Thermohanf vs Holzfaserplatte

28.07.2012



Hallo zusammen,

kann mir jemand sagen, ob und wo Unterschiede bei den Dämmmaterialien liegen?
Habe zB gehört, dass Hanf von Getier gemieden wird und auch mal feucht werden kann, ist das auch bei der Holzwolle so?
Gibt es Unterschiede im Sommer/Winter? -> dürfte ja eher nicht sein....

Danke schon mal.

P.S: Es soll eine Dachdämmung gemacht werden.



Holzweichfaserplatten...



haben zumeist eine höhere Rohdichte und damit eine größere thermische Trägheit. Der sommerliche Wärmeschutz ist somit besser.

Mit Holzwolle haben die Platten nix gemein.

Grüße

Thomas





Hallo,

"Holzwolle", die Sie aus dem Zubehör für Weihnachtsdeko kennen, dürften Sie, weil leichtentflammbar, nicht einmal beim Bauen verwenden. Die Holzweichfaserplatten sind mit Kleber gepresste Platten. Sie dürfen auch mal feucht werden, sind aber in der Regel hydrophobiert. Ein z.B. mit einer paraffinierten Weichfaserplatte vorgedecktes Dach können Sie gut drei Monate lang der Witterung aussetzen. Ich habe im Ostseeklima schon ein Haus, mit Weichfaserplatten vorgedeckt,
überwintern sehen.

Grüße



"mit Kleber gepresste Platten"?



Das stimmt keinesfalls allgemein. Im Nassverfahren hergestellte Platten kommen zumeist mit holzeigenen Bindemitteln aus.

Im Trockenverfahren hingegen ist die Kleberzugabe wohl üblich.

Grüße

Thomas



Holzfaserplatte



Hallo,

Entschuldigung, "Holzwolle" ist natürlich verkehrt....
Ich meinte schon Holzfaserplatten, zB Steicoflex.

Was ich nicht verstehe, ist der Punkt mit der thermischen Trägheit....



Holz...



...leitet Wärme langsamer weiter als viele andere Materialien.

Deswegen ist der sommerliche Wärmedurchgang geringer bzw. langsamer als bei den meisten anderen Dämmstoffen.

Grüße

Thomas



Wärmedurchgang



Hallo,

wenn der Wärmedurchgang geringer ist, müsste dann doch auch im Winter die Wärme mehr Zeit benötigen bis diese draussen ist, oder?
Also "von Innen" (innerhalb des Hauses) betrachtet....

Wird denn mit einer Dämmung versucht, die Außentemperaturen außen zu lassen, oder die Innentemperatur/WärmeEnergie daran gehindert, nach außen abzufließen?

Gruß
Andreas





Hallo,

Antwort: beides.
Im Vordergrund steht der Wärmeschutz während der Heizperiode.
Weiter ist aber ein Nachweis für den sommerlichen Wärmeschutz "gegen eindringende Wärme von außen" zu führen, was normgerecht derzeit a) überschlägig über die Masse der begrenzenden Bauteile, b) über den Fensterflächenanteil und die Positionierung der Fenster gemacht wird.
Betrachtet man weiter die Eigenschaften der Wandbauteile wird es schließlich genauer: Dämmstoffe der WLG 035 (gleicher Dämmwert) sind thermisch umso träger, je größer ihre Masse ist. Hier ist das mit einfachen Worten erklärt:
http://buch.pege.org/waerme/thermische-traegheit.htm

Grüße



Thermische Trägheit....



habe ich jetzt verstanden, danke dafür!!

Wie schaut´s denn mit Insektenbefall bei Holzfaser aus? Hanf wird von den Tierchen ja gemeden.... Da find ich zu Holzfaser nix...

Gruß
Andreas





Gegen Schädlingsbefall und Schimmel, sowie als Brandverzögerer werden Holzweichfaserdämmstoffen Boratsalze zugesetzt. Auf diese kann meines Wissens nach bei Hanffasern verzichtet werden. Über die Einstufung von Borat als Problemstoff scheiden sich die Geister. Im Prinzip gelten Rückstände von Holzweichfaserdämmplatten ohne Zugaben von Wachs, Klebern und synthetischen Bindefasern als bedenkenlos kompostierbar.

Gruß aus Berlin



Ob Schadinsekten…



… Holzweichfaserplatten gerne mögen, weiß ich nicht, aber inzwischen habe ich von mehreren Seiten gehört, dass der Schimmel sie dafür um so mehr mag.

Natürlich habe auch ich aufgrund einschlägiger Empfehlungen bis jetzt auch Holzweichfaserplatten verbaut, allerdings trotz des bisher feuchten Regensommers noch ohne Schimmelschäden.

Der bisherige Hauptnachteil von Hanf liegt m.E. darin, dass es keine wirklich festen Platten mit höherer Dichte gibt, sondern nur Matten und Rollenware. Damit sind bestimmte Dämmaufgaben gar nicht oder nur mit recht aufwändigen Hilfssystemen realisierbar.

Wie man hier sieht, werden aber auch schon stabile Formteile, u.a. für die Autoindustrie aus Hanf realisiert,

http://www.hanfanbau-owl.de/pageID_2959794.html

da bleibt nur die Hoffnung, dass es demnächst auch im Dämm- und Baubereich Innovationen gibt.

