Wärmedämmputz oder Dämmplatten ?

02.09.2009



Hallo!
Hab hier schon viel gelesen, aber noch nicht all zuviel über Dämmputz.
Die Situation ist folgende: Wir möchten die Giebelseiten unseres denkmalgeschützten Hauses von innen dämmen. Eine Seite ist Mauerwerk, die andere Fachwerk mit Bruchsteingefachen. Ich sympathisiere mit der Lösung Holzfaserdämmplatten auf Lehmputz. Mein Freund bevorzugt auf Grund der sehr ungleichmäßigen Bruchsteingefache einen Wärmedämmputz. Der Raum wird durch einen Holzofen (Bullerjahn) geheizt. Wir hatten schon einen Vertreter für Wärmedämmputz da, aber der hat uns nicht gerade mit Fachwissen überzeugt.
Meine Frage nun: Was ist von Dämmputzen, speziell von solchen ohne Lehm, in unserer Situation zu halten? hat irgendjemand Erfahrungen damit bzw. kann spezielle Produkte empfehlen?
Vorab schon mal herzlichen Dank für alle Antworten! Xenia



Putzerei



Hallo
Zur Frage:
Was ist von Dämmputzen, speziell von solchen ohne Lehm, in unserer Situation zu halten? hat irgendjemand Erfahrungen damit bzw. kann spezielle Produkte empfehlen?

Dämmputze bringen nicht viel. Ausser höhere Kosten im Vergleich zu "normalem" Kalkputz.

Wenn die Wände sehr ungleich sind ist es sehr aufwändig diese gerade zu bekommen um dann darauf zu "dämmen".

Wenn Sie schon eine Strahlungsquelle haben im Raum (von der ich nicht so begeistert bin) dann würde ich in den unteren Bereichen mit einem Kalkmörtel (solubel.de) arbeiten - bis ca. 100 über EG-Boden (mehrlagig) - Dann können Sie auch auf Lehmputz umschwenken und den dicker drauf machen.
Oder das EG mit Luftkalk (solubel) machen und ab dem 1.OG mit Lehm weiter machen.

Dämmputze auf Kalkbasis haben so Mittelchen drinnen, die den Zuschlag halten.

FK





Wir bekommen soeben einen Wärmedämmputz auf Kalk/Perlitbasis, der uns vom Denkmalschutzamt empfohlen wurde. Das Gerüst steht noch; das Produkt wird aber vom Denkmalschutz seit Jahren verwendet.
Bei derartigen Produkten hängt fast alles davon ab, ob man Unternehmer findet, welche damit umzugehen wissen. Wenn man sieht, mit welcher Eleganz und Effizienz die Facharbeiter das Material einsetzen, bekommt man schon Respekt vor dieser Arbeit. Die Vertreter sind eben oft nur Verkäufer.
Ich habe persönlich mit einer erstberatung durch einen Denkmalschutzbeamten gute Erfahrungen gemacht.



Der Dämmputz



Ein Wärmedämmputz stellt immer einen Mittelweg dar. Es soll versucht werden die Grundansprüche an einen Putz (Winddichte, Schutz vor Niederschlagswasser, Spritzwasser, Diffusionsausgleich) mit einem verbesserten Wärmeschutz zu verbinden.
Wärmedämmputze basieren meist auf einem Kalk- bzw Kalk-Zement-Putz. Dieser Grundlage werden Zuschlagsstoffe deren Dämmwert höher ist als jener des Putzes beigemischt, auch gibt es Zuschlagsstoffe (z. B. organische), die das Porenvolumen verändern.
Als Zusätze werden Polystyrole, Perlite, oder andere mineralische Zuschlagsstoffe verwendet. Für Innenräume gibt es auch andere Varianten, wie z. B. Lehmputz, bei dem Kork oder Sägemehl als Zuschlagsstoff verwendet wird.

Ohne jetzt Zahlenwerte genauer zu bemühen kann als Faustregel genannt werden, dass die Wärmeleitfähigkeit eines Wärmedämmputzes (0,06-0,1 W/mK) im Vergleich zu einem Wärmedämmverbundsystem (0,032-0,04 W/mK) viel größer ist als jene des WDVS. Also um vergleichbare Werte zu erzielen müsste die Schichtdicke des Putzes etwa doppelt so dick sein wie die des WDVS.
Schichtdicken eines Wärmedämmputzes liegen bei 5-6 cm je Arbeitsgang, Endschichtdicken liegen gewöhnlicherweise zwischen 3 und 10 cm. Der Einsatz eines Wärmedämmputzes sollte wohl eher auf stark niveauunterschiedlichen Untergründen oder im denkmalpflegerischen Bereich liegen, wobei gerade bei letztem eine objektgenaue Untersuchung stattfinden sollte, da nicht jedes historische Material so einfach einen Kalk-Zement-Putz verträgt. Gerade im Bereich des Fachwerkbaues kann es zu vermehrten Problemen führen.

Wärmedämmputze trocknen nach einem Feuchteeintrag (Regen, Schnee, etc) erheblich langsamer aus als herkömmliche Kalkputze. Wasser kann so in den Poren verbleiben und statt der eigentlich angezielten Verbesserung findet eine Verschlechterung der Wärmedämmung statt.

