Probleme mit Feuchtigkeit im Erdgeschoss




Hallo!
Erstmal zu den Gegebenheiten:
Wir bewohnen und besitzen ein kleines Fachwerkhaus(ca. 100 m²) und haben immer wieder und wohl aufgrund der derzeitigen Unwetterlage ziemlich heftig mit feuchten Außenwänden im Erdgeschoss zu kämpfen.
Das Haus wurde 1820 gebaut. In den 1920ern wurden die Außenwände im Erdgeschoss durch ein Bimssteinmauerwerk ersetzt. Es ist nur zum Teil unterkellert(125 cm Raumhöhe, ca. 110cm tief unter Erdboden) Der Kellerboden ist aus Estrich, die Wände aus Bruchsteinen und Ziegelsteinen gemauert, der Mörtel ist teilweise aus den Fugen herausgefallen. Es gibt zwei kleine Fensteröffnungen, die ich bei starkem Frost wegen der im Keller befindlichen Anschlussleitung der Wasserleitung verschließe, sonst aber auch gerade im Winter zur Trocknung geöffnet lasse. Im Boden des Kellers befindet sich eine Wassermulde (1m x 0.5m, 0.8m tief) die oben mit einem Überlauf in den Kanal ausgestattet ist. Das Haus befindet sich in Flußnähe, der Boden ist also permanent etwas feucht. Im nicht unterkellerten Bereich gründet die Mauer auf einem Bruchsteinsockel, die Fundamente hab ich hier noch nicht untersucht, soweit es sie überhaupt gibt.
Das Problem: Gerade in der heizfreien Periode in Zeiten von Starkregenfällen nasse Wände im Sockelbereich des Erdgeschosses (Tapete löste sich stellenweise, schimmeliger Geruch in den Ecken macht sich breit, stellenweise war schon etwas weißer Schimmel erkennbar.
Probleme gibt es mit Feuchtigkeit auch an schlecht durchlüfteten Stellen der Außenwand, an die dennoch feuchte Luft gelangt (Bad, Küche) auch im Winter. Die Maßnahmen, die hier helfen könnten, wären wohl eine bessere Durchlüftung und/oder eine Isolierung der Außenwände sowie ein durchgängiges Heizen im Winter (bisher nur durch Lüfter und Holzfeuer bei Bedarf, im oberen Stockwerk auch mit Nachtspeicheröfen).
Was ich bisher getan habe:
Ich habe beobachtet, dass der Keller über den Kanalüberlauf der Wassermulde bei Starkregenfällen Wasser von außen bekommt. Am gleichen Kanal hängen scheinbar auch die meisten Fallrohre der Dachrinne. Manchmal stand dann der Keller 20cm hoch unter Wasser, nach den Unwettern floß es sofort wieder bis auf Wasserlochoberkante in den Kanal zurück. Ich habe also ertstmal eine Rückstauklappe in den Überlauf eingebaut und davor eine Tauchpumpe installiert. Die Pumpe hat nun in den letzten Tagen einiges an Wasser, das unter dem Keller immer wieder zusammenlief heraus befördert. Beim letzten Starkregen, der mit den vorherigen vergleichbar war, kam kaum Wasser in den Keller, ich habe danach nur ein paar Liter aus dem Wasserloch herausgepumt. Als vorübergehende Maßnahme habe ich im Erdgeschoss einen Luftentfeuchter aufgestellt, die Wände sind schon nicht mehr ganz so nass, aber immer noch spürbar feucht.
Jetzt ist die Frage, wie ich weiter vorgehen sollte? Als erstes würde ich den Kanal, in den die Dachrinnenfallrohre wie auch der Überlauf münden, auf Schäden überprüfen (Kamera, eventuelles Freigraben).
Wie schaut es mit einer Drainage aus? Ich traue mich nicht so recht Keller und Fundamente von außen freizulegen. Ein mir bekannter Maurermeister sagte mir, das sei bis zur Unterkante der Mauern kein Problem, sofern man nicht alles auf einmal freigräbt. Er würde eine Drainage einbauen und wenn schonmal offen sei die Fugen der Mauern mit Trasszement ausfugen, nach innen aber offen zu lassen (durchlüfteter Keller) und außen auch nicht zu verputzen.
Ist es gefährlich, die alten Mauern einfach freizulegen, zumal da ja kaum noch Mörtel in den Fugen enthalten ist und die Wände darüber auch teilweise minimal nach außen geneigt sind? Entsteht evtl. eine Einsturzgefahr, wenn das Erdreich um das Haus plötzlich trocken gelegt wird (Lehmboden)? Sind andere wirkungsvolle Maßnahmen zu empfehlen? Eine injizierte Horizontalsperre wurde mir von einem "Experten" empfohlen, der diese Arbeit aber zufälligerweise selbst durchführen wollte. Das sehe ich sehr skeptisch, ob es dadurch wirklich dicht wird und ich sehe ein Problem darin, das Mittel in noch nasse Wände zu injizieren. Wie sollen die Steine bzw. das Fugenmaterial über die Kapilare das Mittel aufsaugen, wenn diese bereits mit Wasser gefüllt sind?



