Horizontalsperre - Erfahrungen gesucht

11.10.2009



Hallo Leute,

Ich überlege, das Haus meines Vaters zu übernehmen. Es ist ein Fachwerkbau von ca. 1870 mit feuchten Wänden. Innen Lehm gestakt, aussen mit Ziegeln in der Ausfachung. Kein Keller drunter.

Der Sockel ist nur ca. 30cm hoch, der daraufliegende Balken hat wohl schon was abbekommen. Der Sockel ist verputzt (war wohl nicht die Beste Idee), der Putz platzt an allen Ecken und Enden ab, darunter ist es feucht.

Nun möchte ich ne Horizontalsperre reinlegen, Alle paar Zentimeter bohren und dann mit Chemie die Poren füllen. hat damit jemand Erfahrung hier?

Ich hab mich umgeschaut und im Netz die Fa. Veinal gefunden, die füllen mit Silikonharz, das soll dünnflüssiger als Wasser sein und schon drucklos mit 80% feuchten Wänden fertigwerden. Die Feuchte wird zum Abbinden benutzt.

Hat das schonmal jemand gemacht? Mit welchen Kosten pro lfd. meter muss ich wohl rechnen? Kann ich das Zeug auch per Pinsel auf die Mauer- und Holzfläche aufbringen und damit ne Wasserabweisung gegen den eindringenden Regen auf der Wetterseite erreichen?

Hat jemand ne bessere Idee oder andere Vorschläge? Gibts das Zeug vielleicht auch in der Apotheke für einen Bruchteil des Preises?

Gruß, Mathias



Vermutlich



handelt es sich bei dem Sockelputz um einen "hochwertigen" Zementputz, der dafür gesorgt hat, dass die Feuchtigkeit aus dem Sockel nicht abtrocknen konnte und nach oben gewandert ist. Hier sollte als erstes geprüft werden, inwieweit der Sockel geschädigt ist und inwieweit die Schwellbalken geschädigt wurden, ehe man teure Chemie ohne Erfolgsgarantie im Sockel versenkt. Dann kann man entscheiden, welche Massnahmen sinnvoll sind. Auch sollte die Ursache der Feuchtigkeit lokalisiert werden, eindringender Regen ist im Fassadenbereich eher selten die Ursache für Feuchteprobleme.
MfG
dasMaurer



Genau so...



scheint mir das auch: Der Zementputz ist an vielen kleinen Stellen durchgebröckelt. Ein Schwellbalken ist an einer Stelle soweit geschädigt, dass man den Schraubenzieher von drinnen nach draussen stecken kann. Bezeichnenderweise ist das beim Tapezieren feestgestellt worden, als man den Schrank, der fast die gesamte Wand bedeckt, abgerückt hat.

Womöglich erledigt sich das Problem, wenn der Putz entfernt und die Möbel ein Stück weit abgerückt werden.

Dennoch: Hat jemand Erfahrungen mit dieser Art der Horizontalsperren? Die Firma, die ich schon angeschrieben hatte, antwortet mir bisher nicht. Ich hätte gern einen Überblick über die Kosten, denn ich gehe davon aus, dass so eine Sperrschicht nicht Schaden kann.

Gruß, Mathias



Wenn der



Schwellbalken soweit geschädigt ist, muss dringend ein Austausch erfolgen. Immerhin ist der Schwellbalken das Bauteil, das alle Lasten aus dem Gebäude in den Sockel und ins Fundament abträgt.
Es gibt eine ganze Reihe von bewährten Injektionsverfahren mit verschiedenen Materialien. Ob und was da sinnvoll ist, kann man aber erst entscheiden, wenn man die Feuchtigkeitsquelle lokalisiert hat. Auch ist der Zustand der Bausubstanz entscheidend. Ein poröser und mürber Ziegelsockel kann damit nicht saniert werden, wer das behauptet, ist ein Scharlatan.
Hier würde ich empfehlen, eine gründliche Besichtigung durch einen unabhängigen Fachmann, keinen Fachberater, der Produktabhängig arbeitet, vornehmen zu lassen.
MfG
dasMaurer



Sockelbreich



- stell doch mal ein Foto ein über den Zustand



Jau, das will ich woll...



tun, nämlich ein Foto einstellen.

Muss aber noch ne Weile Zeit haben, ich komme erst Freitag wieder dahin. Auf der Aussenansicht ist von dem kaputten Schwellbalken nix zu sehen, ist auch nur ein kleiner Teilbereich, aber der macht mir eben Angst, ich möchte weiteres faulen verhindern.

@ Ulrich: Nein, brüchig ist der Putz, nicht der Ziegelsockel. Und ausser mir hat auch noch keiner darüber geurteilt, also hat (ausser mir vielleicht) auch noch keiner was falsches gesagt.



Schwellbalken....



im Zementputz und nun noch ne HZ-Sperre. Das dürfte dem Balken dann endgültig den Rest geben!

