OSB als Unterdachplatte?

18.09.2006



Hallo,

wir planen in Kürze einen Teil unserer Fachwerkscheune auszubauen und zu dämmen. Das Dach selbst wurde vor etwa 15 Jahren neu eingedeckt, aber ohne Folie und Konterlattung.

Als Unterdachplatte überlegen wir 10 oder 15 mm OSB-Platten einzusetzen, um Schutz vor eventuellen Nagetieren (vornehmlich Mäuse) zu haben. Die OSB-Platten sollen auf senkrechte Latten auf der Ziegellattung montiert werden, um eine Hinterlüftung zu haben.

Als Dämmung sollen voraussichtlich 200 mm Steinwolle zwischen den Sparren zum Einsatz kommen. Nach innen dann erst OSB-Platten, dann eine Folie, Lattung und Profilholz.

Funktioniert ein solcher Aufbau?

Herzlichen Dank im Voraus



Eher nicht!



OSB-Plattenbeplankungen sind als dampfdicht zu betrachten und somit dann natürlich auch die dem entsprechenden weiteren Ausbaumaßnahmen ebenfalls.
Günstiger würden wir unsererseits den Einsatz von parafinierten Holzweichfaserplatten mit Nut-Feder-System erachten und dazu den Einsatz von Hanfdämmung bzw. einer eingeblasenen Dämmvariante (fugenlos und setzungssicher und diffusionsoffen).
Innenseitig ein Baupapier (pro clima) und dann Installationsebene mit Kreuzlattung und darauf dann Eure geplante Profilholzbeplankung.
Die Zwischensparrenkonstruktion sollte stets an den seitlichen Bereichen der Sparren montiert werden und nicht an die Lattenkonstruktion direkt!

Grüße Udo



Holzweichfaserplatte Mäusedicht?



Hallo Udo,

vielen Dank für die Tipps. An Hanfdämmung hatte ich bisher noch gar nicht gedacht. Lässt sich bestimmt auch in Eigenleistung verarbeiten. Hast du Erfahrung, ob die parafinierten Holzweichfaserplatten Mäusedicht sind?

Viele Grüße
Martin



Gibt es eine



besondere Mäuseplage?
Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt ein Haus mäusedicht zu erstellen. Die Erfahrung lehrt mich jedoch, dass sich die Mäuse eher die Fehlstellen, Übergänge und Fugen suchen, um sich einen Zugang zu verschaffen. Im Dachbereich bedeutet das, dass vor allem auf die Sicherung der Lüftungsbereiche geachtet werden muss. Dies muss aber so wie so geschehen, um auch Insekten und Vögel fern zu halten. Funktionieren die Insektengitter an Traufe und First, kann die Maus die Holzweichfaserplatte nicht erreichen.
Aus bauphysikalischen Gründen ist jedoch die Holzweichfaserplatte die Richtige. Wenn doch mit einer OSB-Platte gearbeitet werden soll, muss innen mit Folien abgedichtet werden.
Udo Mühle hat jedenfalls einen guten Dachaufbau beschrieben.



Mäuse/krabbelnde Insekten



Bis zum heutigen Zeitpunkt sind uns derartige Phänomene nicht zugetragen bzw. bekannt geworden.
Einfach nach dem Motto: "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß"!
So wie Plattformmitglied Fred Heim bereits bemerkte, sollte es diesbezüglich Bedenkenlosigkeit geben.
Zur Hanfdämmung können wir noch bemerken, daß es derzeitig noch eine gute Förderung gibt.

Grüße Udo Mühle



Danke



Vielen Dank für die Tipps. Werde die Dämmung so durchführen, wie Udo es vorgeschlagen hat. Überlege jedoch, innen statt des Baupapiers eine OSB-Platte (Stöße verklebt) zu montieren.





Hallo!
Ist denn immer noch der historische Dachstuhl vorhanden bzw. wurde dieser verstärkt bzw. ergänzt?
Die Sparren sind in einem reinem Wirtschaftsgebäude (nicht nur dort) oftmals für eine heutige Wohnnutzung mit WD unterdimensioniert. Also bitte die Statik nicht aus dem Blick verlieren, ansonsten drohen hier böse Überraschungen. Aber einen Fachplaner haben Sie sicherlich auch aus anderen Gründen eingeschaltet. Ihre Vorliebe für OSB-Platten in der Dachschräge halte ich allerdings bei einer geeigneten WD (wie vor beschrieben) für fatal.
Grüße
Bernd Kibies



OSB innenseitig



der innenseitigen OSB-Beplankung sehen wir ebenfalls kritisch entgegen, denn diese ist ja dampfdicht.
Sie sollten aber diffussionsoffen konzipieren, denn auch die OSB-Ebene darf nicht durchbrochen oder -stoßen werden (Thermik - Kondensatausfall!!).
Baupapier ist eine sehr interessant zu verarbeitende Systematik und erfüllt in allen Fragen die funktionierende Diffussionsoffenheit.

Grüße Udo Mühle



Als dampfdicht



kann man eine OSB-Platte aber nicht bezeichnen.
ProClima DB+ μ-Wert 10000 --> sd = 2,3 m
OSB 15 mm 123 --> sd = 1,85 m
In der DIN 4108 finde ich für OSB-Platten sogar einen Wert von 30/50 --> sd = 0,75 m
sd = 1,85 m entspricht dem gleichen Wert wie 45 mm Holz Fichte/Tanne.
"Dampfsperren" beginnen bei sd > 20 m
Der Wert für dampfdiffusionsdichte Schichten liegt aber noch weit darüber.