Altbau

25.07.2009



Hallo,
ich habe mich jetzt schon durch ettliche Beiträge gelesen und im Internet gestöbert. Allerdings finde ich als Anfänger im Bereich Altbausanierung nicht direkt Antworten auf meine Fragen und hoffe nun hier Hilfe zu finden.
Wir hatten uns ja schon fast ein Fachwerkhaus gekauft, auch das Balken getauscht werden mussten hat uns nicht abgeschreckt, naja im Endeffekt war die Finanzierung schwierig und wir haben den Zuschlag nicht bekommen. Vermutlich war es besser so. Jetzt ziehen wir allerdings in einen Altbau ein - zur Miete - und haben angefangen das 1.OG zu renovieren; sprich wir wollten neue Tapeten anbringen und hätten am liebsten den Boden in der Küche erneuert (allerdings hat uns der Vermieter dies nicht erlaubt, aber dazu später mehr). Die Tapeten im 1.OG mussten runter da sie sich zum Teil schon von alleine lösten (leider taten die Tapeten dies nicht überall, sodass noch genug arbeit übrig war). So jetzt gehts aber los mit Fragen:
1.) Wände
Nachdem die Tapeten von den Wänden entfernt wurden kam ein blauer Putz zum Vorschein (siehe Bild). Liegt die Farbe an einem speziellen Putz der dort eingesetzt wurde, oder wurde er evtl. mit einem speziellen Mittel behandelt? Handelt es sich bei dem Putz um Kalk-zement Putz? Woran kann man sowas erkennen? Man sieht das auf der Wand neue Leitungen verlegt wurden. Ich nehme an das diese Stellen mit Gipsputz gefüllt wurden. Die Konsistenz ist deutlich weicher als die der blauen Stellen. Man kann erkennen das im oberen Teil der Wand ein anderer Putz eingesetzt wurde. Hier sind einige Stellen abgegangen. Zum Vorschein kommt eine braune sandige Substanz - ist dies Lehmputz? Wenn ja warum hat man unterschiedliche Putzarten verwendet und dazu auch noch so strikt voneinander getrennt (Lehmputz? in einem Bereich von ca. 30cm von der Decke, der Rest Kalk-zement Putz?).
Zum Teil sind an den Fensterausschnitten die Kanten der Wand abgebröckelt. Setzt man hier nun Kantenprofile ein und Verputz die Stellen neu? Wenn ja womit? Geht Kalk-zement auf Gipsputz? Oder kann man einfach Gipsputz nehmen, wobei ich durch die Recherchen nun weiß das diese Putzart wohl nicht das Nonplusultra ist?! Die Risse an den Wänden - wie gehe ich hiermit um? mit Acryl ausspritzen? großflächig den Putz entfernen und neu verputzen?
Als Tapete haben wir uns Renoviervliess organisiert, welches Rißüberbrückend sein soll und von der Struktur her auch sehr glatt ist (wir hatten die Nase voll von Raufaser!). War das eine gute Wahl, oder muss man speziell etwas berücksichtigen?
Was ich auch sehr unschön finde sind die abgebrochenen Putzstellen in Bodennähe - sieht aus, als wenn ein Handwerker dort nicht gerade zimperlich vorgegangen ist als z.B. das Parkett auf die Dielen aufgebracht wurde, wo wir beim nächsten Thema wären.
2.) Boden
Im Wohnzimmerbereich scheint das Parkett direkt auf die Dielen aufgebraucht worden zu sein. Es handelt sich dabei um Teak-Parkett. Ist das die fachlicht richtige Methode?
Im Küchenbereich wurde leider gefliest. Bei einigen Fliesen sind die Fugen gerissen und die Fliesen haben sich leicht aufgestellt. Der Bodenaufbau ist wie folgt:
Dielenbretter, dann ein alter PVC Belag, darauf ein oder zwei Schichten Spanplatte und darauf schließlich die Fliesen. Ist dies die fachlich korrekte Vorgehensweise? Mir erscheint gerade die Schicht PVC auf dem Holz als nicht gerade geeignet? Wie würde man vorgehen müssen um auf einem Holzboden Fliesen aufzubringen? Oder anders gefragt angenommen die alten Dielen wären nicht erhaltungswürdig gewesen, welche Alternativen hätte man gehabt? Einige stören sich ja an Holz in der Küche - ist dies bezüglich Feuchtigkeit gerechtfertigt? Apropos Feuchtigkeit - hier wären wir bei dem Thema Badezimmer. Dort scheinen die Fliesen mehr oder weniger direkt auf die Dielen aufgebracht zu sein. Zumindest ist kein Aufbau wie in der Küche zu erkennen. Die Folge ist ein Niveau-unterschied zwischen dem Parkett und dem Badezimmerboden. An dem Übergang ist nur eine Abschlussleiste auf den Fliesen verschraubt und es bleibt ein 2cm breiter Dielenstreifen sichtbar, der im Übrigen auch heller und trockener erscheint, als der, der sich in der Küche unter dem PVC verbirgt. Was wäre denn die geeigneteste Vorgehensweise wenn man nun das Bad saniert? Welchen Bodenaufbau sollte man wählen? gerade in Bezug auf die Feuchtigkeit. Diese wirkt auch gerade im Bad auf die Decke ein, wo wir bei Frage 3. wären.
Im Bad weist die Decke Risse auf - was mache ich mit der Decke im Bad??
Mein Hauptaugenmerk liegt jedoch zunächst auf der Decke im Wohnzimmerbereich.
4.) Ich war erstaunt als ich hier nach Entfernung der Tapete Putz entdeckt habe - wie gesagt ANFÄNGER - und habe mir dann erstmal ansehen müssen wie so eine alte Decke aufgebaut war und bin immer noch überrascht das diese Decken verputzt wurden. Die Decke weißt jedoch eine Menge von Rissen auf, so dass ich mir jetzt die Frage stelle ob es die Mühe wert ist darauf zu tapezieren, oder ob man nicht besser vorher andere Maßnahmen einleitet? Nur welche? Der Deckenaufbau erscheint wie folgt:
an zwei Stellen ist etwas von dem Deckenputz abgegangen. Dieser ist auf alle Fälle dünner wie 1cm. Darunter lassen sich rauhe Holzbretter erkennen - sowas wie unbehandelte Dachlatten. Ich kann jedoch kein Stroh oder soetwas erkennen und es kommt mir auch keine Schüttung entgegen. Hat man hier direkt auf diese Dachlatten verputzt? Sind die Risse bedenklich? noch scheint es einigermassen zu haften - also einfach drüber tapezieren? oder den Putz abmachen und einen anderen Deckenaufbau wählen? Gipskartonplatten scheinen hier ja auch falsch zu sein - wegen dem Gewicht?! Wie sähe ein geegneter Deckenaufbau aus?

