Porenbeton - zum hundertsten mal

18.06.2009



Hallo.

Ein Fachmann hat mir geraten, meine Gefache mit Porenbeton auszumauern. Dahinter (Innenseite) soll ich Heraklit-Platten setzen, zur besseren Wärmedämmung. Die Außenseite der Gefache bliebe unverputzt.

Mein Wandaufbau ist aktuell folgendermaßen (von außen nach innen):
1. Schiefer
2. Bretter
3. Fachwerk (ca. 15cm Balken)
4. Bretter
5. Rigips, Stragula, Tapeten, ... (alles vom Vorbesitzer)

Von Lehm hat er abgeraten, weil der so lange braucht, um trocken zu werden. Wobei er glaube ich von Stampflehm ausgegangen ist. Ich würde eher für Lehmsteine plädieren und bin am Hin- und Herüberlegen.

Porenbeton ist günstiger (und soo dicke hab ich's nicht) und einfacher zu verarbeiten, ABER... die Stimmen reichen ja von "super" bis "totaler Mist".
Größtes (eigentlich einziges?) Problem ist wohl die Feuchtigkeitsaufnahme bzw. die schlechte Feuchtigkeitsabgabe.

Was ich noch nicht weiß:
Betrifft das nur "direkte" Aufnahme, z.B. durch Regen ("Schlagregen")? Oder werden die Steine auch so furchtbar kritisch feucht, wenn sie quasi im trockenen stehen und nur die umgebende Luft feucht ist (wie in meinem Fall)?

Ist also Porenbeton hier(!) eine brauchbare Lösung oder nicht?

Gruß

Michael



abraten



hallo michael,

von porenbeton in ehemals mit lehm ausgefachten fachwerken kann ich ihnen nur abraten. die von ihnen angesprochene problematik des feuchteverhaltens ist dabei nur ein punkt. als Architekt habe ich oft häuser sanieren dürfen, die mit porenbeton "bearbeitet" wurden. nicht nur in meinem heimatort, in dem traditionell viele fachwerkhäuser zu finden sind (region hildesheim), können viele sanier-ungsversuche mit diesem Material beobachtet werden. auch aus sicht der "materialschlüssigkeit" sollte bei einem Fachwerkhaus möglichst kein Zement bzw. Beton zum einsatz kommen.
lassen sie sich von einem fachmann beraten, der schon einige vorzeigbare referenzen vorzuweisen hat.

viel erfolg und grüsse
stefan burkhardt



Porenbeton



Hallo,

was war das für ein "Fachmann"? Sicher hat er, wie schon der Kollege Burkhardt bemerkt hat, einige Häuser auf dem Gewissen.
Lehmsteine können Sie bedenkenlos nehmen, wenn der äußere Schlagregenschutz gewährleistet wird. Weichgebrannte Ziegelsteine gehen auch (aber keine Klinker!)
Verputz oder Bekleidung außen ist immer von Nöten.
Als Dämmung innen gibt es wirksameres als Heraklith: Holzweichfaserplatten, nicht hydrophobiert, von Gutex, Pavatex oder DHS Doser.

Grüße vom Niederrhein



unverputze Porenbetonausfachungen im Fachwerk ?



Da sind Bauschäden vorprogrammiert! Porenbeton nimmt sehr schnell große Feuchtemengen auf und hält diese recht lange fest. Machen Sie mal einen einfachen Selbsttest: kaufen Sie einen Porenbetonstein, lassen diesen mal im Regen stehen (nachgestellt durch Berieselung mit einem Wasserschlauch).
Beobachten Sie wielange die Trocknung dauert.



