Muss ich eine Dampfsperre bei Lehmdachboden einbauen?

24.02.2011



Ich möchte den Dachboden des Hauses wärmedämmen. Der Dachboden ist ungenutzt (nur Ablagefläche) 100 qm groß. Wie er im Querschnitt aussieht, kann man auf der Skizze sehen. Da ich keine OSB Platten legen will (die wiegen insg. 800 Kilo) und der Boden weiterhin begehbar sein soll, ist vieles nicht machbar. Ich habe fast überall nachgefragt und Fächmänner herbeigezogen. Je mehr man erfährt, desto unterschiedlichste Antworten bekommt.
Voraussetzung: 100 qm große Dachbodenfläche. Der ist nicht besonders tragfähig. Hat eine ca. 4 cm dicke Lehmschicht. Nach der Arbeit muss auch begehbar bleiben.
Was in Frage kommt: Stabile Platten, wie Styropor mit Holzschicht oben darauf. Mineralwolle oder Schüttmatrial kommen nicht in Frage, da sie nicht begehbar sind, bzw. zusätzlich Balken usw, gelegt werden müssen..
Was gefunden: Styropor Dämmplatte mit einer Schicht HDF mit EPS Pur Klebstoff zusammengeklebt. HDF = hochverdichtete Faserplatte. Styroporschicht hat eine Dicke von 14 cm HDF Schicht ist 4mm dick Die zwei Schichten sind etwa 5 cm versetzt. Eine Einheit ist 1qm und sehr, sehr leicht. Es ist sehr leicht zu verlegen. Die Platten werden mit einem Kleber zusammengeklebt, d.h. es entseht eine durchgehende Styroporschicht
Die Frage: Muß man bei dieser Konstruktion auf dem Lehmdachboden eine Dampfsperre einbauen oder nicht?
Wenn ich eine Dampfsperrfolie auf den Lehmboden (Lehmdichte ist max. 4 cm!) lege und darauf die Styroporplatten incl. eine 4mm dichte HDF Platte, habe ich von oben gesehen eine Sperre. Die Feuchtigkeit kann nicht mehr in die Lehmschicht eindrigen. Der Dachboden ist trocken und windig. Von der Zimmerseite gesehen, kann aber die Luftfeutigkeit nach oben durch die Decke durchdringen. Dort bremst aber die Folie. Diese Decke incl. Hohlraum hat eine Dicke von ca 25 cm.
Die Frage der Fragen bleibt bei dieser Dampfbrems- (oder sperr) Folie. Einer sagt Ja der andere Nein zum Benutzen.
Nun frage ich Ihre Meinnung dazu.
Danke schön.



So geht das nicht!



Hallo hurvinka!

Der Aufbau funktioniert so nicht! Zum einen ist es keine gute Idee Styroporplatten auf dem Dachboden zu verlegen. Der Dachboden ist nicht so eben, dass die Platten vollflächig aufliegen. Somit hast Du Luftzwischenräume zwischen Lehm und Styropor welcher der Bausubstanz und Dämmwirkung nicht zuträglich ist. Außerdem kann die Platte beim darübergehen sehr leicht brechen, wenn sie nicht 100%ig Plan aufliegt.

Dann scheint mir bei diesem Vorhaben Styropor grundsätzlich gänzlich ungeeignet. Sie haben einen sehr diffusionsoffenen Aufbau zur Zeit. Dieser Aufbau funktioniert bereits seit Jahrzehnten ohne Bauschäden verursacht zu haben. Eindringende Feuchtigkeit während der Kälteperiode aus den Wohnräumen kann nach oben und nach unten während der Sommermonate abdiffundieren. Sperren Sie jetzt an der kalten Seite (zum Dachboden hin) mit Styropor oder eine Folie (beides gleichzeitig ist Blödsinn) ab, dann fällt an dieser Bremse Feuchtigkeit aus und führt zu Bauschäden wie beispielsweise Schimmel. Eine Dampfbremse oder Sperre gehört auch nie an die kalte Seite sondern wenn nur an die warme Seite (also zum Wohnraum hin). Dies dürfte nachträglich allerdings kaum machbar sein.

