Außenfassade verputzen und streichen

14.02.2005



Hallo zusammen,
viell. kann uns ja jemand weiterhelfen. Wir möchten unser Haus (aus dem Jahre 1834) gerne neu Verputzen und Streichen lassen. Der alte Putz ist an manchen Stellen gerissen, ansonsten einfach sehr unansehnlich geworden. Nun stellen wir uns die Frage, welcher Putz und welche Farbe sind geeignet? Sanierputz? Kalkputz? Ober-/und Unterputz?. Es sollte möglichst diffusionsoffen sein, da wir den Wandaufbau (ca. 40-50cm dick) teilweise nicht kennen, allerdings teilweise Fachwerk mit Lehm/Strohgemisch haben. Ach das ist alles ziemlich viel, aber viell. weiß ja jemand Rat. Danke.

Gruß Jasmin





Hallo Jasmin Wolf,

für eine Instandsetzung ist natürlich immer eine Beurteilung des Bestandes sehr wichtig. Dabei sind auch die Schadensursachen zu lokalisieren.
Aus der Ferne ist eine Beurteilung natürlich nicht einfach! Warum kam es zu einer Rißbildung? Es handelt sich dabei sicherlich nicht um einfache Putzrisse. Ist der Putz nicht tragfähig und wird hier einfach übergeputzt, selbst wenn im Unterputz ein Gewebe eingelegt wird, zeichnen sich früher oder später diese Risse wieder ab.
Was für ein Putz wurde aufgebracht? Zementputz? Dieser sollte entfernt werden, insbesondere wenn er lose und rissig ist. Die bekannten negativen Eigenschaften eines Zementputzes wurden in diesem Forum schon eingehend dargestellt.
Was für eine Beschichtung hat der Putz?
Ist diese kunststoffhaltige (z.B. Dispersionsanstrich), ist sie im jeden Fall zu entfernen, da sie die Dampfdiffusion beeinträchtigt.
Ein neuer Putz aus Kalk ist natürlich ideal, sollte jedoch im Einklang mit dem gesamten Wandaufbau stehen. Dabei ist außerdem die Verarbeitung zu beachten. Manch ein Erfüllungsgehilfe der Baustoffindustrie ist damit überfordert. Einfacher zu Verarbeiten ist ein Trasskalk, generell jedoch immer mehrlagig (Unter- und Oberputz mit Vorspritz). Für neue Putzflächen ist eine Fassadenfarbe auf Silikatbasis ideal, z.B. von Keim, Beeck-Aglaia oder Kreidezeit. Vorsicht, auf diesem Markt tummeln sich auch andere Anbieter, die jedoch eine fertig gemischte Silikatfarbe mit einem hohen Dispersionsanteil anbieten. Die Diffusionsfähigkeit ist damit stark eingeschränkt bzw. kaum noch gegeben. Auch hier gilt, dass manch ein Erfüllungsgehilfe der Baustoffindustrie mit der Ausführung der Arbeiten überfordert ist.
Den genauen Anstrichaufbau kann man gerne mit einem Farbberater (z.B. von Keim) vor Ort besprechen.

Mit besten Grüßen aus Köln

Bernd Kibies



Von allen machbaren Möglichkeiten ist die einfachste immer die Beste!



Hallo Jasmin, hallo Bodo!

Im Großen und Ganzen hat der Bernd recht.
Was die Risse und Schäden betrifft denke ich jedoch, daß nach der notwendigen Freilegung fast immer zu Tage tritt, daß die Ursachen in der Vergangenheit liegen und der Bau zur Ruhe gekommen ist. Arbeitet man dann mit Putzhilfen wie Ziegeldraht an gefährdeten Stellen kommt man fast immer zum Ziel.

