Fachwerk zu retten oder nicht? 2

19.03.2012



Hallo ihr netten Helfer,

ich hatte ja schonmal geschrieben. Nach unsrer erfolgreichen Abrissaktion ist nun klar warum das Holz faulte. Innen wurde 3cm Stroh-LehmPutz mit 2-3cm Gips, Farbe, 1cm Zementputz und nochmals Farbe + Vinyltapete überdeckt. Außen "nur" mit gut 5cm Gipsputz Silikonfarbe und Asbestschindeln.
Das gute ist, wir haben jetzt Innen mehr Raum :)
Die Schwelle und einige Ständerbalken bis ca 1m höhe sind hin oder stark angegriffen in dieser Außenwand.Hier wir alles befallene Rausgerissen und erneuert, mit Horizontalsperre unter der neuen Schwelle(evtl. auch Feuchtigkeit durch Kapillarwirkung)und eine Dränage in den Boden wird in Erwägung gezogen. Die benachbarte Wand zeigt auch in der Schwelle und einigen Ständerbalken leichte Fäule, nach 1-2cm ist das Holz wieder fest. Muss man hier trotzdem was austauschen oder nur fachwerkgerecht verputzen(hier war innen 1cm Zement und Gipsputz und außen 5-10cm Gips+Silikonfarbe)und die faulen Stellen abmachen?

Im EG sind alle Zwischenwände durch massive Mauerwände ersetzt worden, weswegen das Haus wohl noch steht da die Giebelseite quasi schwebt.
Da wir nun alles an Putz etc runter reißen wissen wir noch nicht ganz wie wir das gestalterische machen wollen. Außen ist klar, Fachwerk frei lassen. Innen stellen sich mir einige Überlegungen:
1- Unterputz(Lehm-Stroh); Überputz(Lehm-Sand); Lehmfarbe; Übergänge Holz-Mauer und Holz-Gefache mit Flachsamierungsband
2- Unterputz; Überputz; Sylitol-Konzentrat 111; Sylitol Bio Innenfarbe
3- Unterputz; Überputz; Capacoll GK; Erfurt Glattvlies 150; Capadin
4- Unterputz; Überputz; Capadeccor di luce oder Volimea
5- bei Bad und Küche wegen des Spritzwassers Gipskarton grün; Rotband; Tiefgrund; Erfurt Glattvlies 150 und CapaDin

Was ist davon möglich bzw. worauf muss man dann besonders achten?
Habt ihr noch ne tolle Gestaltungsidee?

Bei den vollgemauerten Wänden im EG kann man einfach Rotband; Tapete Farbe nehmen oder? Wie ist das da mit dem übergang zum Rest?

Wir hoffen auf eure Hilfe. Soll diesmal richtig gemacht werden, das arme Haus hat schon genug erlitten.

Vielen Dank:)



Sanierungsratschläge ...



... aus der Ferne zu geben, ist in diesem Umfang nicht wirklich möglich. Die Gegebenheiten können nur vor Ort wirklich beurteilt werden.

Aus Ihrer Beschreibung geht hervor, das Ausgiebig von Zement- und Gipsputzen Gebrauch gemacht worden ist. Beide können in Zusammenhang mit der Fachwerksanierung als Putz- oder Mauermörtel i.d.R. nicht verwendet werden. Sie halten die Feuchtigkeit, lassen sie kapillar oder diffundiv nicht mehr nach außen und fördern -in Kontakt mit Holz oder anderen organischen MAterialien- die Verrottungsprozesse.

Gipshaltige Produkte haben bei einer zu erwartenden oder vorhandenen Feuchtebelastung absolut nichts zu suchen, Gips speichert die Feuchtigkeit enorm und löst sich dabei auf.

"ROTBAND" ist ein Gipsputz und sollte deshalb nicht verwendet werden, wie auch viele Produkte aus dem Baumarkt für die FW-Sanierung nicht taugen. Wenn Sie sich für ein Material entscheiden. müssen Sie genau anhand der Stoffkennwerte beurteilen können, ob es das richtige am richtigen Ort in Kombination mit anderen MAterialien ist. Sonst sind Bauschäden vorprogrammiert.

Benutzen Sie ausschließlich diffusionsoffene, kapillaraktive Baumaterialien und Anstriche und vermeiden Sie die üblichen bauchemischen Produkte, Versuchen Sie mit den traditionellen MAterialien des FW-Baues auszukommen: Holz, Holzwerkstoffe, Lehm- und Kalkprodukte, Naturfaserdämmstoffe.

Keine Gipskarton-Vorsatzschalen innen einbauen. Nicht belüftete Hohlräume fördern die Feuchte- und Schimmelentstehung. Konstruktionen im FW-Bau müssen generell hohlraumfrei+kapillaraktiv sein, damit eingedrungene Feuchtigkeit wieder zur Verdunstung an die Oberfläche gelangen kann.

Bei der Beseitigung von Feuchteschäden sollten Sie mit einem -wirklichen- Fachmann erforschen, wie diese entstanden sind und die Quellen des Feuchteeintrages abstellen. Nicht vorschnell beschichten | überstreichen | injizieren etc.

