Problem Aufsparrendämmung: Dach frisst historische Gaube




Hallo zusammen,

bei unserer Villa aus der Gründerzeit (Historismus mit Zierfachwerk) muss wohl bald das 114 Jahre alte Dach neu eingedeckt werden. Nun erzählt mir mein Dachdecker ständig etwas von U-Werten die man einhalten müsse und das bei uns eine Aufsparrendämmung die beste Lösung sei. Nun würde sich das Dach dadurch jedoch um beinahe 30 cm erhöhen. Wir haben allerdings eine historische Gaube mit Zierfachwerk auf der Frontseite. Diese Fachwerkbalken der Gaube reichen bis auf wenige cm direkt bis zu den Dachziegeln. Erhöht sich nun durch die Aufsparrendämmung das Dach, frisst es ja im Grunde die Gaube, die nicht mitwächst. Das ist für mich ein nicht hinzunehmender optischer Verlust. Auch das Fenster würde so nicht mehr passen. Hat jemand eine Idee? Grüße



Quatsch mit Jägersosse



Auch mit einer Zwischensparrendämmung kann man die Werte der EnEv einhalten. Auch dann wird der äussere Aufbau meist einige cm höher, aber vielleicht 7 statt 30.

Wichtig ist jeden verfügbaren cm gut auszunützen, also z.B. auch zwischen der Traglattung für die raumseitige Verkleidung ausdämmen.

Bei den Wänden der Gaube braucht es kreative Lösungen, sonst hat man dort innen einen Schwachpunkt / Schimmelfalle.



Planer einschalten



Dann ist an dieser Stelle die Planung eines sachverständigen und altbauerfahrenen Architekten oder Bauingenieurs gefragt und nicht die ad-hoc-Aussage eines Dachdeckers, der der Komplexität der Situation wahrscheinlich mit seinem gängigen Instrumentarium gerecht werden möchte. Wenn der DD gerne und preiswert Aufdachdämmungen baut, dann empfiehlt er eben diese, ob´s passt oder nicht.

Sie müssen dagegen erst einmal eine Bauanfnahme durchführen lassen, um eine maßgeschneiderte LÖsung für die Dachdeckung und ggf. die Dachdämmung entwickeln lassen zu können.

Das Dach müssen Sie auch nur nur dämmen, wenn es zu Wohnzwecken genutzt oder ausgebaut werden soll. Bei einem Kaltdach wäre eher die Dämmung der obersten Geschossdecke die preiswertere Lösung.

Die EnEv greift auch übrigens nur dann, wenn die gesamte Dacheindeckung samt Lattung, Unterspannbahn/Schalung etc. entfernt werden würde.

Also: beauftragen Sie einen unabhängigen Planer mit derlei Entscheidungen.



Lehmschlag



Was immer der Lehmschlag ist. Auch dieser hat eine Isolierwirkung die gerechnet werden kann. Ist das Strohlehm?

Bei mir habe ich eine Aufdachisolierung mit 35 mm Holzweichfaserplatte genommen da das Denkmalamt nicht mehr erlaubt hat. Die Dämmung endet dabei an der Außenwand und wird nicht bis in den Ortgang weitergeführt. Dadurch bleibt die Dicke der Dachschalung am Ortgang identisch. Mit 140 mm zwischen den Balken wird dann sogar EnEv konform gedämmt.

Das würde auch bei dir die Optik an den Gauben nicht zu sehr beinträchtigen.





Vielen Dank für eure Hinweise!



auch bei uns...



40 mm Konterlatten
35 mm Unterdachplatten (Isolair)
Zwischensparrendämmung mit Zellulose
Dampfbremse
Untersparrenfilz Glaswolle zwischen der Traglattung
Gipsfaserplatten



Was wird aus dem Dachboden ?



Ausbau für Wohnzwecke ->

alles raus, inklusive Lehmschlag, zwischen und unter den Sparren dämmen, raumseitige Verkleidung am besten mit Gipsfaserplatten (mehr thermische Masse, besseres Verhalten im Sommer).

Weiterhin als Dachboden ->

dann kann man sich die ganzen Umtriebe sparen, und statt dessen die oberste Geschossdecke dämmen.



Gaube



Der Aufbau über der Gaube ist schon 7,5 cm höher, muss aber nicht herausgezogen werden und fällt mit einem Brett über dem jetzigen Balken nur wenig auf. Damit kann der filigrane Ortgang an der Gaube wenigstens erhalten werden. So wurde das bei mir gemacht.



Gaube



Steht das Gebäude unter Denkmalschutz? Wenn ja dann sind sie (so weit ich weis) an kaum welche Umweltauflagen gebunden!



Schimmel...



... hält sich nicht an EnEV-Vorschriften.



Historische Korrektheit vs. wandlungsfähige Gebäude



Jedes Haus ist anders - aber grundsätzlich wollen die meisten von uns nicht mehr Zimmeröfen mit Kohle beheizen, und sich einen abfrieren...

Es gibt ein lesenswertes Buch mit dem Titel "How Buildings learn" - Wie Gebäude lernen. Die These ist dass diejenigen Gebäude überleben, die sich an Ihre Bewohner anpassen lassen. Die anderen werden früher oder später abgerissen.

In anderen Worten - aus so einem schmucken Haus muss man kein Passivhaus machen, aber man muss sich nicht immer sklavisch an die althergebrachten Methoden und Materialien halten. Moderne Materialien kommen in Frage wenn sie sich bauphysikalisch mit dem Bestand vertragen.

Die Wirtschaftlichkeit muss man auch etwas differenzierter sehen - nur mit den eingesparten Heizkosten rechnet es sich nicht. Wenn man aber ohnehin die Dachdeckung erneuern muss, sind die zusätzlichen Kosten meistens nicht so gewaltig. Und werden durch besseren Wohnkomfort im Winter und Sommer belohnt.



Historische Korrektheit vs. wandlungsfähige Gebäude



Es ist ganz sicher so das ein Gebäude sich anpassen lassen sollte aber! Die Alten gebäude sind nur so alt geworden weil die eben so bzw. aus den Materialien gebaut worden die sich seit hunderten von Jahren bewährt hatten! Unseren heutigen Bauwerke wie Fertighäuser (3 Tage und das Haus steht) halten garantiert nicht so lange!
An den alten Häusern kann man nicht die heutige standart Vorgehensweise wählen!

Zum Denkmalschutz...
Du kanst dein Gebäude unter Denkmalschutz stellen lassen! Es hat einige Steuerliche Vorteile und wie ich schon sagte auch bei der Sanierung das man sich nicht immer an die Richtlinien halten muss aber es hat auch nachteile! Man muss alles erstmal prüfen und dan entscheiden.

Zu deinem Dach so hab ich bisher die Erfahrung gemacht das Sanieren günstige ist als neu machen!