Porenbeton



Auch ich kenne verheerende Bauschäden an Fachwerk, die mit Porenbeton ausgefacht wurden.
Allerdings halte ich nichts davon, einem Baustoff die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben.
Bleiben wir doch bei den Fakten:
Da wird immer behauptet, Porenbeton nimmt Wasser sehr schnell auf und gibt es nur langsam wieder ab.
Der Kennwert dafür ist der Wasseraufnahmekoeffizient w (in kg pro m² und Zeiteinheit)
Porenbeton wird in der Fachliteratur mit einem w von 4-8 angegeben. Zum Vergleich: Vollziegel haben ein w von 30.
Also ein normaler Ziegel Rhodichte ca. 1,5 nimmt ca. das 5-fache an Wasser auf als Porenbeton!
Ein weiterer Kennwert ist die Diffusionswiderstandszahl.
Je höher, je dichter und dampfundurchlässiger ist der Baustoff.
Porenbeton wird mit 5/10 angegeben.
Vollziegel ebenfalls mit 5/10.
Trockenlehmsteine ohne organische Zuschläge ebenfalls 5/10.
Holz hat 40.
Also an den Materialeigenschaften an sich kann es nicht liegen.
Dann bleibt nur noch Materialauswahl und die Verarbeitung.
Das deckt sich auch mit meinen praktischen Erfahrungen.
Porenbeton ist nicht gleich Porenbeton.
Es gibt eine ganze Reihe von Wandbauteilen, die von den Herstellern je nach dem Verwendungszweck in Rhodichte, Wasseraufnahme,Dämmwert, Festigkeit usw. eingestellt werden.
Wenn ich das Material nach der Größe oder dem Preis auswähle statt dem Einsatzzweck, muß ich mich nicht wundern wenn das zu Schäden führt.
Das Nächste ist die Wahl des Mörtels und die Verarbeitung. Wer großformatige Elemente passend in die Gefache sägt, mit ein paar Nägeln am Balken sichert und die Steine mit einem mineralischen Kleber auf Zementbasis im Dünnbett zusammenfügt sorgt für die nächste Schadensursache.
Wenn mir jemand Objekte zeigt, die gemäß den Verarbeitungsrichtlinien der Porenbetonhersteller mit kleinformatigen, auf das System "Fachwerk" abgestimmten Porenbetonsteinen und dem dafür abgestimmten weichen Mörtel im Dickbett und dem passenden Außenputz erstellt wurden und trotz dessen solche Schäden haben, dann werde ich meine Meinung zum Material ändern.
Vorher nicht.

Viele Grüße



Porenbeton



Als Nachtrag zum obigen Beitrag:
Vor einigen Jahren bat mich ein Kollege um Unterstützung bei einem sanierten Fachwerkhaus.
Die Gefache wurden mit Porenbeton erneuert.
Man umwickelte! die Gefachölzer vorher mit Folie, die Ausmauerung erfolgte mit großformatigen Steinen, verklebt wurde mit Zementmörtel, die Sicherung in den Gefachen erfolgte wahrscheinlich mit Metallwinkeln.
Nach dem Ausmauern wurde die Folie außen einfach abgeschnitten und mit einem handelsüblichen Mörtel PII verputzt.
So ziemlich der schlimmste Fall von Todsünde.
Aber: An den Gefachen waren KEINE der zu vermutenden Schäden eingetreten!
Einige Risse und klaffende Fugen zum Gefachholz gab es nur dort, wo am Tragwerk erneuert wurde.
Selbst bei teilweise vermorschten, mit Hausbock befallenen Hölzern, die nicht ausgetauscht wurden, traten an den Gefachen praktisch keine Schäden auf. Wenn, dann nur durch Verformungen des Tragwerkes.
Ich stelle zur besseren Anschauung dazu ein paar Bilder in die Bilderdatei.
Die Zimmerer werden die sehr "pragmatische" Arbeit ihrer Kollegen sicher mit Interesse anschauen.

Viele Grüße

p.s.
Erinnert Euch mal an die Beiträge über Schäden an sanierten Gefachen trotz Einhaltung der "reinen" Lehre, also Lehmsteine, Sumpfkalkmörtel, Kellenschnitt...



keine ideologien



hallo herr böttcher,

ideologien sind, meiner ansicht nach, meistens problematisch- reine lehren ebenfalls. das die von ihnen beschriebene Konstruktion funktionieren kann zeigt ihr projekt, dennoch sind die vielen entscheindenden einflussfaktoren unbekannt. dass diese porenbetonlösung so problemlos funktioniert hat erstaunt mich schon.
unabhängig davon kann selbstverständlich auch bei der traditionellen "lehmvariante" viel falsch laufen und schäden entstehen. auch dies habe ich schon zu gesicht bekommen- wenn auch in einem weit geringeren umfang. meistens waren unsachgemässe ausführungen ursache für bauschäden.

freundliche grüsse
stefan burkhardt



Also womit soll ich jetzt ausfachen?



