luftkalkputz

03.10.2006


luftkalkputz

hallo.
wir haben ein haus welches 1951 erbaute wurde gekauft und wollten nun feststellen mit welcher art von Putz es Verputz ist und mit welcher Farbe es gestrichen wurde.
kann mir jemand sagen woran ich erkennen kann um welche art putz und farbe es sich handelt?
gruss:frank kemen





Sehr geehrter Herr Kemen,
eine Materialbestimmung aus der Ferne ist natürlich nicht möglich, auch Ihnen jetzt mal kurz eine Einführung in die Baustofflehre zu geben, halte ich für wenig sinnvoll, da sie doch wohl eher verwirren, als helfen wird. Haben Sie nicht jemanden im Bekanntenkreis, der vom "Fach" ist, und der mal nachschauen kann.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies





hallo herr kibies.
vielen dank erst mal für ihre antwort.
experten kennen ich viele aber das ist ja immer so eine sache.
wenn ich 3 dieser experten frage habe ich 3 meinungen und bin dann immer noch nicht schlauer,im gegenteil.
das ein kurs in baustoffkunde den rahmen sprengen würde ist mir auch klar.
ich dachte es gäbe einfache verfahren womit man evtl. schon mal vorab einige putzsorten ausschliessen könnte.
unser putz ist an einigen stellen leicht abgeplatz und wenn ich beschreiben soll wie dieser putz aussieht würde ich sagen das er eher weiss ist als zementgrau.
wenn man mit der hand über die trockene auswand fährt hat man einen weissen dünnen Staub in der handfläche.
keine ahnung ob das ein zeichen ist für Kalkfarbe bzw. kalkputz.
über weitere ratschläge würde ich mich sehr freuen.
gruss:familie kemen





Hallo Herr Kemen,
Sie haben natürlich recht, wenn Sie 3 "Experten" fragen, haben Sie 4 Antworten, mindestens.
Das Abkreiden einer Wandfarbe lässt nicht unbedingt Rückschlüsse auf eine Wandfarbe zu. Das Kreiden tritt auf, wenn das Bindemittel der Farbe durch Verwitterung geschädigt wird.
Kunststoffdispersionsfarben erkennen Sie z.B. dadurch, daß sie filmbildend sind. Ist die Beschichtung beschädigt, reisst diese oft und sie können kleine Teilstücke vom Putz abziehen. Den Kunststoffgehalt kann man oftmals schon erfühlen.

Der helle Putz deutet auf Kalk als mineralisches Bindemittel hin. Um welche Art es sich dabei handelt, ob Luftkalk und hydraulischer Kalk (Luftkalke erhärten unter der Einwirkung von atmosphärischem Kohlenstoffdioxid, Hydraulische Kalke erstarren und erhärten unter Wasser.) ist anhand Ihrer Infos nicht zu sagen.
Luftkalke bestehen vorwiegend aus Calciumoxid oder Calciumhydroxid
Darunter zählen auch die Calciumkalke und die Dolomitkalke. Luftkalke werden ausserdem zwischen ungelöscht und gelöscht unterteilt.
Die Hydraulischen Kalke bestehen vorwiegend aus Calciumsilikaten, Calciumaluminaten und Calciumhydroxid.
Die genaue Zusammensetzung läßt sich durch Laborproben bestimmen, das macht aber oftmals nur für Kalkhersteller, Sachverständige etc. Sinn. Bei Ihrem Haus halte ich das allerdings für übertrieben.
Laborproben können z.B. hier eingesendet werden:
Institut für Kalk- und Mörtelforschung
Annastraße 67-71
50968 Köln
Tel: 0221/934674-43
Fax: 0221/934674-14
Sicherlich wird der eine oder andere noch Ergänzungen und Korrekturen nachschieben, jedoch wie immer erhebe ich mit meinem Beitrag keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Grüße
Bernd Kibies





hallo noch mal.
ich finde es super eine solch ausführlich antwort zu bekommen.
die thematik scheint ja nicht ganz so einfach zu sein wie ich es mir vorgestellt habe.
mein eigentliches problem besteht darin das wir unseren hof am erneuern sind und bei baggerarbeiten habe ich stellen vom putz freigelegt die vorher mit erdreich bedeckt waren.
an einer dieser stellen hat der putz hohl geklungen und ich habe diesen abgeschlagen.
unser Keller ist aus Bruchstein gemauert und nun muss ich diese stelle auch wieder verputzen.
nachdem der hof fertig ist wird an dieser stelle wieder erdreich angefüllt und ich frage mich nun wie ich diese stelle schnellstmöglich aber auch fachgerecht schliessen kann weil die bordsteine und die pflastersteine auf ihren Einbau warten.
vielen dank im voraus.
familie kemen.





