Putzmörtel als Kalkputz, Weißkalk, Hydraulischer oder Hochhydraulischer Kalk ???

06.03.2010



Hallo Fachwelt, wir sind immer noch an der Sanierung unseres Hauses dran und haben wieder mal eine Frage … Wir sind schon recht weit und es stehen Putzarbeiten im Inneren sowie die Ausbesserung des Außenputzes auf dem Programm. In beiden Fällen soll Kalkputz zur Anwendung kommen und hier komme ich an meine Grenzen und habe im Großen und Ganzen 3 Fragen:

1. Welchen Kalkputz und Mischungsverhältnis nehme ich für Innen und welchen für Außen? Gibt es da überhaupt unterschiede oder ist es immer derselbe?

2. Der Außenputz ist zu ca. 80-85% noch gut und ich wollte eigentlich nur die schlechten Stellen ausbessern. Wenn es dann aber zu doll ins Auge fällt würden wir danach das Haus noch mal komplett mit einer Dünnen schickt Verputzen – hier stellt sich die Frage wie dünn kann so eine schicht sein?

3. Die Fenster haben auch einen hervorstehenden Putzrahmen und einen durch Putz gemachten Schlussstein in der Mitte oben, der an einer Stelle komplett abgefallen ist und neu gemacht werden muss … Hier ist die Schicht dann ganze 7 bis 8 cm Dick. Wie geht man bei so was vor? Mehrere Schichten? Nehme ich da denselben Putz oder mische ich an den Stellen etwas Zement unter?

Für Ihre Hilfe sowie sonstige Tipps zum verputzen mit Kalk wären wir sehr dankbar. MfG aus Berlin, Ed





Hallo Eduard,

Außen würde ich einen Kalkzementputz verwenden, der wird etwas “robuster”
Innen ist ein Putz aus Luftkalkmörtel zu empfehlen. Dieser kann aus Kalkhydrat selbst gemischt werden, ich empfehle aber hier auf Werkstrockenmörtel zurück zu greifen.
Die Fasche um die Fenster muss lagenweise aufgebaut werden, für die oberen Lagen gibt es dann auch wieder spezielle Mischungen.

Grüße aus Schönebeck



Innen- und Außenputze



Hallo,

Zement hat im Altbau nichts zu suchen.
Etwas radikal die Ansicht, ich gebe zu, aber sonst greift man eben immer wieder zu Zement.
Greifen Sie lieber zu den Außenputzsystemen von Solubel, WeberSan und anderen auf Kalkbasis, wenn Sie nicht selber mischen wollen (Baustellenmischung).

So viel zu den Außenputzsystemn, die witterungs-und frostbeständig sein müssen. Das müssen Innenputze nicht. Innenputze brauchen nur der Klasse PI zu genügen, sollten schön langsam erhärten und elastisch sein. Druckfestigkeit unter 2 N/mm² genügt. Hier empfehle ich ebenfalls Innenputzsysteme von Solubel, zweilagig + Vorspritz. Das nächere Regeln die Verarbeitungshinweise.

Grüße vom Niederrhein

Grüße vom Niederrhein





Das Zement im Altbau nichts zu suchen hat diese Meinung teile ich nicht.

Der Frage war zu entnehmen, das hier, augenscheinlich aus Kostengründen, eine Baustellenmischung geplant ist.

Grüße aus Schönebeck



Danke für die Beiträge ...



Ja genau, wir wollte den Putzmörtel eigentlich selber mischen! Sand und Wasser sind wohl dieselben aber wie verhält sich das mit dem Kalk? Welchen nehme ich für außen und welchen für Ihnen und wie ist jeweils das Mischungsverhältnis? Danke, Ed





Hallo,

die grobe Richtung ist 1:3 Kalkhydrat/ Sand, da sollten ein paar Proben gemacht werden. Je nach Körnung des Sandes kann etwas mehr oder weniger Kalk notwendig sein.

Den Putz in Teilflächen, wie hier der Außenputz, sollten Sie dem Bestandsputz anpassen.

