Kalkputz, Verarbeitung, Vor- und Nachteile?

27.10.2009 joerjen



Hallo Leute,

ich lese nun schon seit geraumer Zeit hier im Forum und muß sagen, dass es wirklich sehr informativ ist.

Ich besitze ein Haus aus den 20er Jahren. Es ist mit einer 40er Ziegelwand gebaut (Putz und Ziegel). Nun habe ich mich entschieden, innen einen Kalkputz anzubringen, wobei ich kleinere Wandflächen gern selbst machen möchte. Dazu habe ich mir gedacht, Kalk zu kaufen, selbst den Putz anzumischen, als flüssigere Variante zum Vorspritzen zu nehmen, und am nächsten Tag Putz aufzutragen. Zum Auftragen selbst - Anwerfen und mit der Kartätsche glattziehen, warten bis der Putz leicht angetrocknet ist und dann verreiben...ist die Vorgehensweise soweit richtig?

Welche Firmen könnt ihr vielleicht im Großraum Magdeburg/Halle zur Verarbeitung von reinem Kalkputz empfehlen?

Kann man reinen Kalkputz auch an der Fassade verwenden, oder sollte dabei immer Zement zugesetzt werden?



Kalkputz



Hallo Jörg,

Kalkputze ohne hydraulische Zuschläge können im Innenbereich ohne Probleme Verwendung finden. Für die Ausführung ist sicher etwas Erfahrung oder guter Rat wichtig. Ein normaler Aufbau auf dem von dir geschilderten Untergrund würde in Form eines 0-4 mm Grundputz folgend einen 0-1,5 mm (oder feiner) Reibeputz und dann folgend das Kalken mit Sumpfkalk (1:5 - 1:3) verdünnt möglich sein. Vor dem Grundputz die Wandflächen richtig vornässen. Vor dem Reibeputz die Sinterhaut oberhalb des Grundputzes mit einer richtigen Drahtbürste abreiben. Viel Beobachten und wenig Zugluft. Regelmäßig mit einem leichten Wasserfilm (aber wirklich nur ein Filmchen) nässen. Sobald du den Feinputz in seiner Oberflächenstruktur beim Streichen nicht mehr verändern kannst (also wenn er nach dem Reiben anzieht) kannst du mit dem mehrmaligen Kalken beginnen. Der 4. Anstrich ist der Farbanstrich mit selbst angemischten Farben (z.Bsp. Goldocker für Gelb).
Hersteller von maschinengängiger Sackware (Solubel, Hessler Kalk, Rajasil etc.) findest du einige. Bei einer von dir beschriebenen Arbeitsweise kann ich dir Mladen und Veronika Klepac (http://www.limestone-kalkbaustoffe.de/) empfehlen. Ich denke, dass du auch die nötigen Hinweise bekommst. Und letztlich sicher auch die von dir gewünschten Produkte.
Zum letzten Teil deiner Frage. Ja, man kann dies auch im Außenbereich anwenden. Im Sockelbereich ist ein Spritzwasserschutz nötig (Traufstreifen). Einen Verarbeiter zu empfehlen ist schwer. Ich habe lange gesucht und letztlich jenen Betrieb gefunden, den ich dir vorgenannt empfahl. Im Übrigen kannst du, insofern du möchtest, dir Ihr Werk bei mir anschauen. Eintritt frei :-) . Ist von Magdeburg ja keine Ewigkeit entfernt.
Viel Spaß und Freude beim Gelingen! Ray



selber Putzen



kann aber auch in die Hosen gehen, Du solltes es Dir lieber zeigen lassen - und dann selber im Keller/Abstellkammer versuchen. Habe als Lehrling die ersten Wände auch nicht so richtig hinbekommen..... Mein Lehrmeister sagte damals, daß der Estrich später gemacht wird und wir nur die Wand putzen sollen ....
Reiben und verstoßen/verschleppen sind aber zwei unterschiedliche Vorgänge, zur Karätsche gehört auch noch ein Richtscheit .... lass es Dir zeigen!





