Lehmwände ausbessern/verputzen

15.10.2008



Hallo,
wir haben ein etwa 100 Jahre altes Fachwerkhaus gekauft und wollen es nun selbst sanieren. Es gibt einige Lehmwände, die wir ausbessern müssen. Da gibt es viele Fragen:
Die Wände waren alle mit Gips verputzt. Den haben wir abgeschlagen. Die Lehmwände untendrunter waren ok aber knochentrocken. Wie und womit verputze ich die am besten bis hin zur fertig verputzten Wand?



Auf Lehm



hält am besten Lehm!

Je nachdem wie der Utergrung aussieht mit Lehm-Unterputz und oder Lehm-Feinputz.

Ggf. macht es Sinn eine Wärmedämmung in de Aufbau zu integrieren.

Grüße



Lehm ja, aber wie?



da wir absolute newbies sind, fragen wir uns wie - nur den alten Putz nassmachen und Lehm drauf - in Schichten? und dann Lehmfeinputz? Brauchen wir irgendeine Konstruktion oder Gewebe unter dem Putz oder Feinputz?
Falls jemand sich die Mühe machen würde, bräuchten wir einmal eine Erklärung der Arbeitsschritte bitte...



Hallo DIY,



ich habe Dir mal die Hinweise zum Verpurtzen mit Lehm der Firma Claytec beigefügt. Viel Spass beim Lesen

