Porenbeton




hallo
Wir haben ein Fachwerkhaus von 1666 mit Denkmalschutz.
Wir möchten die Außenwände Streichen und das rausgebrochene neu verputzen. Die Balken auch neu streichen. Das Gefache ist mit allem möglichen ausgefüllt. Hauptssächlich aber die grauen Porenbetonsteine. Y-tonggefache wollte ich entfernen das macht Sinn finde ich. Aber was ist mit den anderen Steinen. Sind die auch so schlimm für die Balken. Sie sehen trotz ihres alters ganz gut aus. Meine Fragen
Womit streiche ich die Balken?
Womit bekomm ich am besten die alte Farbe von den Balken ab?
Womit repariere ich die Gefache?
Was haltet ihr von der Farbe mit Lotuseffekt auf einem Fachwerkhaus?
Freue mich schon sehr auf eure Antworten.
Außerdem bräucht ich einen Zimmermann in der Nähe von uns.
Wegen ein paar Schäden an unseren Balken.
Ati



bei denkmalschutz



sollten sie die arbeiten mit der zuständigen Behörde abstimmen! sie sind dazu verplichtet. tun sie das nicht und man kommt dahinter, kann das richtig teuer werden. vom bußgeld bis zur rückbauverfügung. ein teil der fragen wird sich dann auch erübrigen - denn bei unserem denkamlschutz hätte sich z.b. die frage nach der lotuseffekt-farbe sofort erübrigt ("nein", natürlich). man hätte sicher auch vorschriften bezüglich der Ausfachung und der zu streichenden Balken gemacht, auch natürlich hinsichtlich der farbgestaltung.
man wird sie nicht zwingen können, bestand, den sie nicht verändern, anzugreifen - aber sie sollten sich schon überlegen, ob sie es nicht einmal richtig machen. falls ihre mittel das zulassen. vielleicht gibt ja den einen oder anderen förder-euro.



Das hört sich



für alles sehr bekannt an. Wir haben ein Fachwerkhaus von 1750. Im Laufe der Jahre wurden alle Materialien der Baustoffindustrie zur Ausbesserung und Renovierung verwendet. Also eine ganz spezielle Reise durch die Geschichte.

Leider wurde auch grauer Porenbeton verwendet. Dieses Material saugt leider Feuchtigkeit auf und gibt sie wenn überhaupt nur an die umliegenden Balken ab - schlecht! Porenbeton geht aber noch, schlimmer ist Ytong. Auch davon haben wir reichlich im Gefache.

Ich werde nun Stück für Stück die Gefache austauschen und gegen Lehmziegel und Kalkputz austauschen. Also offenporig und atmungsaktiv. Zum Glück sind auch bei uns die Balken O.K. Damit muss jetzt auch nicht alles auf einmal ausgetauscht werden. Der Aufwand ist aber trotzdem enorm.

Unsere Balken sind zum Teil sogar mit Bitumen bestrichen. Zum Glück haben sie auch diese Atacke überlebt. Es gibt mehrere Möglichkeiten die Balken von diesem Horror zu befreien. Ich denke am einfachsten ist die Möglichkeit mit einem Industrie - Heissluftfön die Bitume aufzuweichen und abzuschaben. Allerdings vorsichtig, wir reden schliesslich über Holz. Man kann aber auch eine Bohrmaschine mit Drahtbürstenaufsatz verwenden. Das ist zwar sehr mühsam (eigene Erfahrung) funktioniert aber.

Zum Schluss kann ich noch ein Buch empfehlen. Dieses Fachbuch beschreibt wirklich sehr praktisch alle Möglichkeiten der Sanierung eines Fachwerkhauses und das sogar denkmalschutzgerecht !

Fachwerkhäuser
restaurieren-sanieren-modernisieren

von Wolfgang Lenze

Noch ein Wort vielleicht zum Thema Denkmalschutz. Bei grösseren Arbeiten würde ich auch die Denkmalschützer zu rate ziehen. Kleinere Reparaturen kann man aber getrost so durchführen.

So jetzt noch viel Spass beim Restaurieren und keine Panik. Das Haus ist robuster als man denkt !

