Erfahrungswerte Putz aus Flusssand und Zement

10.10.2007



Hallo,
Wir haben ein altes Haus von 1860 gekauft mit einem Sandsteinsockel, Sandsteingewände. Der alte Putz wurde abgeklopft, nun sollen die Backsteine neu verputzt werden.
Eine Freundin in Italien hat mir geraten, den Putz aus Flusssand und Zement zu mischen und mit dem gleichen Material auch die Sandsteinfugen auszufüllen.
Wer hat Erfahrung mit der Mischung von Flusssand für Außenputz bzw.auch Innenputz sowie Fugen mit diesem Material?
Vielen Dank für eine Antwort und lieben Gruß
Maria



Erfahrungswerte Putz aus Flusssand



Hallo Maria,
Sie können sich gerne mit uns mal in Verbindung setzen.

Mit freundlichen Grüssen.

Veronika Klepac



Flusssand....?!



Hallo Maria,
ein großflächiger Zementputz auf Backsteinen kann nur zu Rissen im Putz führen!
Die Putzschale ist viel härter als der Stein, das darf nicht sein!
(hat mein alter Lehrmeister mir immer gepredigt)

Im Innenbereich halte ich einen Kalkmörtel für das Mittel der Wahl.

Die Natursteinverfugung mit einer Mischung aus Flusssand und Zement auszuführen gibt für mich keinen Sinn.
Flusssand hat einen hohen Anteil an Ausfallkörnung was wiederum einen hohen Zementverbrauch zur Folge hat.
Der so Angemischte Mörtel ist entweder extrem schmierig(fett) oder extrem porig.

Bei der Verfugung des Sandsteines würde ich außen im Sockelbereich einen Kalk- Zementmörtel(15%) bei mittlere Körnung nehmen.

Frohes Schaffen/jens



Keinen Zement



Für die Ausfugung bzw. Putzarbeiten im Sandsteinsockelbereich würde ich keinesfalls Zement als Bindemittel einsetzen.
- Schalenbildung (härter als Sandstein)
- später Salzhorizonte (Salzanreicherung in den Randzonen)
ect.

Besser wäre ein Kalkmörtel mit Trasskalkzuschlag (bspw. Otterbein).
Mischungsverhältnis: 3 - 4 RT Sand (gewaschener Sand oder Kies, 0 - 5 mm) + 1 RT Kalkbrei (Sumpfkalk) + 0,25 RT Trasskalk (Otterbein)
RT = Raumteile

Ein Putz- oder Fugenmörtel kann natürlich auch im Innenbereich eingesetzt werden (auf Trasskalk kann dort jedoch verzichtet werden.

(Gerade arbeite ich an einer romanischen Kapelle - originale Fugenmörtel und Überputzungen mit diesem Mischungsverhältnis stehen auch noch nach 800 Jahren 1A)

Gruß Thomas


www.wandgestaltung.eu





Bei Zugabe von 15% Zement im Kalkmörtel halte ich hier eine Schalenbildung für ausgeschlossen es sei denn der Stein ist wirklich sehr verwittert.
Die Anreicherung von Salzen im Randbereich ist bei reinem Kalkmörtel viel Höher!!
Was aufgrund des weicheren Mörtels sodann auch zu erhöhter Salzsprengung führt.
Durch die Zugabe von Zement im Sockelbereich wird hier jedoch von vornherein die Wasseraufnahme des Mörtels gesengt. Was hier viel wichtiger scheint!

gruß jens



steht auch noch in 800 Jahren.......



was´n das für ne Unsinnige aussage?

Was nicht heißen soll das dein Fugmörtel nicht gut wäre nur sind eben die Umweltbelastungen nicht mehr die selben.



"kleiner Unterschied - große Wirkung"



statt "in" hieß es doch "nach" 800 Jahren. Macht nicht`s. Kann schon mal passieren.
Ich wollte damit nur verdeutlichen, daß eine Kalkmörtelrezeptur, wie in diesem Fallbeispiel, selbst nach (!) 800 Jahren weder an seiner Bindefahigkeit noch an Qualität verloren hat.
Was man von den vor 20 - 50 Jahren eingebrachten Zementmörtel Reparaturen nicht behaupten kann (Salzkonzentrationen im Randbereich, Abplatzung, Schalen)

Gruß Thomas





Offen gestanden kann ich nicht so recht glauben das in 800 Jahren die Fugen nicht gewechselt wurden?

