Putz fällt ab, wie repariere ich es selbst?

30.04.2012



Hallo liebe Gemeinde!
Zunächst einmal bitte ich um Rücksicht, falls ich mich unprofessionell ausdrücke, komme aus dem sozialen Bereich und kenne mich im Handwerk nur rudimentär aus. Also Fahrrad flicken klappt ganz gut, auch hab ich keine 2 linken Hände, aber die Fachbegriffe etc. kenne ich nicht.

Nun zur Frage:
Wir haben seit ein paar Monaten ein Fachwerkhaus aus 1750 erstanden. Das Haus ist vor ca. 11 Jahren komplett saniert worden, u.a. ist es rundum neu mit Lehmziegeln aufgebaut worden.
Nun ist bereits zum 2. Mal ein Stück Putz abgefallen, ich glaube, man nennt das Gefache, jedenfalls sind an einer Stelle von ca. 30 x 80 cm die Lehmziegel offen zu sehen. Das erste Mal haben wir es noch machen lassen, kostete mal eben schlanke 230 €, und nachdem wir von den Nachbarn erfahren haben, dass das schon mal öfters passiert ist vor unserem Kauf, möchte ich mich da jetzt gerne selbst einarbeiten. Kann ja auf die Dauer teuer werden ...
Auf den Lehmziegeln war so eine Art Netzgewebe aufgebracht, darauf eine Schicht Putz, dann Farbe. Zumindest sah es so aus, als alles auf dem Boden lag. Habe das Material leider schon entsorgt, habe erst hier gelesen, dass man das ggf. wieder verwenden kann. Nun. Das nächste Mal kommt bestimmt.
Ich füge mal ein Foto hinzu, so dass der Kenner sich das besser vorstellen kann.
Kann mir jemand anhand dieser Infos sagen, welche Materialen ich am besten kaufe, vielleicht sogar wo, und wie man das Ganze dann repariert? Oder bei Bedarf mich gerne löchern mit Fragen, bis alle Unklarheiten beseitigt sind? Wäre sehr dankbar für jedwede Antwort!



Der Putz ...



... wird wahrscheinlich ein Zementputz sein: hart, spröde, rissanfällig, unflexibel. Genau das falsche für einen Lehmsteinverputz. Hier ist ein Kalkputz mit Haareinlage zur Rissvermeidung notwendig.

Auf dem Lehm haftet der Putz nur mechanisch, d.h. er geht keine bauchemische Verbindung zum Untergrundmaterial ein, wie es der Putz auf einem Mauerwerk tut.

Auf den Lehmsteinen oder auch auf dem Lehmgefache
"verkrallt" sich der Putz lediglich in die Unebenheiten des Lehmuntergrundes (ausgekratzte Fugen/Ritzungen/eingedrückte Dellen/herausstehende Strohfasern). Er ist deshalb generell gefährdet, sich nach längerer Standzeit oder bei Erschütterungen vom Untergrund zu lösen.

Sie müssen bei Ihrem Haus die Fugen ca. 1,5 cm tief auskratzen, auch die Anschlussfuge zum Fachwerk. Danach einen neuen, mehrlagigen Kalkputz nach Angabe des Herstellers aufbringen.

Kalkputz ist recht sensibel; seine Verarbeitung erfordert Kenntisse und Sorgfalt. Die Angaben des Herstellers sind genau einzuhalten.

Lesen Sie sich doch mal in die Verarbeitungshinweise der Firma "Claytec" ein, die Lehmbauprodukte anbietet:

http://www.claytec.de/produkte/bautechniken/fachwerksanierung/23-lehmstein-mauerwerk-und-aussenputz.html

Kalkmörtel und -Putze bekomme sie vielleicht bei Lutze+Törmer in Burscheid bzw. bei der "Baukraft" in Köln. Oder sie lassen sich dort an einen anderen, regionalen Händler von baubiologischen Produkten empfehlen. Sie können auch nach Händlern für "Gräfix"- oder "Hessler"- Kalkprodukte im Netz suchen.

Viel Erfolg.

PS. Wenn Sie Zweifel an der sachgerechten Ausführung der Sanierungsarbeiten haben (kommt leider sehr häufig vor), können Sie mich gerne kontaktieren. Eine Ausmauerung mit Lehmsteinen geht aber bereits in die richtige Richtung. Ist innen einen Vorsatzschale aus Gipskarton mit Mineralwolledämmung eingebaut worden? z.B. als Installationsebene für Elektro- und Heizungsleitungs-verlegung?

