Fensterlaibung - Detailanschluß Innendämmung

26.01.2011



Hallo,

und wieder mal eine Frage an die Fachleute. ... Es geht um das leidige Thema Fensterlaibungen. Oft diskutiert, aber irgendwie immer nicht ganz passend zu meinem Problem. ... Folgende Situation:

Ziegelmauerwerk, dort außen bündig eingesetzt neue Holz-Einfachfenster (Stumpfanschlag). Spalt zwischen Wand und Fenster im Schnitt 1-2cm ausgeschäumt mit PU (leider! ... aber ist ein anderes Thema), außen Kombriband, innen Luftdichtung verklebt. Fensterlaibungen teilweise seitlich angeschrägt. Fenstersturz und -bank gerade. An die Innenwand wird gerade eine 10cm Holzweichfaserdämmung montiert. ...
Für die Laibungen sind 2cm Holzweichfaserplatten geplant. Das Ganze ist noch mit 7mm Spezialputz (Dampfbremse) zu verputzen. Die 27mm sind bereits grenzwertig, da der Fensterbauer die Rahmen recht schmal ausgeführt hat, und ich so teilweise in Konflickt mit den Schanieren gerate.

Mein Putzer beschwerte sich nun, daß ich mit den Leibungsplatten schon auf dem Rahmen landen würde, und er den Putz somit gegen den Rahmen führen müßte. Er meint, daß mir dann der Putz wegbröckeln würde und schlägt deshalb vor die Leibungsdämmung nicht mit dem Rahmen zu überlappen, und an Stelle dessen eine kleine Fuge zu lassen, die dann später mit Acryl oder sonstigem abgedichtet werden könne (rechte Abb.).

Das Ganze würde eine Halbierung der Dämmstärke bedeuten, was ich für Riskant halte. Weiterhin sehe ich trotz der Holzfenster nicht die Gefahr für den Putz, wenn man hier im Bereich des Übergangs auf den Fensterrahmen ebenfalls eine Fuge (Kellenschnitt, linke Abb.) ausführt. ... Wie ist Eure Meinung dazu? Ist es problematisch die Leibungsplatten auf die Fensterrahmen zu führen? Wie kann ich hier sauber Abdichten und gleichzeitig eine vernünftige Dämmwirkung erzielen?

Grüße & Danke schom mal!
Stephan





Dafür gibt es im Baufachhandel Anputzleisten, dann bröckelt nix.

Grüße aus Schönebeck

http://www.apu.ch/



Wäre



Futter und Bekleidung aus Holz eine Alternative?

Gruß Maccaroni





Das mit den Anputzleisten ist richtig. Diese müssen in solch einem Fall dauerhaft (also für immer) dampfdicht am Fensterrahmen angebracht werden. Selbstklebende Folien dürfen weder an Klebeleistung (auf dem Holz) verlieren, noch dürfen sich die Weichmacher eines Tages verflüchtigen.

Das Problem hier ist nicht nur der bröckelnde Putz selbst, sondern das der Putz als Dampfbremse funktionieren soll. Wenn das Gefüge Innenputz => Armierung => Holzfaserplatte => hohlraumfreie Befestigung kein geprüftes System ist, sehe ich hier zwar nicht schwarz, aber ziemlich dunkel.

Auf der Skizze lese ich "Multigrund". Handelt es sich möglicherweise um das Diffutherm-System? Dann ist der Multigrund der mineralische Putzträger, der nach einem weiteren Oberputz verlangt. Je nach Maßnahme und Wandaufbau empfiehlt der Hersteller dann eine Dampfbremsbahn unter der Dämmplatte um Kondensatausfall zwischen Dämmplatte und Mauerwerk zu verhindern/minimieren.
Für eine Innendämmung erscheint mir das zunächst recht kräftig. Der Wandaufbau sollte auch hinsichtlich Tauwasserausfall berechnet sein.

Im Gegensatz zu diffusionsoffenen Lehmaufbautenen, Calziumsilikatplatten etc. liegt bei den dampfgebremsten Varianten der Innendämmungen das Hauptaugenmerk auf der raumseitigen Dämmung und nicht auf der temporären Feuchtigkeitspufferung. Die Dampfbremse muss zweifelsfrei und dauerhaft funktionieren => Bilder Hängeschränke, Steckdosen, Lichtschalter etc.

