Putzsorte bestimmen

15.08.2004



Hallo,
weiß jemand im Forum, wie man verläßlich den bestehenden Innenputz bestimmen kann ?
Hintergrund: ich habe gestern damit begonnen, die alte Innendämmung runter zu reißen (Rigips mit Styropur !! war glücklicherweise noch nicht lange drauf...), da wir diese durch Backkork/Lehm oder Schilfrohr/Lehm ersetzen wollen. Unter der Dämmung kam ein sehr guter, standfester und absolut trockener Putz zum Vorschein. Im Bereich der Schwelle hab ich ihn bis zum Holz abgeklopft, ohne irgendwelche Feuchtigkeitsschäden feststellen zu können.
Jetzt bin ich natürlich versucht, den neuen Aufbau auf den bestehenden Putz zu machen, da das viel Arbeit, Zeit und Geld sparen würde.
Natürlich ist mir klar, das das nur geht, wenn der bestehende Putz diffusionsoffen ist, also keinen Zement oder Gips enthält.
Aber wie stelle ich das fest ???
Von Außen sind am Holz auch keine Feuchteschäden feststellbar.
Ich würde mich freuen, wenn jemand mir weiterhelfen könnte.
Vieln Dank



Bestimmung ?



Hallo,

schnell eine Frage vorab: Bis zu welchem Holz haben Sie den Putz entfernt? Gibt es da eventuell noch Staken mit Lehmbewurf?

Lehm können Sie ganz einfach bestimmen. Eine Probe befeuchten. Wenn es wieder formbar wird, ist es Lehm.

Kalk- und Zementputze können Sie meistens schon anhand der Farbe bestimmen, bevor Sie zu chemischen Analysen schreiten.
Grau = Zement, gebrochenes Weiß = Kalk.

Kalk löst sich relativ schnell in Salzsäure.

Gips wurde normalerweise nicht verwendet. Testen ob der Putz Feuchtigkeit zieht und dann wieder "bröselig" wird.

Viel Erfolg



Antwort "Bestimmung" und viele neue Fragen...



Guten Tag Herr Fröhlich.
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Ich habe den Putz an einigen Stellen bis auf die tragenden Balken (Schwelle, Ständer) entfernt, einfach um zu sehen auf Feuchteschäden erkennbar sind. Zum Glück bis jetzt nicht.
Zur Bestimmung: Lehm- ,Gips- und reinen Zementputz kann ich ausschließen. Es handelt sich wahrscheinlich um ein Kalk-Zement oder Kalk-Trass (?) Gemisch.
Die Gefache sind mit Bimssteinen (Vollsteine) ausgemauert.
Inwieweit behindert der evtl. Zementanteil im Putz die Wasserdampfdiffusion ? Laut Tabellenbuch ist die "Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl" bei Kalkmörtel, Kalkzementmörtel und Zementmörtel gleich (Richtwert von 15-35).
Sind meine Bedenken bei einer geplanten Dämmschichtdicke (Kork) von max 30 mm überhaupt relevant ?
Schon vorab an alle vielen Dank für ihre Antworten



@ Dirk Stümper



Hallo,

die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl ist nicht allein entscheidend. Zusätzlich sollten auch noch die Sorptionseigenschaften, kapillare Wasserleitfähigkeit etc. betrachtet werden. Und da kann es bei Materialien mit ähnlichen Diffusuionseigenschaften schon einmal kritisch werden, weil sie die aufgenommene Feuchtigkeit nicht wieder abgeben. Die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahlen sind halt Laborwerte unter stationären Bedingungen, die im Zweifel mit der Realität wenig zu tun haben.

Mir reinem Kalkputz (MG I) hätten Sie hier kein Problem, bei hydraulischen Putzen (Kalk-Trass, Kalk-Zement)könnte das schon wieder anders aussehen. Den Unterschied müßten Sie im Zweifel aber auch anhand der Härte ersehen. MG II ist wesentlich härter, starrer als MG I.

Für den gesamten Wandaufbau sollten Sie aber noch einen Fachmann konsultieren.

Gruß aus BS