Marmorit Rotkalk : Zement oder nicht

14.02.2006



Hallo,

ich würde gerne mal überprüfen ob im Rotkalk von Marmorit wirklich kein Zementzusatz ist, wie dies behauptet wird (rein theoretisch wäre es ja möglich den Putz durch das Ziegelmehl hydraulisch zu machen). Kennt jemand ein Verfahren wie man ohne eine Laboruntersuchung Zement oder Chemische Zusätze in Kalkputz nachweisen kann, oder muß man sich auf die Herstelleraussagen verlassen ?



Kalk oder was anderes...



Hallo
im technischen Merkblatt steht folgendes:

Bindemittel:
Kalkhydrat (DIN EN 459), Kaolin
und Ziegelmehl.
Zuschläge:
Klassierte Quarz- oder Kalksteinkörnung
von 0 bis 0,6 mm (DIN 4226).
Zusätze:
Wasserrückhaltende Mittel.

Kalkhydrat bildet wie Zement "Hydratbasen" - diese werden bei Feuchteaufnahme immer gebildet - somit macht der Putz im Laufe der Zeit "zu" und wird "dichter" - ob das "gut" oder "schlecht" ist - das ist die Frage!

Hier wäre interessant zu wissen, was die "Wasserrückhaltenden Mittel" sind!

günstig ist hier immer eine Volldeklaration der Zusätze und Mittel, die in dem Putz drinnen sind!

mfG

FK

P.S.
schicken Sie dem Albert Ruf doch ein Mail (hier im Forum) oder unter solubel.de



Kalkhydrat



ist aber in jeder Sackware drin, man kann ja schlecht Sumpfkalk trocknen, und Sumpfkalkputze kommen in der Regel durch hohe Transportkosten zu teuer.

Die Wasserrückhaltenden Mittel sind natürlich absoluter Unfug, diese sind wahrscheinlich ein Zugeständnis an heutige Arbeitsmethoden um den Putz ohne Fachwissen über Kalk Verarbeiten zu können, statt die Arbeitsweise einfach an den Putz anzupassen (wenn der Putz zu schnell zieht nässt man halt vor, bzw. macht die Wand nach dem Verputzen öfters naß, um ein Aufbrennen zu verhindern, aber bei Termindruck ist das natürlich nicht möglich, also greift man zum Chemiebaukasten).

Schöne Grüße aus dem heute sonnigen Unterfranken

Herbert



Sumpfkalkprodukte oder Luftkalkprodukte



Sumpfkalkprodukte als fertige Mörtel gibt es am Markt oder als Rohware für eigene Mischungen.
Letzte Woche wurde uns die Produktpalette von Gräfix vorgestellt und da ist wirklich kein Zement in deren Produkten und auch der Anwendungsmeister ist ein alter Fuchs und berät Dich am eigenen Objekt bzw. zu jedem spezifischen Projekt.
Eine interessante Produktpalette und gute Materialien aufeinander abgestimmt.
Eine sehr fachliche Beratung wurde uns im Hause geboten.

Grüße Udo



Mmmmh



Udo,
wenn mich nicht alles täuscht, sind die Produkte aus 61er Serie von Gräfix Kalk-Zement-Putze.

Gruß

Bernd



@Bernd



Nach Deiner Rückinfo habe ich sofort den Anwendungsmeister kontaktiert und folgende Fachinformation erhalten, die auch geprüft und getestet werden kann:
Kein Zementanteil in den Materialien der Serie 61!!!
Dazu steht Herr Weißbach und ist auch dazu ansprechbar.
Mobil: 01702203760

Grüße Udo



Luftkalk - Sumpfkalk



Die Graefix Putze bestehen aber auch aus Kalkhydrat = Luftkalk, nicht aus Sumpfkalk, also das gleiche Bindemittel wi in Rotkalk auch, nur im Fall Rotkalk eben hydraulisch.



Kein Sumpfkalk



Entschuldigung Udo,

ich meinte die 62er Serie.

Aber die 61er Serie enthält auch keinen Sumpfkalk sondern nur normales Calciumhydrat. Insofern muß ich Herbert Glühspiess unterstützen.