Langenfeld ist zwar nicht gerade " um die Ecke", aber ich bin im Umkreis von 100 km um Bad Münstereifel unterwegs.



Ich bin bei meinem Haus....



...folgendermaßen vorgegangen:

Die Gefache mit Lehmsteinen ausgemauert. Als Mörtel Lehm mit möglichst "langem" Stroh, das an vielen Stellen etwas herausragte.

Wie Will Pickartz schon schrieb, geht Kalkputz mit Lehm keine chemische Verbindung ein. Die "Haftung" erfolgt rein mechanisch, weshalb der Untergrund so rauh wie möglich sein sollte. Ist das nicht der Fall, kann man den Lehm entsprechend aufrauhen. Kelle, oder Nagelbrett geht ganz gut.

Umlaufend um das Gefach ist ein Kellenschnitt notwendig. Das ist eine keilförmige Fuge zwischen Ausfachung und Fachwerk. Auch das dient der mechanischen "Haftung" und aufgrund der höheren Materialstärke des Putzes in diesem Bereich, spätere Fugen zu vermeiden.

Dann habe ich auf die Lehmausfachung einen "Kellenbewurf" aus dünnem, aber grobkörnigen Kalkputz aufgebracht (ca. 1 cm).

Nach dem trocknen ein Gewebe grob angetackert und eine zweite Lage Kalkputz balkenbündig aufgebracht. Die Gewebe einlage dient dazu, dass der Putz nicht reißt. Das antackern nur dazu, dass das Ding vor der zweiten Lage nicht herunterfällt. Die beiden Kalkputzlagen mit dem Gewebe dazwischen gehen nämlich eine chemische Verbindung ein.

Das ganze hält nun schon seit acht Jahren ohne Risse, Abplatzungen oder sonstige Schäden.

Grüße
Martin

[pubimg 13421]



Hallo Trojaner



Wie schon geschrieben, bitte wirklich nicht nur auf das Material achten sondern auch die richtige Verarbeitung beachten.

Die Gefache auf dem Bild scheinen nicht gerade Balkenbündig verputzt zu sein.

Mittelfristig sollten sie auch ihren Schwellbalken (unterster Balken auf dem grauen Sockel) im Auge behalten. Der scheint eingeputzt worden zu sein, was über kurz oder Lang (eher kurz) zu erheblichen Schäden an Schellbalken führen wird.

Schönen 1. Mai noch.



Putz und Farbe



Hallo,

im wesentlichen kann ich den Ausführungen von Herrn Pickartz nur zustimmen.
Es sollte nach der Wahl des passenden Kalkputzes (Sumpfkalk, Hessler-Kalk o.ä.) in jedem Fall auch die verwendete Farbe überprüft werden. Ist diese diffusionsdicht, gibts u. U. trotz des richtigen Putzes weiterhin Probleme. Idealerweise wird entweder wieder eine Sumpfkalkfarbe oder eine Mineralfarbe verwendet. Keinesfalls Kunststoff oer gar Latex, etc.
Wo steht denn das Haus? als alter Baumberger komme ich ja quasi aus der Nachbarschaft. ;-)



Putz und Farbe



Hallo,

im wesentlichen kann ich den Ausführungen von Herrn Pickartz nur zustimmen.
Hilfreich ist auch die Verwendung von Ziegelgewebe. Nicht ganz billig aber gut.
Es sollte nach der Wahl des passenden Kalkputzes (Sumpfkalk, Hessler-Kalk o.ä.) in jedem Fall auch die verwendete Farbe überprüft werden. Ist diese diffusionsdicht, gibts u. U. trotz des richtigen Putzes weiterhin Probleme. Idealerweise wird entweder wieder eine Sumpfkalkfarbe oder eine Mineralfarbe verwendet. Keinesfalls Kunststoff oer gar Latex, etc.
Die Materialien gibt auch alle bei uns.
Wo steht denn das Haus? als ehemaliger Baumberger komme ich ja quasi aus der Nachbarschaft. ;-)



Ich wollte



ja gar nicht mehr.

Aber es ist um die Ecke...ich sehe im sanierten Fachwerk keine Holznägel? Netzgewebe auf den Lehmziegeln ?
Kissenputz in den Gefachen?

Sieht alles gut aus...kann aber vielleicht gar nix!

Such dir einen Fachmann!!!



Und



leider noch mehr ,deutliche Schwindfuge zwischen Neu und Altholz,Fernsterlaibung und Bank find ich komisch.

Eigentlich sind das alles Dinge die sich günstig beheben lassen,da würde ich auch auf das Angebot von Markus Mattonet eingehen,einfach mal drüber kucken.