Entschuldigung Herr Kernen,
aber verstehe ich Sie richtig? Sie haben unter einem im Jahre 1951 errichtetem Wohnhaus einen Keller aus Bruchsteinen?
Oder war der Keller schon vorher dort und der Vorgängerbau wurde nur durch einen Neubau ersetzt?
Frage nur, weil a) das wäre schon sehr ungewöhnlich, b) weitere Fragen dadurch entstehen.
Grüße
Bernd Kibies





hallo.
ja,genau so sieht es aus.
soweit ich weiss war es hier in der eifel bis in die 60ziger jahre üblich die keller aus bruchstein zu mauern.
die wanddicke beträgt ca 50 cm und auf fundamente wurde grossenteils verzichtet weil man hier quasi auf fels baut.
bruchstein ist in der eifel ein weit verbreiteter Stein und nach dem krieg wurde bekanntlich mit dem gebaut was man vor ort vorfand.
der rest des hauses ist aus hohlblock bimsstein,30 cm dick und dann mit dem besagten putz verputzt.
auf eine aussendämmung würden wir selbst dann verzichten wenn wir den putz komplett erneuern müssten weil wir in den letzten beiden jahren nur so ca 1400 liter Heizöl verbraucht haben(120qm wohnfläche)+ 7rm buchenholz und wir uns fragen wie wir die kosten für eine Dämmung jemals einsparen können.
mit unserem wohnklima sind wir auch zufrieden.
gruss:familie kemen





Hallo,
ich denke, besondere Anforderungen (Wohnnutzung o.ä.) an den Keller bestehen nicht, oder?
Deswegen sollten Sie sich an den Bestand orientieren und kleine Reparaturen auch entsprechend ausführen. Ein Materialmix zieht in der Regel weitere Schäden nach sich.
Die Ausführung auf Bruchstein könnte ungefähr so aussehen, muß aber auf das Bauteil und Putzart abgestimmt werden:
Untergrundvorbereitung:
Vorhandenen Altputz abschlagen, loses und mürbes Fugenmaterial ca. 2 cm tief auskratzen. Mauerwerk mit Stahl- oder Straßenbesen gründlich abkehren.
Haftspritzbewurf:
Vorbereiteten und grundierten Untergrund dünn und vollflächig mit Mörtel vorspritzen ggf. aufrauen.
Egalisierung von Untergrundvertiefungen:
Auswerfen von Fugen, Fehlstellen, Vertiefungen, etc. Anschließend mit einem Holzbrett auf Mauerwerksniveau abziehen. Nach ausreichender Ansteifung der Putzoberfläche für nachfolgende Putzhaftung aufrauen (Putzkamm, Zahnspachtel). Max. Schichtstärke 25 mm, bei größeren Schichtstärken ist mehrlagig zu arbeiten. Standzeit
Grundputz:
Aufbringen eines Grundputzes auf vorbereiteten und egalisierten Untergrund Waage- und senkrecht mit Holzlatte abziehen. Nach oberflächlicher Ansteifung für nachfolgende Putzhaftung aufrauen (Gitter).
Oberputz:
Aufbringen eines Oberputzes auf Grundputz. Anschließend kann die Oberfläche
abgefilzt werden.
Vielleicht wird jetzt so manch einer sagen, kenne ich doch irgendwie. Natürlich habe ich jetzt Herstellertexte einfach kopiert und leicht geändert. Planungsleistungen, aufgrund einer Ferndiagnose sowieso nicht, erbringe ich auf diesem Wege natürlich nicht kostenlos.

Nun vermute ich aus der letzten Antwort, daß Sie den gesamten Putz bzw. großflächig Putzflächen erneuern wollen.
Bitte bedenken Sie dann, daß hier ab einer bestimmten Größe die EnEv greift, siehe EnEV § 8 Änderung von Gebäuden. Ausnahmen und Befreiungen sind möglich: Baudenkmäler (EnEV §16) oder unangemessener Aufwand/in sonstiger Weise unbillige Härte (EnEV§17).
Weitergehende Infos unter: http://www.enev-online.de/
Grüße
Bernd Kibies





hallo herr kibies.
ich bedanke mich in aller form für ihre ausführliche hilfe.
ich denke so komme ich auf jeden fall schon mal weiter weil ich nun zumindest lösungsansetze habe.
zur EnEV,die ist mir im prinzip,und das meine ich ehrlich,relativ wurscht.
gruss:familie kemen