Fragen zum Kalkputz

15.05.2009



Hallo,
ich habe mal eine prinzipielle Frage zu Kalkputz (zementfrei).
Ich habe testweise vor 2 Wochen eine Giebelwand auf dem Dachboden mit Kalkputz in 2 Lagen verputzt und bin dabei wie folgt vorgegangen.
1. Unverputzte Wand ausreichend (bereits 1 Tag vorher) mehrmals vorgenässt.
2. Unverputzte Wand mit 4%iger Essigsaurer Tonerdelösung (ich habe mir aus der Apotheke flüssige essigsaure Tonerde besorgt und diese dann auf 4% verdünnt, richtig?) grundiert.
3. Grundputz (0-2mm) aufgetragen und aufgerauht.
4. 1 Tag später Feinputz (0-1mm) aufgetragen.
5. 1 Tag später Feinputz mit einem Reibebrett etwas abgerieben.

Ich muss sagen, die Verarbeitung von dem Zeug hat mich echt beeindruckt. Dagegen kann ja kein Fertig-Zement-Putz aus dem Baumarkt anstinken.
Geniale Haftungseigenschaften, super von Hand putzbar.
Jedoch ist mir aufgefallen, dass man für's Handverputzen die Mischung deutlich dünner einstellen muss, als vom Hersteller empfohlen.
Empfohlen werden hier 6l Wasser auf 30 kg Putz.
Bei mir waren's eher 7l, beim Feinputz sogar 7,5-8l Wasser, um ein brauchbares Resultat zu erzeugen.
Ich nehme an, dass man für einen Spritzbewurf (war jetzt in meinem Fall nicht nötig) die Mischung noch dünner einstellen muss, oder?

Naja, jedenfalls habe ich alles soweit verputzt und den Putz noch 2 Tage danach nachgenässt (mit einem Drucksprüher) um eine zu schnelle Austrocknung zu verhindern.
Danach habe ich nicht weiter nachgenässt.
Der Putz war nach ein paar Tagen angenehm fest auf der Oberfläche und hörte sich klopftest technisch sehr gut an.
Nach ca. einer Woche jedoch musste ich in besagte Wand ein Loch (8mm) bohren.
Dabei fiel mir dann auf, dass tatsächlich nur die oberste Schicht des Putzes erhärtet war.
Alles darunter liegende war trocken und sehr bröselig.
Man konnte es quasi mit den Fingern wegreiben, bzw. mit dem Sauger wegsaugen.
Die oberste Schicht des Putzes ist jedoch sehr hart.
Nach dieser Feststellung habe ich dann begonnen, den Putz doch wieder täglich nachzunässen.

Die Frage ist jetzt, was habe ich falsch gemacht, oder habe ich überhaupt etwas falsch gemacht?
Ich habe irgendwo gelesen, dass Kalkputz ca. 10mm pro Jahr karbonisiert.
Heißt das, das der Putz tatsächlich erst mit der Zeit erhärtet?
Wie lange muss ich den Putz noch nachnässen bzw. gibt es eine Regel, wie lange man den Putz feucht halten sollte, bis er trocknen darf?
Bringt das Nachnässen jetzt überhaupt noch etwas?

Für alle Antworten bin ich sehr dankbar.
An meiner Testwand möchte ich soviel wie möglich lernen.

Mfg
Lukejack



KALKPUTZ



Das was Sie festgestellt haben ist eine normale Erscheinung bei Luftkalk.
Bis zur endgültigen Carbonatisierung kann es ein Jahr und länger dauern; die Umgebungsluft hat nun mal sehr wenig Kohlendioxid.
Zu locker (bröselig) sollte der Putz aber nicht sein; die Struktur sollte dicht und kompakt sein.
Bis zur Carbonatisierung hält der Putz so physikalisch durch die Einlagerung von Hydratwasser an die Kristalle.

Zum Carbonatisieren braucht der Putz ein "Feuchtefenster" im Bereich von ca. 0,8 bis 8 M%. Das ist bei einem normalen Wohnklima gegeben, außerdem entsteht beim Abbinden Wasser, das diesen Prozess in Gang hält.
Bis zum 19.Jhr. wurden deshalb neugebaute Häuser erst einmal "trockengewohnt".
Jetzt wissen sie auch, warum in werkgemischten Trockenputzen immer ein geringer Anteil Weißzement enthalten ist, damit wird eine ausreichende Festigkeit bis zum endgültigen Abbinden gesichert- also keine Verschwörung der Baustoffindustrie, seine Kunden mit Zement zu schaden.

Viele Grüße

p.s. Was ich nicht verstanden habe, ist die essigsaure Tonerde, was soll die bezwecken?



Vielen Dank für die Erläuterungen...



...in diesem Fall darf der Putz ruhig bröselig sein.
Sofern ich mir sicher sein kann, dass er in ein paar Jahren
erhärtet, komme ich damit wunderbar zurecht.
Ist ja nicht so, dass er von der Wand fallen würde.

Die essigsaure Tonerde sorgt wohl für einen guten Haftgrund, bzw. stumpft den Untergrund ab.
Ich benutze Produkte der Fa. Solubel, dort wird diese Vorgehensweise empfohlen.
Auch ein Stukkateur und Restaurator, mit dem ich sprach, empfahl diese Vorgehensweise.

Man kann also sagen, dass es ausreichend ist, wenn der Kalkputz 2-3 Tage feucht gehalten wird bzw. nicht direkt am ersten Tag austrocknet...?



Kalkputz - Essigsaure Tonerde [forum 117547]



Mich hat die essigsaure Tonerde auch gewundert. Damit liegt zumindest bei uns keine Erfahrung vor. Wir empfehlen unseren Kunden zur Verbesserung und Aktivierung des Putzgrundes Kalkwasser.
Viele Grüße!



Solubel



empfiehlt die Tonerdelösung bei leicht salzbelasteten Untergründen, ansonsten reicht Kalkwasser oder bei nicht besonders festen Untergründen eine Behandlung mit Staubkalk.
MfG
dasMaurer