Putzbestimmung

02.05.2021 STS

Putzbestimmung

Ich habe - fatalerweise - einen Altbau (Anfang 19. Jh.) erworben. Das Haus hat keinen Keller. Im Erdgeschoss lag die relative Luftfeuchtigkeit bei 90 % (!), nach Aufstellen eines Entfeuchters ist diese jetzt bei 65 %, es muffelt. Die Wände sind teilweise spürbar und sichtbar feucht, das Messgerät zeigt 8 % an. Teilweise sind die Wände gefliest, es treten Ausblühungen von Mauersalpeter auf und teilweise platzen die Fliesen von der Wand ab. Feuchtigkeit durch leckende Wasserleitungen kann ich ausschließen, Feuchtigkeit durch leckende Abwasserleitungen ebenso, jedoch nicht im Bereich der Grundleitungen. Stehendes Wasser unter dem Fußboden halte ich für unwahrscheinlich. Der Boden ist mit Marmorplatten belegt, diese sind in einem relativ guten Zustand; die Fensterbretter sind ebenfalls mit den gleichen Marmorplatten belegt und sind an der Oberfläche völlig zerfressen. Möglicherweise wurden früher im Erdgeschoss Tiere gehalten und die Wände sind daher salzbelastet.

Zur Zeit gehe ich von salzbelasteten Wänden aus und überlege, den Putz zu entfernen und einen Kalkputz oder Sanierputz als Opferputz aufzubringen, um das Salz aus den Wänden zu entfernen. Vorher will ich aber noch verstehen, ob die vorherigen Eigentümer nicht vielleicht doch den "richtigen" Putz, also meiner jetzigen Meinung nach Kalk- oder Sanierputz, bereits aufgebracht hatten. Wenn dies der Fall wäre, dann würde das Problem unter Umständen nicht in salzbelastetem Mauerwerk liegen und ich müsste umdenken.

Daher bitte ich Euch, soweit möglich, mir bei der Bestimmung des Putzes zu helfen, da ich leider keine Ahnung von Putz habe. Vielen Dank!

Das Bild zeigt im unteren Bereich auf der Ziegel- bzw. Bruchsteinwand einen hellbraunen, sandigen, völlig durchnässten und völlig weichen Putz, den man sogar mit eine Löffel weglöffeln kann. Es entsteht keinerlei Staubentwicklung. Darüber befindet sich hellgrauer, härterer Putz, der in großen Stücken (ca. DIN A4) sich leicht abschlagen lässt. Auch hier entsteht beim Entfernen keinerlei Staubentwicklung.

Kann man anhand der von mir gelieferten Information sagen, um welche Putze es sich hier handelt?





Das Aussehen und der Umstand das sich der Putz in größeren Flatschen lösen lässt, verweisen auf einen Putz der mit Zement gebunden ist. Aber auch unabhängig davon dürfte er "erschöpft" sein und sollte penibel, restlos entfernt werden.

Solche Fäkalsalzbelastungen sind in Bauernhäusern häufig anzutreffen. Empfehlenswert ist hier Rückbau bis auf die raumbegrenzenden Bauteile. Auch der Boden sollte aufgenommen werden. Und die Wandbildner sind abrasiv zu reinigen. Damit wird erstmal viel Feuchtigkeit und Salz das auch Geruch verursacht "entsorgt".

Wie hoch ist den die Raumlufttemperatur. Die gemessene relative Luftfeuchtigkeit bezieht sich auf eine absolute Wasserdampfmenge die von der Luft aufgenommen werden kann, dies ist Temperatur abhängig.

Also bei Aussagen zum "Raumklima" sind immer nur Feuchte- und Temperaturangaben nützlich.



Putzbestimmung



Hallo Mario, vielen Dank für Deine Antwort!

Es handelt sich definitiv um zwei verschiedene Putze, die übereinander liegen. Der obere Putz ist hellgrau, hart und fällt in großen Stücken ab (im Bild oben zu sehen). Der darunter befindet sich ein hellbrauner, völlig durchnässter und völlig weicher Putz (im Bild unten zu sehen).

Der obere Putz enthält auch meiner Ansicht nach einen Zementanteil. Und um was handelt es sich bei dem unteren, hellbraunen Putz?

Zu Deinen weiteren Fragen: Es handelt sich wohl nicht um ein Bauernhaus, sondern eher um ein Stadthaus. Im 21.4.2021 lag die Temperatur bei 10,1 °C und die relative Luftfeuchte bei 80% (nicht 90 % wie ich fälschlicherweise in meiner Anfangsfrage schrieb), jetzt liegt die Temperatur bei 13,9 °C und die relative Luftfeuchtigkeit bei 65 %.





Den Zusammenhang zwischen Lufttemperatur und Wasserdampfgehalt der Luft solltest du dir eingängig vergegenwärtigen.

Dazu gibt es Rechner im Internet die das näherungsweise berechnen können.

https://rechneronline.de/barometer/luftfeuchtigkeit.php

http://www.pb-schilling.de/baubiologie/luftfeuchte-rechner/

Oder man schaut ins "Mollier-Diagramm".

Die Raumluft enthält etwa 8 Gramm Wasser pro Kubikmeter Luft, je nach Sättigungsvermögen der Luft (Raumlufttemperatur) ergeben sich die besagten Werte der relativen Luftfeuchtigkeit.

Das ist unter bauhygienischen Gesichtspunkten erstmal "gut". Der Betrieb eines Kondenstrockners macht hier aber weniger Sinn. Empfehlenswert wird bei gegenwärtiger Witterung eine Querlüftung über Fensterspalt sein und eine moderates Beheizen auf die gegenwärtigen Tagestemperaturen außen. So vermeidet man neuerliche Tauwasserbildung an den massiven Wandbilndnern, wenn es draußen wärmer wird.

Ansonsten führt kein Weg an einer möglichst konsequenten "Sanierung" der Versalzung vorbei. Hier ist vielmehr die historische Fäkalienbelastung aus der Tierhaltung als "typische Lage" von Bedeutung.

Die "weichen" Putzmaterialien werden wohl die bauzeitlichen Materialien sein (tradierte Kalkmörtel). Der ganze Aufbau zeigt das man schon seit längerer Zeit mit den Salz- / Feuchtephänomen "gekämpft" hat. Und mit "dichten" Putzen versucht hat Abhilfe herbeizuführen.