Wandaufbau innen diffussionsoffen / aussen dicht

24.03.2008



Hallo,

wir sind gerade dabei, in unserem Bauernhaus (BJ ca. 1900) den Hauptraum als "Wohnküche" auszubauen. Dabei setzen wir an allen Aussenwänden Lehmputz mit vollflächiger Wandheizung ein. Vor kurzem hatten wir einen Baustoffberater hier, der uns dringlichst geraten hat, zuerst den Aussenputz bzw. mindestens die Farbe (vermutlich Dispersion) auszutauschen, da der Wohnzweck des Raumes (Küche) und der Lehmputz erwarten liesse, dass hier erheblich Feuchtigkeit ins Mauerwerk dringt, die aussen nicht mehr weg könne...

Nun ist der Aussenputz nicht mehr in bestem Zustand (Abplatzungen) und wird sowieso irgendwann fällig sein, wir hatten aber eigentlich vor, den Raum zuerst beziehen zu können, und uns um den Putz erst später kümmern zu müssen. Ausserdem hatten wir erwartet, dass die Wandheizung das Bauwerk eher austrocknet als durchfeuchtet - eine Technik, mit der der Baustoff- Fachmann vermutlich wenig vertraut ist. Für den Herd ist eine Abzugshaube mit Abluft vorgesehn, ausserdem steht auch noch ein Holzofen in dem Raum. Müssen wir wirklich vor Regenwaldklima Angst haben? Hat hier jemand vergleichbare Erfahrungen gemacht?

Fakten zum Raum:
ca. 40 qm, nicht unterkellert, Bodenplatte aus Beton (nur innerhalb der Mauern), keine Horizotalsperre.
Wandaufbau Suedteil: Aussenputz (90er Jahre), ca 35cm Vollziegel, Innenputz (90er Jahre), 5cm Schilfrohr, 3cm Lehm mit Heizung.
Wandaufbau Nordteil: Aussenputz (90er Jahre), ca 35cm Vollziegel, ca 5cm Luftraum (und Bauschutt), 24cm Poroton- Ziegel, 3cm Lehm mit Heizung.

Es soll hier nicht in Frage gestellt werden, ob die Dispersionsfarbe weg soll oder nicht, sondern nur, wann sie weg muss.

Dankbar für alle Hinweise!

Uli



Den Baustoffberater



wechseln!
Um in dem Raum ein Regenwaldklima zu erzeugen, müsste die Feuerwehr mit einem C-Rohr anrücken.
Die Dispersionsfarbe machen Sie weg, wenn Sie Zeit haben und nicht, wenn der Baustoffhändler sein Material verkaufen will!

Gruß aus Dortmund

Harald Vidrik



Hallo Uli,



ich muss Herr Vidrik vollkommen recht geben. Ihr liegt mit eurer Annhme was die Heizung betrifft genau reichtig. Bloss keine Sorgen machen. Wenn der Putz eh schon so kaputt ist, ist die Wand ja im Momenmt offen, oder? Ich Saniere gerade selber und habe eine Innendämmung gemacht. Von Außen ist eine alter Zementputz mit Irendetwas darauf. Der Putz kommt auch erst in ca. 2 Jahren runter und wir durch Kalkputz ersetzt. Da wir auch nichts passieren.

MfG
HG



gibt es dazu Fakten?



Hallo Harald, hallo Hans-Gerd,

habt Dank für Eure schnellen Antworten!
Ihr seid offensichtlich beide im Lehmbau recht erfahren, und ich nehme auch sehr gerne Erfahrungswerte an.
Da ich absoluter Anfänger bin, werde ich definitiv Fehler machen, aber ich würde es gern bei einer blutigen Nase belassen (statt beim Schädelbasisbruch...)

Der Kommentar des Beraters hat mich eben sehr beunruhigt, gibt es denn zu dem Thema auch Fakten, die man ihm entgegnen kann? Ich denke, mit Wandheizung hat er wenig bis keine Erfahrung, und Lehm war für ihn auch schon recht exotisch.
Ich wuerde gerne sehen, ob er Argumenten gegenüber aufgeschlossen ist, da mir die Mineralputze, die er mir empfohlen hat, durchaus wieder sinnvoll erscheinen.

Die Abplatzungen am Aussenputz sind natürlich nur an manchen Stellen, so dass man grossflächig schon noch damit rechnen muss, dass der Putz nach aussen dicht ist. Das heisst aber doch, dass alles Wasser, was im Raum entsteht, auch wieder an den Raum abgegeben werden muss? Eventuell durch die Speicherkapazität des Lehms zeitlich verzögert, aber es muss zurück. Kann man das so sehen? Einen Kondensatausfall wird es wohl an einer gewaermten Wand nicht geben, dafuer dann vielleicht an eventuellen Kaeltebruecken. Vor allem jedoch wird der Taupunkt irgendwo im Mauerwerk entstehen, welchen Weg wird diese Feuchtigkeit einschlagen?