Hallo Mathias,
mir scheint dein Problem liegt weniger am Sperren des Wasserzutritts als viel mehr an der Rücktrocknung. Der vorhandene Zementputz sorgt nämlich hier dafür das der Balken, wenn er denn feucht wird,sei es nun durch Risse im Spritzwasserbereich oder durch herabfließendes Regenwasser nach Schlagregen in seiner Rücktrocknung durch den Zementputz stark behindert wird.
Du solltest nun nicht hingehen und das Stückwerk durch einen weiteren Flicken verschlimmern.
Geb doch mal ne genauere Beschreibung vom Aufbau des Sockels und dessen Zustand ein, idealerweise mit Bild.

Was deine Frage zu drucklosen Injektionsmitteln anbelangt. In eine 80% gesättigte Wand bekommst du drucklos keine wirkungsvolle HZ-Sperre eingebaut, meine Meinung nach 15 Jahren Injektionserfahrung! Hängst du die Flaschen sauber auf und verschließt um den Trichterhals das Bohrloch mit Acryl, verschließt die obere Öffnung der Injektionstrichter so das keine Verdunstung stattfindet(abgesehen von einer kleinen Öffnung zum Druckausgleich) geht bei einer 80% gesättigten 36er Backsteinwand in einer Woche 190ml pro Flasche in die Wand(davon ging auchnoch der Bohrkanal ab). Das ist NIX und taugt zu GARNIX!!
Entscheidend ist nämlich was in die Wand hineingeht und nicht die Menge die verbraucht wird weils an der Wand herunterläuft oder schlicht verdunstet.
Und bei der Druckinjektion in so stark durchfeuchtetes Mauerwerk sollten die Packer je nach Mauerwerkstärke bis zu mehreren Stunden unter Druck stehen sonst wirds auch wieder düster mit dem Ergebnis. Vortrocknen wäre in einem solchen Fall hilfreich oder aber Druckinjektion bzw. Impulsverfahren über mehrere Tage.

Viele Grüße





Jens,

Erstmal Danke für die Denkanstösse. Das ist die Art von Hilfe, die ich hier suche.

Also, ein Bild werde ich erst Freitag abend liefern können, aber für ne Beschreibung wirds reichen:

Das Haus hat keinen Keller. Worauf der Sockel aus Ziegeln steht, ist noch nicht raus, aus den Unterlagen geht nix hervor und gebuddelt hab' ich noch nicht (Wär auch mal ne Idee, bin ich noch gar nicht drauf gekommen).

Von den Ziegeln nehm' ich an, dass die 24cm stark sind. Etwa 25cm hoch beginnt die Schräge (aussen, vermute, innen auch) bis auf die Balkenstärke. Wenn der Balken quadratischen Querschnitt hat, ist er etwa 16 bis 18cm stark.

Die Schräge geht etwa in 45° hoch. Der Sockel ist verputzt, ca 1 bis 3cm stark. Vater schwört Stein und Bein, das war schon immer so, aber ich kann mich erinnern, dass ich den Sockel auch schonmal rot (ohne Putz) gesehen hab. An vielen Stellen haben sich Löcher im Putz gebildet, ca. 8cm Durchmesser, Abstand vielleicht 80cm. In den Löchern ist der Putz bröselig.

Der oben schräge Putz endet, wo der Balken anfängt. Er ist also nicht hinter Putz, auch nicht zum Teil, es kann kein Wasser dahinterlaufen. Die Balken sind vor vielen Jahrzehnten mal braun gestrichen worden, wohl mit Ölfarbe. Die ist zum größten Teil heute ab.

Auch das Mauerwerk (Ziegel in Ausfachung) wurde (weiss) gestrichen, auf den alten Originalsteinen hält diese Farbe auch gut, auf neueren Ziegeln (Ein Fenster wurde mal rausgenommen und zugemauert) blättert diese Farbe ab.

Ich glaube, dass - weil halt hauptsächlich der unterste, waagerechte Balken betroffen ist - dass die Feuchtigkeit von unten kommt (Ich denk', der Fehler war der Putz auf dem Sockel). Weshalb kann die H-Sperre da schaden? Anders wär's, wenn der balkem mit verputzt wäre, der Regen von aussen dahinterliefe und nun nach unten nix mehr weglaufen könnte. Das glaube ich hier aber nicht. Trotzdem interessanter Ansatz, ich halte mal die Augen offen.

Tja, zum Injektionsmittel: Die fragliche Firma VEINAL (schau mal hier unten, die werben direkt hier auf der Seite) hat sich bisher immer noch nicht geäußert. Der Werbung nach benutzt ihr Silikonharz das Wasser zum Abbinden, weshalb eine Feuchtigkeit bis zu 80% auch das verteilen im Mauerwerk auch nicht behindern soll, weil es eben - anders als Paraffin z.B. nicht Hydrophob - also abstossend ist, sondern priktisch "gut Freund" mit dem Wasser.

Schade, dass von denen hier keiner mal was zu sagt und auch auf ne direkte Mail zu ihnen niemand antwortet.

Und sonst hat hier auch noch niemand mit diesem Mittel gearbeitet?

Gruß, die Diskussion kommt in Gang... Mathias