Porotonziegel oder Leichtlehmziegel zum Ausfachen?

25.03.2020 Schraube



Sehr geehrte Fachwerkliebhaber,
vor einiger Zeit erstanden mein Bruder und Ich ein fast 200 Jahre altes Fachwerkhaus. Wir beschäftigen uns nun mit der Sanierung dieses Objekts und stoßen immer wieder auf Spuren von unüblichen Sanierungsarbeiten aus der Vergangenheit. Fast jedes Gefach wurde von Außen mit Gasbeton / Ytong / Vollziegel / Kalksandstein / was auch immer gerade da war ersetzt. Innen wurde maßgeblich auf Rigips und Styropordämmung gesetzt und auch Glaswolle fand regen Einsatz, Fensterabdichtungen wurden mit Bauschaum erledigt.

Da wir nun die Räume nach und nach wieder zu einem ursprünglichen Zustand führen wollen, hat sich uns nun eine konkrete Frage ergeben, die sich aus dem Titel bereits ergibt. Wir sind uns noch uneinig, ob wir zum Ausmauern der Gefache nun Porotonziegel nehmen, um eine zusätzliche Dämmwirkung zu haben oder ob wir auf ganz klassische Baustoffe in Form von Lehmziegeln setzen sollen.

Für uns ergeben sich mehrere Vor- und Nachteile. Porotonziegel sind günstiger, ergeben wie gesagt eine höhere Dämmwirkung und sind auch aus natürlichem Material, wenn auch energieintensiver in der Herstellung.
Lehmleichtziegel ergeben ein optimales Zusammenspiel zwischen Gefache und Holz, sind natürlich, energiearm, aber eben nicht so wärmedämmend.

Für uns ergeben sich jetzt mehrere Fragen, die auch nach intensiver Recherche hier im Forum als auch in Fachliteratur nicht eindeutig beantwortet wurden.

Spricht etwas aus bauphysikalischer Sicht dagegen, Porotonziegel zu verwenden? Der Fachliteratur ist zu entnehmen, dass die äußere Schicht keine Hohlräume aufzeigen soll. Uns erschließt sich noch nicht warum das so sein soll. Wir fragen uns, ob das Zusammenspiel von Holz und Poroton nicht auch sehr gut sein könnte.

Zum Schluss noch unsere Idee zum Wandaufbau: Zweilagiger Kalkputz, natürlich ohne Zementanteil, ausgemauertes Gefach (Lehm / Poroton) mit Lehmmörtel / Kalkmörtel. Dahinter Lehmgrundputz zum Ausgleichen, Holzfaserdämmplatte und danach noch einen Lehmputz als Endschicht.

Vielen Dank schon vorab für Ihre Mühen zur Beantwortung unserer Frage



...wieder zu einem ursprünglichen Zustand führen wollen...



da käme ja dann wohl nur Leichtlehm in Frage, außerdem ( bloß nebenbei) ist das Zuschneiden der Porotonziegel eine Sauarbeit. Sie sind auch zu hart und machen evtl Fachwerkbewegungen nicht mit.



Danke für die Antwort,



ursprünglich ist vielleicht etwas unglücklich formuliert. Wir möchten das Gebäude mit möglichst ursprünglichen Materialien wiederherstellen, wenn sich aber ein (natürlicher) Baustoff ergibt, der uns entsprechende Wärmedämmeigenschaften bietet, wären wir nicht davon abgeneigt - sofern denn die bauphysikalische Eignung feststeht.



Lehm



Leichtlehmsteine erfüllen ja auch den Zweck das sie das Holz trocken halten und die Feuchte abführen. Können das auch Porotonsteine?



Lehmsteine & Ausfachung


Reparatur einer Fachwerkwand

Ziel sollte es sein ein relativ homogenes Gefüge in der ganzen Wand herzustellen. Das gilt für Wärmedurchgang und auch die Festigkeit der verwendeten Baustoffe.

Eine Ausfachung aus Poroton ist eher unbeweglich, während das Holz des Fachwerkes sich alleine im Jahresverlauf ein wenig bewegen wird. Da kann zur Rissbildung führen. Auch mit Gewebe.

Der Wärmedurchgangswert des Porotonziegels weicht von jenem des alten Fachwerkbalkens ab. Bei ungünstigen Außentemperturverhältnissen und erhöhter Luftfeuchtigkeit im Inneren des Gebäudes kann es im Bereich der Balken zur Kondensatbildung kommen.

Eine Ausfachung aus Lehmsteinen ist "weicher" und kann – richtig verarbeitet – auch die Bewegungen des Holzes im jahreszeitlichen Verlauf aufnehmen.
Innen kann man das Ganze mit einem Wandaufbau aus Schilfrohrgewebe und Lehmputz energetisch etwas "aufpeppen".

Ich persönlich würde Lehm bevorzugen, mit Schilfrohr, Lehmputz und Wandheizung.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Ausfachungsmaterial



Auf einer schlagregenbelasteten Wand würde ich ohne Fassadenverkleidung keine Lehmsteine verwenden.

Wenn die Gefache regengeschützt sind und bei entsprechendem Putz können sicher auch Lehmziegel verwendet werden-
allerdings würde ich im Außenbereich schon aus Schallschutzgründen und zum besseren Speichervermögen
keine Leichtlehmsteine verwenden sondern schwere mit geringem Stroh-/Hächselanteil.

Mit "Hohlraumvermeidung" bei Wänden sind keine kleinen Hohlräume innerhalb von Steinen gemeint sondern Luftschichten.
Die kleinen Luftkammern im Stein sollen durch die Mörtelschichten der Lagerfugen geschlossen werden.

Wenn Ziegel dann würde ich Vollsteine und niedrig gebrannte nehmen oder nur mit geringem Anteil an Hohlräumen.
Die Dämmwirkung ist bei dünnen Fachwerkwänden ohnehin zu gering, sodass zusätzliche Dämmung fast immer sinnvoll ist.




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