Erneuerung Fachwerkwand Nordseite

13.10.2003



Altes Fachwerkhaus, nur die Nordseite ist noch als Fachwerkwand vorhanden, andere Aussenwände sind früher in Stein neu erstellt worden ca. vor 50 Jahren.
Dachüberstand 1,00m, Wandhöhe 2.40m. kaum Schlagregen.
Möchte das Fachwerk an der Nordseite erhalten.
Fachwerk auf 5m muß erneuert werden.
Fachwerk aus Eichenholz 20x18cm, ausgemauert mit Tonbrandziegel.
Wohnbereich ist 2,50m breit.
Das Fachwerk wird mit 20x18cm Eichenbalken erstellt und soll mit 17,5cm Yton ausgefacht und mit Mineralputz Außen Verputz werden. Zum Wohnbereich ist eine Innenwand mit 17,5cm Yton bündig mit dem Fachwerk vorgesehen die mit Gipsputz geglättet wird.
Gibt es Bedenken bei der beschriebenen Durchführung hinsichtlich feuchtebedingter Schäden; ausreichende Wärmeisolierung.

vielen Danke schon mal
Holger B.



FW-Haus



Guten Tag,
nun schlagen Sie mich nicht für Hiobsbotschaften; an diesen Plänen ist so ziemlich alles schadensträchtig, was man sich denken kann.
Gips hat am Altbau nichts zu suchen ! Durch Anhydrittreiben werden Sie irgendwann einmal nur Gipsmehl übrighaben. Yton ist als Außenwand in dieser Stärke unter anderem zu leicht und nimmt viel zu viel Feuchtigkeit in den Poren auf. Verwenden Sie weiter gebrannte Steine, am besten Recyclingmaterial, Verputz von außen nicht mit Mineralputz (was wirklich drin ist, wird hoffentlich im Merkblatt stehen). Die Steine mit MG I-II vermauern, das Fachwerk verlangt nach einem elastischen Mauermörtel. Die Dreiecksleisten nicht vergessen, sonst ist alles zu spät ! Als Putz einen dicken rißüberbrückenden Kalkputz nehmen und mit Farbe auf Basis Kaliwasserglas und anorganischen Pigmenten wetterbeständig machen (z.B. Firma Keim). Dann verscheuchen Sie bitte Ihren Planer und suchen Sie sich einen Traditionalisten mit regionaler Erfahrung !





Prima, dass Sie sich die Mühe machen, das Fachwerk zu rekonstruieren. Gutes Fachwerk hält fast ewig, ist ein Denkmal für sich. Ihre geplante Ausführung vereint aber leider fast alle Fehler, die in den letzten 50 Jahren bei der Fachwerksanierung gemacht wurden. Ich denke mal, dass Sie die Fugen zwischen Balken und Steinen auch noch mit Silikon ausspritzen wollen, oder? Nichts für ungut, aber Holz muss atmen können, ein Fachwerk trägt für sich, die Ausmauerung muss die Bewegungen mitmachen, und Holz und Ausmauerung müssen ein "Team" werden. Das geht mit ihren Materialien nicht: Die Ytong-Platten werden nach kurzer Zeit reißen, sie saugen sich mit Wasser voll, und durch die Innenschale bkommen sie den schönsten Tauwasseranfall. Da müssen Sie Ihr Eichenholz schon mit Lidan tränken, um Schäden zu vermeiden. Also: Ausmauern nur mit kleinformatigen und möglichst massiven Steinen und flexiblem Mörtel (auch Lehm), Dreiecksleiten zur Abdichtung und reinen Kalkputz außen. Wenn Sie innen dämmen, dann wählen Sie einen durchgängig diffusionsoffenen Aufbau ohne Luftschichten, z.B. mit Schilfmatten oder Holzfaserplatten, die satt in Putz gelegt werden. Auf keinen Fall Gips, sondern reinen Kalk- oder Lehmputz innen. Das Holz, das Haus und Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken.



Lehmausfachungen halten länger



wenn Sie das Fachwerk mit ungebrannten Lehmsteinen ausmauern und mit Kaltputz verputzen, verhindert der Lehm, dass Wasser in das Holz eindringt: Lehm hat eine Gleichgewichtsfeute von 5%, Holz 10-12%, d.h., sobald Wasser eindringt, saugt der Lehm dieses auf, um es nach und nach wieder an der Oberfläche abzugeben.