Hilfe bei Identifikation erwünscht - DDR Sauerkrautplatten

08.07.2012 Hans-Jürgen



Hallo Leute,

ich kann von einem Freund einen Haufen solcher Platten bekommen - 50x50cm, ca. 2cm stark...

ABER - diese Platten sehen anders aus, als die Sauerkrautplatten, die ich so kenne. Normalerweise bestehen diese ja aus langen Hobelspänen und sind relativ leicht. Die die ich bekommen kann, bestehen aus relativ kurzen Holzspänen und sind zementgebunden...vom Gewicht her deutlich schwerer als die üblichen Platten...

Was sind das genau für Platten und kann ich diese als Putzträgerplatten an der Decke verwenden, wenn der Statiker sein ok gibt?



Deckenplatten



Das klingt nach Einlegeplatten für Unterhangdecken.
Was für eine Decke wollen Sie damit bekleiden?

viele Grüße





Ich würde diese gern unter eine Holzschalung schrauben und verputzen...



Deckenplatten



Nehmen Sie Ziegeldraht oder Schilfrohr, falls Sie eine Decke putzen können. Wenn nicht, dann Gipskarton auf Traglattung.

Viele Grüße





Hallo Herr Böttcher,

was würde denn dagegen sprechen, diese Platte, entsprechend oft verschraubt, als Putzträger zu benutzen? Rau genug sollten sie ja sein...

Ich habe leider nur ein Foto auf dem Handtaschentelegrafen - muß mal sehen, wie ich das auf den Rechner bekomme.



Putzgrund



Man schraubt keine Platten deren Zusammensetzung man nicht kennt und die schwer sind direkt an eine Schalung.
Gewicht Platten + Gewicht Putz- was machen dann die Verbindungsmittel zwischen Schalung und Decke?
Außerdem ist das unsinnig, schwere, steife, kleinformatige Platten an eine Decke zu schrauben, die schon einen flächigen Aufbau (Schalung) hat. Da ist als Putzträger z.B. Ziegeldraht leichter verarbeitbar und sicherer.
Außerdem müssen Sie ohnehin eine Putzbewehrung auf die kleinformatigen Platten bringen um die Stöße zu überdecken- da kann man auch gleich Putzträger nehmen.
Wenn sie schon schrauben wollen dann nehmen Sie Gipskarton. Der erspart Ihnen den Deckenputz.

Zusammengefasst: Das Zeug macht viel Arbeit, spart weder Geld noch Material und ist risikobefaftet. Ihr Freund soll seinen Müll woanders entsorgen.





Hallo...

keiner möchte Müll entsorgen, also bitte...!

Ich habe lediglich geschrieben, dass sie schwerer sind als Sauerkautplatten - von schwer habe ich nichts geschrieben, da dies wohl auch Auslegungssache ist.

Die Putzbewehrung im Lehmputz muß ich doch sowieso machen, egal bei welchem Putzträger (es wird bei allen empfohlen), somit fällt diese als Zusatz aus der Betrachtung heraus.

ABER - wenn ich diese Platten nicht nehmen kann, ist das für mich nicht weiter tragisch, Sauerkrautplatten bzw. Heraklith werden es dann trotzdem werden, da derjenige, der den Lehmputz an die Decke bringt, lieber damit arbeitet als mit Schilfrohr. Und ehrlich gesagt - Schilfrohr verarbeitet sich fummeliger als Heraklith - aus eigener Erfahrung.

Zum Verständnis - warum ist es unsinnig mit steifen Platten zu arbeiten, wenn die Decke schon beplankt ist? Der Putz wird doch auch eine relativ steife Scheibe werden, egal ob Schilfrohr, Ziegeldraht oder was auch immer - ich verstehe den Hintergrund nicht so wirklich.

Gipskarton möchte ich einfach nicht haben.



Deckenplatten



Machen Sie Sie was Sie wollen.
Meine Einschätzung dazu haben Sie.
Heute habe ich gerade gelesen wie ein 28-jähriger im Schlaf fast erschlagen wurde, als die Deckenverkleidung herunter kam.
Das hat aber nichts mit meiner Einschätzung zu tun.





Herr Böttcher,

es geht mir doch gar nicht darum, zu machen was ich will?!

Wie ich bereits geschrieben habe, wäre es nicht tragisch diese Platten nicht nehmen zu können...!

Sie haben geschrieben, es sei unsinnig, steife Platten an eine Deckenschalung anzubringen und ich möchte von Ihnen gern wissen warum, da die geputzte Platte nachher auch steif ist, egal welche Platte darunter ist. Ich habe auch viele alte Decken gesehen, bei denen an eine Schalung (nein, keine Sparschalung) Sauerkrautplatten angebracht waren, die dann verputzt worden sind...