Feuchtigkeit beseitigen



Keine Drainage!
keine Injektionen!
Wenn überhaupt funktioniert so etwas nur bei guter Planung und Berücksichtigung aller Umstände-
in diesem Fall wohl kaum sinnvoll bzw erfolgreich.

Oberflächenwasser vom Gebäude ableiten,
Installationen überprüfen.
Fassade vor Schlagregen überprüfen.
Feuchtegesteuerte Lüftungsanlage im Keller und Wohnbereich installieren oder entsprecheend lüften.

Der Kondenstrockner wird lange benötigen, um alles zu trocknen- das können hunderte von Litern sein.

Innendämmung verhindert Kondensfeuchte

Fotos und Skizzen von innen und außen würden helfen.

Andreas Teich



Aw: Feuchtigkeit beseitigen



Hallo!
Vielen Dank für die Antwort! Was spricht gegen den Einbau einer Drainage (Statik?, Problem, dass sich gerade mit Drainage Wasser sammeln könnte?) bzw. warum ist deren Nutzen voraussichtlich sinnlos? Dass ein gewisses Gefälle eingehalten, Spülmöglichkeiten eingebaut werden und die Leitung mit einem Filterelement ummantelt wird, davon gehe ich aus.
Wie kann man im gepflasterten Bereich das Oberflächenwasser fernhalten (Kopfsteinpflaster). Mir wurde bereits vorgeschlagen, die Fugen in der Nähe der Wand mit Trasszement zu füllen. Die Haltbarkeit dieser Fugen dürfte meiner Meinung nach im funktionellen wie auch im optischen Sinne eher fraglich sein (Bewegung, Frost). Ein leichtes Gefälle des Pflasters ist bereits gegeben.
Vor dem Haus befindet sich ein Streifen mit großen Kieselsteinen.Macht es Sinn den Untergrund dieses Streifen zu betonieren und das sich hier sammelnde Wasser abzuführen. Der Abluss müsste hierbei zwingend frei bleiben. Dann gibt es noch die Seite zum Nachbarn hin, wo zwar nur Schotter liegt, die Dächer der Häuser aber fast überlappen. Seltsamerweise tritt gerade hier in der Außenwand die meiste Feuchtigkeit auf. (Bilder folgen , sobald ich wieder zu Hause bin)

Ich habe nun schon viel in den Foren gelesen und es waren einige "Experten" und Experten da und haben sich das Ganze angeschaut. Dabei hat jeder seine eigene Meinung und das schlimme ist, dass diese Vorschläge oft genau gegenläufig sind. Was einer für richtg hält, ist für den anderen Teufelszeug. Ich glaube, es hilft nur, pragmatisch vorzugehen, da man die eigentliche Ursache der Feuchtigkeit nicht kennt. Der Kanal ist ja bereits gegen Rücklauf gesichert und eine Tauchpumpe installiert, die das gesammelte Wasser rauspumpt. Diese kleine Maßnahmen haben schon jetzt zu einem trockenerem Keller geführt. Das nächste wäre dann die Kontrolle der Fallrohre und der Kanalrohre.
Es wird so oft von drückendem Wasser gesprochen. Das kann ich mir eigentlich eher in Hanglagen vorstellen oder es geht eine Wasserader unter dem Haus durch.
Aufsteigende Feuchtigkeit wird auch immer wieder als Ursache genannt. Könnte hier ein Problem sein, die Fachwerkhäuser in der Nachbarschaft haben nicht umsonst einen recht hohen Bruchsteinsockel, der meinstens heutzutage wieder offen liegt und an dem man sehen kann, wie er nach oben hin immer trockener wird. Unser Erdgeschoss ist dahingegegen fast ebenerdig, woran man sieht, dass auch in der etwas ferneren Vergangenheit wohl nicht unbedingt alles sinnvoll war, was am Bau gemacht wurde ("Die wussten schon, warum sie das genau so machten").
Über eine automatische Öffnung der Kellerlöcher für den Fall, dass die Luftfeuchtigkeit und Temperatur außen und innen gerade passt, habe ich schon nachgedacht. Eine pauschale Regel, im Sommer nur nachts oder gar nicht und im Winter durchgehend den Keller lüften, gilt meiner Meinung nach nicht. Im Winter macht man spätestens zu, wenn der Fußboden über dem Kellerbereich eiskalt wird oder die Wasserleitung im Frostbereich liegt. Im Sommer gibt es hingegen auch sehr trockene, mäßig warme Tage, an denen, wenn ich das richtig sehe, eine Lüftung schon Sinn macht.



