Neuer Putz auf Decke (100 Jahre altes Bauernhaus)

17.09.2008


Hallo zusammen,

ich hoffe, ich werde hier als unwissendes Neumitglied nicht gleich gesteinigt.

Vor einem halben Jahr habe ich mein Traumhaus gefunden, ein 100 Jahre altes kleines Bauernhaus, niedliche kleine Räume (aber normale Deckenhöhe 2.40), urige Türen, nett und gemütlich.

Was mir allerdings nicht so ganz gefällt, das waren die Holzpaneeldecken aus Presspappe mit Holzfurnier aus etwa den 70ern und "wundervolle" Laminatböden. Also habe ich kurzerhand beschlossen, das Haus nach Möglichkeit wieder in einen authentischen Zustand zu versetzen.

Am letzten Wochenende wollte ich nur mal einen Blick unter die Paneele im Schlafzimmer werfen, was damit geendet ist, dass wir die Paneeldecke komplett abgebaut haben. Darunter kam eine verputzte Decke mit Rauhfasertapete zum Vorschein, die aber in einem bemitleidenswerten Zustand war. Also - Rauhfaser runter und Schaden genauer betrachten! Ende vom Lied ist jetzt, dass der Putz an einigen Stellen komplett runtergebröselt kam (obwohl uns auch die Tapete schon freiwillig entgegen kam). Darunter befindet sich eine lückenhafte Verlattung mit ca. 3-4 cm breiten einfachen Leisten. Zwischen den recht breiten Ritzen sieht man, dass sich darüber Haferstroh, Sand, Schutt, Steine und was weiß ich noch befinden.

Ich gehe davon aus, da der Deckenputz ca. 7-8 mehr oder weniger große Löcher aufweist und auch an einigen Stellen kleinere Risse, dass dieser Putz runter muss. Oder ist er zu retten? Der Putz ist von seiner Konsistenz her sehr sandig, rötlich braun, sehr trocken und krümelig und war in einer Stärke von ca. 1-2 cm aufgetragen. Ist das ein Sandputz? oder ein Lehmputz? ich hab leider keine Ahnung von solchen Sachen. Wie sollte die Decke wieder verputzt werden, um das Ganze wieder recht originalgetreu und materialverträlich zu gestalten? Und was kostet so ein Spaß? Waren die Bauernhäuser um 1910 herum glatt Verputz oder würde es sogar "gehen" kleiner Stuckornamente aufzubringen. Die Wände jedenfalls waren in einem mittleren Blau gestrichen und weisen an der oberen Kante Bordürenmalereien in einem Türkis auf (also eher kein Stuck)

Wer kann mir helfen? Ich hab hier schon ich weiß nicht wieviele Seiten durchforstet und Beiträge gelesen, aber ganz gepasst hat irgendwie nix.

Danke schon mal im Voraus



der Lehmputz an Ihrer Decke macht einen sandigen



Eindruck. Das heißt,daß er damals verwendete Lehm keine hohe Bindekraft(Tonanteil zu gering) hatte. Bei Reparaturen kann man wie folgt vorgehen:
1) alles was hält bleibt dran, alles lose wird entfernt.
2)Zur Oberflächenverfestigung Lehmgrundierung (Lehmschlemme mit Tongehalt >20%)aufstreichen
3) Reparatur der Löcher mit Lehmputz,mehrmaliger Auftrag nach Zwischentrocknung
4)Endputz als LehmFeinputz, Putzdicke ca 3-5mm
Deckenputze sind für Laien recht mühsam zu bewältigen weshalb ich Ihnen rate, einen Fachhandwerker hinzuzunehmen.



Danke schon mal



hm, das wäre ja nicht schlecht, wenn ich nicht den ganzen Putz von der Decke klopfen müsste! (zumal das auch ne fies staubige Angelegenheit werden könnte)

Das mit dem Fachmann versteht sich fast von selbst. Ich hab zwar bis jetzt viel selbst gemacht, aber Verputzen über Kopf... neeee neeeee :-)

Kann jeder Verputzer einen solchen Lehmputz aufbringen oder sollte man sich da einen Spezialisten suchen? Wie finde ich einen solchen? Besteht nicht die Gefahr, dass der restliche Putz sich auch so in Wohlgefallen auflöst - auch wenn er jetzt noch fest wirkt?

Viiiiiiielen Dank schon mal für die Tipps.
Petra



Hallo Petra,



such Dir mal jemand der vorbei kommt, sich sich natürlich damit auskennt und sich das ganze mal anschaut.

Grüße Gerd



Lehmputzer



Ich habe mir einen Lehmputzer aus der Handwerkerliste von Claytec rausgesucht.
http://www.claytec.com/handwerk/claytec_handwerker_gesamt.php



Bevor du jetzt in die alte Decke...



...investierst, denke an deine Elektrik! In einem Bauerhaus, das vom Alter her meinem gleich kommt, ist aus heutiger Sicht kein Kabel in der Decke, daß den Namen verdient.
Überhaupt ist eine Bestandselektrik in einem solchen Haus eigentlich komplett zu ersetzen. Meisten wurde an den Betsand immer angeflickt.
Also erst der Strom, dann das Verputzen!. Und am Besten überall.

Gruß Patrick.



Neue Erkenntnisse



Hallo zusammen,

@ Patrick: Dieser Punkt ist schon auf der Agenda. Seit wir die Panele runter haben, baumelt eine Leitung im Raum, die wohl nachträglich angebracht und unter den Panelen verlegt wurde. Man war allerdings bei der Leitungsführung wenig zimperlich und hat netterweise den Putz dort an den Stellen, wo man die Leitung unter den Panel-Latten durchführen wollte, einfach mit einem Loch versehen und passend gemacht :-( Jetzt soll auf jeden Fall ne Flachleitung unter den neuen Putz...

Nachdem wir nun ein Buch gefunden haben von ca. 1920 (Frick-Knöll Baukonstruktionslehre) wissen wir jetzt auch, dass wir eine Spalierdecke haben. Dabei wurde wohl auf die Dachbalken ca.2.6 cm breite Latten im Abstand von ca. 1.5 cm aufgenagelt und ohne Rohrkonstruktion oder sonstwas verputzt.

Der untere Putz, also der der direkt auf die Spalierlatten aufgebracht wurde, war ein gorber Haar-Sand-Mörtel (wohl bestehend aus Tierhaaren, grobem Sand und Kalk. Darüber kam dann ein feinerer Putz ohne Haare, mit feinerem Sand und deutlich mehr Kalk.

Frage: Hat jemand hier zufällig entsprechende Rezepturen?
Wir überlegen, uns einen Verputzer zu suchen, der uns ab er den Putz mit den alten Rezepturen Verarbeiten soll?
Oder haltet Ihr das für nicht machbar?

Dank schon mal und viele Grüße



wenn der alte Haar-Kalkputz nun so leicht von den Latten abfällt,



dann sollte man evtl. über einen besseren Putzträger als Spalierlatten nachdenken (z.B. Schilfgewebe,70stengelig, enge Drahtbindung). Gute Kalkputze kann man kaufen oder selbst mischen, auf Wunsch auch Haare beigeben.




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