Hallo.

Danke für die Antworten.

@Georg:
Also Du sähest Porenbeton dann unkritisch, wenn er richtig verarbeitet wird und TROTZDEM keine Schäden auftreten.

Andererseits gibt es Häuser (mindestens ein Haus), bei dem das Zeug total falsch verarbeitet wurde und trotzdem keine Schäden aufgetreten sind...?
Ok, das ist erst ein paar Jahre her, also Langzeitschäden können sich immer noch einstellen - aber solche Geschichten machen die Entscheidung nicht einfacher.

Wo finde ich denn die von Dir angesprochene Lehm-Schäden-Diskussion?

Habe jetzt übrigens noch eine x-te Meinung: Ein Zimmermann hat sein Fachwerkhaus mit Steinwolle ausgefacht und Rigips drübergemacht. Das würde super dämmen und wäre super einfach... allerdings weiß ich nicht, wie lange das schon her ist.
In anderen Artikeln wurde ja Steinwolle ziemlich zerrissen.

Bin momentan an einem Punkt, an dem ich überhaupt nimmer weiß, was das vernünftigste ist :-(

Gruß

Michael



Porenbeton



Hallo Michael,
Wenn schon Ideologie, dann richtig:
Die Sache ist im Grunde genommen ganz einfach,
ohne vernünftige, durchdachte Planung und eine sachgerechte Verarbeitung kann jeder Baustoff versagen, auch Porenbeton.
Was für ein Material im Umkehrschluß nun für Deinen speziellen Fall am Besten ist, das hängt von den Randbedingungen ab und das sind eine ganze Menge.
Es gibt dafür kein Allheilmittel, keine eierlegende Wollmilchsau und kein alleinseligmachendes Dogma.
Jede Sanierung ist ein Unikat, bei der eine Menge Einflußaktoren zu beachten sind.
Heraus kommt dabei immer eine Reihe von Kompromissen, mit denen man sich dem gedachten optimalen Ziel nur nähern kann.
Es gibt für Sichtfachwerk keinen idealen Wandaufbau.

Viele Grüße



Porenbeton



Hallo Georg.

Du hast ja recht. Umso weniger verstehe ich, wie wenig detailliert die Experten hier auf die jeweiligen Umstände eingehen bzw. nachfragen (mit Ausnahme Deiner eher allgemeinen Antworten).

Trotzdem, auf meine eigentliche Frage, ob das Material denn im außen verkleideten Zustand auch so kritisch sei, habe ich leider keine wirkliche Anwort erhalten.
Und hier kommt's ja nun wirklich nicht auf den Einzelfall an.

Naja. Vielleicht sollte ich einfach einen Vertrag mit einem Experten machen, der sich mit sowas auskennt. Schließlich hat niemand was zu verschenken.
Mit dessen Vorschlag komm ich dann wieder hier ins Forum und laß ihn in der Luft zerreißen, was denn das für ein bauschadenprovozierender Blödsinn wäre :-(

Sorry für die Polemik. Bin ein bißchen gefrustet.

Gruß

Michael



jeder (Experte) hat mit Porenbeton Altbau-Erfahrungen gemacht.



Das Bundesforschungsministerium hat 1988 ein groß angelegtes Forschungsprojekt im Freilichtmuseum Hessenpark/Neu-Anspach gestartet um die Frage: "was ist die beste Ausfachung für`s Fachwerk " zu beantworten. Hierbei schnitten Lehmausfachungen im Statusbericht sehr gut ab, Ausfachungen aus weich gebrannten, kleinformatigen Feldbranntsteinen kamen auch gut weg.
Ich würde schon deshalb von Porenbeton im bewohnten Fachwerkhaus abraten,da diese Steine miserable Schallschutzeigenschaften haben.



Porenbeton



Schallschutz ist ein gutes Argument.
Aber da ist eben wieder diese Kompromissproblematik:
Je besser die Wärmedämmung, je schlechter der Schallschutz und umgekehrt.

Viele Grüße