Innenausbau

04.09.2011


Wir haben ein Fachwerkhaus, BJ 1920 erstanden und beginnen mit der Renovierung. An einer Wand ist das Fachwerk bereits freigelegt, an der übrigen Wand wollen wir das Fachwerk sichtbar machen. Es ist im Moment versteckt von Putz/Mörtel, der runtergehauen werden muss. Was müssen wir beachten?

An zwei Wänden im Raum haben wir außerdem gesehen, dass Putz aufgebracht wurde auf Schaumstofftapete (?), die wiederum auf Raufaser geklebt ist, die auf der Orignal Wand klebt (getrennt von einer dünnen Papierschicht). Beim Versuch, etwas freizulegen, kam uns ne Menge bröckeliger Mörtel entgegen - vermutlich die Originalwand?

Wir wollen auf diese Wände Gipskartonplatten aufbringen (12,5 mm dick, 2,45 x 1,5 m). Können wir diese auf die Wand aufbringen mit Gipskleber, ohne die Tapeten-Triologie zu entfernen? Müssen wir grundbehandeln? Ursprünglich wollten wir die Platten aufschrauben, bei dem bröckeligen Untergrund aber keine gute Idee...Wer kennt das Problem oder hat ähnliches gelöst und kann uns beraten?

Gruß
Silke



Raus mit dem Dreck



Hallo Silke,

Du wärst gut beraten, dich erst einmal mit Fachwerk genauer auseinanderzusetzen, dann lassen sich viele Fehler vermeiden, die hinterher aufwändig saniert werden müssen. Im Vergleich zum konventionellen Bau gibt es sehr viele Dinge zu beachten.Ich empfehle dir zum Beispiel das Buch "Fachwerkhäuser restaurieren, sanieren, modernisieren..." von Wolfgang Lenze. Mir hat das sehr geholfen.

Ich würde dir raten, den Gipskarton bleiben zu lassen, den Dreck abzuklopfen, um erst einmal in Erfahrung zu bringen, ob die Balken darunter noch in Ordnung sind. Wenn ja, dann lässt sich das anschliessend mit Kalkputz oder Lehm ansehnlich verputzen. Das kostet auch nicht mehr, sieht besser aus und führt zu keinen Schäden am Fachwerk.

Viel wichtiger ist es, in Erfahrung zu bringen, wo Du den Innenputz kostengünstig entsorgen kannst. Offiziell wird man dir sagen, dass das ca. 100 Euro pro Tonne kostet. Wenn Du Glück hast, findest Du vielleicht einen günstigeren Weg, 20 Euro pro Tonne Bauschutt wären akzeptabel.

Grüsse,

Dirk



Raus mit dem Dreck



Hallöle Dirk,

vielen Dank für den Tipp!

Wir haben auch noch mal über den Gipskarton diskutiert und finden das jetzt keine ideale Lösung. Runter mit dem alten und rauf mit neuem Putz scheint wirklich das Beste zu sein. Dann haben wir auch kein Galama mit "wo befestigen wir die Gipskartonplatten" etc. Wir haben halt Respekt vor dem, was da alles runterkommt....kann es sein, dass das "Bröckelige" aus dem kurzen Versuch der Mörtel ist, der auf dem Fachwerk sitzt oder ist das das Material, das zwischen den Balken verarbeitet wurde? Vermutlich schwer, das ohne Bild zu beantworten....

Können wir denn beim Abtragen der Wände etwas falsch machen bzw. müssen wir mit besonderem Werkzeug ran? Was ist Deine Erfahrung?

Grüßle
Silke



Einfach draufkloppen



1920 waren ja eher schlechte Zeiten in Deutschland. Deshalb kann man nicht pauschal sagen, was da aus der Wand bröselt, selbt mit Photo wäre das schwierig. Ich würde erstmal an der bröseligsten Stelle vorsichtig klopfen, bis ihr im Gefach ankommt. Wenn klar ist, woraus die Wand besteht, würde ich behutsam weitermachen, denn vielleicht gibt es einige erhaltenswerte Schablonenmalereien oder ähnliches.

