Problem Gipspunkte Lehmwand

09.07.2018 Stephanie



Sehr geehrte Forumsmitglieder,

wir sind glückliche Besitzer eines Fachwerkhauses von 1910 und haben zu erst alle Rigipsplatten und Styroportapeten der Vorbesitzer entfernt. Nun haben wir folgendes Problem: Viele Löcher im Putz wurden einst mit Gips verschmiert, das Gleiche geschah bei allen Schlitzen der Elektrik. Das in etwa 10cm Abständen. Wir sind bemüht, alles selbst zu machen, ein Lehmbauseminar steht an, doch würden wir gern vorher wissen, ob wir all diese Punkte entfernen müssen? Oder ist es ausreichend, die verbleibenden Schlitzstücke mit Lehm zu verstreichen und auch über die Punkte zu gehen? Darauf soll am Ende ein reiner Lehmputz mit Lehmfarbe... Anhand des bisher Gelesenen fürchte ich, es wird reißen - und hoffe inständig, Sie sagen Anderes.
Herzlichen Dank für Ihre Antworten
Stephanie



Aus eigener Erfahrung...



kann ich sagen, dass sich jede "Faulheit" beim Thema "mit irgendwelchem Zeug ausgebesserte Lehmwand" irgendwann möglicherweise rächt:

Ich hatte an der (Lehm-)Decke mit den Zementausbesserungen des Vorbesitzers zu kämpfen und dachte mir: "Ach, dieses eine Loch vom Lampenanschluss lässt du so, anstatt den Zement raus und Lehm rein zugeben. Ich habs ja noch nie gemacht und lieber weniger Arbeit als noch größere Löcher reinzureissen"

Ergebnis nach Lehmfeinputz und Kalkhaftputz als Oberfläche: feine Haarrisse um den Zementklumpen, die so gut wie nur im Gegenlicht am Abend zu sehen sind. Der Rest der Decke (rein Lehm auf Alt-Lehm + Kalkhaftputz) sieht top aus und reisst nirgends. Hätte ich das gleich erledigt, wären es vielleicht 5 minuten mehr Arbeit gewesen.

Bei den nächsten Räumen, die anstehen, werde ich alles restlos entfernen (ein paar Gipsmauscheleien sehe ich jetzt schon), weil - einfacher als Lehm mit Lehm ausbessern geht es wirklich nicht, auch bei Laien ohne Verputzerfahrung, die sich einarbeiten möchten !

Also: Ich würde mir, vorausgesetzt ihr habt bei diesem Ausmaß die Zeit dazu, die Arbeit machen und alles entfernen, das ärgert einen nachher doch nur.

Möglicherweise kann man aber das Enreissen an allen diesen Stellen auch einfach durch die Verwendung einer Armierung verhindern?

Viele Grüße und Erfolg,
Alexander





ja, es ist so wie der Alexander es beschreibt. Man muss vor der individuellen Situation immer selber entscheiden was man macht. Beim "Selbermachen" wird man immer etwas Lehrgeld zahlen müssen.

Es kann schon Sinn machen bei einer grundlegenden Überarbeitung von Altflächen die "Gipsplompen" auszubrechen und mit artgleichen Material auszubessern.

Bei Elektroinstallationen empfiehlt es sich die Leitungen mit Nägeln zu befestigen und die Dosen entweder anzuschrauben oder Lehmmörtel unter Zuschlag von "Schnellzement" (Belit, Romanzement) zu befestigen.

Verwendet bitte auch Sorgfalt auf die Auswahl der Putzmaterialien hier nicht in den Baumarkt gehen, da wird zwar auch "Lehmputz" feilgeboten aber Begrifflich und von der Materialität sind da Unterschiede.

Wenn ihr eine brauchbare Materialreferenz sucht so guckt beispielsweise bei "Conluto".

Das Beste wird sein ihr gleicht die Altflächen mit einem Lehmunterputz (fetter Grubenlehm, mit Gerstenstroh abgemagert) aus und betetet in diese Lage ein Armierungsgewebe (10 x 10 mm) ein. Darauf kommt dann ein Lehmfein- oder Oberputz in der entsprechende Schichtstärke.



Überputzen



...ich würde größtenteils den Gips entfernen und dann mit Lehmputz überputzen...wie schon geschrieben, die Kabel und die Dosen aber zusätzlich sichern, da Lehmputz schwindet und nichts ärgerlicher ist, als leicht lose Dosen...

Mario: ....da wird zwar auch "Lehmputz" feilgeboten aber Begrifflich und von der Materialität sind da Unterschiede....macht keine Raketenwissenschaft daraus. Was auch immer eine Materialität ist, wenn es im Baumarkt Lehmputz geben sollte, kann man den sicherlich auch nehmen. Ansonsten schauen, was man finden kann in seinem Umkreis...

