Schaden am Putz der Ausmauerung




Hallo Kollegen,

sitze gerade über eine Ausschreibung, bei der ein, mit Lehmsteinen ausgemauertes Fachwerk, bei dem der Putz versagt hat, neu hergestellt werden soll.

Es soll die Fachwerkwand mit OSB verkleidet werden, darauf die FW-Balken aufgedoppelt und die Felder - wie auch immer - ausgefacht werden (eigentlich völliger Quatsch).

Der FW-Bau gehört zum Wahrzeichen von Königsberg in Bayern,
es ist der Wächterturm des Schlosses (sehr exponierte Lage, der vollen Bewitterung ausgesetzt).

Nun zu meiner Frage:

Was hat der Verputzer falsch gemacht, dass der Putz sich teilweise vollflächig von der Lehmausmauerung gelöst hat?
Der Putz könnte ein Kalkputz sein.

Viele Grüße aus Unterfranken



Noch ein Bild



Wie man sieht, ist das FW völlig i.O.



Putzschaden



Hallo

Wenn man sich die Fotos anschaut kann man eigentlich mehrere Schäden erkennen:

Putz
Abscheren
Feuchte im Holz Risse
Oberputz
Farbe
Lehmsteine

Wer hat das zu verantworten?
Welcher Planer, welcher Handwerker war da dran?

Wenn der Verein Hilfe braucht - und die hat er sicher nötig - sollen die sich an jemanden wenden, der sich damit auskennt!
z.B. mich

Ist ja grausam.

Nur Sie als Handwerker können da intervenieren - als Planer sind einem da die Hände gebunden.
Der Bauherr muss auf einen zukommen!

Florian Kurz
www.slow-house.de

P.S.
ich vergas die Fugen im Sandstein und die Anstriche vom Holz



Ich fürchte ...



... dass das geschilderte Vorhaben das Ende der gesamten Fachwerkkonstruktion zur Folge haben könnte. Denkmalpflegerisch gesehen liegt es m. E. jedenfalls voll daneben.

Um eine hinreichend gesicherte Einschätzung der baulichen Situation vornehmen und Vorschläge zu einer sach- und fachlich fundierten Sanierung unterbreiten zu können, müsste das Objekt allerdings grundhaft untersucht werden.

Da Königsberg in Bayern nicht zu weit von unserem Bürositz entfernt ist, d. h. noch innerhalb unseres Aktionsradius liegt, möchte ich unsere Dienste anbieten. Meine Vorstellung geht dabei dahin, dass wir uns dem Projekt in Zusammenarbeit mit einem fachlich sehr versierten Mitarbeiter des Denkmalhofes Gernewitz annehmen könnten.



Das kommt mr irgendwie bekannt vor



http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/fachwerk-steine-176138.html

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/19/Westansicht-schlossberg-koenigsberg.jpg/799px-Westansicht-schlossberg-koenigsberg.jpg



Die Gründe können vielfältig sein wie z. B.



- Keine mechanische Haftung des Putzes zum Untergrund
- Falscher Putz und oder Farbe
- fehlender Kellenschnitt
- Auftragsstärken, Standzeiten und Sonneneinstrahlung
- zu hohen Holzfeucht

...............

Die OSB Verkleidung und Balkenaufdopplung ist es auf jeden Fall nicht!

Grüße



Nach Durchsicht ...



... der Beiträge unter
http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/fachwerk-steine-176138.html
wird mir ganz anders.

Das was Georg Böttcher in seinem Beitrag "Sichtfachwerk" geäußert hat, scheint mir plausibel.
Es könnte m. E. auf keinen Fall schaden, dem darin Angesprochenen nachzugehen. - Wir würden diese Fäden auf jeden Fall aufnehmen!

Nach meinem Dafürhalten besteht hier dringlicher Handlungsbedarf, aber dann bitte zielführend.

Mit der OSB-Variante wird's mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Desaster! - Wie heißt's so schön: Schlimmer geht immer.



Gründe



Sehe das auch so.

Keine Haftung des Putzes zum Untergrund.Vermutlich auch Abbindestörungen im Mörtelverhalten.
Ich tippe absolut auf Verarbeitungsfehler.

Weiterhin sehe ich Risse und Feuchte im Holz.
Die Farbe ist grauslich und mit Sicherheit entsprechend dicht.

