Frage zum Fußbodenaufbau im EG

31.12.2012



Hallo zusammen!

Ich bin seit Juli dabei, ein altes Bauernhaus zu sanieren. Wie alt das Gebäude tatsächlich ist, kann mir kein Mensch sagen. Ich schätze etwa 200 Jahre sinds bestimmt. Alte Feldsteinmauern (>50cm) sind zum Teil mit Ziegelsteinen erweitert, es fanden sich im EG noch zwei Balkenrahmen für Türen, die von unten mit (völlig morschen) Balkenresten verzapft waren (alter Fachwerkrest?). Im Lauf der Jahrzehnte (-hunderte?) wurde dort einiges rumgeflickt aber nie Nägel mit Köpfen gemacht. Dieser Kelch ist nun an mich gegangen...

Nachdem der Boden eh schon aufgerissen war, um alte Wasser- und Abflussleitungen zu entfernen, stellte sich die Frage, wie denn ein neuer, einheitlich ebener Fußbodenaufbau aussehen könnte, der dicht und tragfähig ist.

Da ich selber kein gelernter Handwerker bin, habe ich mit diversen Fachleuten gesprochen und mir Rat geholt. Letzten Endes habe ich mich für die relativ arbeitsintensive Version entschieden, die wie folgt aussieht:

Zunächst wurde der Boden abtragen bis mindestens 38cm unterhalb des letzten fertigen Fußbodens, dann folgender Aufbau:
- Schotterschicht 10cm 16/22 (nicht verdichtet)
- Baufolie
- PVC-Brücken für Baustahl Q188
- Betonschicht 15cm
- Schweißbahn
- Dämmung + Fließestrich 12cm

Durch die Ausgrabung habe ich das Kellergewölbe freigelegt, welches von der kommenden Betonschicht nicht überdeckt werden wird. Es werden aber überall mindestens 10cm zum FFB aufzufüllen bleiben. Meine Überlegung wäre, die "zackige" Oberfläche des Gewölbes mit Schüttdämmung abzudecken, bevor der Fließestrich im gesamten EG ein einheitliches Niveau herstellen soll.

Möchte mich auf diesem Wege erkundigen, was die hiesigen Fachleute von diesen Plänen halten und bedanke mich schonmal im voraus für alle Anregungen!

EmmEmm



Bodenaufbau



Hallo Ichduersieeswirihrsie


Ein Name sagt im Forum mehr als ein ETWAS Nick...


Nun zum Problem, welches ich bei dem Aufbau sehe:
"- Schotterschicht 10cm 16/22 (nicht verdichtet)"

ähm, warum nicht verdichtet? irgendwann setzt sich der Schotter und es bilden sich Hohlräume. Also, Stahlplatte 15x15X3cm, 3/4" Wasserrohr- 2m lang anschweißen und dann stampfen was das Zeugs hält.
Alternative wäre eine Elektrische Rüttelplatte ala Kapitzke Eigenbau... meine Rüttelplatte besteht aus einer Unwucht von einem Zementsilo, einer 5cmx15cmx40cm Stahlplatte mit langem Griff zum Führen. Gesamtgewicht ca 15kg. Damit hab ich meinen Schotter im ganzen Haus vorsichtig Oberflächenverdichtet...


Sonst könnte der Aufbau funktionieren

Andreas



Fußboden



Warum Schotter?- Kiessand ist billiger und besser verdichtbar.
Wozu 15 cm Stahlbeton?- die halbe Stärke ohne Bewehrung reicht als Sauberkeitsschicht völlig aus.
Warum Fließestrich im EG?- Zementestrich ist billiger.
Warum so wenig Dämmung?- es gibt eine ENEV, die einzuhalten ist.

Viele Grüße



Danke



schonmal für die Antworten.

Nach Aussagen des beratenden Maurermeisters muss man eine nur 10cm dünne Schotterschicht nicht zwingend verdichten. Außerdem bringt die Betonschicht noch ausreichend Last darauf, die auch noch einen verdichtenden Effekt hat, bevor der Beton abgebunden hat.

Die Schotterschicht ist an einigen Stellen dicker geworden, weil ich dort aus Versehen tiefer gegraben habe. Daher ist für mich die Angelegenheit des Verdichtens noch nicht ausm Kopf.

- Schotter überhaupt, weil er ausreichend tragfähig ist und daneben auch noch genug Hohlraum für abfließendes Wasser hat. Hier halte sogar ich als Nichtfachmann Schotter als besser!
- 15cm Stahlbeton, weil er stabil und langlebig genug ist, in diesem Haus die finale Bodenplatte zu stabilisieren. Ich will da in 20 Jahren nicht nochmal rumreißen oder irgendeine Form der Flickschusterei betreiben.
- Fließestrich, weil das EG etwas verwinkelt ist und sich damit die einzelnen Bereiche des Bodens besser für den künftigen Belag vorbereiten lassen sollten. Ich bin zwar nicht mit übermaßigen Mitteln gesegnet aber "billig" ist für mich keine Alternative.
- Auch bei der Dicke der Dämmung habe ich die Maße angegeben, die mir der Maurermeister geraten hat und die der äußerst altbausanierungserfahrene Zimmerermeister abgenickt hat. Das Haus hat sehr dicke Mauern, weniger als 1/8 der EG-Fläche ist unterkellert, überall sind moderne Kunststofffenster drin - wo soll da groß Kälte herkommen? Der ENEV wird durch eine Hackschnitzelheizung Rechnung getragen, das Holz kommt aus dem eigenen Wald.