Vielleicht gibt es ja dazu auch noch ein paar Hinweise von Euch oder von anderer Seite...

nochmals Danke!

Uli



welchen Weg wird diese Feuchtigkeit einschlagen?



Hallo Uli,
Immer zur kalten Seite.
Der " Motor " ist die Temperaturdifferenz.
Ein Dispersionsanstrich ist ja nicht dampfdicht:

Wenn er trotzdem "dichter" ist , als angenommen ,gibt es vielleicht Blasen.

Viele Grüße aus Nordhessen



Danke...



...für die Erklärung - finde ich genial beschrieben. Einfach und verständlich, war mir aber trotzdem bisher nicht klar.

Danke auch nochmal an Harald und Hans-Gerd!

Gruss
Uli



Da der Putz



bereits Schäden zeigt, ist der Anstrich mit Sicherheit durch Risse grossflächig beschädigt und damit wirkungslos. Da sehe ich keine Gefahr.
MfG,
dasMaurer



Wandaufbau innen diffussionsoffen / aussen dicht



Hallo Uli,

der Innenputz (90er Jahre) und Farbe?, ist also noch überall vorhanden?

Gruß

Mladen



Ooops - die letzten beiden Beiträge habe ich übersehen.



Danke Ulrich, für die nochmalige Bestätigung. Gibt noch ein wenig mehr Sicherheitsgefühl :-)

@Mladen:
Im Nordteil des Raumes gab es keinen Innenputz, da hab ich endlos Gipskarton entsorgt. Im Südteil konnte ich den inneren "Oberputz" und die Farbe entfernen. Der 90er Jahre Unterputz ist jedoch noch drauf und ca 30mm stark.

tschuldigung, für die verspätete Reaktion.

Uli





Hallo

Ich habe mir bei meiner Altbausanierung genau die gleichen Fragen gestellt bezüglich einer Wandheizung und einer Wohnküche und erhalte auch keine klaren Antworten ob der dispersionsdichte Aufbau einer Wandheizung Schimmel mitsichbringt oder die Wand eher Austrocknet. Was ich wissen wollte ob Sie ihr Projekt verwirktlicht haben und ob sich ein Regenwaldklima eingestellt hat oder ob es probleme mit Schimmel gibt.

Mit freundlichen Grüssen

Dammé Christian



Westliche Regenwälder...



...haben wir hier immer noch nicht, auch wenn wir am Rande der westlichen Wälder leben.

Hallo Herr Dammé,

sorry, aber die letzten beiden Wochen waren der End- Stress in unserer Wohnküche, letzten Samstag sind wir "eingezogen", daher hab ich Ihre Frage zuerst übermerkt.

Leider können wir deshalb noch keine Langzeit- Erfahrung weitergeben, aber bisher sieht alles gut aus. Wir haben die Heizung jetzt 2 Winter am Laufen, mit 24° Vorlauftemperatur (man spürt keine "Wärme" an der Wand) können wir den ganzen Raum so heizen, dass man jederzeit rein kann. Kochen, abspülen etc. ist angenehm - wir mögen keine überheizten Räume. Wenn man sich aber zum Essen hinsetzt, ist es etwas zu kühl, was wir normalerweise mit dem Holzofen ausgleichen. Natürlich könnten wir auch mit der Vorlauftemperatur noch etwas höher gehen. Angst vor Schimmel oder Feuchtigkeit im Winter habe ich eigentlich nicht mehr, auch wenn wir jetzt leider keinen Winter mit Kochbetrieb als Nachweis haben. Wenn sich irgendwo Schimmel bilden sollte, gehe ich davon aus, dass das eher im Sommer passiert, wenn die Wände nicht beheizt werden. Das Raumklima ist allen Besucher- Aussagen nach sehr angenehm.

Wir haben jetzt tatsächlich volle vier Jahre einen einzigen Raum renoviert, aber halt komplett, allein und nur nebenberuflich. Ab jetzt haben wir 35m² Wohnraum gewonnen und das fühlt sich momentan recht gut an :-)

Ach ja - auch zu unserem Aussenputz gibt es neuere Informationen: Zum Einen ist er tatsächlich mineralisch, und daher wohl nicht vollständig dicht. Zum Anderen sind die meisten Putzschäden, die dort sichtbar sind, von einem unsachgemäss ausgeführten Ortgang oberhalb dieser Giebelwand verursacht. Der Putz hat rotbraune Flecken (Fe) von den Abschlussblechen, sowie grüne, die wohl auf Algenwachstum aufgrund häufiger Durchfeuchtung (Westseite, kein Dachübserstand) hinweisen. Im Bereich des Erdgeschosses - mit der Wohnküche - war in den letzten beiden Jahren keine wesentliche Änderung bemerkbar.

Gruß

Uli