Die Ausschreibungsstelle (Planluschen)sollte sich mal um sachkundiges Personal kümmern.Die neue Planung und somit auch die Ausführung dürfte nach hinten losgehen.

LG.P:Schneider



… oder ein Vereinsübel



nach Recherchen ist da ein Verein zuständig, der das "vergibt" und als Verein kein Geld hat und deshalb so sparen muss dass er es x mal von Neuem anfängt und dann zu Grunde richtet.

die Steine schauen aus wie Lehmgrünlinge die hoch verpresst wurden, die Farbe grausam, der Putz sicher sündhaft teuerer obergeildenkmalzertifiziert und so weiter …

Das Osb - G'schmarri bringts auch nicht weiter - doch weiter hin zum Abgrund!

LEIDER (m)eine Alltäglichkeit solches sehen zu müssen und die fragend verzweifelnden Gesichter der Betroffenen …

Florian Kurz
www.slow-house.de



Wie wird denn ...



... in dieser Region traditionell gearbeitet?

Immerhin scheint dieser Turm ja auch eine länger andauernde Geschichte als funktionierendes Gebäude gehabt zu haben.
Gibt es keine alten bildlichen Darstellungen, aus denen ersichtlich wird, ob es sich überhaupt um Sichtfachwerk handelte oder womöglich alte archivierte Bau- oder Kostenunterlagen über dort früher (also mindestens Vorkriegszeit) vorgenomme Bau- oder Reparaturmaßnahmen?

@Gerhard Schobig:
- Könnte der herabgefallene Putz hinsichtlich des Materials genauer untersucht werden?
- Wer hat denn die hanebüchene Idee mit den OSB-Platten+Fake-Fachwerk zu verantworten?



Spricht für Georg Böttcher



Georg Böttcher's vorsichtig angesagte "Hypothese" hat sich voll bestätigt. Hier zeigt sich die Erfahrung und wie gut es ist, wenn man den richtigen Mann im richtigen Moment engagiert.

Ich verstehe nicht ganz, warum das dann noch so lange dahingammeln lässt.

@Gerhard Schobig
Wer schreibt so etwas aus? - Ich würde mal die hier und im Archiv vorhandenen Antworten dem betreffenden Planer zeigen und fragen, ob der Pfusch nun weiter gehen soll.

Als Handweker würde ich dem Bauherren die Ausschreibung und die bereits vorhandenen Bedenken zuschicken und eine Angebotsabgabe für geplante Baufehler ablehnen.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Seh ich auch so …



… denn das:
Als Handweker würde ich dem Bauherren die Ausschreibung und die bereits vorhandenen Bedenken zuschicken und eine Angebotsabgabe für geplante Baufehler ablehnen.

muss ein Handwerker machen
und
DARF kein Planer machen - Unterlassungsklage …

Florian Kurz
www.slow-house.de



Putzschäden



Vielen Dank für die überraschend rege Diskussion.

Ausgeschrieben hat die Sanierung der Verein, der die Schlossanlage betreut.

Über den Planer kann ich zur Zeit nichts sagen.

Natürlich werde ich an der Ausschreibung teilnehmen, im Falle des Zuschlags jedoch sofort Bedenken über die geplante Sanierung anmelden.

Da der Verein lediglich begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung hat, sonst käme man auch nicht auf diese Sanierungsidee, wäre ich für eine günstige Lösung dankbar.

Viele Grüße



Lattenfachwerk



Sieht dann erst einmal so aus...



Malfachwerk



So etwas finde ich aber ehrlicher...



Es sind ja ...



... schon einige mögliche Lösungen genannt worden.

Leider scheint der Rat aus dem alten Thread, nämlich diejenigen, die für die alten Bausünden verantwortlich waren, zur Verantwortung zu ziehen, nicht befolgt worden zu sein. Womöglich war es ehrenamtliche Planung/Mitarbeit, weil ja für einen sogenannten Guten Zweck, also nach dem Motto "Gut gemeint ist das Gegenteil von gut", wo man nichts mehr holen konnte.

Langsam wundert es mich nicht mehr, warum die versammelte Handwerkerschaft dieses Forums so einen Hass auf Konrad Fischer hegt. Nicht wegen seiner beleidigenden Ausfälle oder kruden politischen Ansichten, sondern weil er auch Pfusch von hochheiligen Handwerksmeistern und hochdekorierten Denkmalexperten anprangert, also solchen, die sich bei diesem Turmprojekt offenar seit jeher die Klinke in die Hand geben und alles noch schlimmer machen.



