Profis fürs Fachwerk -
auf diese sollten auch Selbermacher nicht verzichten


Eine überwältigende Majorität aller Fachwerkbauten hat mindestens schon einige Jahrzehnte erlebt; bei vielen sind es auch sehr viel mehr Jahre. Und bereits die Tatsache, dass sie vielfach simpler als moderne Bauten, fast immer auch mit rein natürlichen Materialien gefertigt wurden, prädestiniert den Selbermacher – weit mehr als bei später errichteten Häusern.


Eine überwältigende Majorität aller Fachwerkbauten hat mindestens schon einige Jahrzehnte erlebt; bei vielen sind es auch sehr viel mehr Jahre. Und bereits die Tatsache, dass sie vielfach simpler als moderne Bauten, fast immer auch mit rein natürlichen Materialien gefertigt wurden, prädestiniert den Selbermacher – weit mehr als bei später errichteten Häusern.

Hinzu kommt eine weitere Tatsache – nicht nur bei Fachwerkhäusern, sondern generell allen Prä-WK2-Bauten: Wenn ein Gebäude einmal ein solches Alter erreicht hat, egal in welchem Zustand, geht man als Besitzer einfach nicht mehr mit Kopf und Herz des normalen Sanierers an die Sache. Hier geht es um Leidenschaft, Emotion. Ein so altes Gebäude ist nicht minder ein hochemotionales Kleinod wie ein ähnlich alter Oldtimer, eine kostbare alte Uhr. Kein schlichter Gebrauchtbau, der einfach nur möglichst schnell und kostenneutral bewohnbar gemacht werden soll.

Verständlich ist es angesichts dessen, dass ein erklecklicher Teil der Besitzer solcher Gebäude darauf besteht, zu einem gewissen, oft recht hohen Grad selbst Hand anzulegen – „da weiß man wenigstens, wie es gemacht wurde“. Allerdings darf dabei bei aller Leidenschaft eines nicht zu kurz kommen: Die Vernunft, anzuerkennen, dass es sich um ein Gebäude a) aus Naturmaterialien, b) mit oft weitgehend unbekannter Vorgeschichte, c) womöglich aus dem Prä-Baunormen-Zeitalter (1918) stammend, handelt. Diese Vernunft gebietet es, zumindest auf das Wissen, wenn nicht gleich die Tatkraft von echten Profis zurückzugreifen. Doch welchen?

1. Ein Fachwerk-kundiger Makler

Das Hinzuziehen des Profis beginnt dabei schon lange, bevor man auch nur konkret ein Haus im Sinn hat, beim Makler. Menschen dieser Berufsbezeichnung gibt es viele in Deutschland, dahinter stehen nämlich nur geringe verwaltungsrechtliche Hürden.

Doch ebenso, wie man einen alten Hanomag Kommissbrot nicht beim Gebrauchtwagenhändler um die Ecke entdecken wird, wird man auch bei architektonischen Kulturgütern meistens wenig bis nichts im Portfolio der normalen Makler finden. Und wenn, können diese Fachwerk- bzw. Altbau-Laien oftmals gar nicht richtig taxieren, was sie da an Mann oder Frau bringen sollen – nicht aus Unwissen, sondern bloß mangelnder Spezialisierung; auch der moderne Makler ist auf nicht minder (halbwegs) moderne Gebäude fokussiert, weil das die absolute Majorität seiner Objekte sind.

Zugegeben, dieser Punkt ist schwierig. Denn je nach bevorzugter Region muss man viele Makler vergleichen, bis man den Richtigen entdeckt – dazu sei Lesern auch ein Nachfragen in unserer fachwerk.de Community empfohlen.

2. Ein seriöser Kreditvergleicher

Ohne Geld geht auch beim architektonischen Liebhaberstück bekanntlich nichts – weder beim Ankauf und erst recht nicht bei der Sanierung. Bloß ist es eine Tatsache, dass es in Deutschland über 1750 verschiedene Banken gibt. Rechnet man all deren Finanzprodukte zusammen, selbst wenn man nur bei den Darlehen bleibt, gehen die Zahlen in die Zehntausender.

Vergleichsportale haben sich als echtes Kind der Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben, hier mehr Transparenz hineinzubringen. Allerdings ist auch deren Zahl mittlerweile beträchtlich gewachsen. Zwar braucht es noch kein „Vergleichsportale-Vergleichsportal“, jedoch sollte man auch hier – wie überall – nicht nur blind den Werbeversprechen glauben. Ein Portal, das auch real bei Tests immer wieder gute Noten bekommt, ist smava.de. Was man hier an Eckdaten für einen Kredit eingibt, führt nur zur Auflistung von seriösen Kreditinstituten, bei denen man ohne weitere Prüfung „zugreifen“ kann.