Grüße aus Schönebeck





Zum Außenputz kann ich leider nichts sagen, soweit sind wir noch nicht. Aber selbstgemischter Kalkptz ist für Innen ist eine suuuuper Sache. Wir sind total begeister. Damit haben wir auch schon Gefache neu gemauert. Hat toll funktioniert. Ich beschreibe mal wie wir gemischt haben. Falls irgendetwas daran grundlegend falsch ist kann ja ein Profi einlenken.

Also Wasser in einen Putzeimer und das Wasser dann mit Kalkhydrat (ob das ein Besonderer ist, weiß ich nicht, ich habe beim Baustoffhandel gesagt ich brauche Kalk) mischen, bis es ungefähr die Konsistenz von Wandfarbe hat. Man sollte dabei eine Atemschutzmaske aufsetzen, der Kalk geht ganzschön auf die Lunge.
Diese Pampe dan nach und nach mit Sand mischen bis die passende Konsistenz zum Putzen erreicht ist.

Hat man zuviel Sand eingemischt, sollte man kein Wasser mehr zugeben. Dann sollte man eine kleine Wasser/Kalk Mischung machen und mit dieser Flüssigkeit den Putz verdünnen. Damit die Umhüllung der Sandkörner nicht wieder abgewaschen wird. Das habe ich mal irgendwo gelesen und es hat bisher toll funktioniert.

Das war jetzt eine Beschreibung von einem Laien für einen Laien.



Enev 2009



Hallo miteinander,

in dem Zusammenhang mal eine allgemeine Frage: Es gilt doch ab Oktober 2009 die verschärfte EnEv 2009 (Energieeinsparverordnung), welche ab einer Veränderung der Gebäudegesamtfläche (z.Bsp. durch Neu-Verputzen) von über 10% zwingend eine energetische Sanierung (meist durch ein WDVS) vorschreibt. Eine Frage an die Experten, wie ernst ist die Sache zu nehmen ? Immerhin drohen teilweise drakonische Geldstrafen (bis max. 5000€) ?

Beste Grüße
Thomas Sedlaczek





Hallo Thomas,


die Reparatur von schadhaftem Außenputz ist keine Veränderung sondern nur eine Reparatur.

P.S.
Gedroht und verordnet wird viel, ich für meinen Teil warte noch auf den Klimawandel.

Grüße aus Schönebeck



Putzmörtel selbst mischen



Vor 25 Jahren hab auch ich (mit der Hand) Mörtel angerührt. Zu DDR Zeiten gab es gar keine Fertigmischung in Säcken. Mir ist noch gut in Erinnerung das der Putzer auch auf die Zusammensetzung des Sandes Wert gelegt hat. Es kommt also auch darauf an aus welcher Grube der Sand kommt, dessen Bestandteile regional unterschiedlich sind. Damals hieß es 3 Teile schmierigen und ein Teil scharfen Sand, was den Lehmanteil(?) betrifft. Ich würde mich also an einen alten Maurer aus der Region wenden und ihn deswegen um Rat bitten.





Hallo,

@Oliver
sicher, meist wird viel verordnet und wo kein Kläger da kein Richter. Bei dieser Geschichte in Zusammenhang mit der allgemeinen Energieeinspar-Hysterie und den ehrgeizigen Klimaplänen unser "Grünen" Regierung habe ich kein gutes Gefühl. Muss nicht auch ab 2012 die letzte Geschoßdecke zwingend gedämmt werden ?
Ist sicher schon einen eigenen Thread wert.

Gruß
Thomas Sedlaczek



Putzmörtel



Wo bitte haben wir eine "Grüne" Regierung ?
Schwarz-gelb unternimmt einiges, um alte Techniken wieder konkurrenzfähig zu machen, z.B. die Förderung von Mini-KWK-Anlagen herunterzufahren, Solarstromförderung zu verringern, Atomkraftwerke länger als geplant am Netz zu halten, Landesplanungsgesetze zu ändern, damit Gerichtsurteile gegen Kohelkraftwerke ins leere laufen et, Emissionszertifikate zu verramschen etc. ...................

Da haben Sie auch in Zukunft nichts zu befürchten, was eine effektive Kontrolle der EnEV angeht. VOLLZUGSDEFIZIT lautet deshalb das wichtigste Wort im Umweltschutz, nach wie vor .