Hier geht es zum TM:

http://www.graefix.de/produkte/TM_PDF/1_Putze/1_1_AussenInnen/61.pdf

Gruß

Bernd



Hin und Her



In meiner Erstantwort meinte ich natürlich einmal Sumpfkalkprodukte und andererseits Luftkalk/Reinkalkprodukte.
Jedes Material natürlich als seperate Betrachtung gersehen.
War von mir dort etwas vermischt erörtert worden.
Sorry!!
Es wären auch Muschelkalkprodukte denkbar (BALTUS)
Produkte von Schwenk oder ähnlich.
Bei Sumpfkalkmaterial wäre Falkenlöwe (DK) denkbar.

Grüße Udo



Die Menge machts



Das oft erwähnte Solubel PS20/50 enthält auch :
"Feuchteregulierender Feinton und Ziegelmehl aus unbelasteten, niedrigebrannten Altziegeln als milde und traditionsbewährte Hydraulefaktoren zur Verbesserung von Sieblinie, Abbindeverhalten und Witterungsbeständigkeit."

(Luft-)Kalkhydrat ist Calziumhydroxid,
das bildet keine 'Hydratbasen', was das auch immer ist,
ohne Hydraulefaktoren carbonatisiert der einfach,
und der Putz wird dadurch auch nicht immer dichter.
Wenn 'Ziegelmehl' Ziegelmehl ist,
und nicht gemahlener Klinker ;-),
dann wird das auch nicht überhärten.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Na ja,



bei den "Hydratbasen" sprang mir auch schon ein großes Fragezeichen aus dem Kopf. Mit dieser fehlgeleiteten kreativen Neuwortschöpfung kann man auch wunderbar eine "Flachlichkeit" von sich geben.

Tone und Ziegelmehl sind aber immer Hydraulefaktoren und führ dann bei größeren Mengen zur Ausbildung von zementähnlichen Phasen im Putz - und wird dadurch zwangsläufig härter. Als reinen Luftkalkmörtel kann man so etwas nicht mehr bezeichnen.

Gruß

Bernd



@Florian Kurz



vielleicht könnten Sie den Begriff Hydratbasen ja mal näher erklären, evtl. mit Quellenangabe, vielleicht könnten wir hier alle noch was lernen.



Die ursprüngliche Frage war eigentlich



ob man im Rotkalk Zement nachweisen kann, nicht ob dieser Hydraulefaktoren hat, das ist durch das Ziegelmehl ja klar, mir wäre eben wichtig zu wissen, ob nur Kalk, Füllstoffe und Ziegelmehl drinnen sind wie behauptet, oder eben auch Zement und Chemische Beschleuniger oder Verzögerer. Die 61er Serie von Gräfix ist natürlich super, hat aber auch ihre Anwendungsgrenzen bzgl. Schichtstärke und Verarbeitungsbedingungen.
Es geht mir beim Rotkalk auch nicht um den Einsatz auf Gefachen, da kommt für mich nur Luftkalk, eben die 61er von Gräfix, in Frage, sondern auf Massivwänden als Alternative zu Gips und Kalkzement.



Aargh!



Meine Güte! Hilfe!
Würde mir jemand freundlicherweise eine knappe Antwort (Jö, oder nö) auf die Frage geben, ob "Weißkalkhydrat" plus "Sand" ein guter putz ist oder ein böser. Da kämpft man sich durch 5000 Plädoyers pro und contra Gips / Zement, und kommt endlich beim Kalkputz an und dann gibt es auf einmal "Hydratbasen", die auch böse sein sollen???
Nehmts mir ned bös aber ich Verkauf gleich das Haus und hol mir ein vegetarisches Tipi.

Verzweifelt aus einem Haufen ausgerissener Haare herausschauend
Kate



@Kate



Ganz ruhig!
Weißkalkhydrat + Sand = guter Putz (es folgt jetzt wahrscheinlich die Steinigung von der Gips und Zementindustrie)
Bis jetzt hat eigentlich nur der Liebe Herr Kurz die These aufgestellt, daß das ein böser Putz sein soll, aber das ganze noch nicht bewiesen, würde mich jetzt eigentlich brennend interessieren, wäre vielleicht Stoff für Hollywood, "Star Wars XIV: Der Angriff der Hydratbasen".
Aber Ernst beiseite, meiner Erfahrung nach ist Kalkhydrat für die Herstellung eines Luftkalkputzes bestens geeignet, nur nicht für Kalkfarbe, da sollte man Sumpfkalk nehmen, im Putz würde Sumpfkalk einfach zu teuer, auch die von Herrn Kurz empfohlenen Solubel Putze werden mit Kalkhydrat hergestellt, Sumpfkalk nimmt man eigentlich höchstens für Feinputz aus Kostengründen, da heute nicht mehr jeder eine Kalkgrube hinter dem Haus hat, was aber mal eine Anregung wäre. Punkt.
Aber die Idee mit dem vegetarischen Tipi ist gut, vielleicht könnte man ja gleich eine Sammelbestellung machen, ich schau gleich mal bei ebay nach.