Allerdings habe ich beim Trasskalk(auch Trasszement genannt) bedenken, die dergestalt sind, daß die kapilare Leitfähigkeit doch schon stark eingeschränkt ist. Insofern würde ich immer den Luftkalkmörtel vorziehen.
Gut nachlesen kann man das bei www.konrad-fischer-info.de
Dabei spielt es nicht die große Rolle, ob vieleicht mit sündhaft teurem Muschelkalk oder Sumpfkalk gearbeitet wird.
Wichtiger ist das Anmachen und auch das Anwerfen.
Mehr dazu gern persönlich.
Ich habe sehr gute Erfahrungen mit der Verwendung von trocken gelöschtem Kalk (Weißkalkhydrat) und gewaschenem Kies gemacht.
Was die Farbe betrifft. Stehe ich auch da nicht auf Silikatfarbe.
Wir stellen am liebsten freskale Putze her.
Kostet im Vergleich zu einem Keimanstrich auch nur einen Bruchteil.
Dabei bleibt dann die Wand auch wirklich kapilar leitend.
Gerade bei altem Mauerwerk ist die Salzbelastung oft nicht zu vernachlässigen. Trage ich einen Silikatanstrich auf, stauen sich die Salze an der Oberfläche und lassen die Farbe
abfallen.
Nur ein Kalkmörtel mit freskalem Anstrich oder mit Kalkanstrich ist so offen daß die Salze hindurchkönnen.
Ich häng mal ein Bild von unserem letzten BV an, außer dem Pflaster waren auch die Dänischen Fenster und der freskale Putz dort von uns.

Dann noch ein Nachtrag zur Prophylaxe:
Installieren Sie eine Strahlungsheizung und sorgen Sie dafür , daß Ihr Haus nicht allzudicht ist. Warme Wände sind gegenüber Kondensation nicht annähernd so gefährdet wie Wände luftgeheizter Häuser.
Unser Nachbar hat ein Fachwerkhaus, bei dem in den 20er Jahren vor das Fachwerk Betonplatten gebaut wurden.
Schlimmer geht´s nimmer? Doch! Das Haus ist ein Denkmal, und
somit sollten die Betonplatten erhalten bleiben.
Auch mein Nachbar installierte Heizleisten. Dadurch ist er alle Feuchtigkeitsprobleme im Fachwerk los.
Allerdings mußte es ein Silikatanstrich werden.
Die sich unter dem Anstrich stauenden Salze lassen jetzt Putz mit Farbe reißen und teilweise nach 3 Jahren abfallen.
Auch Sanierputze sind nur unwesentlich besser. Sie fallen dann nach 5 - 7 Jahren ab.
Also: Strahlungswärme!
Wer dann das Erste richtig macht, bekommt das Zweite und Dritte geschenkt!
Ich persönlich empfehle natürlich die Heizleisten.
Einfach, übersichtlich und seit radia-therm auch wirklich preiswert!

Der Ingo



Ungenauigkeiten



Hallo,

@Ingo Rhein

Trasskalk und Trasszement sind unterschiedliche Produkte für verschiedene Anwendungsbereiche!
Wenn Sie von frescal sprechen, dann sollte das auch für Laien verständlich formuliert werden, da sonst nur noch mehr Verwirrung gestiftet wird.
Es handelt sich bei frescalen Techniken darum, das die darüberliegende Schicht auf die noch Feuchte untere Schicht aufgebracht wird (sei es die nächste Putzschicht oder der Farbauftrag).
Mit welchen Silikatfarben wurden die von Ihnen bemängelten Anstriche hergestellt? Handelt es sich dabei um reine Silikatfarben (Farbenwasserglas + Silikatweiß + Pigment) oder um Silikatfarben mit Naturharzdispersionen oder um Silikatfarben mit Kunstharzdispersionen? Diese Farben werden alle Silikatfarben genannt und haben doch völlig unterschiedliche Eigenschaften.
Von der Ferne kann man natürlich nur sehr vage Ratschläge zum Putzaufbau geben. Ich würde jedoch für Ihren Fall einen Luftkalkputz empfehlen, mindestens 2 lagig, wobei die 2. Lage auf die noch feuchte erste Lage aufgebracht wird. Dann ist dafür zu sorgen, daß der Putz nicht zu schnell austrocknet (z.B. feuchte Tücher vorhängen, die regelmäßig mit dem Kärcher nachgefeuchtet werden.) je länger der Putz zum austrocknen braucht, umso besser wird er.
Ob dann eine Sumpfkalkfarbe auf den feuchten Putz oder reine Silikatfarbe auf den trockenen Putz aufgebracht wird, hängt nicht zuletzt von der gewünschten Farbgestaltung ab. Sumpfkalkfarbe kann max. 5% Farbpigmente zuverlässig binden, damit sind nur Pastelltöne erzielbar. Silikatfarbe kann deutlcih stärker Pigmentiert werden, so daß damit auch kräftige Farben erreicht werden können.

Mit bunten Grüßen