Es sei denn, Klimaschutz würde in Ihrer Gemeinde irgendwann ernstgenommen, Ihrer Gemeinde geht die Knete aus, oder....
Dann allerdings sind Sie nicht erst mit 5.000 € dabei sondern mit bis zu 50 T€ !
Meine Empfehlung an alle Gemeinderäte mit Haushaltssicherungskonzept !

Grüße vom Niederrhein





@Herr Beckmann
das "Grüne" an unserer Regierung meinte ich auch ironisch, ich gebe Ihnen in allen Punkten Recht. Die Strom-Lobby (in unserer Region Vattenfall in Form von Braunkohle-Kraftwerken) hat die größere Lobby und darf weiterhin riesige Landschaften wegbaggern. Die deutsche Solar-Industrie als europaweiter Vorreiter in Sachen Technik wird langsam die Luft abgedreht...
In Anbetracht der klammen Haushalte befürchte ich eben eher eine "Kontrolle", vor allem als neues Betätigungsfeld der Bezirksschornsteinfeger (denen ich aber nicht zunahe treten will)...

Aber gut, ist ein anderes Thema...

Gruß
Thomas Sedlaczek



trockengelöschter Kalkputz



Hallo,
zu den Dingen die in der Politik passieren, oder eben auch nicht passieren sag ich lieber nix...

also wieder zurück zum Kalkputz.

ich habe mein Haus mit trockengelöschtem Kalkputz verputzt.
Dabei wird erst Sand dann Brandkalk und danach wieder Sand in Schichten auf einer Fläche aufgebaut und dann mit einer bestimmten Menge Wasser abgelöscht. Im Gegensatz zum Sumpfkalk wird also nicht mit einem Wasserüberschuss gelöscht.
Vorteil dabei ist, dass man durch die Schichten schon eine fertige Baustellenmischung hat, die im Mischer mit nur wenig Wasser gemischt wird.
Ich habe mit dem Putz nur sehr gute Erfahrungen gemacht, ist sehr einfach zu verarbeiten, reisst nicht und ich bekomme mit nur einer Lage Putz schon eine streichfertige Oberfläche.
Bei Fragen zum Kalkputz ist Herr Kenter ein sehr guter Ansprechpartner.
www.kalk-laden.de



Danke für die Beiträge



Trockengelöschter Mörtel hört sich für mich nach einer Sonderlösung an ... Wir wollen eigentlich nur einen ganz normalen Kalkmörtel mischen und das einmal für Innen und einmal für Außen ...

Wäre der Mörtel aus Kalkhydrat (ca. 1:3) für Innen? Was nimmt man dann für Außen?

Wenn wir schichtenweise Arbeiten, wie Dick kann eine Schicht sein und wie lange muss ich zwischen den Schichten warten? Danke, Ed



Kalkputz



Hallo Eduard,
ich empfehle Ihnen ganz stinknormales Weißkalkhydrat (Luftkalk) aus dem Baumarkt oder vom Fachhändler als Sackware.
Der Sack kostet so um die 3-5,- €.
Damit können Sie Ihren Mörtel selber anmischen.

Noch einiges zu Material:
- Werkgemischter Trockenmörtel (PI)
ist in seiner Verarbeitbarkeit besser und in der Struktur gleichmäßiger.
Beim Selbermischen wird jede Mischerladung etwas anders ausfallen, da Sie Komponenten nie genau abmessen können.

- Zum Kalk und zum Löschverfahren
Weißkalkhydrat als Sackware und im Trockenmörtel sind industriell trockengelöschter Kalk.
Das beschriebene Trockenlöschverfahren wurde früher zum Herstellen von Mauermörtel verwandt (Kalkspatzenmörtel).
Für Putzmörtel eher ungeeignet.
Der industriell trockenlelöschte Kalk ist besser und lässt sich besser mischen.
Nassgelöschter Kalk (Sumpfkalk) eignet sich hervorragend zum Putzen, ist aber teuer und lässt sich schlechter mischen als trockene Sackware. Er wird meistens im Bereich der Oberflächenbeschichtung (Farben, Spachtel) eingesetzt.

- zum Sand
Benutzen Sie Sand mit geringem Schlämmkornanteil, am besten gewaschenen. Tone und Schluffe im Sand erhöhen die Rissneigung im Putz.

Viele Grüße