Deckenplatten



Ich habe einfach keine Lust mehr, Ihnen das Denken abzunehmen.
Ich mache Ihnen einen Vorschlag.
Nehmen Sie ein paar Platten und versuchen Sie die Dinger einigermaßen eben, spannungsfrei und nicht kippelnd an die Decke zu schrauben. Dann nehmen sie Ihr Hirn und fragen sich wozu sie dicke, schwere, vielleicht asbestverseuchte Platten an eine steife Decke schrauben auf die auch noch steifer Putz kommt.
steif
steif aber voller Stumpfstöße
steif.
Dann fragen sie sich nochmal warum Sie jetzt auf eine UNSINNIGE Plattenlage Putzbewehrung aufbringen sollen, wenn sie das gleich und zwar ohne die Scheiß Platten mit einem Putzträger wie Ziegeldraht (der hat nämlich nicht jeden halben Meter einen stumpfen Stoß) leichter, schneller, billiger und eleganter hinkriegen!





Herr Böttcher,

ich weiß nicht, was Ihnen den heutigen Tag so sehr vermiest hat...ich habe sie nicht gezwungen zu antworten, aber nachdem sie etwas von "unsinnig" geschrieben habe, hat mich die Erläuterung dazu interessiert....

Sie schreiben so viele fundierte Beiträge, für die man sehr dankbar sein kann, aber so manches Mal...!

Ich wollte lediglich von Ihnen etwas beantwortet haben, was für mich unklar war! Sie stellen in den Raum, dass das unsinnig ist und ich hätte gern einfach eine Begründung dafür.

Asbest? Wie kommen sie plötzlich auf Asbest? Es war die Rede von Platten, die aus groben Holzspänen bestehen und offensichtlich mit Zement gebunden sind?!?

Wenn ich, wie oft üblich, Sauerkrautplatten an eine Schalung schraube, habe ich sicherlich weniger Stöße, die Putzbewehrung wird aber auch dort benötigt...bei Lehmbauplatten genauso...



Deckenplatten



Dann schrauben sie die Scheißdinger endlich dran, wenn Sie nicht verstehen (wollen) was ich meine. Es ist ihr Geld, Ihre Arbeit, Ihre Gesundheit.
Ein letzte Versuch:
Nehmen Sie statt Putzbewehrung Putzträger.
Statt Gittergewebe Ziegeldrat.
Dann sind die Sch. Platten ÜBERFLÜSSIG!





Herr Böttcher,

ich möchte Sie bitten, etwas gezügelter zu artikulieren - ich habe Ihnen nichts getan!

Alle bisherigen Informationen, die ich gelesen habe, schrieben von Putzträger und Putzbewehrung bei Lehmputz an der Decke! Soviel dazu...



Uuuups...



... Georg Böttcher hat wohl heute den falschen Keks gefrühstückt...

zur Sache: Die Platten sind tatsächlich überflüssig und risikobehaftet...

Zum Einen wg. des zusätzlichen nicht unerheblichen Gewichts, zum Anderen würde ich das Thema Asbest bei der eher unbekannten Quelle ernst nehmen... ich tippe auch auf Einlegeplatten aus den 70ern...

Es ist schlicht und ergreifend ein Arbeitsschritt, der unnötig ist, viel Aufwand verursacht und sich mit äußerst geringen Aufwand umgehen lässt... ich sehe einfach keinen nennenswerten Vorteil bei kaum zu kalkulierendem Risiko...

Auch die Variante mit dem Gipskarton ist nicht unvernünftig... Lehm um des Lehms willen ist nicht der einzig selig machende Weg...

Gutes Gelingen Lg,
Sebastian Hausleithner



Der falsche Keks! Hat er wirklich??



irgendwie erinnert mich dieser Thread sehr lebhaft an die Scherzanrufe von "Paul Panzer" an den Dachdeckermeister "Beneter".

Und ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Georg ist in diesem Fall der "Dachdeckermeister".

Ich finde, Georgs Antworten zum Thema sind durchaus verständlich und nachvollziehbar.

Wie mit den "lackierten Dachziegeln" für "Pakkitzchtan".

Hans-Jürgen: "Georg mag dich, er kann es nur nicht so gut zeigen"

Die beste Commedy schreibt offenbar doch das Leben, oder?

schmunzelnde Grüße
Martin





...dass die Platten nicht verwendbar sind, hat Herr Böttcher bereits beschrieben, was ich an sich auch gar nicht schlimm finde...

Mich interessierte einfach die Frage, warum bspw. Sauerkrautplatten unter einer Holzschalung so unsinnig sind. Zum einen habe ich das auf einigen Baustellen gesehen...auch im Neubau. Im Altbau sowieso - mein ganzes Haus war so an den Decken beplankt.

Man liest immer wieder von diesem Aufbau, d.h. Sauerkrautplatten unter Deckenschalung und dann verputzen und nun erklärt ihr mir, dass das unsinnig ist?!?

Weiterhin lese ich immer wieder, dass beim Lehmputz zusätzlich ein grobes Putzgewebe eingebracht werden muß und ihr erklärt mir, dass das so nicht notwendig sei?!?

Auch wenn das heute oft so gemacht wird, ich möchte einfach keine Gipskartonplatten!

