfach nur an der Hausnummer 13? - Auf jeden Fall fehlt mir momentan die Motivation im OG weiter zu dämmen. Brauche jetzt dringend Eure Hilfe! Was ist falsch gelaufen? und - kann ich meine aufgeplatzten Felder im Frühjahr wieder reparieren in dem ich einfach nochmal zweilagig darüber putze und eventuell ein Gewebe mit einbringe? Wäre Euch sehr dankbar für wertvolle Tips und Meinungen und für einen Motivationsschub. Gruss Raoul



Liegt nicht an der 13



Hallo Raoul,

das Abplatzen Deines Putzes ist (fast) normal. Trasskalk-Putz (MG II) ist ziemlich spröde und verhält sich wie ein Zement-Putz. Auf Lehm wird man damit - im Gegensatz zu einem normalen Kalkputz (MG I) - keine dauerhafte Haftung bekommen. Darüber ist hier im Forum auch bereits mehrfach berichtet worden.

Deine Innenausbau-Maßnahmen können nun dieses Abplatzen an einigen Stellen beschleunigt haben, sind jedoch m.E. nicht ursächlich. Über kurz oder lang wäre Dir der Putz auch "ohne Hilfestellung" abgefallen.

Noch ein Tipp, falls Du mit Kalkputz (MG I) neu anfängst: Möglichst nicht mit der Putzmaschine aufbringen, sondern mit der Kelle und nicht abreiben.

Kopf hoch

Gruß aus BS

Bernd



@ Raoul



Schick mir mal Deine E-Mail Adresse. Die angegebene scheint nicht ok zu sein.

Bernd





Hallo Bernd, Du machst mit ja richtig Hoffnung!! Den beschriebenen Putz hat mir ein Restaurator empfohlen, der sehr viele historische Gebäude der Springer Altstadt saniert hat und hauptsächlich mit diesem Material arbeitet. Habe mir vorher einige seiner Fachwerkhäuser unterschiedlichen Alters angeschaut, die auch heute noch abolut intakt sind. Vielleicht ist der Putz nicht das optimale Material, aber es gab zumindest keine Rissbildung wie bei mir. Es betrifft auch nur die Felder, die von mir wie beschrieben von innen gedämmt wurden. Alle anderen sind absolut okay! Nach einer weiteren schlaflosen Nacht, würde ich aus dem Bauch heraus sagen, es liegt am nassen Lehm. Wenn ich nun den Lehm einfach weglassen würde und nur die H-Platten benutze würde, wette ich, wären keine Risse da. Nur Warum und Wieso weiss ich noch nicht so genau. Immerhin sind von 250 Gefachen noch 220 ohne Schaden. Wäre doch möglich, dass das auch in den nächsten Jahren so bleibt, oder? Wenn der Fehler bei der von mir beschriebenen Dämmung gemacht wurde und ich diesen abstellen könnte, hätte ich 220 Felder gerettet. Toll ist es übrigens auch, das andere irgend einen Zementputz auf ihre Gefache klatschen und anscheinend ewig Ruhe haben. Ist das gerecht? Schönen Gruss Raoul



@ Raoul



Ein Grund könnte im Einbringen vom feuchten Lehm liegen. Dadurch könnten die Steine etwas quellen und dann den sehr starren Putz zum Reißen bringen.

Warte auf jeden Fall noch etwas ab - bei Kalk gibt es mitunter auch Selbstheilungseffekte, wenn die Risse nicht zu groß sind. Nach wie vor halte ich aber Trass-Mischungen für ungeeignet. Wenn Du allerdings Glück hast, hast Du eine Mischung mit einem äußerst geringen Trassanteil.

Welchen Putzuntergrund hatte denn Dein Restaurator - ebenfalls Lehm oder Ziegel?

Gruß aus BS

Bernd





Moin Bernd, habe mir exra ein Haus angeschaut, welches ebenfalls mit Lehm ausgemauert war. Keine Rissbildung! Bin ein wenig ratlos. Schönen Gruss Raoul



Re



Hallo,
ich glaube die eingebrachte Feuchtigkeit ist für die Putzabplatzung verantwortlich. Wir haben immer darauf geachtet den Außenputz nach Abschluss aller Innenarbeiten und der ersten Heizperiode aufzutragen. Der Trass-Kalk- Putz ist nicht grundsätzlich zu verteufeln. Auf exponierten Seiten würde ich immer diesen Putz empfehlen, den wir übrigens selbst häufig ohne Schäden verwendet haben. Wobei Trass-Kalk nicht Trass-Kalk ist. Z. B. mischt die Tubag bis 10 % Zement rein wobei Schäfer einen zementfreien Putz (450 und 455) hat. Ich bin auch der Meinung, das der Putz abgerieben werden sollte um die durch das Blech oder Kelle entstandene Sinterhaut zu entfernen.
Viele Grüße Gerd



Putzabplatzungen



Hallo Raoul,
Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Feuchtigkeit von innen deinen Putz zum Platzen bringt. Mein Achitekt hat mit dazu geraten mit dem Verputzen der Gerfache solange zu warten bis alle Innenarbeiten abgeschlossen sind und eine Heizperiode weiter bis die Wände wirklich trocken sind. Wie sehen denn die Außentemperaturen bei euch aus? Schon Frost?
Es könnten ja auch Abplatzungen durch Eisbildung sein?
Gruß Frank



