Innendämmung mit Strohplatten?

10.07.2006



Liebes Fachwerknetzwerk,
eine Frage zur Innendämmung:

Wir möchten ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus an einem Teil der Wände innen dämmen. Die Ausfachung ist tw. alte Staken mit Lehm (Wandstärke 18-20 cm) und tw. leider schon mit Hohlblockziegeln neu ausgemauert. Das werden wir aber so lassen.

Als vergleichsweise günstige und einfach zu verarbeitenden Aufbau haben wir uns folgendes ausgedacht:

Zum Begradigen eine Lattenkonstruktion,

damit es keine großen Lufträume gibt würden wir die mit wiederverwendetem Strohlem ausfüllen und glattstreichen,

und dann mit CTS Trennwandplatten beschrauben. Das sind 58mm starke Platten aus hochverdichtetem Stroh und mit Glasfasergewebe und Vollpappe ummantelt. Mit folgenden technischen Daten: 80 cm breit, 260 cm hoch, Wärmeleitfähigkeit 0,0942 W/(m*K), Diffusionswiderstandszahl 35-40. Leider gibt es im Internet keine Informationen zu diesem Produkt von "Cobbelsdorfer Trennwand-Systeme".

Die Platten haben den Vorteil, dass sie gleichzeitig dämmen, nicht mehr verputzt werden müssen und recht stabile Wände sind, in die man auch Nägel und Schrauben machen kann.

Jetzt meine Frage an die Experten: Halten Sie einen solchen Aufbau für sinnvoll? Bekommen wir hier ein Problem mit Taupunkt, Schwitzwasser oder anderem?

Herzlichen Dank und Gruß,

M.Müller



Innendämmung - Nein Danke!!



Hallo

Ihre Frage 1:
Halten Sie einen solchen Aufbau für sinnvoll?
Ich nicht!
Ihre Frage 2:
Bekommen wir hier ein Problem mit Taupunkt, Schwitzwasser oder anderem?
Ich befürchte schon!
Bei einer Wanddicke von 16 - 20 cm Lehmgefache würde ich mein Augenmerk auf die Hohlblockziegel richten und diese Konstruktion erst einmal kontrollieren,
ob sich da schon Schäden ergeben haben - Die sind aber nicht oberflächlich ...
Den finanziellen Einsatz, den Sie mit "geraderichten" und innerem Wandaufbau leisten wollen, würde ich lieber in ein Sanierungskonzept stecken und mir Gedanken übe reine Strahlungsheizung machen oder über Temperierung nachdenken ...

Lieber noch ein paar Fakten Sammeln als sich auf ein e(m.E. "falsches" Ziel konzentrieren.

mfG

FK



Schauen Sie mal hier:



http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/55181$.cfm

Bevor Sie voreilig irgendetwas anfassen, empfehle ich, ersteinmal ausgiebig hier herumzustöbern.
Warum wollen Sie die Wände begradigen? Der Charme eines Fachwerkhauses besteht doch vor allem daraus, das nichts gerade, eckig oder kantig ist!?
Wenn Sie Ihrem Hof etwas Gutes tun wollen, bleiben Sie bei den traditionellen Baustoffen: Holz, Lehm, Kalk, (Ziegelsteine). Sind billig, leicht zu verarbeiten, haben sich bewährt.



nochmal Nachfrage



Danke für die ersten Hinweise.

Uns ist die Problematik von mit Zement ausgemauerten Gefachen bewusst. Noch ist aber wohl alles in Ordnung, da die Ausmauerung (Vorbesitzer) erst so ca. 5 Jahre alt ist und noch ganz nackig und die Balken in diesen Bereichen sowieso meist erneuert sind. Damit das auch in Ordnung bleibt, möchten wir also einen vernünftigen Wandaufbau mit ausreichender Atmung, der dennoch nicht so viel kostet und auch recht einfach selbst zu machen ist.
Begradigen müssen wir, wenn wir solche Platten draufschrauben wollen, da ja sonst die eine Platte so sitzt und die andere anders. Der Übergang von Wand zu Strohplatte würde mit Lehmfüllung möglichst homogen gestaltet.
Das waren also unsere bisherigen Überlegungen. (Alles nur für den Fall, dass wir uns aus finanziellen Gründen nicht doch für die luxuriösere Variante einer vorgemauerten Lehmsteinwand mit Innenputz aus Lehm durch den Fachmann entscheiden können).
Eine Heizleistenheizung ist außerdem angedacht.



"Noch ist alles in Ordnung."



Ja eben. Die Schäden auf den Bildern wurden verursacht durch von Außen in die Ritzen zwischen Holz und Mörtel eingedrungenes Wasser. Oberflächig ist der Schaden nicht zu erkennen, da das Holz nach außen relativ gut abtrocknen kann. Im Inneren aber bleibt es feucht - Fäulnis und Schädlingsbefall! Wollen Sie in 20 Jahren nochmal von vorn anfangen? Es gibt Bauweisen, die Sie lange überdauern werden. Siehe oben.
Die Qualitäten der von Ihnen genannten Trennwandplatten kenne ich nicht. Stroh klingt ja ersteinmal nicht schlecht, wozu aber hochverdichtet, Glasfaser und Pappe? Ist das Stroh und die Pappe womit behandelt, daß sich keine Tiere einnisten? Silberfischchen mögen Zeitungspapier sehr gern, vielleicht auch Pappe? Pappe trocknet übrigens schlecht.
Alternativ könnten Sie Lehmbauplatten verwenden - wenn es denn wirklich gerade sein muß.
Bedenken Sie: Wärmedämmung allein reicht nicht, die Wand muß auch Masse haben. Stroh-, Leicht- oder Stampflehmziegel halte ich für sehr geeignet. Können Sie selbst mauern, hin und wieder am Fachwerk befestigt, Holzständer integriert zur Befestigung der Heizleisten etc., darauf Lehmputz.
Und das beste: Wenn es denn beim erstenmal nicht klappt, können Sie alles wiederverwenden. Haben Sie mal keine Lust, Händewaschen und ab ins Theater. Nach zwei Tagen klebt Lehmmörtel übrigens besser als frisch angemischter - etwas Wasser dran und weiter geht's. Der Aufwand ist nicht höher als bei anderen "innovativen" Varianten und ganz bestimmt kein Luxus. Das Sanieren im allgemeinen teuer und zeitaufwändig ist, liegt an der üblicherweise falschen Herangehensweise einschließlich ungenügender Planung. Wären unsere Vorfahren so dumm, sich Häuser zu bauen, die teuer und aufwändig zu warten sind, neben all der täglichen Arbeit?
Einmal richtig machen, mehr müssen Sie nicht - fragen Sie ruhig!



doch beim Lehm geblieben



Liebe Fachwerkler,
als abschließende Rückmeldung nur schnell die Nachricht, dass wir uns schließlich doch für eine selbst durchgeführte Leichtlehmvormauerung entschieden haben.
Die Steine (Karphoton) ließen sich sehr gut verarbeiten und der Verschnitt auch für Mörtel zum Steine Verkleben wiederverwenden.

Gruß, M.Müller