Wie immer in diesem Zusammenhang der Ratschlag:

- Investieren Sie Ihr Geld zuerst in eine fachkundige Beratung und Sanierungsplanung mit Materialauswahl und ggf. Arbeitsanleitungen für Eigenleistungen.
- Planen Sie weitere Sanierungsmaßnahmen am FW mit einem damit erfahrenen Zimmermann. "Schwebende" Fassaden sind nur bedingt lustig und eine Sache für den Statiker.



...



Der Zement und Gipsputz war bislang auf dem Fachwerk, den haben wir nun weggekloppt.
Der Rotband und Gipskarton sollte wenn überhaupt an die Mauer im EG dort ist eh kein Holz welches dadurch Schaden nehmen könnte in den Wänden.

bei 5- ist es dann wohl sinniger Holzplatten zu benutzen; aber was ist mit Dusche, Wanne, also Feuchtraum? Wie stellt man das am besten an.

Hauptsächlich geht es um die Verträglichkeit der "Dekorations- und Lehmprodukte"



Statik



Ich stimme dem Beitrag von Herrn Picknarz zu. Vor allem würde ich mir die Übergänge Mauer/Fachwerk genau ansehen.

Denkmalschutz besteht nicht, oder? Bei Bedarf könnte ich euch per Mail eine Liste mit Architekten aus dem Raum MR bis Kassel zukommen lassen, die mir vom Denkmalamt empfohlen wurden. So riesig ist die Auswahl hier nicht. Ansonsten auch vielleicht einmal die IGB kontaktieren oder hier im Forum suchen.

Was das Sichtfachwerk angeht solltet ihr euch auch von einem Fachmann Ratschläge einholen, inwieweit das möglich ist. Bei zu hoher Schlagregenbelastung ist das nicht empfehlenswert, die Verkleidung an eurem Haus hat also uU durchaus einen Sinn.



Mauer/Fachwerk



Ja, eine Liste wäre super wenn du hast.
An dem besagten Übergang siht alles gut aus keine Risse und auch sonst nichts, was auf eine eventuelle Einsturzgefahr oder riskante Statik hindeutet.
Der Zimmermannsmeister sagte das sollte kein großes Problem sein. Da die Schwelle ohnehin die letzten ca. 2-5 Jahre nichts getragen haben kann.

Mal was ganz anderes das Ziegelsteingefache mauert man aber nicht mit Zementputz oder? Wäre ja irgendwie wieder kontraproduktiv.



Währet den Anfängen!



Es ist schon gut, dass Sie sich so umfassend über Details informieren und eine schöne Liste von bekannten Industrieprodukten zusammen gestellt haben.

Allerdings würde ich von diesem Konglomerat an Gruseligkeiten in Ihrem Fall absehen, da Sie damit dem alten Gemäuer und den Konstruktionen eher schaden als nützen werden.

Als Wichtigstes würde ich Ihnen eine gute Beratung empfehlen, die nachhaltig das Bauwerk berücksichtigt. Einige Ratschläge haben meine Vorberater schon getätigt.

Allerdings finde ich da einen Satz etwas mau:
Versuchen Sie mit den traditionellen Materialien des FW-Baues auszukommen: Holz, Holzwerkstoffe, Lehm- und Kalkprodukte, Naturfaserdämmstoffe.
Mit den traditionellen Materialien kann ich noch konform gehen; aber darunter auch Naturfaserdämmstoffe aufzuführen finde ich sehr heikel.
Das hat nichts mit Tradition zu tun sondern mit "hinters Licht führen", denn ich bin der Meinung, dass es weder tradiert ist so etwas verwendet zu haben, noch dass diese ganzen Hirngespinste und Lügenrechnereien auch nur ein Cent einsparen werden, sondern dass die Bauherrn eher auf lange Sicht Schäden und Abfall davon tragen werden müssen!

Da Sie ein sehr "optisch" veranlagter Mensch zu sein scheinen, kann ich Ihnen sagen, dass man mit Kalkputztechniken auch sehr gute und optisch hochwertigste Oberflächen erzielen kann.

Versuchen Sie möglichst wenig unterschiedliche Materialien zu verwenden und beschränken Sie sich aufs Wesentliche - da haben Sie auf lange Sich das meiste davon.

Fals Sie Bedarf an einer Ausarbeitung eines Sanierungskonzeptes haben können Sie sich bei mir melden.

an sonsten wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei Ihrem Bauwerk

FK



Literatur



Empfehlen kann ich Dir das Buch "Fachwerkhäuser restaurieren, sanieren, modernisieren" von Wolfgang Lenze. Darin werden die wichtigsten Themengebiete mit anschaulichen Beispielen für den Nicht-Fachmann erläutert. Auch der Einbau von Bädern wird explizit erklärt. Insgesamt gut angelegtes Geld, wenn man es rechtzeitig liest.

Grüsse,

Dirk



danke



So eine sanierungsplanung wäre schon gut allerdings ist wohl Nürnberg etwas weit und ich habe etwas Angst vor den Kosten. Da wir mit soviel Sanierung nicht gerechnet haben ist die Finanzierung sehr schwierig. Wir werden versuchen noch nachträglich a Preis etwas zu ändern, außergerichtlich. Wenn uns jemand ein gutes Angebot machen kann wäre das prima, das Haus ist in der Nähe von weilburg.
Danke für alle Hilfen
Was noch erwähnt sein sollte, der gemauerte Teil ist nicht sehr alt Ca. 20-30 Jahre alt.
Gruß