Dass alles bröselt, ist schon etwas verdächtig. Wenn Du Pech hast, dann sind die Balken irgendwo verfault und die resultierende Setzung führt zur statischen Belastung der Putzschicht. Grosse quer verlaufende Risse wären ein Anzeichen dafür. Wenn dir etwas seltsam bezüglich der Statik erscheint, dann solltest Du ein paar Metallspriesse zur Sicherheit vor Ort haben. Die kosten nicht viel (Ebay?)

Beim Abklopfen für grosse Flächen empfiehlt sich ein elektrischer 5 kg Abbruchhammer aus dem Baumarkt. Holzböden unbedingt abdecken, die scharfkantigen Brocken hinterlassen sonst Spuren. Ansonsten: Staubmaske und Abdeckfolie verwenden, denn die Staubentwicklung wird sicherlich bombastisch werden...

Was den Aufwand betrifft, da darf man sich nichts vormachen. Ein 90 Jahre altes Haus bringt sicherlich einiges an Sanierungsstau mit sich. Alles, was man in Eigenleistung erbringen kann, sollte man auch tun. Denn Handwerkerstunden sind in unserer Zeit leider kaum bezahlbar.

Insofern, viel Spass bei der Arbeit. Die erste Wand ist die Aufregendste.

Grüsse,

Dirk



Einfach draufkloppen



Hallo Dirk,

am WE sind wir im Haus und klopfen den Mist von der Wand. Zwei Abbruchhämmer aus dem Baumarkt haben wir am Start, ebenso diverse Schutz-Utensilien. Der Boden wird mit Malerflies und altem Teppichboden geschützt. Container steht vor der Tür, der will 16 EUR pro Tonne, find ich ok.

Bin total nervös und hoffe, dass wir ne anständige Wand ausgraben...Daumen drücken!

In Bezug auf das, was danach kommt:
Ich habe bereits einiges gelesen zu Lehmputz oder Kalkputz. Die Wände sind von außen isoliert, die Fassade ist verputzt, das Fachwerk wird von außen also geschützt. Wie bauen wir die Wand im Inneren auf? Bei den Trocknungszeiten von Lehm, die ich bisher gehört habe, mache ich mir ernsthaft Sorgen, ob wir das a) in Eigenleistung schaffen und b) bis Einzugstermin Ende Oktober! Schönes Raumklima in allen Ehren, aber wir wollen letztlich eine bezahlbare, gute Lösung, die nicht Wochen dauert und die dem Fachwerk und uns gut tut. Und wenn wir das zeitlich auch gestemmt bekommen, wäre das die Ideallösung.

Was meinst Du dazu?

Grüße
Silke



einfach draufkloppen?



Eine Fachwerkwand mit einem Abbruchhammer zu bearbeiten nur um den Putz abzukriegen sollten sie sich vorher nochmal überlegen. Mit einem Maurerhammer geht das auch.

Viele Grüße



Moin Silke,



bis Ende Oktober geht alles, wenn die "manpower" stimmt.....

Falls ihr den Umzugstermin noch etwas "schieben" könnt, macht das. Es arbeitet sich schneller, wenn man einen funktionierenden Haushalt im Hintergrund hat und die Baustellentür abends hinter sich zumachen kann.

Das schlimmste beim Wohnen auf der Baustelle sind nämlich die Momente, wo du denkst: "Ich will nach Hause...;-)".

Falls der Termin steht, würde ich an eurer Stelle die Vorbereitungen machen und es dann verputzen lassen. Kost' zwar, aber ihr werdet noch rechtzeitig fertig.

Den Staub und Dreck möchte nach'm Einzug niemand mehr in der Bude haben......

Toi toi toi, Boris



Maurerhammer



@ Ingenieurbüro Böttcher

Wir waren mit Maurerhammer an den Wänden, bekommen aber leider so gut wie nichts runter. Da wurde massiv aufs Fachwerk Zeugs aufgetragen. Außerdem hat der Vorbesitzer auf die Schicht Putz, die auf dem Fachwerk ist, noch Tapete->Schaumstofftapete->Dekomörtel gepappt und teilweise sogar Fliesen, und die bewegen sich mit dem Maurerhammer leider keinen cm....