Viele Grüße, Jörg



zwei Anmerkungen



Guten Tag,
ich werde nur zwei anmerkungen machen. Zu anderen ausführungsmöglichkeiten gibt es im forum schon viel zu lesen.
1. "Lotus-Farbe"
Es ist schlecht, wenn die Oberfläche der Ausfachungen bei Regen gar kein Wasser mehr saugt. Das bedeutet nämlich, dass noch mehr Wasser an der Ausfachung herunterläuft bis es auf die Fuge zu darunter liegenden Riegeln und Schwellen trifft.
Dort dringt dann noch mehr Wasser ein als ohnehin.
2. Porenbeton - Ytong
"Ytong" ist ein Markenname, es handelt sich dabei um Porenbeton. Früher hieß Porenbeton einmal Gasbeton, das ist aber -wohl aus Vermarktungsgründen- geändert worden. Ich vermute Hr. Grütze meinte bei seinem Fachwerk Bimsbetonsteine oder andere Leichtbetonsteine wenn er von Porenbeton sprach.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold





Guten Abend Frau Twardon,

die Aussage von Herrn Grütze bezüglich Denkmalschutz möchte ich an dieser Stelle mal ein wenig widersprechen. Frau Ingenkamp hatte schon einmal auf mögliche Konsequenzen hingewiesen. Gerne zitiere ich mich aus einem anderen Beitrag selbst:

„ein Baudenkmal ist durchweg als ganzes Gebäude denkmalgeschützt, Einbauschränke, Türen, Treppenanlagen etc. sind eingeschlossen. Einschränkungen sind ansonsten in der Unterschutzstellung vermerkt.
Alle Arbeiten sind erlaubnispflichtig (siehe §9 DschG NW). Viele Gemeinden haben die Anträge auf Ihrer Homepage hinterlegt.“

DSchG NW siehe:
http://www.lwl.org/LWL/Kultur/WMfA_AfB/
Denkmalrecht/1137080029_0/Denkmalschutzgesetz.pdf

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Kibies



Denkmalschutz



Hallo
Also unser Haus ist nur zum Teil Denkmalgeschützt und irgendwie
obwohl nur Teile vom Haus geschützt sind müssen wir alles mit dem Amt besprechen. Es sieht ja nur leider so aus das die Materialien die wir verwenden sollen eigentlich viel zu teuer sind. Das ist was mich so an der Sache ärgert.
Natürlich möchte ich nur das beste fürs Haus aber
Wer soll das bezahlen........
Andrea Twardon



dafür,



dass so etwas i.d.r. ein bißchen teurer ist, als ein eimer baumarktfarbe hat der gesetzgeber als Ausgleich doch die denkmalabschreibung geschaffen. also gibts gar keinen grund zum ärgern.
förderprogramme gibt es zudem auf allen ebenen - auch wenn's geld nicht mehr so locker sitzt wie vor 10 jahren.



Ständerwerk



Da hier schon das Meiste gesagt wurde, möchte ich nur zum Enfernen der Farbe vom Ständerwerk auf einen Beitrag hier im Forum verweisen:
http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm?ly=1|0|forum|a|showForum|57951
Gruß aus Dortmund
Harald Vidrik



In dem ...



von Jörg Grütze beschriebenen Buch

Fachwerkhäuser
restaurieren-sanieren-modernisieren

von Wolfgang Lenze

welches ich im übrigen hervorragend finde, wird für den Anstrich der Ausfachungen, neben Silikatanstrichen, auch Silikonharzfarbe empfohlen. Ist das nicht genau diese Farbe mit dem soggennaten Lotuseffekt?
Wir haben einen solchen Anstrich gewählt. Der sd-Wert steht dem von Silikatfarben in nicht´s nach. Im übrigen wurde der Anstrich von der unteren Denkmalschutzbehörde ausdrücklich genehmigt.

Gruß
M.Wittwar



silikonharz



In der Denkmalpflege wird ein Silikonharzanstrich in der Regel nur dort verwendet, wo eine besondere Regenbelastung vorliegt und die Wasseraufnahme von anderen Farben (Kalk, Silikat) zu groß erscheint. Meines Wissens nach ist der Begriff Silikonharzfarbe nicht mit irgendwelchen Anforderungen an den Gehalt von Silikonharzen verbunden. Da die teuer sind, wird wohl oft ein wenig Silikon und viel "normale" Kunststoffdispersion enthalten sein. Der "Lotuseffekt" ist ein genz besonderer Oberflächeneffekt, der nicht von den üblichen Silikonharzen erzielt wird. Fazit:
An "Lotusfarbe" wird noch mehr Wasser ablaufen als an Silikonharzfarben. Es muss sich aber auch nicht gleich schädlich auswirken, wenn an einer Silikonharz-Ausfachung mehr Wasser abläuft als an einer Silikat-Ausfachung.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Vielen Dank...



für Ihre Antwort, Herr Arnold.

Grüße
M.Wittwar