Aus ebendiesem Grunde neigen Wärmedämmputze gelegentlich zu Rissbildungen, ausgelöst durch hohe Temperaturwechsel in den Sommermonaten bzw. Frost-/Tauwechseln im Winter.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist hinsichtlich der zu erwartenden Einsparung vergleichsweise schlecht. Wenn es denn sein muss, dann würde ich einem rein mineralischen immer den Vorzug geben.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Wenn ich das lese:



das Produkt wird aber vom Denkmalschutz seit Jahren verwendet.
verweise ich auf tausende Schäden, die durch die - ich wills mal so ausdrücken: Leicht- und Gutgläubigkeit von DSchA-Beamten gegenüber der herstellenden Industrie und deren Berater in der vergangenen Zeit hervorgerufen wurden und noch werden.
In den 50er und 60er Jahren war der größte Brüller die armen alten Gefache mit 6cm Betonschwarten umzubringen.
War damals schon keiner ein Feind davon. Immer noch werden Zementpampen, Zauberimprägnierungen und sonstiges schädliches Gedöns im Einvernehmen mit DSchA - WTA - DIN - FG und so weiter an die Denkmäler gebracht - und immer mit der Ausrede: "Das ist heute Stand der Technik"
Der Segen der modernen Bauchemie und Bautechnik wird eben so aufgefasst, wie der Segen des Pabstes: Orbi et Orbi - Bete und Arbeite (Bete, dass es keine Schäden vor dem Ende der Gewährleistungsfrist sichtbar werden und arbeite so weiter.

Die alten Häuser und Bauteile haben nur deshalb einen schlechten Ruf, weil in der Vergangenheit keiner das so gemacht hat wie es "richtig" gemacht wurde noch vorher, sondern weil unzählige Verschlimmbesserer auf dem Rücken der zahlenden Bauherren unzählige Schäden produziert haben und die Schäden dann mit schädlicherem Zeug saniert haben um zum Schluss sagen zu können: "Wir haben alles versucht -. aber es war halt schon ein altes Haus und die Vorschäden waren zu schlimm!"
Das ist und war bei den Fassaden und Putzen so.
Das ist und war bei den Fenstern und Holzbauteilen so.
Das ist und war fast überall so.

Welches DSchA hat denn irgend wann einmal für ein Bauherrnhaus etwas gezahlt, wenn es schief ging?
Verantwortung hat immer der Handwerker und zahlen darf's der Bauherr.

Und "verwendet", wirds nicht vom DSchA sondern "empfohlen"!

Das:
Wenn man sieht, mit welcher Eleganz und Effizienz die Facharbeiter das Material einsetzen, bekommt man schon Respekt vor dieser Arbeit
ist schon richtig - Aber die "Eleganz" schaut bei einem Luftkalkputz genau so elegant aus wie bei einem Kalkdämmputz so wie bei einem Kunststoffzementputz.
Bloss beim Ersten muss man viele Sachen berücksichtigen und lange Erfahrung haben von den Abläufen, dem Material etc. und beim Letzterem kann man ungelernte Arbeiter en gros einsetzen und es so billig machen (nicht besser)

Trotz alle dem: Frohes Schaffen und Gutes Gelingen

FK





ok ...
Erstens, ist es eine Bruchsteinmauer, kein Fachwerk, hätte ich schreiben sollen.
Zweitens gibt es unmittelbar neben uns ein baugleiches Haus mit Kunststoffputz, darunter Zementabrieb, auch auf Bruchsteinmauer. Der Putz schält sich ab, mit und ohne Zement darunter.
Was mich bei der Dämmstoffdiskussin immer stört, ist, dass nur der Preis und der Wärmedurchlasswiderstand betrachtet wird. Dämmstoffe sind aber Massenbaustoffe wie Holz oder Mauerwerk, d.h. man sollte auch das Entsorgungsproblem betrachten. Viel Spass beim Rückbau eines WDVS aus Styropor und Kunststoffputz.
Auch die Lebensdauer spielt eine Rolle - wie sieht ein konventionelles WDVS nach 25 Jahren aus?





"Die alten Häuser und Bauteile haben nur deshalb einen schlechten Ruf, weil in der Vergangenheit keiner das so gemacht hat wie es "richtig" gemacht wurde noch vorher, sondern weil unzählige Verschlimmbesserer auf dem Rücken der zahlenden Bauherren unzählige Schäden produziert haben und die Schäden dann mit schädlicherem Zeug saniert haben um zum Schluss sagen zu können: "Wir haben alles versucht -. aber es war halt schon ein altes Haus und die Vorschäden waren zu schlimm!"
Das mag, leider, stimmen, passt aber im gleichen Sinne auch für Anwälte, Therapeuten, Anlageberater und andere "Experten".
Es ist hier schon oft gesagt worden: wenn sich jeder Bauherr auch nur soweit wie beim Autokauf vorher informierte, würde weniger wahllos drauflosgebaut. Man sollte halt wenigstens grob wissen, was man bewohnt.
Zur Vernichtung alter Bausubstanz durch die Ignoranz der Besitzer kommmt noch die Planungswut, die wohl mindestens gleich viel Bausubstanz auf dem Gewissen hat, wie die beiden Weltkriege zusammen.