Woraus ich nicht schlau werde: Der ursprünglich forcierte Hanfanbau wird lt. diesen Informationen seit der politischen Wende 2005 wieder massiv zurückgefahren, sodass es Insolvenzen gab und die Bauern auf ihrem Hanfstroh sitzen blieben.

http://www.hanfanbau-owl.de/pageID_2959796.html

Vielleicht nur ein lokales Phänomen? Beim führenden Hersteller für Hanfdämmung sieht es ja nicht gerade nach Lieferstopp aus.



Platen oder Matten....



ist für meine Zwecke egal. Ich plane eine Zwischensparrendmmung - begehbar muss da nichts sein.

Die schimmelanfälligkeit spricht eigentlich ja deutlich gegen die Holzfaserdämmung....

Gruß



Bei Zwischensparrendämmung



sind Hanfdämmmatten eine sinnvolle Lösung. Dies können mit etwas Überbreite zwischen die Sparren geklemmt werden und dichten damit auch die Fugenab. Holzweichfaserplatten sind dafür nicht elastisch genug. Steicoflex ist auch eine Möglichkeit. Bei "Untermietern" habe ich die Erfahrung gemacht, dass sowohl bei Hanf- als auch bei Flachsfasermatten kein Befall erkennbar ist.
Zusatz: Auf meinem Dachboden liegt als lose Dämmung Im Bestand Mineralwolle(MIWO) und neu Flachsfaserdämmung. Der Marder hat sich mit der MIWO reichlich beschäftigt und die Faserdämmung unberührt gelassen.





Hanfanbau in Deutschland rückläufig! ... Der Grund hierfür wird wohl hauptsächlich in der geringen Förderung, auch oder gerade im Vergleich zu Energiepflanzen liegen. Der Absatzmarkt für Naturdämmstoffe ist nachwievor vergleichsweise übersichtlich. Die Schublade Üerzeugungstäters wohl immernoch zutreffend auf mögliche Interssenten. Wer die Preise im Vergleich zu Erdöl- und Mineralwolleprodukten kennt, fragt nicht mehr weiter.


Die Schimmelproblematik ist in meinen Augen bei Hanf nicht anders als bei Holzfaser. Werden die Dämmatten feucht verbaut, und stimmt das Rücktrocknungspotential nicht, hilft da nicht mal ein verrottungsfester Dämmstoff. In einem alten Haus haben sich an den kritischen Stellen meist bereits genügend Schimmelsporen über die Jahre angesammelt. Falsche Lagerung und Handhabung der Dämmstoffe vor Einbau tragen ihr übriges zur Schimmelbildung bei.

Die Frage ob Naturfasern für Schädlinge interressant sind oder nicht reduziert sich auf den Anteil verbliebener Eiweise in den Fasern. Die Fasern in Holzfaserdämmstoffen sind ebenfalls nahezu "totgekocht". Der Anteil an für Fraßinsekten verwertbaren Eiweißen ist aber in Hanf von Natur aus geringer. Dazu kommen meines Wissens noch verschiedene Pflanzensäfte (Bitterstoffe) sowie die Härte der Fasern die das Ganze für Fraßinsekten und Nestbauaktivitäten unatraktiv werden lassen. Eine andere Problematik ist, daß Naturdämmstoffe auch dafür verschrien sind daß sie attraktive Nistplätze für Maus und Co liefern. Ich kann diese Erfahrung bisher nicht bestätigen.

Was die technischen Parameter von Hanf in Vergleich zu Holzfaser angeht, gibt es z.B. auf den Seiten von Steico die entsprechenden Datenblätter zum Download. Bei Wärmeleitfähigkeit (Lambda) und Diffussionswiderstand (mü) sind beide Dämmstoffe relativ vergleichbar. Holzfaser hat einen leicht besseren Dämmwert (ca.20%), was sich aber wegen der Standarddicken kaum in unterschiedlicher Dämmstärke ausdrücken wird. Die spezifische Wärmekapazität von Holzfaser ist mit 2.100 J/kgK um etwa 20% höher als bei Hanf. Das gleiche mit der Dichte. Heißt also Holzfaser ist etwas träger in Bezug auf Wärmedurchgang (sommerlicher Hitzeschutz), hält aber damit auch länger die Wärme (warm nach innen strahlende Flächen bei abkühlung Raumlauft unterhalb Wandtemperatur). Brandverhalten ist für beide Dämmstoffe vergleichbar. Ich würde den Preis eintscheiden lassen, sofern nicht Gründe wie Statik oder realisierbare Dämmstärke dagegen sprechen.


Zu Steico gibt es noch verschiedene, meist günstigere Alternativen - sowohl bei Holz als auch bei Hanffaser. Aber Achtung! Dabei auch mal einen vergleichenden Blick auf den Füllfaseranteil werfen. Es scheint hier durchaus Anbeiter zu geben, bei denen die Dämmmatten fast zu 40% aus synthetischen Füllfasern bestehen, was eigentlich nicht im Sinne des Erfinders sein kann.

Gruß aus Berlin,