War das jetzt...



... ein erster Sanierungsversuch oder ist der Putz schon älter?

sh



Der Putz



ist von 2009



Also kein Alter.



Ich fände es schon spannend herauszufinden, warum nur manche Gefache so dermaßen herausgekachelt sind. Meine Vermutung geht in Richtung vollschichtiger Auftrag (aus "Zeitgründen" oder Unwissenheit).

VG, sh





Die Verarbeitung war wohl insgesamt mangelhaft. Folgendes, ich zitiere mich mal aus einem älteren Beitrag, wurde u.a. vielleicht nicht beachtet:
Scharfkantiges (nicht V-förmiges) Auskratzen der Stoß- und Lagerfugen im frischen Mauerwerk in einer Tiefe von 0,5 – 1,0 cm zur Verbesserung der Haftung des Kalkputzes. Zusätzliche vorbereitende Arbeiten: Nach dem Antrocknen die Lehm-Oberfläche noch im feuchten Zustand mit stark verdünnter Kalkmilch streichen, so daß der Kalk mehrere Millimeter in den Putzgrund eindringen kann und als Haftbrücke dient. Bei Ausführung der Putzarbeiten beachten: Ausführung Putz balkenbündig, mit umlaufenden Kellenschnitt. Aufbrennen vermeiden, Pflegemaßnahmen beachten. Bei Bedarf (starke thermische Beanspruchung, Putzflächen sehr groß oder Haftgrund sehr schlecht) Einbetten eines alkalibeständigen Außenputz-Armierungsgewebes aus Glasfaser, vollflächig, Stöße mind. 100 mm überlappen, in die frische Grundputzlage.

Zu dem wird die Fassade bewittert, siehe dazu auch Beitrag


---Forenreferenz-----------
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Wo steht denn das Gebäude genau? Diese exponierte Lage ist für Sichtfachwerk wenig geeignet und kritisch zu sehen.

Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik schreibt dazu:
"Der Schlagregenschutz ist ein wesentlicher Teil des Feuchteschutzes. Zur Beurteilung der Schlagregen- beanspruchung sind in DIN 4108-3 drei Beanspruchungsgruppen definiert, die im Einzelfall unter Berücksichtigung der regionalen klimatischen Bedingungen, der örtlichen Lage und der Gebäudeart festzulegen sind. Umfangreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass Sichtfachwerk nur einer geringen Schlagregenbeanspruchung ausgesetzt werden darf, d.h. Beanspruchungsgruppe I mit Jahresniederschlagsmengen unter 600 mm oder geschützte Lage in Beanspruchungsgruppe II. Insgesamt sollte die jährliche Schlagregenmenge auf eine Fachwerkfassade den Wert von
150 Liter/m² nicht überschreiten. Ansonsten muss konstruktiver Regenschutz vorgenommen werden."

Dabei ist aber eher eine übliche Lage für ein Fachwerkhaus gemeint sein, Ihres wird ja sozusagen auf einem Silbertablett präsentiert.
Da sich für mich gefühlt die Art des Niederschlages mit der Zeit geändert hat, mehr Starkregen, würde ich das Ganze noch kritischer sehen.
Ihr Gebäude befindet sich mindestens in Beanspruchungsgruppe II, ist aber nicht geschützt.

Bernd Kibies mehr ...
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Bernd Kibies



Schadhafte Gefache...



Die mangelnde Putzhaftung ist definitiv auf 2 bzw 3 Punkte zurückzuführen.
1. Mangelhafte Putzgrundvorbehandlung (Keine mechanische Haftung, Grundierung z.B. Kalkmilch Kaseingrundierung usw. fehlt)
2. Schlechte Qualität der Lehmsteine. Auf den Bildern kann man deutlich die mangelhafte Frostbeständigkeit erkennen.
3. Ggf. zu hohe Schlagregenbelastung.

Wenn die Wetterbelastung zu hoch ist rate ich zu einer vollflächigen Verkleidung mit einem traditionellen und regionaltypischen Behang (Schiefer, Ziegelbehang?) oder aber Geld für Neuausfachung mit geeigneten Lehmsteinen bzw. für eine fachgerechte Sanierung des vorhandenen Bestandes investieren...
Pseudo Fachwerk und OSB kann doch hier nur in die Hose gehen
und kostet in ein paar Jahren wieder Geld...
Grüße
Mathias Josef