Wir haben uns natürlich erkundigt, was wir nun am besten tun sollen, und haben den Rat mit dem Abbruchhammer bekommen. Mit ein wenig Feingefühl sagte man uns, sei das gut zu machen....liegen wir denn da so falsch?

Gruß



Moin Silke



Hallöle Boris,

Umzugstermin steht....unser Budget ist eng gesteckt und einige Posten, die wir kostenmäßig noch nicht haben, müssen noch eingerechnet werden. Daher weiss ich nicht, ob für das Verputzen vom Profi noch Knete übrig ist...

Was müssten wir denn veranschlagen? Jemand eine Idee?

a) mit Lehmputz
b) mit ???

Wir wollen eine verputzte Wand, die nur noch farbig gestrichen wird. Keine Tapeten.

Grüßle



Innenputz



Mit Ihren Angaben fällt es schwer, irgendeinen Rat zu erteilen.
Zuerst wollten Sie Fachwerk freilegen- ich hoffe nur an den Innenwänden. Das ist eine diffizile Angelegenheit, mit einem mechanischen Hammer kann man schnell mal ins Holz fahren, auf jeden Fall besteht die Gefahr das die Ausmauerung danach lose ist.
Dann schreiben Sie etwas von einer Menge bröckeligem Mörtel, der ihnen entgegen kam.
Das interpretiere ich so das auf dem orginalen relativ weichem Putz mehrere Schichten aufgetragen wurden. Die fliegen automatisch mit runter, wenn man mit Meißel oder Hammerschneide darunterfährt- ein mechanischer Hammer würde auch hier mehr kaputt machen als gewünscht und ist wohl überflüssig.
Dann schreiben Sie weiter das Sie auf die Wände dann Gipskarton aufbringen wollen- ich hoffe nur an den Innenwänden. Dafür müssen Sie kein Fachwerk freilegen. Dafür müssen Sie noch nicht einmal den gesamten Putz abschlagen, nur die weichen und losen Bereiche. Wohl aber muß die Tapete mit dem was draufhängt runter.

Noch mal zu dem "Fachwerk freilegen":
Das sollten Sie erstmal vergessen. Das Holz ist nicht als Sichtfachwerk vorgerichtet, es ist sägerauh, wahrscheinlich fehlkantig, mit dem Beil aufgerauht und steckt voller rostiger kleiner Drahtstifte. Auch das Mauerwerk ist nicht steinsichtig erstellt, ohne Putz wird es einfach nur nach Ruine aussehen. Um hier ein für Sie befriedigendes Ergebnis zu erzielen werden Sie noch lange daran herumschleifen und basteln können.
Warum kein GK an die Außenwände:
Sie sind handwerklich und bauphysikalisch gesehen Laien und produzieren sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Wandbefeuchtungsanlage mit angeschlossener Pilzzucht. Wenn Sie eine Innendämmung und/oder eine Vorsatzschale oder Trockenputz wollen dann lassen Sie einen Profi ran.

Den Umzugstermin Ende Oktober können Sie vergessen.

Was die Elektrohämmer betrifft:
Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit.

Viele Grüße



Verputz



Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihr feedback!

Unsere Überlegungen "reifen" und kommen nun zu einer Entscheidung.

Unser erster Gedanke war tatsächlich, Gipskartonplatten an die Wände zu schrauben. Da wir aber auf Grund des darunter liegenden Fachwerks und den nicht sichtbaren Balken keine Möglichkeit haben, die Gipskartonplatten verlässlich ins Holz zu bringen bzw. das gar nicht wollen, weil der Balken dadurch Schaden nimmt, sind wir davon wieder weg.