Machbarkeit



Vor Jahren hatten wir eine Anfrage hinsichtlich historischen Kalkputz nach Variante "Altvorderen".
Der Bauherr suchte nach einem Handwerker (Firma), die ihm genau so einen Putz wieder aufbringen, wie ihn sein Großvater am Bauernhaus (was er zwischenzeitlich nun sein Eigen nennt) am Haus hatte.
Über Wochen wollten ihm Baufirmen WDVS-Putzsysteme mit Styropor einreden und verkaufen, doch dies wollte er in keinster Weise.
Somit kam er auf uns und wir stellten uns dieser Herausvorderung.
Nach anfänglichen kleinen Schwierigkeiten (Pumpfähigkeit) hatten wir den Dreh heraus und haben einen alternativen Kalkputz bei ihm am Bauernhaus aufgebracht.
Aus Weißkalkhydrat, gutem Putzsand und Molke.
Ein wirklich gute Erfahrung, denn dieser Putz ist nun bereits über 6 Jahre dran und weist noch keine Schadstellen auf.
Das Fleckenbildung sich einstellt, wußte der Bauherr und kann damit umgehen, weil es sich um den ehemaligen Stallbereich handelte.
Herstellung aus Weißkalkhydrat, gutem Putzsand im Verhältnis 1:3-4 und Molke ca. 8-10 Liter. Nach gutem Durchmischen in der dieselgetriebenen (keine Pflicht)Putzmaschine wird mit Anmachwasser nachher putzfähig eingestellt.
Gute Verarbeitung durch Verreiben und gute Wetterbeständigkeit.

Grüße
Udo Mühle



Für die Landbevölkerung



Udo,

versteh ich das richtig: Auf ein Teil Kalk müssen 8 - 10 Liter Molke?

Gruß aus dem Rätselwald

Bernd



Einfach so etwa gemacht!



Auf die Materialmenge von Putzsand und Kalk ca. diese Molkemenge. Pi mal Daumen!
Keine großen Rechen- und Alchimistenformeln.

Grüße



Molke



Hallo,

geht auch Quark? Fängt das nicht nach ner Weile an sauer zu riechen?



@Kate



Quark gänge, doch lange und ewige Klümpchenbildung.
Molke schneller!
Molke riecht wie Kindersch...., doch mit dem Kalk keine Problematik.

Schnellste Methode, sämtliche noch offenen Fragen zu klären, rufe uns einfach per Telefon an.
Muß jetzt ins Gelände Fahrzeug beladen, da morgen Baustelle in der ferne beginnt.
O35872-39461 oder 0160-7226041.

Grüße Udo



Gut, wir hätten dann einige Rezepte



zum anmischen von Lufkalktputz, welcher mit Sicherheit in den meisten Fällen die richtige Lösung ist, jedoch gibt es auch Fälle, bei denen man die Hydraulefaktoren sehr gut gebrauchen kann, und da würde mir die Idee eines nur mit Hilfe von Ziegelmehl hydraulisch gemachten Kalkputzes sehr gut gefallen, jedoch traue ich der ganzen Sache nicht ganz, weshalb ich immer noch eine Methode suche, die Herstellerangaben auf einfache Weise überprüfen zu können.



Böse Hydratbasen



Die Zumischung von Ziegelmehl soll den Mörtel hydraulisch härten lassen, Das macht auch Zement, die Zusammensetzung ist aber etwas anders. Die für die hydraulische Erhärtung verantwortlichen Mineralien im Zement sind das Di- und das Trikalziumsilikat sowuie das Trikalziumaluminat und das Tetrakalziumaluminatferrit.
Euer Mörtel ist antiken römischen Mörteln nachempfunden, das Ziegelmehl und der Kalk bilden als Hydratbase das Dikalziumsilikalhydrat. Es ist ein guter Mörtel für den Außenbereich.
Georg