Schwachgebundener Asbest in Deckenplatten?

03.01.2006



Meine Frage ist, ob leichtgebundener Asbest, wie man ihn in Deckenplatten findet, nicht eine allgemeine Gefahr für Menschen in diesen Räumen darstellt?
Ich finde es ein wenig widersprüchlich, dass leichtgebundener Asbest so gefährlich sein soll, aber hunderttausende öffentlichen Gebäuden diese Deckenplatten haben.
Vermute in der Uni Essen befinden sich auch diese Platten, es gehen aber tagtäglich zehntausende Studenten darin in und aus.
Wie gefährlich kann das sein, wenn in Deutschland täglich Hunderttausende sich in diesen Räumen befinden, aber die Asbestoten pro Jahr mit ca. 1000 zu beziffern sind?
Kann mir mal jemand erklären, wie dieser Sachverhalt zu erklären ist? Wie hoch ist ein Gesundheitsrisiko?
Kann ggf. auch ein Foto an den Beitrag heften.
Mfg, D. Hugenberg



Warum wohl



werden immer wieder solche Bauten umfangreich saniert? Für mich ist es keine Frage, dass Asbest grundsätzlich ein Gesundheitsrisiko hat. Aber es gibt nun einmal empfindliche Menschen und weniger empfindliche. Die Entsorgung kostet nicht umsonst viel Geld.

Solange man das Zeug in Ruhe läßt, sich keine Fasern lösen können, ok. Aber sobald ein Stück abbricht geht es schon los. Wir haben ein schönes Haus u.a. auch deshalb "sausen" lassen, weil die Wetterseite mit Asbestplatten zugehängt war und gegenüber eine alte Fabrik mit Asbestdach stand - sehr marode. Und wir "freuen" uns schon darauf, wenn wir im nächsten Jahr das Asbestdach der Garage entfernen "dürfen". Zum Glück ist dieses Welldach noch in Ordnung und nicht sehr groß.

Mehr Infos hier:
http://www.umweltinstitut.org/frames/all/m316.htm

Grüße
Ulrike Nolte



Die Menge der Asbestfasern in der Atemluft ...



ist die richgtige Kenngrösse anhand derer die Dringlichkeit einer Sanierung festgelegt wird.
Dazu werden von verschiedenen techn. Institituen und Eintrichtungen Raumluftmessungen vorgenommen. In DD ist das z.B. das Fresenius-Institut. Einfach mal bei der lokalen Gewerbeaufsicht nachfragen, die kennen sich da aus.
Wie Ulrike schon schrieb, ist von einer minimalen Faserexposition bei eingebauten oder umschlossenenen Materialen auszugehen, die keinen oder nur geringen mechanischen Kräften ausgesetzt sind. Das sind z.B. Asbestzementprodukte (Wellplatten, Kleber und Dichtmassen - sogenannten fest gebundene Stoffe). Viele Trennwände enthalten jedoch schwach gebundene Asbestprodukte, bei denen jedes Türeknallen einen Schwall Fasern quasi mit Druckluft aus den Ritzen der Wand bläst.
Bei den Deckenplatten, kann alles mögliche drin sein. Gewissheit hat man nur durch eine Prüfung vom oben angegebenen Einrichtungen.
Achso: geschrieben stet sowas alles in der TRGS519.





Ich habe mich dahingehend schon selbst schlau gemacht und kenne mich für einen Laien, glaube ich, ganz gut aus, daher meine ich ja auch, da solche Platten ja immer mal schiefhängen, Beschädigungsspuren oder Wasserschadenflecken aufweisen, nicht so sicher sind, wie man annimmt.
Und gerade das Türenschließen übt ja schon über das Rahmenfundament Erschütterungen aus.
Beruhigter bin aber jetzt nicht wirklich!

Kann man diese Platten nicht auch optisch erkennen und einschätzen?

Ist denn eine Universität, die dann auch noch Fachbereiche hat, die sich mit solchen Thematiken befassen, nicht selbst in Kenntnis dieser Angelegenheit?
Aber gut, das liebe Geld und wie realisierbar mit fast 20.000 Studenten?
Kann ich denn da als kleiner Mann einfach so ein Institut einschalten, ich meine das tritt doch eine gewaltige Lawine los, und dafür muß ich ja dann Kosten und Verantwortung übernehmen, wäre ja schließlich der Auftragsgeber oder sehe ich da was falsch?
Fallen solche öffentlichen Gebäude nicht generell ins Visier von entsprechenden Behörden?

Vielen Dank für Ihre Antworten.



In der Uni Bochum



fängt man gerade an (oder hat schon angefangen) umfangreich zu sanieren. Einer der Gründe sind wohl Asbestkontaminierungen.

Da mein Mann dort in den 70igern studiert hat, interessiert er sich etwas ausführlicher für die Sanierung dort und hat sich schlau gemacht.

Ich kenne in BW einige Rathäuser und Hallen, die saniert werden mussten - wegen Asbest.
Bei Daimler (Mercedes-Werke in Bad Cannstatt, Obertürkheim und Mettingen) wurden mehrere Gebäude aus den 60-70igern ebenfalls umfangreich saniert - wegen Asbest.

Da schauen die Behörden wohl schon sehr genau drauf. Wie das bei Privatleuten ist - keine Ahnung. Aber wenn ich den Verdacht hätte, würde ich das Zeugs schleunigst entfernen. Auch ohne genauere Bestimmung.

Herzlich grüßt
Ulrike Nolte



Verdacht bestätigen



Ale erstes würde ich offen mit den Verantworlichen der Uni über meine Befürchtungen reden. Wenn man hier auf Widerstand stösst kann man immer noch wie folgt weitermachen:

Vielleicht ist es möglich, selber im unbeobachteten Moment eine kleine Probe des Matrials zu nehmen und diese erst mal untersuchen zu lassen. Möglicherweise ist es gar kein Asbest.
Auf den Kosten bleibt man dann aber natürlich sitzen.

Oder eine anonyme Anzeige beim zuständigen Amt für (...Gesundheit ... Arbeitsschutz ... ? ...) und somit aus der Deckung heraus eine Untersuchung zu bewirken.


Rein optisch gibt es leider keine Möglichkeiten Asbest zu erkennen.
Die gefährlichen Asbestfasern haben eine Grösse von wenigen Mikrometern, das ist nur unter einem entsprechenden Microskop zu erkennen und von anderen Fasern zu unterscheiden.