Lehmputz 2-lagig mit Gewebeeinlage in der 1. Schicht?

01.06.2012



Hallo an alle Forumsmitglieder,

ich habe mir schon des öfteren Rat für unsere Haussanierung hier in den Forumsbeiträgen geholt und möchte heute nun selbst eine Frage stellen. Wir sind dabei (in den letzten Zügen), ein ca. 160 Jahre altes Fachwerk- und Bruchsteinmauerwerkshaus zu sanieren. Hierfür hatten wir mit der Planung einen Architekten beauftragt, welcher sich mit gesundem Bauen auskennt (hier über das Forum ausgewählt). Dieser hatte für die Decken (Holzschalung) und Wände (Lehmsteinmauerwerk bzw. Blähtonmauerwerk als innere Vormauerung, in Leibungen Bruchstein) reinmineralischen Lehmputz mit Gewebeeinlage in der 1. Putzschicht ausgeschrieben. Die Bauüberwachung der Ausführungsfirma haben wir selbst übernommen. Diese Firma behauptet nun, dass eine Gewebeeinlage in der 1. Putzlage - grundsätzlich oder ggf. auch nur bei reinmineralischem Lehmputz - nicht möglich ist und will eine Zwischenlage für das Aufbringen des Gewebes bezahlt haben.

Leider ist der Architekt gerade im Urlaub, sodass ich mich hier an Sie wende. In den Außenwandbereichen mit Wandheizung kann ich dieser Argumentation vielleicht noch folgen, da durch Unebenheiten (der Aufmauerung, der Wandheizung) die Unterputzstärken teilweise doch ziemlich groß waren und es ggf. ein Trocknungsproblem gegeben hätte. Für die übrigen Wand- und Deckenbereiche ist es für mich nicht akzeptabel. Wie sind die baufachlichen Erfahrungswerte? Wird das Gewebe grundsätzlich in die 1. Lage eingelegt, wie ausgeschrieben, oder was könnte dagegen sprechen?

Danke im Voraus für Ihre Antworten.

Viele Grüße,
Heike Schenk



Lehmputz



Das ist Quatsch, was Ihnen da die Putzerfirma weismachen will.
Nach Auftrag und verschlichten des Unterputzes wird die Putzbewehrung einfach auf den frischen Putz gelegt und mit Reibebrett, Glättkelle oder Kardätsche angedrückt und eingerieben. Auf dem Foto sehen Sie unser Mitglied Udo Mühle wie er das gerade macht. Bei dieser Baustelle wurde nur einlagig geputzt; beim Einreiben der Bewehrung quillt soviel Putz durch die Maschen das man sich eine zweite Putzlage ersparen kann.
Das hängt allerdings von der Dicke und der Zusammensetzung der Putzlage ab, in diesem Fall ging das.

Viele Grüße



Gewebe einbetten.



Liebe Frau Schenk,

grundsätzlich lege ich auf alle Innenwände mittlerweile ein Glasfasergewebe 10x10 mm vollflächig ein.
Im Altbau generell!
Grundputz wird aufgespritzt und leicht palneben abgezogen und dann sofort das Gewebe eingebettet und auf dieser frischen Ebene dann planeben hergerichtet.
Also je nach Baukörper eben.
Nach Durchtrocknung dieser Schicht, kommt abschließend ein Lehmfeinputz darauf und dieser wird dann nach Farbwunsch oder -konzept mit Lehmfarbe gestaltet, also gestrichen.

Bei Wandheizung ist es ein klein wenig anders.
Auftrag unter Wärme bis Rohrhöhe, darauf grob abziehen und leicht antrocknen lassen und dann einen leichten Auftrag auf die noch Feuchte angestockte Ebene und das gewebe wie oben bereits beschrieben einbetten.
Nachher chronologisch weiterverfahren.

Können sie denn mal die Firma benennen?
Und handelt es sich gar bei dem Architekten um den Herrn Reisinger?
Mir kommen da so ein paar Dinge bekannt vor!!!!!!

Können mich auch direkt unter Mail darüber berichten und ich helfe Ihnen gern dabei weiter.

Handwerklicher Gruß,
Udo Mühle



Formalargumentation



Hallo auch von meiner Seite.

Ich schliesse mich auch den vorschreibern an.


Grundsätzlich ist es so, dass der Verputzer an der Ausschreibung teilgenommen hat.

In der Ausschreibung steht eine gewebeeinlage drin.

Also ist dies enthalten und ist ohne Aufpreis auszuführen.

Falls der Verputzer fachliche bedenken hat, kann er schriftlich bedenken anmelden.


Formales vorgehen im Streitfall:

Fristsetzung zur Fertigstellung der arbeiten ( schriftlich)
Ggf 2. Frist mit Androhung der Vertragskündigung und der Androhung dass die arbeiten dann von einer anderen Firma auf kosten des aktuellen Verputzers ausgeführt werden.

Dies sollte jedoch von einem juristen begleitet werden.
Man sollte sich nicht alles gefallen lassen.

Gruß
Peter ( der sonst eigentlich ganz friedlich ist, nur auf nachkarten allergisch reagiert)



Danke



für die schnellen Antworten. Ich denke, das hilft mir gegen die Putzerfirma erstmal weiter. Zumindest für die normalen Wand- und Deckenbereiche lehne ich die Mehrkosten auf jeden Fall ab. Für die Bereiche, in denen Wandheizung liegt - wieviel kann denn die Firma für diese Zwischenlage verlangen? Das Gewebe bekommt sie ja sowieso schon bezahlt (und eigentlich auch das Gewebe-Einlegen, schließlich stand das ja im LV, und als Fachfirma muss sie das wissen, wie sie es ausführen muss). Aber es gab in den Leibungen auch Bereiche mit Bestands-Bruchsteinmauerwerk, da war teilweise ziemlich viel Mehrauftrag, was sie nicht wussten.

Danke erstmal, H.S.



Kurze...



....Rückmeldung telefonisch wäre denkbar!
Da kann man vieles auch mal bildlich besprechen.



Lehmputz



Tut mir leid, das mit der Wandheizung habe ich überlesen.

Viele Grüße



Bei



der Wandheizung wird die erste Lage über´s Rohr abgezogen und sollte durchtrocknen bevor die Nächste Lage aufgebracht wird in die das Gewebe eingelegt wird.

Wichtig ist das bei diesen Auftagsstärken auf eine zeitnahe Trocnung geachtet wird.

Grüße aus Koblenz



Danke,



ich habe mich an die Info von Herrn Mühle gehalten und die Mehrkosten erstmal abgeleht, schließlich kannte die Firma die Anforderung aus der Ausschreibung. Ausnahme: der Bereich, wo noch Bruchsteinmauerwerk war, da war die Auftragsstärke doch wesentlich größer als ausgeschrieben und man konnte nicht frisch in (fast) frisch auch noch Gewebe einlegen. Bin gespannt auf die Antwort der Firma, ob sie meiner Begründung folgt.

@ Herrn Mühle: Danke nochmal, der Putz ist fertig, wir sind inzwischen eingezogen.

Viele Grüße,
Heike Schenk



@ Frau Schenk



Hört sich gut an und ich möchte mich hierüber nun auch nochmals bedanken.