Kauf eines verputzten Fachwerkhauses, Teil 2...

29.06.2003



Hallo Community,

mit Hr. Rinck teilen ich und meine Frau das gleiche Problem welches eine Menge Fragen aufwirft: wir haben ein verputztes Fachwerkhaus angeboten bekommen und würden gerne zusagen, obwohl das Thema Fachwerk bislang bei uns eher Skepsis ausgelöst hat. Allerdings konnte das Haus sich uns nach einer ersten Besichtigung mit seinen "Zutaten" (Lage, Grundstück etc.) schmackhaft machen. Hier mal ein paar Fakten die jetzt aber Fragen aufwerfen:

- Baujahr 1930
- Aussenputz könnten meiner Laieneinschätzung nach noch der originale sein
- Quer verlaufender Riss im Aussenputz zwischen EG und 1OG welcher sich um fast die Hälfte des Hauses herumzieht
- Keine grossen Veränderungen der Hausstruktur ausser jeweils einem Fenster pro Stockwerk welches zugemauert wurde

1) Betr. des Riss im Putz: ist dies auf Setzen eines Querbalkens zw. EG und 1OG zurückzuführen und damit "normal" oder ein Alarmzeichen?
2) Der Rest der Häuser in der Strasse sind ebenfalls verputze Fachwerkhäuser des gleichen Alters und teilweise saniert, daher würde ich mich bei einem Kauf auch gerne anpassen und dem Haus einen neuen Putz verpassen, Frage ist: was kommt da im groben an Kosten auf einen zu? => Würde grob auf 160 bis 190qm Wandfläche schätzen...
3) Die zugemauerten Fenster wurden nie von aussen verputzt, kann hier Feuchtigkeit in die Wände gedrungen sein? Die Steine wurden in Holzrahmen eingesetzt, in denen wohl vorher die originalen Fenster ihren Platz hatten...
3) Wer kennt einen im Thema erfahrenen Architekten etc. im Kreis Giessen/3539x welcher eine Beurteilung vor Ort abgeben könnte?

Danke im voraus für jeglichen Tip,
Andreas



Beurteilung



Auf alle Fragen kann ich Ihnen hier nicht eine Antwort geben, da es sich um verschiedenste Thematiken handel und Sie schon richtig erkannten, dazu einen versierten Fachmann mit vor Ort zu nehmen. Zu der von Ihnen angesprochenen Rißbildung würde ich aus der Ferne nur grob eine Einschätzung geben können und meinen, das dies die Trennebene von Untergeschoß zum OG ist, weil da genau ein Holzbalken umlaufend sich dahinter befinden könnte. Somit könnte sein, daß sich der Putzaufbau von Holz gelöst hat und dieses Erscheinungsbild hergibt. Fremdausfachungen würde ich mit Lehmbaustoffen aufarbeiten, da diese einen besseren Holzschutz gewähren und danach eine komplette Sanierung der Verputzfassade vornehmen. Aufbausystem mittels Holzweichfaserplatten in Lehm verlegt und anschließend mit einem dazu zugelassenem Verputzsystem überarbeiten. Damit könnte man dann auch gleich noch eine Erhöhung der Wärmedämmung erreichen und nachhaltig energieeinsparender Wohnen. Eine Wärmedurchgangsberechnung sollte unbedingt erfolgen, wenn derart verfahren werden sollte. Zu weiteren Fragen stehe ich Ihnen jeder Zeit zur Verfügung. Sonntagsgrüße aus der Umgebindelandschaft.



Fachwerk-Putz



Ich kann Ihnen zwei Adressen geben von Kontaktstellen der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) aus Ihrer Nähe:
1. Marburg: Petra und Georg Rieck in 35112 Fronhausen, Tel: 06426-821.
2. Mittelhessen: J.F. Rust, 35440 Linden, Tel. 06403-5657
Viel Glück
J.E.Hamesse



Fachwerk-Putz & Beurteilung



Das ging mit den Antworten schneller als erwartet! Hallo Hr. Mühle, danke für die Info, Ihre Aussage betr. des Putzrisses ist die gleiche des Maklers welcher uns das Haus angeboten hat, insofern beruhigend das er uns scheinbar keinen Bären aufbinden wollte, laut Visitenkarte ist der Makler auch Bauingenieur, also sollte er wissen was er redet. Da ich (nach Laieneinschätzung) vom Originalputz ausgehe sollten hoffentlich keine Fremdausfachungen vorhanden sein, soweit sollte der Renovierungsaufwand (hoffentlich) auch nicht gehen (Vor allem da auch innen alle Räume Mitte der 90er renoviert wurden...). Würde mich aber interessieren ob es normal war den Putz direkt auf die Balken und Ausfachungen zu legen und damit solche Risse zu provozieren... Hallo Hr. Hamesse, danke auch an Sie für die Kontaktadressen, Sie schreiben zwar nicht ob dies Architektenkollegen sind oder nicht, werde mich aber mal an eine oder beide wenden um nach einem kompetenten Kontakt (IGB-Kontakte selbst?)zu fragen welcher für mich eine Beurteilung vor Ort machen könnte. Danke & Gruss aus Linden, Andreas Kuhn