Der nächste Ansatz war, die Wand von altem Belag zu befreien, z.B. durch Abschleifen der Oberflächen. Dadurch würden wir die Tapeten und Deko-Mörtel wegbekommen. Der instabile Untergrund = Putz, der dann noch auf dem Fachwerk liegen würde, würde dadurch aber bleiben bzw. noch instabiler werden. Um dann eine ebene Fläche zu bekommen, müsste verputzt werden und dann der Gipskarton per Gipskleber an die Wand.

Auch diese Idee ist mittlerweile nicht mehr aktuell, nachdem wir in Fachkreisen Rücksprache gehalten haben.

Die Wände, die wir bearbeiten, sind bis auf eine ausschließlich Außenwände, die mit Wärmedämmung und Fassadenputz von außen geschützt sind.

Wir wollen die Wände nicht deshalb freilegen, weil wir das Fachwerk sehen und offen lassen wollen, sondern weil das für uns die beste Lösung ist: zum einen bekommen wir den alten Mist runter, zum anderen haben wir dann eine gute Ausgangssituation und können die Wände quasi neu und besser aufbauen. Wir denken an Verputzen (lassen), Material ist noch unklar. Lehmmörtel ist wohl die ökologischste und für das Raumklima beste Variante, allerdings läuft uns auf Grund der Trocknungszeiten hier schlicht die Zeit weg. Es muss also wohl ein anderer Putz werden.


Sollten wir aus Ihrer Sicht besser die Wände "nur" abschleifen und vom Belag befreien und den Verputz unberührt lassen? Und dann die losen bzw. brüchigen Stellen mit neuem Putz versehen?

Wir würden gerne nur Farbe an den glatten Wänden haben wollen, ohne Tapeten o.ä.

Vielen Dank noch mal für Ihre Gedanken!

Grüße



Kloppen oder nicht, das ist die Frage...



Hallo Silke,

wie es weitergeht, kann man wohl erst nach dem Wochenende entscheiden. Ob Elektrohammer oder nicht, auf die Ausfachungen muss man natürlich aufpassen, wennn das sofort wieder verputzt werden soll.
Die Balken lassen sich fürs Erste mit einer Drahtbürste reinigen, bei den Nägeln hilft die Beisszange. Ob Lehm oder Fertigputz, dazu kann ich mangels Erfahrung nicht viel sagen. Für mich wäre das optische Ergebnis ausschlaggebend. Photos gibt es hier im Forum genügend.

Und nicht vergessen: Ob Ihr überhaupt verputzen könnt, hängt davon ab, ob Balken und Ausfachungen in Ordnung sind.

Wenn die Zeit drängt und das Geld knapp ist, würde ich mir überlegen, ob man die Aktion nicht auf das nächste Frühjahr verschieben könnte. Ein Zimmer ist schnell leergeräumt. Ausserdem hättet ihr genügend Zeit, um Euch mit dem Thema Fachwerksanierung auseinanderzusetzen. Schnellschüsse bringen meistens nichts und führen dazu, dass man mit dem optischen Ergebnis jahrelang unzufrieden ist. Ausserdem besteht die grosse Gefahr, dass ihr mangels Kenntnis bauphysikalische Fehler produziert.


Dieses Jahr könntet ihr das Fachwerk freilegen (oder auch nicht). Die Optik wäre für ein halbes Jahr vermutlich ertragbar, man härtet ab mit der Zeit...

Ein Photo von den Wänden wäre nicht schlecht, zumindest nach dem Wochenende.

Grüsse,

Dirk



Abschleifen



Servus Dirk,

vielen Dank für Deine Worte!

Die Wand abzutragen und danach neu aufzubauen kostet wohl zuviel Zeit und Geld, das haben wir so nicht kalkuliert.

Wir werden die Wände abschleifen, um den ganzen Tapeten-Belag inkl. Deko-Putz abzubekommen. Den Putz auf dem Fachwerk, der dann vorhanden ist, wollen wir so gut es geht unangetastet lassen und ggfs. ausbessern, das schaffen wir.

Ich werde berichten, wie das WE-Projekt gelaufen ist und schieße auch gleich ein paar Bilder!

Grüßle
Silke