Frohes Neues
EmmEmm



Fußbodenaufbau



Ich empfehle ihnen sich nicht so blind auf die Angaben Ihrers Maurermeisters zu verlassen.
-Schotter bietet Hohlraum für abfließendes Wasser:
Wo zum Teufel soll bei Ihnen plötzlich Wasser unter eine abgedichtete Betonplatte gelangen? Haben Sie einen Grundwasserstrom unter Ihrem Fußboden?

Na gut: Bei 15 cm Stahlbeton im Haus ist es völlig egal was unter der Betonplatte liegt, das könnte auch Karnickelsand sein, sogar bindige Böden Schaden da nicht.
Allerdings ist die Betonplatte völlig überflüssig um
-in diesem Haus die finale Bodenplatte zu stabilisieren:
Ihre "finale Bodenplatte" also der Estrich liegt nicht auf dem Beton sondern auf der Dämmung, also Schaumstoffplatten auf. Das was darunter liegt sollte fester wie Schaumpolystyrol sein, mehr nicht. Theoretisch könnte die Dämmlage samt Abdichtung auch direkt auf die mineralische Tragschicht verlegt werden, das ist technisch aber nicht möglich. Wenn Ihre "finale Bodenplatte" knackt dann weil eine zu hohe Punktlast den Estrich durchstanzt, die PS- Platten geben dann nach, egal ob unter der Dämmung 5, 10 oder 100 cm Beton liegen.
Eine Bodenplatte ist eine spezielle Fundamentform. Auf so eine Platte werden tragende Wände gestellt, die Lastabtragung erfolgt ausschließlich über Sohlpressung.
Man nennt das auch Flach- oder Flächengründung.
Fundamente brauchen Sie nicht, Sie haben bereits welche unter Ihren Wänden, nämlich Streifenfundamente.
Die tragen übrigens die Last nicht nur durch Sohlpressung sondern auch über Mantelreibung ab.

- Fließestrich:
Ob das EG verwinkelt ist oder nicht spielt bei der Materialwahl keine Rolle. Was mich verwundert das Sie hier plötzlich keine Angst vor fließendem Wasser haben. Einem Anhydritestrich bekommt nämlich Wasser merklich schlechter als Zementestrich. Aber was solls AE geht auch, genauso wie Dielung auf Weichholzfaserplatten oder Trockenestrich oder Gußasphalt, um mal andere mögliche Arten zu nennen.

Viele Grüße



Fußboden



Möglicherweise habe ich nicht die ausreichenden Kenntnisse, um alles so zu beschreiben, wie ich es mir denke. Bitte sehen Sie es mir nach, dass mir für manches die korrekte Bezeichnung nicht geläufig ist.

Mit "finaler Bodenplatte" meinte ich weniger die letzte Schicht des Aufbaus sondern einfach einen fest installierten Boden auf der jahrhundertealten, gewachsenen Erde (bindiger Boden), der in diesem Haus nicht noch einmal aufgerissen werden soll und idealerweise "ewig" hält. Der eigene Brunnen zeigt kein sehr tiefes Grundwasserniveau und wegen leichter Hanglage sitzt die Nordseite des Hauses bis zu eineinhalb Meter in der Erde. (Dort gab es auch Feuchte Stellen an den Mauern, Außenabdichtung und Instandsetzung der vorhandenen Drainage sind in Planung.)

Wenn Schotter evtl. aufsteigendes bzw. zulaufendes Wasser ableitet, und der Beton durch Folie und Schweißbahn abgedichtet ist - wie soll denn da Wasser an den Estrich gelangen?

Leider ist das Bauhandwerk nicht mein Fachgebiet. Ich bin auf die Kompetenzen anderer Menschen angewiesen und letzten Endes bleibt mir nicht viel, als mir vertrauenswürdig erscheinende Berater und Handwerker auszusuchen. Dies habe ich nach sorgfältiger Überlegung getan - keiner meiner Berater ist darauf angewiesen, mir etwas zu verkaufen. Trotzdem möchte ich auch diese Plattform nutzen, um weitere Meinungen einzuholen, um Alternativen überdenken zu können.

Welche Estrichart letztlich unter meinen Fliesen- und Dielenböden liegen wird, ist mir eigentlich egal. Mir ist neben der Stabilität und einem gesunden Raumklima noch wichtig, dass bei Belagwechseln keine Stufen oder Stolperfallen entstehen.



Fußbodenaufbau



Nur soviel, MM:
Wasser kann von oben in den Estrich gelangen. Ein umgekippter Eimer Wischwasser, eine undichte Wasserleitung, Planschwasser im Bad- es gibt genug Quellen. Wenn dann z.B. im Bad die Abdichtungen nicht korrekt montiert wurden gibt das erhebliche Probleme. Zementestrich ist nur nass, AE quillt auf und verliert rapide an Festigkeit.
Anhydritestriche sind im Geschossbau durchaus üblich, da schnell und in großen Flächen einbaubar. Diese Vorteile kommen bei ihnen nicht zum Tragen.

Viele Grüße



Fußboden



Es gibt Neuigkeiten:

Nachdem ich den Schotter noch verdichtet habe, wurde die Folie aufgebracht, Baustahlmatten auf PVC-Brücken verlegt und heute kam der Beton. Im Schnitt dürfte die Schicht 14cm dick sein, das Gewölbe ist bis auf drei kleine Steine am Kamm abgedeckt. Bis zum fertigen Fußboden ist jetzt noch 14cm Luft - genug für Dämmung und Estrich.

Apropos: Habe mich zwischenzeitlich auch mal über Estrich belesen und bin daher vom Fließestrich abgerückt. Vielen Dank für die Anregung, Herr Böttcher!