Grüße Gerd


Ausgangssituation und Vorbereitung
Mit den Putzarbeiten sollte erst dann begonnen werden, wenn die zu verputzenden Bauteile trocken sind. Dies gilt besonders für Betonbauteile und die lange trocknenden Innenschalen aus Leichtlehm (Arbeitsblatt 3.1) sowie für Leichtlehmwände (Arbeitsblatt 1.3) und Stampflehmwände (Arbeitsblatt 1.1). Erst wenn das Wasser im Wesentlichen aus dem Bauteil herausgetrocknet ist, sind auch die Bewegungen der Lehmuntergründe wie Schwinden und Setzen abgeschlossen.Bauteile, die dauernder Feuchte- und damit häufig auch Salzbelastung ausgesetzt sind, eignen sich nicht für den Verputz mit Lehm. Lehmputz hat keineswegs die Eigenschaften von Sanierputzmörteln. Die Trockenheit von bodennahen Wandberei-chen muss also bauseits garantiert sein.Ähnliches gilt für versottete (= von Teer und Ruß durchtränkte) Mauerwerksflächen an alten Kaminen und Schornsteinen. Die Flächen sind vor dem Verputz mit malerüblichen Mitteln zu sperren.Wie bei allen Putzarbeiten müssen die Oberflächen anderer Bauteile durch Abkleben etc. vor Verunreinigung geschützt werden. Da Lehmmörtel aber wasserlöslich sind, ist die Gefährdung allgemein gering. Allerdings sind Lehmmörtel teilweise stark färbend, Vorsicht also bei holzsichtig belassenen Oberflächen etc. Trockenheit der UntergründeFeuchte- und SalzbelastungVersottungen
3Arbeitsblatt Im Gegensatz zu allen anderen Putzmörteln bindet Lehm nicht chemisch ab, entsprechend
kann Lehmmörtel nicht durch Wasserentzug aufbrennen. Aufbrennsperren brauchen
dementsprechend nicht aufgetragen zu werden, die Flächen sollten jedoch vorgenässt
werden. Das Annässen dient der Staubbindung und verlängert die Bearbeitbar-keit der Putz-Oberfläche.Zusätzliche Arbeitsgänge wie das Aufbringen von grundierenden Lehmschlämmen oder Schlämmanstriche zwischen den einzelnen Putzlagen sind bei Verwendung von CLAYTEC Putzmörteln nicht erforderlich.Die Trocknungszeiten besonders von dicken Putzauffütterungen müssen bei der Bauzeitplanung bedacht werden, moderate künstliche Bautrocknung kann diese maßgeblich
verkürzen. Der Lehmputz muss nach dem Auftrag frostfrei trocknen können. Bei zweilagigen Putzaufbauten kann nach Auftrag der ersten Lage weitergearbeitet werden,
wenn diese angezogen hat und ausreichend stabil ist. Dicke Schichten aus Lehm-Unterputz sollten aber möglichst austrocknen (s.u.).Der im Lehmbau am häufigsten verwendete Putzträger ist Rohrgewebe St 70 (CLAYTEC 34.001). Pro lfd. M. sind 70 Stängel Schilfrohr mit verzinktem Basis- und Rödeldraht zu einem Gewebe verknüpft. Bei flächiger Verarbeitung wird der ca. 1 mm starke Basisdraht des Gewebes mit verzinkten Klammern von mind. 16 mm Länge festgetackert. Der Draht muss dabei das Schilfrohr andrücken. Soll das Gewebe auf einer Unterkonstruktion befestigt werden, wird es mit einem zusätzlichen 1,2–1,6 mm starken verzinkten Draht angetackert. Der Abstand der Klammern untereinander beträgt zwischen 5–7 cm. Aus Schilfrohrmatten können auch „Rabitz“-Konstruktionen erstellt werden. Der Abstand der Unterkonstruktion darf dann nicht mehr als 20 cm betragen. Auch Ziegeldrahtgewebe und Rippenstreckmetall sind geeignet.Bestimmte problematische und wenig griffige Untergründe werden mit Dispersions-Silikatgrundierung (CLAYTEC 13.325 und .320) vorbereitet.Als Ergebnis einer Abwä-gung zwischen ökologischem Anspruch und Anwendungssicherheit enthält sie einen gerinen Dispersions-Anteil. Für die Verarbeitung ist das Produktdatenblatt maßgeblich.Als Untergrundvorbereitung von dünnen Lagen 1,5 cm) und bei großen Schwankungen in der Putzstärke (z. B. bei unregelmäßigem Natursteinmauerwerk) empfiehlt sich der Einbau eines Armier-ungsgewebes.Lehm-Oberputz grob ist ebenso wie Lehm-Unterputz ein Grobkornmörtel. Auch er hat die Farbe des jeweils verwendeten Grubenlehms, der Putz ist für die abschließende Behandlung mit deckendem Anstrich gedacht. Oberputz wird für einlagige Verputze und als Finish mit grober Oberflächentextur verwendet. Die Lieferformen sind erdfeucht im Big-Bag (CLAYTEC 05.010), trocken im Big-Bag (CLAYTEC 05.012) und trocken als Sackware (CLAYTEC 10.012). Der Mörtel ist zur sicheren Vermeidung von Schwundris-sen magerer als der Lehm-Unterputz, er enthält 10 mm langes Stroh. Die Auftragsstärke beträgt max. 1,0 cm.Beide CLAYTEC Grobputze werden in erdfeuchter Konsistenz angeboten. Diese Liefer-form ist ebenso kostengünstig wie umweltfreundlich. Auch erdfeuchtes Material kann mit der Putzmaschine verarbeitet werden, unsere Internetseite nennt kompetente Ansprechpartner diverser Putzmaschinenhersteller.Lehm–Oberputz fein ist Feinkornmörtel in der Farbe des jeweils verwendeten Gruben-lehms. Er wird verwendet für dünne Spachtelaufträge mit feiner Textur und ggf. auch als Grundschicht für CLAYFIX Lehm-Farbputze. Feinputz wird als Sackware (CLAYTEC 10.011) geliefert. Der Mörtel enthält neben Lehm und Sand feine armierende Flachsfasern. Die Verarbeitung erfolgt von Hand oder mit der Putzmaschine.Für die Produkte Lehm–Oberputz grob und Lehm–Oberputz fein kann keine Farb-verbindlichkeit garantiert werden. CLAYFIX Farbige Lehmputze und Lehmanstriche siehe Arbeitsblatt 6.2. Putzlagenaufbau und PutzuntergründeStroharmierte Lehmputze können nicht nur auf Lehmbaustoffen, sondern auf allen bauüblichen Untergründen eingesetzt werden. Die Entscheidung, ob ein Lehmputz ein- oder zweilagig verwendet werden soll, hängt von der Qualität des Untergrundes und dem erwünschten Oberflächenergebnis ab. In einer 1,0 cm starken Putzschicht aus Lehm-Oberputz grob lassen sich z.B. nur begrenzt Vor- und Rücksprünge oder Material-wechsel unterbringen. Wenn Mauerwerk überbreite Fugen hat, kann häufig nur der zweilagige Auftrag verhindern, dass sich das Fugenbild abzeichnet. Bei vielen Unter-gründen, besonders bei der Sanierung historischer Gebäude, erweist sich der zweilagige Verputz als einfacher. Auch der Einbau eines Armierungsgewebes setzt einen zweilagigen
Putzaufbau voraus.Fazit: Der zweilagige Putzaufbau ist im Lehmbau die Regel. Dreilagige Aufbauten wie Unterputz + Oberputz + Feinputz kommen nicht vor, ihre Ausschreibung beruht meist auf einem Missverständnis.Auch wenn der zweilagige Putz der Regelfall ist, sollte der professionelle Anbieter bestrebt sein, möglichst mit einem einlagigen Putzauftrag auszukommen. Auf vielen der leicht einschätzbaren Untergründen des Neubaus ist dies auch möglich. Oft genügt ein Vorspritz aus Lehmmörtel, um Unebenheiten auszugleichen und für ein gleichmäßiges Saugverhalten des Untergrundes zu sorgen.Anspruchsvolle Oberflächengestaltungen sind bei einlagigem Auftrag nur begrenzt realisierbar. Zur Beurteilung der späteren Oberfläche sollte immer eine ausreichend große und ausgetrocknete Arbeitsprobe vorgesehen werden.



Danke, danke!



erstmal vielen Dank für die vielen schnellen und ausführlichen Antworten - da fühlt man sich doch gleich nicht mehr allein auf weiter Flur und etwas sicherer.
Ich bin mit meiner Frau erst im April nach Neunkirchen-Seelscheid gezogen und haben jetzt unsere idyllische Ruine in Ruppichteroth gekauft. Die ist nun auch erst einmal meine Hauptaufgabe. Ich bin zwar Bauunternehmer, aber mit Fachwerk hatte ich noch nie zu tun...
Werds also mal so ausprobieren und mich dann wieder zu Wort melden!
Viele Grüße!