Ich finde es erstaunlich, wie ihr hier immer wieder auf dem Thema des nicht unerheblich höheren Gewichtes herumreitet, ohne zu wissen, wie schwer die Platten sind... :-)

So...auch wenn ich diese Platten nicht verwenden werde, kann ich euch vielleicht kurz etwas dazu schreiben, da gestern der Opa des Besitzers erklärte, dass diese Platten eben zu einer Einhängedecken gehörten und im Raum Wittenberg gefertigt wurden. Er hat selbst in der Firma gearbeitet und die Platten bestehen nur aus groben Sägespänen, Hobelspänen und sind nur mit Zement gebunden...kein Asbest.



Putzträger und Ziegeldrahl...



... stellen im Prinzip auch eine Bewehrung dar...

Gewicht der Platten hattest Du selber mit "vom Gewicht her deutlich schwerer als die üblichen Platten" bezeichnet...

Asbest möchte ich nach wie vor nicht ausschließen, trotz der Aussage vom Opa... er wird auch nicht wissen, was seinerzeit alles im Zement war...

Spar Dir die Arbeit und vermeide das Risiko...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



HWL- Platten



Hallo Hans- Jürgen,
da wird es wohl Zeit ihnen eine kleine Geschichte zu erzählen.
Zuerst gab es die Windelbodendecke. Zwischen die Balken wurden mit Strohlem umwickelte Hölzer in Nuten geklemmt, die Deckenunterseite mit Lehm verputzt. Das war schwierig, arbeitsintensiv und zeitaufwändig.
Dann kam die industrielle Revolution mit Sägegattern, genormten Schnittholzprofilen, billigen Drahtstiften... Zeit war Geld, aus dem handwerklichen Windelboden entwickelte sich die klassische Einschubdecke, geeignet für den Massenwohnungsbau. Statt Strohlehmputz wurde die Unterseite mit Sparschalung versehen, darauf Schilfrohr (später auch Ziegeldraht) als Putzträger (und gleichzeitig Putzbewehrung)und Kalkputz.
Das war immer noch nicht zeitsparend genug, der nächste Schritt war die HWL- Platte, im Volksmund auch Sauerkrautplatte genannt. Das sparte die teurere Sparschalung und das aufwändigere Nageln der Schalung samt dem Putzträger. Die Platte war Schalung und Putzträger in einem; die Idee war sie direkt an die Unterseite der Balken zu nageln und zu verputzen.
Die nächste logische Weiterentwicklung war Trockenputz, man schraubte oberflächenfertige Platten auf ein Traggerüst unter die Decke. Warum Traglattung? Die Deckenunterseiten sind nie genau gerade und eben.
Einer Schalung macht das nichts, jedes einzelne Brett passt sich beim Nageln den Unebenheiten an, ebenso eine HWL- Platte mit ihrer weichen Oberfläche. Außerdem machte ein Versatz an den Plattenstößen nicht viel aus, der Putz konnte das ausgleichen. Bei Gipskarton oder Lehmbauplatten müssen nur noch die Fugen verspachtelt werden, hier kommt es auf exakten Sitz an. Es macht also auch keinen Sinn, solche Platten auf eine vorhandene Schalung zu schrauben weil die ebenfalls nicht eben ist. Es ist auch gaga, auf eine Schalung noch mal einen steife Plattenlage zu schrauben, statt dieser Platten reicht ein einfacher Putzträger wie Schilfrohr oder Ziegeldraht aus.
Dann gab es noch eine spezielle Anpassung, die Unterhangdecke. In Industrie- und Gewerbebauten, z.b. in Bürohäusern, wurden die Installationen unter die Decken gehängt. Um das Leitungsgewirr zu verkleiden wurden Trockenbau- Unterhangdecken entwickelt, die reversibel waren. Platten wurden auf bzw.in ein Traggerüst eingelegt. Falls was zu reparieren war oder eine neue Leitung eingezogen werden musste, konnte man einfach ein paar Platten aus- und wieder einhängen. Die Decken sorgten neben der optischen Funktion auch für Brand- und Schallschutz. Damals waren zementgebundene Platten mit Asbestfaserzuschlag aus Gründen des Feuerwiderstandes weit verbreitet.
Um noch mal auf Ihre Ausgangsfrage zurückzukommen: Warum stellen Sie die nicht ihrem spendablen Freund und Noch- Besitzer?
Der müsste doch am besten wissen wo die Platten her sind, also wo sie z.B. mal verbaut waren und aus was sie bestehen.

viele Grüße





Hallo Herr Böttcher,

ich habe in meinem letzten Beitrag geschrieben, woher diese Platten stammen und was laut "Opa" drin steckt...die Platten bleiben beim Besitzer.

Es stehen nun zwei Varianten zur Auswahl
1. Vollverschalung + Putzträger + Lehmputz
2. Sparschalung + Lehmbauplatten + Finish

Die Gefahr der Unebenheiten sind aber bei der Sparschalung sicherlich auch gegeben, wenn auch die Arbeit des Ausrichtens etwas weniger ist...oder?

Vielen Dank für den geschichtlichen Aufriß...



Lehmbauplatten



Um Schalung auszurichten gibt es technische Hilfmittel wie Direktabhänger oder Z- Profile und Gummipuffer aus dem Systemsortiment der Trockenbauhersteller. Sowas ist doch technisch kein Problem!