Mir geht es nicht unbedingt darum die Strukturen wieder so aufzubauen wie sie früher einmal waren. O.k. wenn Dielen oder Holzbalken oder andere Dinge erhaltenswürdig sind dann soll soetwas auf keinen Fall raus, aber wenn ein modernerer Aufbau gerechtfertigt erscheint so kommt das für mich auch in Frage! Ich möchte nun nur nicht unnötig Zeit in z.B. das Tapezieren der Decke investieren, damit mir dann später jemand sagt, joa schön aber du hättest besser mal........ Von daher möchte ich nicht einfach flicken, sondern es lieber gleich richtig bzw. so gut wie möglich machen.
Ich würde mich wirklich freuen wenn mir jemand weiterhelfen kann.

Viele Grüße
Sascha





Hallo

-Das Blaue ist mit Sicherheit kein Putz sondern (mehrere Schichten) Leimfarbe die gerne um 1900 rum ( plus minus 50 jahre ;))verwendet wurde. Den hellen Streifen hat man aus gestalterischen Gründen in der gleichen Farbe wie die Decke angemalt um evt. Unebenheiten in der Decke zu kaschieren. Meistens war am Übergang noch eine Bordüre aufschabloniert.

-Richtig die E-leitungen wurden nachträglich unter Putz gelegt und vermutlich mit Gips geschlossen.

-Wenn du deine vielen Fragen in mehrere übersichtliche Einzeleinträge gliederst fällt es leichter sich da "durchzuwühlen".

-Viel Spaß noch und nicht alles was mal irgendwer eingebaut hat muss falsch sein.

Gruß

Dorothée



Putz



Hallo,
ich denke auch, dass das graue eine Farbe ist.
Wenn es Leimfarbe ist, dann laesst sich die Farbe angenaesst mechanisch verreiben.
Ich empfehle, gerade weil es Altbau ist und evtl. jetzt oder spaeter neue Fenster kommen, neue Heizung, etc. - vorhandenen Farbschichten abfraesen oder abschlagen und die Waende und Decken komplett mit Kalk verputzen. Wenn Ihr auf keinen Fall Risse wollt, dann ein Armierungsgewebe einlegen.
Ich hab das neulich mit einem Kalk-Oberputz von Hessler Kalk (HP 90) gemacht, hat hervorragend funktioniert.

Gruss Norbert Hoepfer



Renovation im Altbau als Mieter?