Wahrscheinlicher scheint mir doch eher das hier schon die 7 oder 10 Fuge vorliegt.
Glaubst du nicht auch Thomas??



Wissen statt glauben



Das hat weniger etwas mit "glauben" zu tun! Wenn die Kapelle nicht 7 - 9 mal neu aufgebaut wurde - die Kalkmörtelfugen und Putzflächen entsprechen analytisch dem Mauerwerksmörtel (Zuschlagstoffe - Sande) und entstanden bauzeitlich (also vor ca. 800 Jahren).
Das ist auch kein Einzelfall! Sonst hätten wir auch bedeutend weniger Baudenkmäler in Europa.
Was ich persönlich immer sehr erstaunlich finde ist, daß die bauzeitlichen Kalkmörtel, sei es aus dem Barock oder aus der Romanik, qualitativ besser erhalten sind (ob nach 100 oder 2000 Jahren) als neuzeitliche Putze oder Mörtel. Das sollte uns doch zu denken geben!?

Gruß Thomas





"bauzeitlichen Kalkmörtel, sei es aus dem Barock oder aus der Romanik, qualitativ besser erhalten sind (ob nach 100 oder 2000 Jahren) als neuzeitliche Putze oder Mörtel. Das sollte uns doch zu denken geben"

Glaub nicht!
Ich spreche jetzt nicht von Historisch wertvollen Gebäuden!

Die Errichtung von Gebäuden unterliegt doch nur zwei Gesichtspunkten, welche Nutzung zu welchen Kosten.
Ein EFH wird in der Regel nach 80 Jahren abgerissen.
Die Kosten für die Errichtung sollen jedoch wenn möglich schon nach 20 Jahren abgegolten sein.
Hieraus ergibt sich nunmal der Zwang zum Industriellen Bauen und somit zu Zugeständnissen bei den Produkten.
Kein Mensch hat mehr die Zeit Kalk 3 Tage lang einzusumpfen bevor er den Putz aufbringt.
Nenee, nach drei Tagen muß schon die Farbe auf den Putz und das deckend beim ersten Anstrich!
Wände mußen hunderte Tonnen Last abtragen ohne Meterdick vermauert zu sein und gleichzeitig Schall und Wärmedämmend wirken.
Heutzutage werden Massivhäuser innerhalb von 5 Monaten Schlüsselfertig übergeben.
Verwaltungsgebäude mit 20 Stockwerken in 1 Jahr von 40 Facharbeitern hergestellt.
Früher hat man schon mal 150 Jahre mit 400 Leuten an einem Dom Rumgebastelt.

Ich halte die vergleiche von früher zu heute für überhaupt nicht aussagefähig.

Gute Gebäude wurden zu allen Zeiten und mit allen Baustoffen im Rahmen ihrer Möglichkeiten errichtet.

((Zisterne von Istanbul 100.000m³ Bj. 500 nach Chr. Baustoff (Zement)WU- Beton, steht ebenfalls noch heute!))



Klasse!!!



ich hab nur darauf gewartet. Zement, bzw. hydraulische Mörtelzuschläge (selbst Beton) waren schon in der Antike bekannt. Das muß aber hier nicht mehr weiter erörtert werden.
Ich gebe Ihnen recht, heutzutage hat man einfach keine Zeit mehr auf qualitativ hochwertigere Materialien zurückzugreifen. Dies wird im öffentlichen Bereich auch nicht gefordert. Zeit ist Geld.

Thomas



Ja, modern geht die Welt zu Grunde.......



Früher war der Handwerker unverzichtbarer Teil der menschlichen Gemeinschaft. Heute ist die Liebe zum Handwerk verloren gegangen und niemand interessiert sich mehr, was Qualität bedeutet. Wenn man Tag für Tag miterlebt, dass einige wenige auf der Suche sind die alte Baukunst zu bewahren, hat man doch immer wieder Freude am Handwerk und denkt, so ist man doch auf dem richtigen Weg.

Da stimme ich Herr Hunkel voll zu, heute haben die Menschen sehr wenig Zeit, nicht mal Zeit dazu, zu überlegen, mit was sie ihr Haus oder Gebäude schützen können. Man muss sich halt immer fragen, wo sind die Erfahrungswerte der heute so hocht gepriesenen modernen Baustoffe?

Einen guten Abend und mit freundlichen Grüssen.

Veronika Klepac