Putzabplatzungen



Hallo Raoul,
oft kommen wir zu spät oder gerade noch früh genug um zu retten was noch zu retten ist.
mein jüngster sohn hat uns zu einer aufführung in der schule eingeladen worauf ich mich freue.in der zwischenzeit hast Du vielleicht kurz zeit ein paar dinge zu schreiben.
melde mich dann später oder morgen.
ist es ständerbauweise oder alles fachwerk,hast Du nur wände zu dämmen oder auch decke,dachschräge
sind Eisenträger eingezogen worden,ist ein grösserer eingriff,umbau vollzogen worden
sind die heraklith magnesit-oder zement-gebunden,
fürs erste
mit freundlichen Grüssen
Mladen



Putzabplatzungen



Hallo Raoul,
am besten wäre es einen Wandaufbau hinzukriegen wo,wie eine einbahnstrasse funktioniert
hier spielt der wand/putzaufbau,ja sogar das sandkorn eine wichtige rolle.
man kann feststellen das putzstärken von bis zu einem zentimeter in einer lage möglich sind obwohl das sandkorn einen millimeter beträgt.in der regel gilt doch;kornstärke mal drei gleich putzstärke.
viele oder fast alle auch fachfirmen wissen nichtmal was eine sinterhaut ist,wie und wodurch sie entsteht, und was für auswirkungen sie haben kann.
das wasser ist der grösste feind eines hauses.
man sollte dies akzeptieren und eine wenn möglich dauerhafte lösung finden.
Putzabplatzungen,ablösen vom grund:
-schlechte haftung
-schlecht gereinigter grund
-grund zu stark wassergetränkt
-ungleichmässig benetzter grund;luftansamlung an der haftfläche,wegen zu schwacher benetzung
-schwacher anwurf,zu spätes nacharbeiten
-putz ist zu dicht für Wasserdampf von innenräumen,bei frost entstehen schäden
-wenn spannungen im zu hartem Mörtel entstehen,führt das zum ablösen des putzes
-wegen chemischer unferträglichkeit
-zu schwaches anziehen nach verdampfen des überschusswassers
-fachwerk.de zu spät kennengelernt
mit freundlichen Grüssen
Mladen



Reihenfolge



Die meisten Antworten haben Dir schon aufgezeigt, was da alles so schief gelaufen sein könnte.
Doch der Vollständigkeit halber möchte ich noch einiges nachschieben.
Wer Dir auch geraten hat, zu erst die Außenfassade fertig zu stellen, dem kannst Du sagen, daß es mit seiner Fachlichkeit nicht weit her ist.
Warum?
Bei dem Ausbau von Lehmkonstruktionen sollte peinlichst genau darauf geachtet werden, daß erst sämtliche Innenkonstruktionen komplett fertiggestellt werden sollten, damit die enorme Menge an Wasser (Baufeuchte; meherere 100 Liter!!) aus der Konstruktion hinaus diffundieren können.
Wenn aber jetzt bereits eine wetterstabile Oberputzschicht vorhanden ist (wie in Deinem Falle!), entsteht ein überhöhter Dampfinnendruck, welcher nun gegen die dichtere Putzschale drückt.
Da mineralische Putze bekannlich aber nur mechanisch auf Lehmoberflächen sich verkrallen und halten, passiert genau das, wie Du es bei Dir beobachten kannst.
Dazu ist dann noch zu bemerken, daß es bei Deinem Kalkputzprodukt sich scheinbar um sog. vergütetes (maschinengängig gemacht!) Kalkputzmaterial handelt, was eine weitere Diffussionsdichtheit bewirken könnte.
Die Farbe spielt dann aber auch noch eine gehörige Rolle mit, falls es sich um kunststoffvergütetes Material handeln sollte.

Du siehst also, Lehmbau ist nicht ganz einfach und viele Leute, viele Antworten.
Die Kalkputzprodukte von Veronika sind da schon eine Klasse für sich und darauf reine Silikat- oder Kalk-Kasein-Anstriche verwenden.
Tröste Dich aber, Du bist einer von sehr vielen Leidern, was aber eben nun auch nicht gerade weiterhilft.

Trotzdem besinnliche Weihnachtsfeiertage und Kopf hoch, es gibt immer Lösungen und Unterstützungen.



Hallo Raoul



Hast Du E-Mail adresse?
Gruss
Mladen



Ruhe bewahren



Hallo Raoul,

wie die Mehrheit schon sagt, du hättest erst innen fertig werden sollen. Was kannst Du tun?
Auf alle Fälle so wenig wie möglich Wasser einbringen. Das Auffüllen auf Lattendicke scheint mir überflüssig. Am besten erstmal eine dünne! (so dünn wie möglich) Ausgleichsschicht aufbringen, die du durchtrocknen läßt. Dann die Platten in einen dünnlagigen Mörtel drücken.
Besser könnte das Vormauern von Leichtlehmsteinen (Dichte 1000 kg/m³ sein. Dabei etwas aber nicht zuviel Mörtel < 0,5 cm Zwischen Fachwerk und Vormauerschale füllen.
Möglichst lange austrocknen lassen und keine Heizer aufstellen (die "drücken" das Wasser durch die Wand.
Ansonsten zeigen die Erfahrungen eben, daß Traßkalk- und gar Traßzementputze häufig auch funktionieren.

Viel Erfolg Lutz www.lehm.info