Um welches System, welchen "Spezialputz" mit dampfbremsender Wirkung (SD-Wert?) handelt es sich hier?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Ausgeholt ...



... ich hol jetzt mal weiter aus. Hoffe aber trotzdem, hier noch weitere Antworten zur eigentlichen Frage zu bekommen. ...


@ Herrn Kornmayer:
Bei besagter Innendämmung handelt es sich in der Tat um ein System von Unger, genauer um das System UDIReco. Dies sind kombinierte Dämmplatten aus einer Weichfaser- und einer Putzträgerplatte und vermutlich dem Einen oder Anderen hier bereits bekannt. Die Kleberei zur Vermeidung von Hohlräumen am Übergang Wand zu Platte entfällt dabei! Unebenheiten lassen sich recht sauber ausgleichen.

Das System braucht wie bemerkt auf Grund seiner Stärke eine Dampfbremse, da es nach Glaser sonst zu einem Tauwasserausfall kommt. Die Dampfbremsfunktion wird vom Multigrund übernommen (m=128 -> Sd ~ 0.15 bei empfohlener Aufbringung; mehr dazu auch unter http://www.unger-diffutherm.de/de/indaemm_z.php#3), und ist somit kein reiner Putzträger. Über Sinn und Unsinn dieser Dampf-bremsenden Wirkung kann man feilich geteilter Meinung sein. Meine Frage von vor ein paar Wochen hier im Forum dazu war leider nicht sehr rege kommentiert. ... Ich habe inzwischen folgende Erfahrungen damit gemacht:

... Der Überlegung, daß die dampf-bremsende Wirkung das Rücktrocknungspotential im klassischen Sinne (Dampfdiffusion) mindern mag, habe ich nichts entgegenzusetzen. Nun sollte man dabei aber die kapillaren Eigenschaft des Multigrundes nicht außer Acht lassen! Wer sich mit dem Thema Diffusion seriös beschäftigt merkt leicht, daß diese die schwächste Form des Feuchtetransports darstellt. Als Daumenwerte für den konvektiven Transport (Luftströmung) wird z.B der Faktor 100, im Falle des kapillaren Transports der Faktor 1000 gehandelt. Ein einfacher Test beweißt dabei die Fähigkeiten des Multigrunds. Einmal nassen Daumen auf Multigrund und auf unbehandelte Holzfaserplatte getippt. ...
Voila, beide Feuchteflecken sind ungefähr gleich schnell, nach kurzer Zeit verschwunden. Trotz dampfbremsender Wirkung sollte damit ein kapilarer Rücktransport von evl. in der Dämmung anfallender Feuchte hin zur Oberfläche möglich sein, an der zuletzt über Konvektion ein ebenfalls schneller Abtransport möglich sein sollt. Klar funktioniert dies nicht so schnell wie mit Löschpapier, aber doch wohl schnell genug, da mit Schlagregen ist im Innenraum eher selten zu rechnen.

Dem versprochenen Effekt des Luftfeuchtepuffers sind damit freilich gewisse Grenzen gesetzt. Dessen war ich mir aber bei meiner Entscheidung für das System durchaus bewußt! Trotzdem werde ich hierauf nicht verzichten müssen, da sich hierfür noch verschiedene andere Flächen in unseren Wohnräumen anbieten ( z.B. die Wand zum Nachbarn, die wir mit einem entsprechend diffusionsoffenen Aufbau und Holzweichfaser noch Schallisolieren werden und ... jede Menge Bücher meiner Frau ... ;).


@ Oliver:
Anputzleisten - bei Unger Putzanschlußprofile genannt - hatte ich in meiner Frage vergessen zu erwähnen, da eigentlich schon verworfen. Weiß nicht wie die Erfahrung hier damit ist, aber dicht anpressen lassen diese sich in meinen Augen irgendwie nicht!? Vor allem im Bereich der angeschrägten Laibungen. ... Mach ich hier evl. irgendwas falsch? ...


Das Risoko Undichtigkeiten zu übersehen scheint mir hier bei einer sauberen Fuge aus Acryl (oder anderen dauerelastischem Material) jedenfalls deutlich geringer. Also spricht wiklich was dagegen?