Falls jemand Interesse hat - ich habe noch 3 Bigbags Conluto Baulehm über....



Lieben Dank...



für eure ersten Antworten! Wir haben tatsächlich die Situation, dass wir auf zwei Etagen sämtliche Leitungen so wie beschrieben vorgefunden haben. Wenn wir alles rausbrechen (ich habe es versucht, es hält tatsächlich fürchterlich gut, leider), brechen ganze Platten mit heraus. Die Wohnfläche sind 150qm, die Wandflächen daher sicher zu erahnen - ich bin verzagt. Kaufen werden wir unseren Baulehm fertig im Bigpac in Thüringen, er kommt aus Kleinfahner - nachdem ich die erste Wand mit unserem Altlehm ausgebessert und fertig hatte, habe ich von der notwendigen Zeit der Aufarbeitung und des Findens des richtigen Mischverhältnisses abgesehen...
Die Idee mit dem Armierungsgewebe würde ich gern vertiefen, könnte mir das jemand näher Beschreiben? Habe mich nach Rabitzgeflecht erkundigt, doch führt das hier niemand, Stohmatten bekomme ich nur über die jeweiligen verschmiert Punkte nicht drüber...Ich probiere, ein Bild zu machen und vielleicht könnte es anhand dessen erklärt werden? Ganz herzlichen Dank für die tolle Unterstützung!!!





Naja, die Empfehlung "Baumarktware" zu meiden war schon ernstgemeint. Mit Raketenwissenschaft hat das nichts zu tun.

Wenn wir hier von "Lehm" sprechen meinen wir ein Stoffgemisch aus Sand, Schluff und Ton. In einer Grube gewonnen, mechanisch aufbereitet und mit Sand und Faserstoffen abgemischt. Alles mehr in handwerklicher Tradition.

Die Gense dieser "Lehmprodukte" der Baustoffindustrie wird teils aus einzelnen , klassifizierten Fraktionen zusammengemischt. Die reagieren halt auf die Nachfrage. Und wenn Leute im Markt die "Gipstüten" wenden und nach "Lehm" fragen, sagen die einfach, ja Lehm können wir auch.

Ich weis das weil ich ab und zu dazu komme wenn Selbermacher schon den ein oder anderen Umweg hinter sich haben. Auch wirtschaftlich macht es keinen Sinn, dass zu kaufen.

Jedenfalls ist man im Fachhandel auch geduldiger bei der Auskunftserteilung gegenüber ungeübten Anwendern, was ja schonmal einen leichtern Einstieg gewährleistet.

So hier mehr nicht das Thema.

Ich war vor kurzem mal im Kyffhäuserkreis. "Lehmhaus" vom Uropa in den 20ern gebaut. Da kam der Lehm aus der örtlichen Flussaue einfach am Feldrand von der Dorfgemeinschaft abgebaut, aufbereitet, zu Ziegeln geformt und mit dem Handkarren zur Baustelle transportiert. Ein Hinweis darauf das auch "Sozialer Wohnungsbau" sehr viel umfassender eine kommunale Aufgabe mit regionaler Mehrwertschöpfung sein könnte.

Die Gipsplomben würde ich ausbrechen. Wir haben ja hier gar keine "aufgefüllten" Installationsschlitze. Um hier Effektivität zu steigern, scheint mir der Einsatz eines "scharfen" Werkzeuges und gezielter "Schlagkraft" angezeigt.

Als Armierung wird ein "gewöhnliches" Glasfasergewebe verwendet.



Problem Gipspunkte Lehmwand



Hallo Stephanie! :-)

Wenn Du die Arbeit scheust kannst Du mit gutem Gewissen den Gips drin lassen und die restlichen Schlitze einfach mit Lehm beiputzen. Den Gips solltest Du nur vorher aufrauhen, das ist wichtig.
Ein Armierungsgewebe ist sicherlich sinnvoll, ein Putzträger etwas übertrieben.
Andere Möglichkeit: ein Unterputz mit viel Faseranteil.

Viele Grüße

Lehmbauer Marc



Herzlichen Dank...



Euch allen! Unser Lehmbauseminar hat weiterhin zum Erhellen beigetragen und ich habe es mit einer Kombination aus abschlagen großer Teile drumherum und Armierungsgewebe auf dem Rest erst einmal versucht. Vollständiges Ausbrechen würde für uns Jahre der Sanierung bedeuten, da sich so große Flächen ergeben, die mit herausbrechen. Wir hoffen auf das Beste - Halt und max. Haarrisse.
Vielen Dank erneut!

Stephanie