Lass die Finger davon! Entweder Du arbeitest für andere, oder - wenns dumm läuft - wirft Dir der Besitzer nach der ersten Uneinigkeit vor, Du hättest durch unsachgemässe Arbeit sein Eigentum beschädigt. Und wenn Du Fachlaie bist, kannst Du zwar einwandfreie Arbeit geleistet haben, nur wird Dir das niemand glauben. Unerfreulich wirds allemal.

Miete hat den Zweck, dass ein Eigentümer die Nutzung einer Sache für eine bestimmte Zeit an den Mieter abtritt, aber den Unterhalt weiterhin leistet. Der Besitzer muss die Sache in gebrauchsfähigem Zustand erhalten, und der Mieter darf sie nicht beschädigen.
Als Mieter mal ein Zimmer neu Streichen oder auch einen Parkett verlegen, ok, aber weiter soll man nicht gehen. Dafür taugt die Rechtsform "Miete" nicht.



Altbau



Hallo,

mit alten Farben ist das so eine Sache. Als Laie kann man nicht erkennen, was man davon anfassen kann, ohne Gesundheitsschäden befürchten zu müssen. Da gibt es schwermetallhaltige Farben und Anilinfarben, beide Sorten nichts für mich.
Schön für den Vermieter, wenn der Dreck der Jahrzehnte kostenlos entsorgt wird. Und wie sieht es mit asbesthaltigen Fliesenklebern, Bodenplatten etc aus ?

Grüße vom Niederrhein



renovierung als mieter



so rigoros würde ich das nicht ablehnen, es kommt auf die umstände an und auf das verhältnis mieter/eigentümer, und evtl. existieren ja auch vereinbarungen, die nicht unbedingt der schriftform bedürfen.
ich habe schon mehrfach ausgesprochen gute erfahrungen gemacht, und teilweise jahrelang für eine nicht anders als "symbolisch" zu bezeichnende miete nach eigener, umfangreicher Sanierung wohnen können.
natürlich ist vorsicht geboten, aber es gibt noch immer die möglichkeit, individuelle vereinbarungen zu treffen und sich nicht nur von mißtrauen und dem unterstellen böser absichten seitens des eigentümers bestimmen zu lassen. manchmal kann auch eine win-win-strategie zum nutzen aller sinnvoll sein.
gruß, carmen





Carmen, das seh' ich auch so, aber man sollte einen Grund haben, es zu tun, nicht einen Grund, es nicht zu tun! Will heissen, wenn Mieter und Vermieter nur durch einen Mietvertrag verbunden sind und sonst durch nichts, dann nicht.
Das mit den mündlichen Vereinbarungen stimmt, aber im Streit wird das Erinnerungsvermögen gerne selektiv.



Vorsicht:



"so rigoros würde ich das nicht ablehnen, es kommt auf die umstände an und auf das verhältnis mieter/eigentümer, und evtl. existieren ja auch vereinbarungen, die nicht unbedingt der schriftform bedürfen."

Das sehe ich genau andersherum, alles sollte akribisch aufgeschrieben werden. Was passiert zum Beispiel, wenn Ihr kurz nach Fertigstellung der vereinbarten Arbeiten Euer Traumhaus findet und auszieht? Ob Euch dann der Vermieter den Wert von Arbeit und Material angemessen erstattet? In fast jedem der denkbaren Streitfälle ist hier der Mieter der Dumme.

Gibt es nicht genügend passable Wohnungen im saniertem Zustand? Ich würde mir das bei einer Mietwohnung nicht antun.

Grüße

Thomas



@ thomas



bei der von sascha beschriebenen recht aufwendigen sanierungsaktion bin ich vernünftigerweise davon ausgegangen, daß er nicht gleich wieder auszieht und die absprachen/mietkonditionen schon stimmen....
ich wünsch ihm jedenfalls die gleichen guten erfahrungen, die ich gemacht habe - wider die ratschläge meines anwalts ;-) ,dafür im besten einvernehmen mit den eigentümern!
gruß, carmen



Erstmal Danke für die Antworten!