Hallo...

sicherlich wird nicht alles sofort gelingen, deswegen werde ich an unkritischen kleinen Wänden anfangen.

Wenn ich nun nur einen "Grundputz" auftrage...kann ich die Oberfläche auch einigermaßen verreiben und eine annehmbare Strukturierung erreichen? Wie gesagt, es geht hier um Wände in Waschküche und Vorratsraum. Das sollte doch eigentlich einlagig machbar sein, oder? Früher hat man doch einfach Kalk:Sand in 1:3,5-4 gemischt und dran an die Wand - kann man das heute noch so umsetzen?

Was sind die Vor- und Nachteile des Sumpfkalks - bzw. ist es sinnvoll soetwas zu machen, anstatt Weißkalkhydrat aus dem Sack zu verwenden?

Bei welchen Untergründen wäre denn ein vorspritzen sinnvoll?

Um die Wände gerade zu bekommen, würde ich mit Putzleisten arbeiten und zwischen diesen mit Kartätsche glattziehen. Wann sollten die Leisten dann raus?

@Ray
Wo kommst Du denn her?



putz



mit der Hand ist früher wie heute immer noch möglich, nur die Zahl derer, die es bringen, werden immer weniger.
Vor dem Bindemittel ist aber der richtige Sand der wichtigste Bestandteil.
Zu den Vor und Nachteilen wude hier schon genug geschrieben, für Wiederholungen habe ich aber zu wenig Zeit.

Statt der Putzleisten, die eigentlich gleich wieder raus müssen, um den Übergang zur nächsten Lage hinzubekommen kannst Du auch einen Streifen auf Maß putzen und dann darauf abziehen - mit dem Richtscheit. Wie gesagt, das lernt man nicht auf Anhieb. Ich wünsche Dir aber viel Erfolg. Und wenn es nicht klappt - nicht verzagen und als Rustikalputz der Familie verkaufen .....





...welcher Sand sollte es denn sein? In meiner Gegend gibt es einige Kieswerke und der Sand sollte sich hier durch die Flüsse Elbe und Saale abgelagert haben. Wie sollte der Sand möglichst beschaffen sein?

Bringt es irgendeinen Vorteil, Weißkalkhydrat vor der Verarbeitung trotzdem einzusumpfen?

Kannst Du kurz beschrieben, wie es funktioniert, Streifen auf maß zu putzen? Diese müßten dann doch schon trocken sein, wenn ich auf denen abziehen will, oder?



Kalkputz



Hallo Jörg,

in Bad Düben steht das Haus.

Zu deinen Fragen:

Grundsätzlich ist ein Hydrat für den Grundputz zu empfehlen. Billiger und der Putz wird im Verhältnis zum Sumpfkalk nicht so fett. Für den Feinputz kann das Hydrat genauso genommen werden. Nur beim Kalken ist es nicht erste Wahl. Dort lieber den Altmannsteiner als 3-jährigen verwenden. Älter hat keinen Sinn und ist teuer - wenn du nicht Kirchenmaler bist.
Zur Frage des Sandes. Grundsätzlich sollte beim Kalk die 3-Korn Regel eingehalten werden. also Putzstärke nicht über die 3fache Größtkornstärke. Also beim Grundputz mit einem 4 mm Größtkorn nicht mehr als 12 mm. Sicher fällt er dir ach bei 15 mm nicht von der Wand. Einen Vorspritz kannst du machen. Der Kalkgrundputz zieht jedoch so schnell an, dass du die Sorge mit der Haftung bei ausreichender Vornässung nicht hast. Den Grundputz vor dem Aufbringen bei einem Kalkhydrat ausreichend, ca. 20 min, quellen lassen. Zur Qualität des Sandes: GEWASCHEN - bestenfalls Flusssand - bekommst du aber in der Gegend nicht. Also Kiesgrube - 0-4 mm Sieblinie - da hast du auch größere Bestandteile dabei - das ist nicht schlimm. Beim Reiben - oder Scheiben - des Grundputzes nicht zu heftig. Du darfst das Wasser nicht an die Oberfläche reiben! Er verbrennt dir sonnst auf der Wand. das Schöne ist, du kannst es ja an einer kleinen Stelle versuchen. Kalk ist so schön preiswert. Solltest du dir die Zeit nehmen wollen, ich kann Dir augenblicklich sowohl der Grund-, Feinputz als auch alle weiteren Details vor Ort zeigen. Wenn du Interesse hast, gerne - bitte aber nicht aus Leipzig anfahren, die Brücke über die Mulde ist bis Sonntagmittag gesperrt.

