Pitchpine ölen oder lacken?

03.12.2011



Hallo!
Unter unserem Teppich haben wir Pitchpine gefunden, der nun geschliffen werden soll. Welche Vorteile bieten Öl und Lack oder ist das lediglich eine Geschmacksfrage?

Danke

E.Schicke



Bei Öl bleibt's Holz…



… bei Lack bleibt immerhin die Holzoptik.



Moin,



Glückwunsch, gibt kaum bessere Böden, finde ich.

Öl ist in jedem Fall die bessere Wahl, weil es tief in das Holz eindringt und die Diele länger schützt. Auch lassen sich einzelne Fehlstellen besser selbst reparieren.

Lack hingegen ist schichtbildend und wenn er in der "Laufgasse" runtergelatscht ist, ist das Holz drunter quasi roh. Reparatur solcher Teilbereiche bleibt immer sichtbar.

Bei konventionellen dampfdichten Lacken kann durch die Ritzen eindringendes Wasser nicht nach oben abtrocknen: Die Diele fault unter der Lackschicht weg.

Gruss, Boris





Hallo,

Hartöle sind der Kompromiss: sie bieten den Vorteil der Öle (lassen sich punktuell reparieren) und lassen sich entweder optisch wie ein Lack oder ein Öl einstellen.

Grüße





Vielen Dank!
Da fühl ich mich gleich schlauer!
Kann ich Hartöl auch einfärben?

Gruß

Elke Schicke



Hartöl einfärben...



... geht mit Pigmenten oder mit vorgemischten Abtönkonzentraten.

Ich würde mir dies bei einer Pitschpine als Holzboden aber gut überlegen. Jede Pigmentbeschichtung arbeitet sich mit der Zeit ab und es kommt zu Laufstraßen.

Hinzu kommt, dass die Maserung der PitchPine durch farbloses Öl am schönsten zur Geltung kommt.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Moin Elke,



Pitchpine hat einen dunklen Teil, hart, nimmt wenig Öl/Pigment auf und einen hellen, weich, nimmt mehr Öl/Pigment.

Nach einiger Zeit hast du die Pigmente von der harten, dunkleren Schicht runtergelatscht und der "Originalton" kommt schneller wieder zum Vorschein.

Bringt nur was im schuhfreien Bereich, sach' ich.

Gruss, Boris



Nee,



"Hartöle ... lassen sich entweder optisch wie ein Lack oder ein Öl einstellen."

Kokolorus. Hartöle werden immer dünn verarbeitet und sind solo keine Schichtbildner.

Pigmentieren würde ich nicht, die Pigmentbindung auf dem harzigen Holz ist gering. Eine Färbung des Holzes kann nur chemisch erfolgen, das ist eher was für Profis.

Lacke: Wasserlacke verbieten sich m.E. durch den starken Harzgehalt ohnehin, und auch Ölkunstharzlacke würde ich nicht einsetzen. Ein Parkettöl ist das Mittel der Wahl, es sollte wachsfrei sein.

Grüße

Thomas



Empfehlung



ich habe gute Erfahrung mit Hartharzöl und Anschließend mit CHITOWACHS.
Info und Bezug: http://www.chito.com/informationen/chitowachs.html
http://www.sehestedter-naturfarben.de/

Ein reines Naturprodukt für die Pflege aller Holzflächen im Innenbereich.
MfG
A. R. Thams



Ich...



bevorzuge hartarme und harzfreie Bodenöle, weil die besser eindringen können. Harzreiche Öle wie das sehestedter Produkt bleiben mehr auf dem Holz, auf Kosten der Imprägnierwirkung, und sind schon ein Stück weit in Richtung Öllack unterwegs.

Wer's denn doch einsetzen will, sollte zumindest eine Empfehlung aus den Verarbeitungshinweisen sehr kritisch betrachten. Die Empfehlung, gerbstoffhaltige Hölzer vor dem Ölen mit 5%iger Ammoniaklösung zu behandeln, zum "Neutralisieren", kann ich nicht teilen. Es ist zum einen nicht erforderlich, erfordert nach dem Trocknen einen Nachschliff, und es führt zu einer deutlichen Verdunkelung des Holztones. Das wird nicht jedem gefallen, steht aber nicht dabei.

Wachse im Privatbereich? Ich rate davon grundsätzlich ab. Warum? Das beschreibt der Hausmeister einer Waldorfschule, die ebensolches Wachs verwenden, sehr schön auf der Homepage des Herstellers:

"Herr Salge: Wir Schleifen zweimal im Jahr alle Böden mit Bohnermaschine und einem Schleifpad, was etwa dem früheren Spänen der Parkettböden entspricht. Anschließend tragen wir Sehestedter CHITOWACHS mit der Bohnermaschine auf und beginnen mit dem Polieren 20 Minuten nach dem Wachsauftrag. Der gesamte Arbeitsprozess vom Schleifen bis zum Polieren der ganzen Schule nimmt eine Woche in Anspruch. Im übrigen fegen wir täglich alle Räume mit Kehrspänen zur Staubunterdrückung."

Wenn eine Waldorf-Schule die Bodenpflege zum Selbstzweck erklärt, ok. Das schafft ja einen Arbeitsplatz :-) Aber der Pflegeaufwand durch Wachsen und Abwachsen ist m.E. überflüssig, weil gute Bodenhartöle, heiß oder kalt aufgetragen, ihre Stärken gerade in der Alleinverwendung zeigen. Zudem missfällt mit die Emulsion des Wachses in Wasser, was eine verminderte Verbindung mit dem Holz bewirken kann.

Ich öle seit ca. 8 Jahren ausschließlich mit harzarmen und wachsfreien Bodenölen von Natural, vorzugsweise heiß. Die Flächen stehen bei meinen Kunden seit Jahren durchweg sehr gut. Meine Lieblingstestfläche ist meine Küche, ein Eichen-Fischgrätparkett. Vor 4 oder 5 Jahren vom Ölkunstharzlack befreit, wurde es heißgeölt und seither nur im Zuge des Wischens gereinigt und gepflegt, indem statt konventionellem Reiniger der Spezialreiniger des Ölherstellers verwendet wurde. Ein Bedarf zum Nachölen ist noch nicht zu erkennen. Und mehr Pflegeaufwand sollte ein Fußboden auch nicht fordern!

Grüße

Thomas