Gruß aus Berlin,
Stephan





Die APU- Leisten werden auf den Fensteramen geklebt..
Ich halte sie für eine gute Sache.
Zum einen hat man gleich einen Höhenanschlag auf dem man den Putz abziehen kann und zum anderen hat man einen sauberen Anschluss direkt am Fensterrahmen.
Grade Lehmputz bröckelt dort gerne mal ab.

Grüße aus Schönebeck



noch eine Idee?



... auch wenn es helfen mag die Gefahr eines Abplatzens des Putzes zu vermeiden ... mit den Anputzleisten werd ich irgendwie nicht warm!

... Zum Einen kann ich die Leisten nicht wirklich direkt auf den Fensterrahmen Kleben (nur 2 - 3mm Überdeckung mit der Klebefläche möglich). Zum Anderen befürchte ich, daß diese auf Dauer keine sichere Lösung bieten.

Das Elastomer der Leisten verhält sich nicht wie ein Kompriband! Es geht nicht weiter auf, sondern gleicht praktisch nur eine Verminderung des Spaltes durch Quellen des Rahmenholzes aus. Bin mir aber nicht sicher ob dies auf Dauer mein einziges Problem bleibt. ... Die Fenster müssen bündig mit der Außenwand eingebaut und mit einem Zierrahmen versehen werden (Denkmalschutz). Die alten Fenster jedenfalls sind deswegen eher nach außen abgewandert. ...
Ist es damit nicht wahrscheinlich, daß dies über kurz oder lang auch mit den neuen Fenstern geschieht? ... Also wäre damit eine Vorkompremierung der Putzleisten nötig. Den dazu nötigen Druck auf Selbige kann ich aber bei der Montage der Dämmplatten nicht aufrechterhalten.


Habe schon überlegt die Dämmplatte zwischen Wand und Rahmen zu schieben und dort die Dichtung vorzusehen. Ist aber leider nicht bei allen Fenstern möglich, und außerdem ist dort schon alles mit dem Luftdichtungsband des Fensterbauers zugekleistert.



Sieht jemand evl. noch eine weitere Möglichkeit? ... Bin für jeden Gedanken dankbar!

Gruß, Stephan





Hallo Stephan,

das Dichtungsband des Fensterbauers hat dort schon seinen Sinn. Die Dämmung darf nicht durchgeschoben werden, hier könnte Tauwasser in der Konstruktion entstehen.
Ich sehe das Ganze aber nicht so problematisch, da die Dichtungsebene am Fenster erfolgt. Die Laibungsdämmung ist da, um Kondensat am ausgekühltem Mauerwerk zu vermeiden. Ob Du nun eine Anputzschiene verwendet oder einen Kellenschnitt durchführst macht da wohl nicht den riesigen Unterschied.
Auf Ungers Herstellerseit habe ich auf die Schnelle nichts brauchbares über die Zusammensetzung des Multigrundes gefunden , habe aber so etwas im Kopf dass es sich um eine Weißzementmischung handelt? Da hätte ich jetzt kein Bedenken die Fuge mit Acryl zu füllen.

Wichtig ist in der Konstruktion, dass die dampfbremsendes Multigrundbeschichtung nicht durch Steckdosen, Lichtschalter etc. unterbrochen wird, diese Öffnungen müssen entsprechend behandelt werden. Auch einen genaueren Blick sollte Dein Planer auf die Decken- und Bödenanschlüsse werfen. Wie sieht es dort mit der Dampfdichtigkeit aus?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Um eine satte Wärmebrücke zu vermeiden muss bis auf den Rahmen gedämmt werden, da kommen Sie nicht drum rum, die 20 mm Laibungsplatte sind schon hart an der Grenze, sind aber noch vertretbar.

Den Vorschlag Ihres Putzers gehen Sie auf keine Fall ein, der bringt langfristig nur Probleme.

Was den Putz anbelangt, dieser sollte Diffussionsoffen sein, dass eine Rückdiffussion in den Raum stattfinden kann. Dampfbremsen wirken sich bei Innendämmungen als Trocknungsbremsen aus.

Grüsse Thomas