Kalkputz, Klappe die 3454562ste

28.07.2013



Hallo aus Pirmasens,
bin leider keine Fachwerkbesitzerin, aber die eines kleinen schäbigen Häuschens, Baujahr 56.
Mein Plan war ursprünglich einen Oberputz aus Kalk aufzubringen...
wegen der hochgelobten Eigenschaften und weils bestimmt gut zum Rest des "Konzepts" passen würde (alte ausgelatschte Dielenböden etc.)
Zwischenzeitlich hab ich so an die 15 Schichten Tapeten abgefummelt und bin jetzt gerade dabei 3 Schichten Leimfarbe abzukratzen.
Darunter kommt etwas zum Vorschein, was ich als absoluter Laie als Gips identifizieren würde und darunter wiederum eine Schicht, die aussieht, wie gemahlener Sandstein.
Seit geraumer Zeit lese ich mich quer durch sämtliche Foren und je mehr ich lese, desto verwirrter und verunsicherter werde ich.
Dass ich als absolute Anfängerin keine gerade Wand hinbekomme ist mir auch klar, deshalb ist ein sogenannter Saustallputz angedacht...also unregelmäßig mit Beulen :-)
Aber was ist mit der Verarbeitung...ist das wirklich so schwer, kann man da so viel falsch machen?
Bekannte raten zu Synthetischen Putzen oder höchstens Kalk-Zement...wär das besser für nen Laien? Ich bin grad komplett überfordert!
Danke für eure Geduld
Gruß
Nicole



Das kommt drauf an



Ich habe auch als absolute Anfängerin weite Teile meines Häuschens von innen verputzt. ABER: Ich hab Sackware benutzt (den Kalkputz von Marmorit, der laut Forummeinung nicht mit einem "echten" Kalkputz zu vergleichen ist). Damit gings leicht. Außerdem hab ichs mir von nem Verputzer zeigen lassen. Und meine Wände und Decken sind auch nicht hässlicher als die vom Profi :-)
Wie sich das mit der Kombi Gips und Kalk verhält, weiß ich nicht, da müssen die Profis ran. Ach, und Schutzbrille nicht vergessen, bei Kalk extrem wichtig



Innenputz



Gips und Kalk vertragen sich sehr gut miteinander.
Ich empfehle ihnen ebenfalls werkgemischtem Trockenmörtel PI CSI.
Am einfachsten für einen Anfänger verarbeitet sich Lehmputz.
Allerdings haben sie schon einen Putz an der Wand, egal wieviel Schichten mal drauf waren. Wenn der fest und tragfähig ist braucht man ihn nicht erneuern sondern nur reparieren. Das wäre z.B. eine Kalkglätte oder ein Gipsspachtel.

Viele Grüße



Hallo Nicole



"Saustallputz" hört sich gut an, muß ich mir merken.

Wir machen dieses oft.

An unverputzten Wänden nehmen wir einen selbst hergestellter Kalkpuz (mit etwas Zement). Angeworfen und anschließend abgezogen. Wir gehen anschließend nicht mit einem Reibebrett dabei, sondern behandeln die Wand mit einen sehr großen Flächenpinsel. So gibt es eine ungleichmäßige, gleichmäßige Oberfläche die anschließend farblich gestaltet wird.

Bei bereits verputzten Wänden und Trockenbauwänden mit GK-Platten "cremen" wir die Wände mit Maschinenputzgips ein und behandeln die Feuchte Wand anschließend mit dem Flächenpinsel.

Viel Erfolg
Heinz-Josef



Wandputz



Hallo Nicole,

ich habe mich auch am Wandputz als Laie versucht. Als Spritzbewurf gabs sehr, sehr dünnflüssigen feinen Zementputz (3Teile Sand, 1Teil Zement), der mit der goßen Kelle (die trägt mehr von der Suppe) aud die grob gereinigte (Straßenbesen) und vorgenässte Wand angeworfen wurde. Der Spritzbewurf soll etwa nur 50% decken, sonst leidet die Diffusionsfähigkleit des Wandaufbaus.

Alter Literatur entnahm ich, dass man früher auf der Wand übereinander und nebeneinander ca. 20cm große Putzscheiben anwarf und anrieb, welche man mit dem Faden und dem Lot einfluchtete, so dass die Stelle mit der geringsten Putzstärke immer noch ca. 1cm Putz bekommt.

Ich habe es mit dem 2m langen Richtscheid gemacht. Drei Scheiben übereinander und mehrer auf gleicher Höhe daneben im seitlichen Abstand von ca. 80cm einfluchten, anreiben und wenn die drei übereinander im Lot sind, diese mit Putz auswerfen und damit zu einer "Putzleiste" verbinden.

Die Putzleisten (Kalkputz mit Zementanteil) einen Tag fest werden lassen (sonst reiben sie sich zu schnell aus und die Wand bekommt ggf. doch wieder Dellen).

Meinen Unterputz habe ich selbst gemischt (mit dem Betonmischer des Nachbarn) aus 10 Schippen Sand der Körnung 0-4mm, 3 Schippen Kalkhydrat CL90 und einer halben Schippe Zement (bei den Putzleisten waren es eine Schippe Zement).

Dann werden die einzelnen Felder von unten nach oben mit Kalkputz mit geringem Zementanteil ausgeworfen und eingeebnet (nur abziehen, noch nicht verreiben). Die Oberfläche ist noch rauh - soll ja schließlich nen Rauhputz werden. Das Anwerfen erfordert etwas Übung, zu dicker Mörtel fällt leicht wieder runter, ebenso, wenn zu stark vorgenässt wurde. Der dünne Mörtel saugt sich mit dem Anmachwasser im Untergrund fest, ggf. 15-20min. ansteifen lassen und eine zweite Lage nass in nass aufbringen.
Zwischen den Putzbahnen den frisch aufgetragenen Putz mit dem Richtscheit im Zickzack nach oben hin abziehen.
So, bekommt man den Unterputz absolut eben auf die Wand.

Der Feinputz (Sandkörnung 0-1mm) wird dann dünnflüssig aufgezogen, so dass er etwa 5mm Stärke hat. Durch die geringere Stärke gehts schneller und der Putz kann nach dem Einebnen, dem Anziehen auch schon verrieben werden (jeweils eine kleine Fläche annässen und sofort mit dem großen Reibebrett verreiben bis zur gewünschten Struktur).

Der Putz sollte in der Folge langsam trocknen und keiner Zugluft ausgesetzt werden, da es sonst zu Rißbildungen kommen kann.
Je weniger Zement im Kalkputz ist, desto höher ist die Diffusionsfähigkeit. Ein reiner Kalkputz als Feinputzschicht kann auch noch am Folgetage angenässt und verrieben werden. Bis zur vollständigen Erhärtung braucht Kalkputz u.U. Wochen und in dieser Zeit sollte er nicht völlig austrocknen, allerdings darf man ihn auch nicht ertränken. Eine hohe Luftfeuchte ist ausreichend.

Einen ebenen Putz mit nur einer Lage hinzubekommen ist für den Laien schwer, denke ich.

Gruss Sascha



Danke...



....für eure Antworten.
Zur Zeit bin ich grad dabe alles was sich an Putz hohl anhört abzuschlagen...
Jetzt weiß ich wenigstens, dass ich Sandsteinmauern habe :-)
Hoffentlich fällt mir die Bude nicht zusammen, bis ich fertig bin.
Danach mach ich mich wohl ans Löcher flicken (womit erschließt sich mir noch nicht ganz) und dann werde ich mich ans Kalkexperiment wagen.