Sauerkrautplatten ( Zementgebundene Holzfaserplatten) im Innenbereich einens Fachwerkhauses

24.12.2003



Bei meinen Fachwerkhaus stieß ich auf diese Platten im Innenbreich an den Außenwänden.Diese waren direkt auf das Fachwerk genagelt, bzw teilweise auf den Lehmputz.
Die Konstruktion diente wohl zur Dämmung oder Verstärkung der Außenwände und als Putzträger um
die Wände zu begradigen.
Meine Frage ist es, ist es sinnvoll es so beizuhalten oder sollte man die Platten rausreißen und anders eine verstärkung / Dämmung der Wände errichten ?
Zum Beispiel mit Lehmziegeln oder durch neue Lehmputzschichten?
Zur Zeit ist an den Wetterseiten außen ein Schieferbeschlag angebracht und dann folgt eine wohl recht dünne Fachwerkkonstruktion mit durchschnittlich ca. 15 cm. Teilweise Lehmgefache oder Kalkgebundenen Bimsstein.
Dadurch das das Klima im Westerwald doch recht rauh ist, erhebt sich die Frage wie ich den Innenausbau des Hauses weiter führen sollte.....



Umbau



Die Frage stellt sich doch meistens von selbst: Kann ich, möchte ich oder muß ich etwas dagegen tun? Natürlich wäre ein Rückbau sinnvoll, doch dies hängt meistens von der Beheizbarkeit des Objektes ab. Wenn weiterhin mit einer punktionalen Befeuerung (Öfen oder Luftschachtsysteme)beheizt wird, dann sehe ich keinen Handlungsbedarf. Doch wenn's ins zetralbeheizte System geht, dann ist ein Umbau dieser Wandsituation sinnvoll und auch ratsam. Wärmedämmtechnisch haben sogenannte "Sauerkrautplatten" kaum eine Wirkung. Da sollte dann doch schon auf effektivere Lösungen umgeschwenkt werden. Weihnachtsgrüße aus der bitterkalten OL.



Sauerkrautplatten / Umbau / Rückbau ......



Erstmal ein kurzes Dankeschön für die "Antwort" ......
Hinsichtlich der späteren Heizung ..... welche in meinen Haus geplant ist. Es kommt eine Holzvergaserheizung der Firma Herlt zum Einsatz.
http://www.herlt-holzheizung.de
Diese wird im Nebenbebäude aufgestellt und bekommt als Ergänzung einen Wärmepuffer in der Größe von 10000 Liter. Also eine fast Zentralheizung mit 49 Kw. Leistung. Diese Stärke resultiert aus den geplanten Ausbaustufen des Hofes. Haupthaus, Werkstatt und Ferienwohnung in der Scheune und Gewächshaus ..... :-)
Kernpunkt meiner Frage ist aber weniger der Nutzen von Sauerkrautplatten als Dämmung ..oder als Putzträger....sondern mehr die Frage geht mir das Fachwerk ( Holz / Gefachaufbau ) auf Dauer durch den Einsatz der Platten kaputt ?
Denn jetzt kann ich ohne großen Aufwand, da ich ohne hin am sanieren / renovieren bin etwas ändern.
Das ich gewillt bin hier Erfahrungen andere Mitglieder / Leidensgenossen anzunehmen steht wohl außer Frage..... Denn sonst hätte ich nicht in den letzten Wochen immer wieder hier mir verschiedene Tips geholt und auch umgesetzt.
Von meinen Handwerklichen Kenntnissen her denke ich schon das ich Fähig bin, wenn es nötig ist eine Änderung herbei zu führen.
Mit Lehmbau habe ich zwar noch nicht so viel zutun gehabt, aber als Maurer alter Schule, lernt man doch gerne dazu.
Deshalb bitte nur Aussage kräftige Anworten und keine Halbheiten, denn solche kann ich mir von sogenannten Experten auch in der Wirtschaft an der Ecke holen. Hinsichtlich dem Motto " Past schon" oder "Haben Wir immer schon so gemacht !"
Diese Art und Weise paßt doch nicht in diesem Forum oder ?
Mfg Joachim Pfeiff



Re



Kaputt geht es nicht unbedingt, doch aus Deiner Definition der Beheizbarkeit kann man ableiten, daß sich eine Veränderung des Aufbaues ergeben muß. Homogene Ausbildung der Innenwandebene mit Lehmdämmsteinen oder einer in Lehm gelegten Holzweichfaserplatte, wenn auf diese eine Wandheizung integriert und nachfolgend mit Lehm verputzt wird. Ein guter Wirkungsgrad bei Deiner Lösung zur Beheizbarkeit (holz/Puffer). Genauere Erklärungen kann man am Telefon geben und somit wäre ein Rückruf sicherlich sinnvoll. Festtagsgrüße zurück.



Frage. Problemchen



Na- hallo, Joachim! Einen schönen Weihnachtsabend in den "schönen Westerwald" (war ich auch schon- in der Nähe von Prüm!). Zum Thema: Sauerkrautplatten sind immer Sch...! Warum?: Diese sind mit fast 70% Zement gebunden. Damit wird das Fachwerk dicht gemacht. Ich habe es schon mehrmals erlebt, daß ich Ständer (!), Riegel (!) und andere Fachwerkteile mit den Händen "herausschaufeln" durfte, da zu DDR- Zeiten Fachwerk "verpönt" war. Alles Müll! Also: Am besten für Euch ist es, wenn die Sauerkrautplatten entfernt würden, Holzweichfaserplatten befestigt (Dämmung, Bindungsgrund) und Schilfmatte (quer!!!) angebracht würde. Darauf könnt Ihr bedenkenlos Lehmputze auftragen. Alles atmet, alles lebt, alles kann sich bewegen- auch wenn das Holz Hundert jahre alt ist! Es wird gut- versprochen!
Ernstel aus Zittau- dem Umgebindeland "www.denk-mal-holz.de"



