Fragen zum Umgang mit Lehmfachwerk

14.08.2012 Merkurio



Hallo zusammen,

wir überlegen derzeit ein älteres Haus zu kaufen. Der Altbau verfügt über ein Lehmfachwerk. Der aufgetragene Putz ist an den Wänden und Decken ("hängen durch") teilweise gerissen und soll entfernt werden, sofern wir das Haus erwerben.

Soweit ich bisher richtig verstanden habe, kann man wegen ggf. entstehenden Feuchtigkeitsschäden keine einfache Gipswand vor die Wände / Decken setzen.

Wir überlegen momentan, ob wir das Innenfachwerk freilegen, so dass nur noch die Balken stehen, sowohl bei den Wänden, als auch bei den Decken. Besteht im Anschluss daran dann die Möglichkeit, dass man z. B. die Decken oder Innenwände einfach mit Rigips verkleidet, ohne dass später dadurch Feuchtigkeitsschäden auftreten? Oder ändert das Entfernen des Lehmputzes in den Zwischenräumen nichts an diesem Problem?

Bei den Außenwänden besteht sicherlich keine andere Möglichkeit, als diese von innen neu mit Lehmputz zu versehen um späteren Feuchtigkeitsschäden vorzubeugen, oder?

Das ganze Projekt soll von den Kosten nicht zu sehr ausufern und möglichst auch nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen (da das Gesamtobjekt, inkl. Neu-/Anbau auch noch renovierungsbedürftig ist).

Ich bin für jeden Tipp dankbar!

Viele Grüße.





Damit die Kosten nicht ausufern, sollten Sie vor dem Kauf eine genauere Inaugenscheinnahme der Konstruktion mit einem fachwerkerfahrenen Planer o.ä. vornehmen, um einen Überblick über Schäden und notwendige Maßnahmen zu bekommen.
Danach sollte ein Gesamtkonzept entwickelt werden. Ohne weiterführende Untersuchungen und Arbeiten (detaillierte Kostenschätzung etc.) würde auch ich mich nicht an so ein Vorhaben wagen. Es ist Ihnen nicht damit geholfen, wenn Sie sich jetzt schon mit Detaillösungen auseinander setzen.

Bernd Kibies



Ein funktionierendes...



System einfach schreddern wäre schade...

Lehmputz hat den Vorteil, dass er recht reparaturfreundlich ist... einfach mal probieren, mit nem feuchten Schwamm die Risse zu behandeln...

Lehmputz lässt sich auch i.d.R. recht einfach rexyclen, sprich wieder als Putz verwenden...

Ob das Durchhängen der Decke sich mit Entfernen des Putzes und GK-Vorsatzschale lösen lässt darf auch erstmal bezweifelt werden...

Schallschutz, Feuchteschutz, Wärmeschutz... Ihr habt noch viel Lesestoff vor Euch...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Gipskarton



und andere "moderne" Baustoffe sind mit dem bauphysikalischen Gesamtkonzept eines solchen alten Fachwerkbaus nur schwer vereinbar. Durch die Entwicklung bei den Lehmbaustoffen stehen hier aber inzwischen erprobte Systeme zur Verfügung, um einen solchen Altbau auf heutige Ansprüche zu bringen. Lehm bietet eine hervorragende Basis für Eigenleistung und damit Kostenreduzierung. Bitte keine Baumarktberatung, sondern einen kompetenten Begleiter für Planung und Baubegleitung suchen.

MfG
dasMaurer



soweit



haben alle Vorschreiber recht, aber auf das Detail der Frage, wie es sich bei Innenwänden verhält, muß ich ergänzen: da kann man durchaus auch GK verwenden (entspricht nicht der allgemeine Fachwerkhaus-Philosophie hier) ohne daß es zu Feuchteschäden kommt - solang der Nachbarraum etwa die gleichen klimatischen Verhältnisse aufweist. Bei Außenwänden trifft das aber nicht zu.



Durchhängende Decken



naja ein Foto wäre nicht schlecht. Unsere Decken hier sind auch alles andere als gerade. Es gab auch schon (ältere) Risse (meist am Putz an Balken) und allgemein bröselnden Putz. Der Lehmputz läßt sich aber wieder mit etwas Geschick auch an Balken gut befestigen. Wenn die Decken aber richtig durchhängen, solltet Ihr dass lieber von einem Fachmann prüfen lassen, nicht dass mit der Statik was im Argen ist. Fachmann VOR Hauskauf ist IMMER zu empfehlen.
Den Putz an Wänden kann man eigentlich auch völlig unkompliziert ausbessern. Allerdings - gerade Wände sind nun mal nicht Standart im Fachwerkhaus. Also, wenn Ihr damit nicht leben wollt und Euer neuerworbenes Haus mit Begradigungsversuchen nicht schädigen wollt, dann wird das sicher ein größerer Kostenfaktor, zumal Ihr noch mit einigen baulichen Überraschungen in Form von ungeahnten Problemen rechnen müßt. So ist das eben bei einem alten Haus. Wenn schon Platten und Dämmung dazwischen, dann würde ich am ehesten zu Lehmbauplatten, Holzfaserplatten und nätürlichen Dämmstoffen wie Hanf raten - aber das ist natürlich nicht so billig wie Gipskarton, Glaswolle und Bauschaum dafür langfristig wesentlich sinnvoller.