Ui, ich wollte hier jetzt nicht unbedingt eine derartige Diskussion lostreten, obwohl um ehrlich zu sein ich extra geschrieben habe das wir zur Miete wohnen. Es geht auch nicht darum ob es nur mir oder dem Vermieter etwas bringt. In erster Linie möchte ich mich wohl fühlen - Maßnahmen werden selbstverständlich mit dem Vermieter besprochen und schriftlich fest gehalten. Wie gesagt wir wollten neu tapezieren und Farbe an die Wand bringen - mehr eigentlich nicht! Die Fragen traten erst auf als ich die erste Tapetenbahn von der Wand genommen hatte. Ich frage deshalb weil ich auch nichts davon habe, wenn die neue Tapete einfach nicht aussieht weil die komplette Wand krumm ist, beulen hat oder einreißt. Dann kamen mir auch die ersten Stücke Putz entgegen und ich habe mich gefragt - huch was ist denn das. Und da auch Kanten an den Fensterbuchten abgebrochen sind - sieht eben auch nicht schön aus, habe ich mich gefragt ob man nun nicht vielleicht diese Kantenprofile anbringt - wenn ja mit welchem Putzmaterial? Um auch auf die mail von Frau Ziller einzugehen habe ich die Erfahrung gemacht, dass wenn etwas richtig gemacht werden soll man sich nicht auf nur eine Aussage verlassen sollte - mein Motto könnte daher lauten "question everything".
Und auf einen Laien wirken Risse nunmal auch nicht gerade beruhigend! Ich gehe mal davon aus, dass wenn ich die Decke mit dem Renoviervliess tapeziere, diese mir nicht auf den Kopf fallen wird, vielleicht hilft es aber auch vorher mal nachzufragen ob man an diesem Umstand vielleicht etwas ändern kann. Das Ende vom Lied ist natürlich das Gespräch mit dem Vermieter, der evtl. auch ein Interesse an seinem Haus hat und glücklich wäre zu wissen wie der Zustand seiner Decke ist, anstatt einfach drüber zu tapezieren.
Ich möchte aber nochmal auf den Hinweis von Frau Ziller zurückkommen und der berechtigten Kritik Rechnung tragen und die Fragen besser strukturieren:
Rubrik 1. Wände:
1. Frage - an einigen Stellen sind Risse entstanden. Wie gehe ich mit Ihnen am Besten um?
2. Frage - beim Abklopfen der Wände scheint es Hohlstellen zu geben. Sollte ich diese beseitigen?
3. Frage - mit welchem Putzmaterial sollte ich am Besten arbeiten um Fehlstellen auszubessern bzw. Kantenleisten anzubringen? Gipsputz?
4. Frage - warum ist die Wand blau? Leimfarbe? Heißt das es war zur Verschönerung der Wände? sieht ziemlich scheckig aus. Dafür sprechen könnten aber auch kleine schwarze Punkte die wie eine Bordüre rundherum laufen.
Rubrik 2. Boden
1. Frage - eigentlich bin ich nur an dem Bodenaufbau in der Küche interessiert. Ist die PVC- Schicht auf den alten Dielen wegen Feuchtigkeitsbildung als kritisch anzusehen? Oder ist der Bodenaufbau o.k. und nur eine Frage der Optik?
2. Frage - welcher Bodentyp wäre in einem Altbau in der Küche und im Bad ideal?
Rubrik 3. Decke
1. Frage - sind die zahlreichen Risse in der Putzschicht an der Decke bedenklich, oder sind sie vielleicht normal und lassen sich einfach nicht vermeiden? Wie würde man eine Altbaudecke sanieren wenn nur die Unterseite zugänglich ist; mit Gipskartonplatten?
2. Frage - was ist mit der Decke im Duschbad? Die Feuchtigkeit scheint hier der Decke mehr Probleme zu bereiten. Farbe und Tapete sind deutlich beansprucht und auch hier zeigen sie Risse im Putz welche im Gegensatz zum Wohnzimmer jedoch schon zu sehen sind ohne die Tapete abgelöst zu haben.

So das wars eigentlich schon. Hauptsächlich geht es mir um die Decken!
Viele Grüße
Sascha



Tja ...



Tapezieren ist definitiv nichts für Laien.
Und nun sieht es, wie so oft, aus, dass die Tapete auch noch den Putz zusammengehalten hat. Der übliche Rattenschwanz:
Tapete sieht nicht gut aus --> runter;
Verputz darunter ist auch nicht gut --> runter?
Und dann?
Andere Tapete wieder drüberkleben sieht mehr als bescheiden aus; eine "Rückgängig"-Funktion wie bei den meisten Computerprogrammen gibts beim Renovieren auch nicht; und schon bist Du weit jenseits von dem, was Du Dir eigentlich vorgenommen hast.
Und dann noch die Böden, und die Decken ...
Lass Das von einem Fachmann für solche Projekte vor Ort begucken; der Hausbesitzer soll mit dabeisein. Zum Beispiel, um herauszufinden, ob Du überhaupt so alt werden kannst, wie Du Zeit brauchst, um die nötige Eigenleistung als Miete abzuwohnen.