3. Ein Altbau-erfahrener Sachverständiger

Auch wenn es hart klingt: Ein Makler und erst recht ein Privatverkäufer eines Fachwerkhauses können einem mitunter viel erzählen und dabei aus eigener Unkenntnis eine Menge relevanter Tatsachen nicht erwähnen.

Kommt noch hinzu, dass man auch als Käufer, erst recht, wenn es sich um das erste Fachwerkhaus handelt, oftmals ein ziemlicher Laie ist, entsteht häufig eine „Katze im Sack“-Situation:

  • Der Verkäufer weiß nicht wirklich welche Zähne beim alten Fachwerkhaus wackeln, auch weil sich solche Dinge nicht immer so auffällig zeigen wie ein Befall mit Hausschwamm. Er ist eventuell selbst der Dritt-, Viert-, oder Fünftbesitzer – völlig normal bei einem Haus, das älter als ein Menschenleben ist – und weiß vielleicht deshalb nur rudimentär, was seine Vorgänger hier an- und umgebaut und/oder unterlassen haben.
  • Der Käufer hat keinen ausreichenden eigenen Wissenshintergrund, muss sich nur auf eine Kombination dessen verlassen, was er sich angelesen hat und was ihm der Verkäufer sagt.

Das Ergebnis dieser Kombination zeigt sich zwischen Flensburg und Berchtesgaden alljährlich: Kosten laufen aus dem Ruder, mitten in Totalsanierungen wird erkannt, dass als erster Schritt etwas völlig Anderes hätte getan werden müssen.

Der einzige Schutz dagegen ist ein Sachverständiger. Abermals nicht „irgendeiner“, sondern jemand, der sich explizit auf Fachwerkhäuser bzw. die passende Baualtersstufe spezialisiert hat.

Nur ein solcher Profi kann einem so alten Gebäude mit hinreichendem Sachverstand auf den Zahn fühlen, sodass man basierend darauf Maßnahmen planen oder auch überhaupt über den Kauf oder Nichtkauf entscheiden kann. Finden kann man ihn unter anderem über die Gutachter-Dachverbände bdsf.de, bbausv.de beziehungsweise vbd-ev.de. Dazu sei allerdings angemerkt, dass es noch weiterer Gutachterverbände in der Bundesrepublik bzw. der D-A-CH Region gibt.

4. Ein Architekt mit Fingerspitzengefühl

Was lernen angehende Architekten in den Vorlesungen ihrer Hochschule? Vieles, aber definitiv nur sehr wenig über alte, wenig prestigeträchtige Bauwerke – wie normale Wohn-Fachwerkgebäude. Den exakten Aufbau einer dorischen Säule mit Benennung aller Details können Zweitsemester ohne Nachzudenken aufsagen; die genauen Unterschiede zwischen Früh-, Mittel- und Spätgotik gehören ebenfalls zu den Standards.

Aber die Unterschiede zwischen alemannischem, niedersächsischem und fränkischem Fachwerk? Die Unterschiede zwischen Kopfband und Schwertung? Da stockt das Wissen normal-ausgebildeter Architekten in der Regel.

Keine (Aus-)Bildungslücke, sondern der Tatsache geschuldet, dass die allermeisten Architekten sich auf das Errichten neuer Gebäude und das Sanieren relativ neuer Gebäude fokussiert haben.

Viele entschlossene Selbermacher würden an dieser Stelle vielleicht entscheiden „dann eben ohne“. Leider ist es jedoch nicht ganz so einfach – selbst wenn der Sachverständige einem ja theoretisch und praktisch alles zeigen könnte, was gemacht werden muss.

Das Problem besteht hier vielmehr darin, dass Architekten neben Bauingenieuren zu den einzigen beiden Berufsgruppen gehören, die in Deutschland eine große Bauvorlageberechtigung besitzen. Zwar genügt die kleine Bauvorlageberechtigung, wie sie auch viele Handwerker besitzen, für typische Fachwerkhäuser – aber eben nur, wenn diese höchstens 200 Quadratmeter Wohnfläche haben und es auf nicht mehr als zwei Wohneinheiten bringen.

Doch auch darunter gibt es gute Gründe, sich auf den Dachverbänden vda-architekten.de und bda-bund.de einen Profi zu suchen, der sich mit Fachwerk auskennt und nicht nur auf Handwerker zu vertrauen: Der Architekt ist ein Planer, ein Visionär. Hat er sich, vielleicht über Jahre, das Wissen und die Feinheiten des Alt- und Fachwerkbaus antrainiert, hat er die Fähigkeit, aus einem architektonischen Kleinod ein wahres Kunstwerk zu erschaffen wo sich kleine Bauvorlageberechtigte vielleicht „nur“ auf das reine Sanieren verstehen.

Abb. 1: pixabay.com / MICHOFF, Abb. 2: pixabay.com, ThomasWolter