Injektion



Bezüglich der Trockenlegung des Kellers ist schon viel geredet worden- nur Sie leben ja eigentlich im EG (wenn Sie nicht Mitglied der Munster-Familie sind..)

Was wohl unzweifelhaft fest steht, ist die Tatsache, das Ihre Außenmauern ab OK Erdboden feucht sind und dies aus 3 möglichen Gründen:
1. Aufsteigende Bodenfeuchtigkeit
2. Spritzwasser von außen
3. Kondensationsfeuchtigkeit von Innen, da die Wände im Winter zu kalt sind .

Sie können einen "Feuchtigkeitsprofil" der Wand mittels Messsung der elektrischen Leitfähigkeit erstellen (lassen):
1. Unmittelbar über dem Boden die ersten Messungen am Putz, dann in 5 cm, 15 cm, 25 cm, etc. Tiefe der Wand .
2. in 15 cm Höhe die gleiche Prozedur
3. in 30 cm Höhe die gleiche Prozedur
4. in 45 cm Höhe die gleiche Prozedur
5. in 60 cm Höhe die gleiche Prozedur

So bekommen Sie einen Überblick wie sich die Feuchtigkeit im Querschnitt der Wand verteilt.
A. Nur Feuchtigkeit von unten: Feuchtigkeit unten und gegen die Mitte des Mauerwerks am höchsten.
B. Spritzwasser von Außen: Feuchtigkeit gegen Ende der Wand am höchsten
C. Kondensation: Feuchtigkeit Innen am höchsten.

Sollte es eine Kombi aus A und B sein, ist eine horizontale Sperre mittels geeigneter Injektionsmittel ins Auge zu fassen.

Die relative Mauerfeuchte können SIE selbst ganz einfach über die Darr-Methode herausfinden: Mauer vom Putz etwas freilegen, mit Bohrer Durchm. 18 mm LANGSAM bis in eine Tiefe der Mauerwerksstärke -10 cm (z.B. bei 45 er Wand = 35 cm) vordringen. Das anfallende Bohrmehl sorgsam auffangen.
Gewicht "ist" ermitteln. Bohrmehl in die Mikrowelle, solange mehrmals erhitzen bis trocken, Gewicht "trocken" ermitteln. Bohrmehl in Kaffefiltertüte geben, komplett nässen. Tüte vorsichtig ausdrücken - Gewicht max. ermitteln.
Nach Formel den tatsächlichen Feuchtigkeitsgehalt berechnen.
FG > 65 %: Selektive Trocknung der Wand bis unter 65% FG.
(Z.B. notfalls mit Heizstäben).
Probe-Injektion mit Silan/Siloxan-Creme: Bohrlöcherabstand 12 cm. Es stellt sich eine kreisrunde Dunkelfärbung um die Bohrlöcher ein. Überlappen sich die Dunkelfärbungen mindestens 5-7 cm: Bohrlochabstabd ok.
Bei geringerer Überlappung: Versuch mit 10 cm Bohrlochabstand wiederholen.

Grundsätzlich würde ich empfehlen JETZT den feuchten Innenputz auf ca. 1m Höhe abzuschlagen und somit die Diffusionswege für die Abtrocknung der Mauern zu verringern.
Stellen Sie billige Ventilatoren auf, die die Wand mit stetig neuer trockenerer Luft versorgen.

Neuverputzen im Idealfall erst, wenn die Wand einigermaßen trocken wird und keine Salze ausblühen, bzw. die entstehenden abgefegt wurden.

Auf keinen Fall auf eine nase Wand irgendwelche Innenisolationen aufbringen. Wie soll diese dann jemals trocken werden?