"Sauerkrautplatten"



Hallo Ernst,
möchte Dir in dem Punkt widersprechen, daß "Sauerkrautplatten" -gemeint sind wohl Holzwolleleichtbau-Platten- Fachwerk "dicht" und auf Dauer kaputt machen. Das tun sie nämlich nicht. Sie sind nämlich, auch wenn zementgebunden, diffusionsoffen und Sie besitzen die gleiche Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl (puh, schwieriges Wort) wie Lehmprodukte oder die von Dir genannten Weichfaserplatten. HWL-Platten (eigentlich seit 1.6.03 nur noch Holzwolle-Platte, Abkürzung: WW) sind außerdem schwerentflammbar und haben einen relativ gutes Schallschutzverhalten. Gut, zugegeben der Wärmeschutz ist nicht ganz so gut wie bei Weichfaserplatten.
Bezieht sich die von Dir gemachte Beobachtung mit dem "Herausschaufeln" vieleicht auf Fachwerk, welches mit HWL-Verbundplatten (Styro,Miwo) gedämmt war ?

Gruß, Andreas



"Sauerkrautplatte"



Hallo, Andreas! Schöne Grüße und die Besten Wünsche für 2004 von hier. Das zuerst! Zu den "Sauerkrautplatten": Zu DDR- Zeiten bin ich nie richtig "warm geworden" mit der Verarbeitung dieser Leichtbauplattenart. Das ist mein Problem. Aber- Du hast natürlich recht, die Platten sollten (!) diffusionsoffen sein. Tun sie auch. Nur ist man genau so wie "im Westen" bestrebt gewesen, Fachwerk und Umgebinde zu verstecken, zu begradigen und in "modische Formen" zu bringen.
Daraus resultierte (immer) das Bestreben, mit schnell härtendem und gut klebenden Putz zu arbeiten. Und nun kommts: Es wurde meiner praktischen Erfahrung nach fast immer fetter Zementmörtel verwendet. Und wo bleibt da die Diffussionsoffenheit? Das, Andreas, war gemeint.
Die Gegend um Frankfurt/M. ist mir z.B. gut bekannt. Dort findet man viele solcher Bausünden, begangen in den 60' und 70' Jahren. Selbst auf der Schwäbischen Alb findet man diese auf Schritt und Tritt- nur aufmerksam hinschauen muß man.
Also- als Diskussionsbeitrag super, und Danke!
Ach so- schau doch bitte mal auf meiner hp vorbei: www. denk-mal-holz.de
Mit freundlichen Grüßen aus der Oberlausitz Ernstel



Du hast recht !



Hallo Ernst,

zuerst einmal möchte ich Dir ein schönes und gesundes Jahr 2004 wünschen !
Du hast natürlich recht. HWL-Platten können noch so diffusionsoffen sein; es nützt gar nichts, wenn vor bzw. hinter den Platten (vom Wandaufbau gesehen) gepuscht wurde. Fachwerk, dessen Gefache mit Styropor ausgefacht werden und als Putzträger auf der Innenseite HWL-Platten aufgenagelt bekommt, ist beim besten Willen nicht als diffusionsoffen zu bezeichnen !!! Man muß also den gesamten Aufbau der Wand betrachten bzw. genau wissen wie die Wand aufgebaut ist(aus welchen Materialien). Das vieleicht noch als Tip an Joachim, der den ursprünglichen Beitrag geschrieben hat.
Ich wollte Dich auf keinen Fall bevormunden oder irgend etwas besser wissen - denke sowieso, daß ich mit Deiner Erfahrung niemals mithalten kann.
Also nix für ungut und Grüße nach Sachsen, Andreas

P.S.: Noch eine blöde Frage: ist Zementputz bzw. Zementmörtelfugen in Fachwerk tatsächlich ungünstig wegen mangelnder Diffusionsfähigkeit oder wegen der "Starrheit" des Zements, der bei Fachwerk zwansläufig zu Rissen führt ?
P.P.S.: Sehr schöne und informative Seite, Dein www.denk-mal-holz.de.



Andreas und Joachim- "Sauerkrautplatten":



Liebe Freunde! Zement (vergl. Zementmörtel) hat bauphysikalisch ein ganz (!) anderes Ausdehnungs- und "Atmungsverhalten" als der Baustoff Holz! Grundsätzlich ist zu bemerken, daß in den vergangenen Jahrhunderten mehr mit dem Erdbaustoff Lehm gearbeitet wurde. Die Gründe dafür sind einfach: Es gab noch nicht alles wie heute, Bauwissen wurde überliefert.
Für Ausfachungen im Fachwerk sollte gelten:
1. Ausfachen mit Lehmsteinen; Staken mit und ohne Geflecht; 2. Ausfachen mit gebranntem Normstein (Ton)- kein Blähton oder Blähbeton!; 3. Verputz mit bei Lehmuntergrund mit (farbigem) Lehmputz- 2-lagig; bei Steinausfachung 2- lagig mit Kalkmörtel (Zugabe von Leinölfirniß): Grundsätzlich so wenig wie möglich- am besten gar keinen- Zement verwenden.
Abschließend für alle Interssierte: Im Internet unter www. brasilien- brasilia.com gucken. Brasilia ist nur aus Beton gebaut worden (logisch: Zement). Heute ist man krampfhaft auf der Suche nach "Betonsanierungsfirmen" für die Retortenstadt im Urwald...
Ernst