Putz auf Balken

18.12.2005



Hallo,
wir bewohnen seit 1,5 Jahren ein im Prinzip renoviertes Fachwerkhaus von 1930. Wir kennen uns noch garnicht aus mit Fachwerkhäusern, bisher waren direktere Probleme wichtiger. Ich habe schon recht viel hier gelesen und bitte um Rat.

Am Treppenaufgang war ein Löchlein in der Wand, das durch Bohrtätigkeit der Kinder vergrößert wurde, bei näherem Hinsehen waren an der Stelle viele Risse, und wenn man feste dagegenklopfte, kam großflächig der Putz runter und dahinter ist ein Balken.

Jetzt haben wir ein Loch im Putz auf der gesamten Balkenfläche. Auf dem Balken ist Hasendraht genagelt, direkt über dem Balken ist Luft, d.h. ich sehe nicht, wie der Wandaufbau in der darüberliegenden Wand ist.
Der Putz hatte auf jeden Fall mindestens 3 Schichten: ganz unten was mit Stroh - war bestimmt Lehm - dann unterschiedlich feine, aber eher sandige Schichten.

Mit welchem Material füllen wir jetzt das Loch, damit es auf dem Balken hält und sich auch mit dem alten Putz darüber und darunter verbindet? Oder müssen wir den ganzen Putz abschlagen?

Viele Dank für einen Tipp,

Regine Hassenpflug



Betrachtung



Hier wäre erst einmal zu klären bzw. bei Ihnen zu erfragen, wie weit steht der Balken tiefer als die fertige Putzoberfläche der angrenzenden Putzflächenbereiche.
Davon hängt die Lösung zur Durchführung ab.
Sollten es mehr als 15 mm sein, so könnte eine Lösung mittels 8 mm Herklithstreifen aufgebracht und mit rostfreien Befestigungsmitteln am Untergrund befestigt, eine Variante sein.
Darauf ein dünnlagiger Kalkputz mit Armierungsgewebe (Bauteil übnerspannend) uind nach Durchtrocknung mit einem Kalkoberputz fertigstellen.
Trotzdem sollte eine flächige Überarbeitung dieser Wand erfolgen, damit keine Putzwülste oder Putzansätze sichtbar bleiben.
Es wäre schön, wenn Sie von dieser Situation vielleicht ein Bild uns mailen könnten, um noch genauer zu reagieren.
Oder ein präziser Anruf, um genauestens zu ergründen.

Adventsgrüße
Jens



tiefes Loch



Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Der Abstand vom Balken zur Putzoberseite ist 25 mm, also mache ich das so wie beschrieben, oder?

Ganz dumme Frage: Krieg ich den entsprechenden Putz im Baumarkt? Steht dann Kalkputz auf der Tüte?



Baumarkt



Hallo !

Nach meiner Erfahrung bekommt man Kalkputz nicht als fertige Sackware im Baumarkt. Selbst wenn man im Baumarkt einen Putz findet auf dem "Kalk" draufsteht, wird das in den meisten Fällen nicht das sein, was man hier im Forum als Kalkputz empfiehlt, weil zementhaltig. Auch Magnesitgebundene Heraklithplatten gibt´s nicht im Baumarkt und bei den meisten Baustoffhändlern nur auf Bestellung.
Wenn man eine solche kleine Reparatur also 200% richtig machen will, ist man erst mal einen Tag mit der Materialbestellung beschäftigt.

Ketzer Modus on: Bei dieser kleinen Fläche ein paar Streifen Gipskarton draufschrauben und mit der passenden Spachtelmasse und Glasfaserstreifen mit der übrigen Fläche verpachteln. Das gibt´s in kleinen Mengen in jedem Baumarkt. Nach meiner ganz bescheidenen Meinung wird das an dieser Stelle den Balken nicht umbringen.
Aber vielleicht hat ja ein netter Forumsuser in Ihrer Nähe noch ein Eimerchen Kalkputz und einen Streifen Herkaklith übrig.


Karsten



Ganz einfach ohne Gipskarton!



Sie fahren zum nächsten Baustoffhändler (NICHT Baumarkt)machen sich einen dieser Mörtelkübel (um die 60 Liter) mit Sand voll und nehmen sich noch einen Sack Kalkhydrat mit (CL 90)

Die Kosten hierfür dürften max. bei 10 Euro liegen

Zuhause mischen sie den Kalk mit dem Sand (ich glaub 1:3) und Wasser nicht zuviel, habe bei mir einen Eimer Wasser auf einen Eimer Kalk genommen, aber hängt auch von der Restfeuchte des Sandes ab, und rühren alles einmal ordentlich durch, fertig ist der Kalkputz!!!

Das dürfte sogar einfacher sein als mit den Rigipsplatten, die müssen auch erst auf richtige Höhe gebracht werden, damit man keine Stufe sieht.

mfg



Selbstmischen



Hallo !

Klar, das geht auch. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, das es einige Übung braucht diese "Selbstmischung" an die Wand zu bringen. Den Normsand finde ich für einen Feinputz ziemlich grob, lässt sich nicht so geschmeidig ziehen wie manche Fertigmischungen und nachher fängt man doch wieder an die Übergänge zu spachteln.
Den Rest des Kalks kann man im Sommer gut in die Biotonne steuen um dem Gestank und den Kleintierchen Einhalt zu gebieten :-)

Karsten



Danke!



Vielen Dank, so viele Möglichkeiten!

Ich sehe das als 1. Experiment für spätere, größere Arbeiten an den Nebengebäuden - ich habe noch nie etwas mit Putz oder Mörtel oder so gemacht. Deshalb finde ich die Materialauswahl und Beschaffung auch ziemlich interessant. Und der Aspekt, das das, was ich mache, dem Balken Schaden könnte, ist mit noch garnicht eingefallen - ich wollte, das es hält.
Das Foto gibt nicht richtig die Größe der Fläche wieder - der Balken ist auf ca. 2m in diesem Zustand.
Ich geh dann mal so einen Baustoffhandel erforschen.

Regine



Frtigputz vom Fachhandel



Um, wie bereits gesagt, die Kirche im Dorf zu lassen und nicht die Ökologie brachial durchzuprügeln, ist der Einsatz eines Fertigputzes vom Fachhandel völlig in Ordnung. Anbieter wie SAKRET oder Bayosan sind da nur einige der möglichen. Trotzdem würden wir mit Heraklith arbeiten bzw. dies favorisieren, um darauf mit dem Fertigputzsystem als selbstbeufreundliche Lösung arbeiten zu können.

Grüße an alle Mitdenker
zur Vorweihnachtszeit
Jens



Säcke



...da fällt mir ein, es gibt von quick-mix (Tubag) einen "Kalk Feinputz K-11" der ist Mörtelgruppe PIa, wenn ich das richtig im Kopf habe sollte da also kein Zement und auch kein hydraulischer Kalk drin sein. Damit habe ich mal ein Decke nach Wasserschaden ausgebessert. Ließ sich Verarbeiten wie Buttercreme ;-)
Da sollte sich ein Baustoffhändler in der Nähe finden lassen der die Tubag/quick-mix Produkte führt und bei der nächsten Lieferung einen Sack mitliefern lässt.
Produktinfo unter quick-mix.de

Karsten