MfG Ray





Hallo Ray,

klar würde ich mir das ganze gern mal anschauen, weiß jedoch noch nicht, ob ich es im Moment hinbekomme, da meine Dame kurz vor der Entbindung steht. Vielleicht kannst Du mir ja trotzdem mal Deine Kontaktdaten an J.Demann@web.de senden...arbeitest Du denn auch Sonntags auf der Baustelle?



Nachtrag



Hallo Jörg,

Ich habe doch noch etwas vergessen.

Ein Hydrat ist ein getrockneter Sumpfkalk. Den kannst du nicht mehr einsumpfen. Zumindest nicht im Sinne des Löschens und Sumpfens.

Mit den Latten: Wir haben alle Ecken rund ausgezogen. Also ohne jede Bretter und Anschläge. Geht wunderbar und sieht zudem noch sehr schön aus!

Zum Thema Putzstreifen. Sicher eine Möglichkeit. Su solltest aber auch dort beim Anputzen die Sinterhaut vorher entfernen.
MfG Ray





Dass das Weißkalkhydrat bereits gelöscht ist, war mir schon klar, jedoch gibt es immer wieder Empfehlungen, diesen vor der Verarbeitung trotzdem einzusumpfen (nicht löschen), da er dann ein besseres Trocknungsverhalten etc. an der Wand mit sich bringen soll.

Das Abrunden der Ecken hatte ich mir auch schon überlegt, jedoch möchte ich die Wände trotzdem einigermaßen gerade haben...das wollte ich mit Putzlatten sicherstellen. Diese also ausrichten, die Fläche dazwischen Putzen, und wenn der Putz einigermaßen angezogen hat, die Leisten entfernen und die Öffnung ebenfalls verputzen...



Streifen putzen



kannst Du, indem Du etwa aller 2 m (ja nach Richtscheit) einen senkrechten schmalen Streifen putzt und den mit dem Richtschei als Putzlehre genau abrichtest - 1 Tag eher. Dann hast Du am nächsten Tag eine Putzlehre, auf der Du abziehen kannst - und beim Verreiben geht die Putzoberfläche gut noch in den frischen Putz über. Filzen mußt Du sowieso - diese Stellen dann gewissenhafter.
Sand - gibt es bei Euch den "Dresdner Putzsand" ?. Putz bis 20 mm ist damit kein Problem. Spitzbewurf ist auch abhängig vom Untergrund. Da Du den alten Put abgehackt hast, solltest Du etwa 50 % der Fläche deckend mit Spritzbewurf aus gröberen Sand + Zement vorbehandeln (ev. auch die Löcher ausgleichen), wobe die alte Wand ausreichen (!!!!) vorzunässen ist. Der Zementputz darf nicht innerhalb von 5 min hell werden. Wenn es geht - mit Schlauch und feiner Spritzdüse annäsen. Weißkalkhydrat sumpfe ich 1 Tag eher ein. Aber nur, weil er dann sehmiger wird. Kalk(putz) soll an der Wand nicht trocknen, sondern abbinden und dann austrocknen.
.... und das letztere passiert im Altbau bei Vollziegeln oftmals zu schnell.