Sanierung feuchter, verschimmelter Ziegelmauern - welcher Putz? Dämmung?

26.07.2006


Hallo,
habe nun schon einiges gelesen und bin total durcheinander...
Haben ein Anwesen (Bj 1936, Ziegelbauweise), dessen Wände vor allem im EG total verschimmelt waren/sind. (grundlegendes Feuchtigkeitsproblem durch aufsteigende Nässe/Lage, aber gravierender: die letzten Jahre bis an die Decke vermüllt, vergammelt, ungelüftet durch Mietnomaden)

Der alte Putz incl der unzähligen Tapeten- und Schimmelschichten ist jetzt runter, aber es bleibt die Frage, was kommt jetzt drauf? Von Sanierputz wurde abgeraten, hier in den Beiträgen habe ich von Luftputz gehört, der Gedanke an Lehm gefällt mir von Haus aus, Bekannte wollen uns zum Rigipsausbau raten, ...
Was ist die beste Lösung für ein möglichst gesundes Raumklima? Was hält uns eventuelle Schimmelreste im Mauerwerk am besten vom Leib?

Bleibt auch das Thema Dämmung: Besser aussen? Innen? Wie?

DANKE schonmal für Eure Hilfe!!!



Innenputz



hallo ich würde ihnen die produckte der fa. klimasan-perlit endfehlen es sind kalkputze die besonders gut die Feuchte aus dem mauerwerk ziehen und zusetzlich noch wärmedämmen info unter klimasan-perlit.de oder com



Putz



Kalkputz hat alle Eigenschaften,die für ein gesundes und giftfreies Wohnen nötig sind.Er ist sehr diffusionsdurchlässig und hat dadurch stark feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften.Außerdem tötet Kalk Bakterien und Pilze und absorbiert Schadstoffe.Diese wertvolle antibakterielle und fungizide Wirkung sowie die Fähigkeit,Schadstoffe zu absorbieren,machte man sich schon vor Hunderten von Jahren zunutze.Zur Desinfektion wurden früher Wohnungen und Tierställe mit Kalkmilch gestrichen. Noch in den fünfziger Jahren wurden Räume mit hoher Feuchtigkeit,wie Bäder oder Waschküchen,in der Regel mit reinem Kalkputz verputzt.
Kalkputze ohne chemische Zusätze sind für ein gesundes und giftfreies Haus besonders empfehlenswert. Da Kalk der einzige natürliche Putz mit keimtötender Wirkung und hervorragenden feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften ist,sollte man ihn für einen Innenputz allen anderen Materialien vorziehen.
Die Community-Mitglieder Mladen und Veronica Klepac(limestone-kalkbaustoffe.de)können sie da bestimmt gut beraten!



Wenn man den ersten Putz mal googelt, findet sich


Der wirkliche Unterschied

"Diffusionsoffener, rein mineralischer, wasserabweisender Kalkputz der Mörtelgruppe P I c"

Oh! Dazu wäre zu sagen:

1. Diffusion spielt baupraktisch keine Rolle, da sich die Dampfmoleküle im Baustoff sofort flüssig anlagern - Grund: Die Wasserstoffbrückenbindung (selber googeln macht schlau!).

2. Wasserabweisung verhindert nun genau das hier entscheidende kapillare Austrocknen der einkondensierten Feuchte. Diffusion egal, Kapillartransport! So kommt es ggf. zu Feuchtestau und Schimmel, Balkenverrottung und sonstigem Allerlei bis zu schweren Gesundheitsstörungen.

3. PIc geht nur herzustellen, wenn hochhydraulische, zementgleiche bzw. -ähnliche Bindemittel untergejubelt werden. Das erhöht die Putzhärte und -spannung, auf alten Weichuntergründen führt das geradezu zwangsläufig über kurz oder gar nicht so lang zur erhöhten Rißbildung und Ablösung.

Merke: Kalkputz ist nicht gleich Kalkputz. Und da entscheidet nicht die Frage nach den irren Kostenspannen vom selbstgemischten 3:1er bis zum Spezialprodukt der Spezialhersteller, sondern vor allem auch die Rezeptur (und die Verarbeitung, wer das noch wirklich kann, ist ein seltener Typ).

Mein Tip: Nur PIa - also reiner Luftkalputz aus geeignetem Putzsand und Weißkalkhydrat höherer CaO-Klasse (mindestens CL 80, besser CL 90) - ohne jeglich zementären Bestandteile (da gibt es nämlich Ia-Produzenten, die schmeißen sogar da noch Zement rein, weil die Norm das zuläßt). Trau, Schau, Wem?

Und zum hier schon leidigen Dämmthema:

Da die Dämmtheorie darauf beruht, daß die Beurteilung der Luftabkühlung an Prüfkörpern herangezogen wird, um deren Wärmeleitung zu ermitteln, entsteht ein grottenfalsches Bild. In Wirklichkeit ist es weit über 90 Prozent die Wärmestrahlung, die die Wärmeenergie durch Baustoffe transportiert. Und dagegen sind Leichtdämmstoffe machtlos - siehe Grafik des Lichtenfelser Experiments.