Was bleibt für eine Möglichkeit? Bleiben Sie konsequent diffusionsoffen. Also nur Dämmmaterial nutzen, welches diffusionsoffen und kapillar Leitfähig ist. Es bieten sich hier beispielsweise Holzfaserflexplatten, Hanffaserplatten oder Zellulose an. Bei dem hier vorhandenen Aufbau würde ich zellulose präferieren, denn das kann in die vorhandenen Zwischenräume der Querbalken eingeblasen werden, ist recht einfach von einem Fachbetrieb zu erledigen und es besteht keine Gefahr, dass es zu einem Ausfall von Feuchtigkeit innerhalb des Bauteils kommt.

MfG





Hallo Dominik,
Danke für Ihre Antwort. Das ist das, was ich immer wieder erlebe. Einer schlägt das vor, der Andere dies. In die Zwischenräume komme ich leider nicht, dazu muss die ganze Lehmschicht abgetragen werden. Darunter liegende Holzplatten müssen auch aufgehoben werden. Dann kann man die Leerräume erreichen. Ein Fachbetrieb hat die Stelle schon gesehen und sagte dankend ab. Begründung: Ich könnte gleich einen neuen Dachboden machen lassen. Unter der Styroporplatten kommt eine Schicht aus Styropor Kügelchen, wie "Estrich". Die Kügelchen ebnen die Unebenheiten aus.
Die Folie soll eigentlich wie wirklich eine Bremse gegen eindringen der Feuchtigkeit in die Lemschicht und weiter zum Holz verhindern.
Hat jemand noch eine Meinung? Ich bin wirklich verzeifelt.





Was war denn das für ein Fachbetrieb (gibt genug Pfuscher, das habe ich leider jetzt auch am eigenen Leib erleben dürfen)? Um Zellulose einzublasen werden kleine Löcher gebohrt, dadurch eingeblasen und diese hinterher wieder verschlossen. Das geht übrigens nicht nur mit Zellulose sondern auch mit Holz oder Hanffasern. Wichtig ist allerdings, dass man sich selber vorher gut informiert und die ausführenden Arbeiten penibelst überwacht. Mit ein bisschen Recherche und der Hilfe des Forums wirst Du bald selbst beurteilen können welcher Aufbau funktioniert und welcher Murks ist.



Hallo



So wie ich es hier verstehe willst du eine Kostengünstige und eine die deinen Vorstellungen entsprechende Lösung. Ich will mich aber auch meinen Vorgängern anschließen den eine Styropor-Lösung ist nicht was deinem Haus mit diesem Aufbau nützt. Eher schadet. Auch die von dir erwähnte Dampf-bremse oder sperre ist nicht geeignet, weil der Lehm feuchteregulierend wirkt und sich in deinem Fall immer Kondenswasser bilden würde auch im Sommer wenn der Dachboden sich aufwärmt. In deinem Fall ist besser, wenn du wirklich dämmen willst und das erkenne ich wohl aus deinen Schreiben, weil es ein Sonderfall ist, auch einen gesonderte Lösung brauchst die abgestimmt sein sollte auf den herkömmlich vorhandenen Material und dem was der Markt heute noch zu bieten hat. Dein Aufbau entspricht ca. einen U-Wert von 0,9 W/(m²*K).
Eine Möglichkeit wär Hanfleichtlehm und Rauhspund zu arbeiten eine sehr wirksame und kostenerträgliche offene Variante die auch in Eigenleistung realisieren lässt. Falls du Interesse hast ruf einfach mal an ich könnte die weiter Tipps geben
Mit freundlichen Grüßen
Ralf Pawlik





Hallo Hurvinka,

ich sehe das wie Herr Pawlik. Eine einfache Lösung wäre:

- abnehmen des bisherigen Dielenbelages (wenn statisch nicht relevant)
- Aufdoppeln der Träger mit Rahmenhölzern und eine dazwischen liegende
- Hanf-Lehm-Schüttung
- Rauspundlage

Wenn der Dachboden unbeheizt und belüftet bleibt muss eine Hinterlüftungsebene unter den Rauspundplatten geschaffen werden.

Eine Dampfbremse ist nicht nötig, von EPS-Platten würde ich im Altbau absehen, die von Dir beschriebene durchgängige EPS-Schicht funktioniert nicht.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Moin Hurvinka,



wenn du die Lehmschicht unbedingt drinnen lassen willst, besteht evtl. die Möglichkeit selbige mit Lehm abzuziehen und trittfeste HW-Platten zu verlegen.
Dann nur an den begangenen Flächen (Stehhöhe) und zum Kamin/Fenster Gehwege aus diffusionsoffener Platte verlegen.

Gruss, Boris