Mein Tip: Nicht mit Leichtdämmstoffen dämmen, weder innen noch außen, weder oben noch unten. Bestenfalls Massivdämmstoffe wie Ziegel und Holz, aber auch das muß genau überlegt sein.



Zum Dämmen



entgegen der Meinung von Herr Fischer, die leider auf falschen "Theorien" beruht, ist eine nachträgliche Dämmung im Altbau fast immer sinnvoll. Sie senkt das Schimmelrisiko und die Behaglichkeit durch wärmere Wände ist wesentlich verbessert. Hier heisst die goldene Regel: wenn möglich von Außen dämmen. Zur Not ist auch eine Innendämmung möglich, mit der allerdings die gesetzlichen Auflagen meist nur schwer zu erreichen sind.
Zum Innenwandgestaltung wurde hier schon genug geschrieben, mit einem Kalkputz sind sie den Schimmel auf Dauer los. Das Problem der feuchten Wände sollte natürlich trotzdem beseitigt werden.



"Meine "Dämmtheorie"



beruht auf Praxis - nicht auf Firmenwerbung. Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen gedämmten und ungedämmten Musterhäusern, in Winter-Heizperiode gemessen von dem Fraunhofer Institut in Holzkirchen. Ungedämmt und "schlechter" K-/U-Wert (grün) verbraucht weniger! Nachträgliche Dämmung bringt nichts, siehe Beispiel "Tollenbrink" von Prof. Fehrenberg - praktisch nachgewiesen durch langjährigen Heizkostenvergleich, einfach mal Googeln.



Auch meine "Dämmtheorie"



beruht auf Praxis und langjährige Erfahrung.

Auch gibt es wunderbar viele Beispiele hier im Formum wie man sich in einem Haus ohne Dämmung fühlt. Die Wände sind im Winter so kalt das man ohne spontane rheumatische Anfälle nicht näher als ein Meter dran kann. Auch über den Feuchtigkeitsausfall einer ungedämmten Wand kann man hier viel lesen.

Und den Kritikern sei gesagt ich spreche von maßvoller Dämmung mit aktiven Baustoffen.



Na, na, na



Herr Meurer,

von spontanen Rheumaanfällen habe ich rheumageplagte und kältenichtliebende Frau aber nix gespürt, als wir im vergangenen Winter unser notdürftig verschlossenes Haus mit nur 2 alten Öfen heizen mussten. Teilweise fehlte sogar der Lehm an den Wänden. Die Temperatur hielt sich bis auf die wenigen wirklich kalten Tagen mit -10°C und drunter über Nacht immer über Null. Tagsüber schafften unsere Öfen nicht mehr als 8°C an den Außenwänden.

Das ist nun wirklich nicht warm, gibt mir aber zu denken. In unserer Notunterkunft mit Dämmung und Zentralheizung hatte ich mehr als einen Tag das Gefühl, als sei es unmöglich kalt - trotz ständig laufender Heizung und gemessenen 20-21°C Raumtemperatur.

Na, und der Feuchteausfall hätte ja eigentlich schon längst dafür sorgen müssen, dass unser Haus nicht mehr steht. Denn hier war nix gedämmt, das Haus wurde im EG mit Einzelöfen geheizt, oben gab es keine Öfen.

Dieses Haus hat die letzten fast 200 Jahre ungedämmt überlebt und darf auch künftig an den Wänden ungedämmt und nur mit Kastenfenstern weiter leben. Wir haben lediglich das Dach gedämmt ...

Diese Dämmpflicht scheint uns ja schon in die Wiege gelegt zu werden. Und der gute Bürger hinterfragt auch nicht, sondern macht was Politik und Wirtschaft ihm vor schreibt.

Grüße



Hallo Frau Nolte,



natürlich ist das mit den spontanen Rheumaanfällen auch scherzhaft gemeint!

Die Zusammnenhänge sind aber klar. Haben Sie im Raum z.B. 20°C und Oberflächentemperaturen auf den Umschließungsflächen Temperaturen von unter 12,6°C. steigt die Neigung des Kondensatausfalls an diesen Bauteilen. Stellt man im Sommer ein Glas mit kalter Flüssigkeit auf den Tisch bildet sich am Glas Feuchtigkeit. Die Warme Luft streicht hier lang kühlt ab, kann das in ihr enthaltenen Wasser nicht mehr halten...

Deshalb muss das Heus nicht einkrachen!

Dämmpflicht besteht zum Glück keine. Die Behaglichkeit durch maßvolles Dämmen mit aktiven Baustoffen steigt und die Energiekosten fallen.

Die Frage ob eine Dämmung sinnvoll ist muss immer im Einzelfall geklärt werden und hängt von einer Fülle von Rahmenbedingungen ab.

Grüße