Bläuepilz an Dachbindern




Hallo zusammen,
kann mir jemand einen Rat geben?
Ich lasse gerade ein Haus bauen (Bungalow). Während der gesamten Bauzeit war das Holz, laut Auftragsbeschreibung Güteklasse S10, Schnittklasse S, dem Regen ausgesetzt. Die ersten 24 Stunden sogar direkt im ca. 5cm hoch stehenden Regenwasser, ohne Unterlage. Einige feingehobelte Balken, für die Terrassenüberdachung, waren in Folie eingewickelt und haben sichtbar geschwitzt. Trotz unbekümmertem Abwiken der Zimmermänner ist gekommen, was kommen mußte. Die Binder sind schwarz, dem Pilz geht es gut. Ein Gutachter wurde vom Dachbauer eingeschaltet und der benennt die Pilze als Ceratocystis piceae und sagt weiterhin, dass das weder ein Holzzerstörender, noch ein Gesundheitsschädlicher Pilz ist.Die geprüfte Holzfeuchte ist 17%. Er sagt allerdings auch,dass der Pilz nicht weiter wächst, wenn das Holz so trocken ist. Ich habe eine Fotodokumentation angefertigt. Jeden Tag die sichtbar befallenen Stellen abgelichtet, über die gesamte Bauzeit und auch nach dem Abschleifen, bzw der Untersuchung durch den Gutachter. Die erste, auch umgesetzte Empfehlung des Dachbauers war : Abschleifen.
Jetz endlich meine Fragen:
; ist diese Art Pilz wirklich nicht Gesundheitsschädlich
; warum wächst der Pilz in diesem Tempo sichtbar nach, wenn das Holz doch eigentlich trocken ist
; wie sollte das Holz behandelt werden (wenn mich einer fragt, würde ich eine min. 13 %ige Chlorlauge draufsprühen)
; sollte ich ev. wegen des offensichtlichen Wiederspruchs im Gutachten (der Gutachter schreibt, dass der Pilz nicht weiterwächst, sobald das Holz trocken ist), einen eigenen Gutachter beauftragen
Grüße. Erforderlich



Mal was



Allgemeines zum Thema Holzfeuchte: Wenn von nassem Holz gesprochen wird, kommen öfters ein paar Dinge durcheinander: Frisches gefälltes Holz enthält bis in den Kern hinein Wasser in den Zellen. Das dauert Jahre bis das raus ist, oder eine Woche wenn das Holz in der Trockenkammer war.
Dann gibt es noch das Nasswerden von Holz durch Regen. Da dringt das Wasser nur oberflächlich ein. 5 mm sind schon viel. Und das trocknet auch recht schnell wieder ab.
Da der Gutachter 17% gemessen hat, nehme ich an, dass das Holz abgelagert, durch die Trockenkammer gejagt, oder KVH ist. Letzteres bürgert sich immer mehr ein, da die Ansprüche von Bauherren und Architekten immer höher werden, und Unsereins auf Nummer Sicher gehen will. Dass die Hölzer in Folie verpackt waren, spricht auch für KVH. Eine sichtbare Terrassenüberdachung würde ich sowieso immer mit KVH bauen. Das bedeutet: Holzfeuchte nur äußerlich!
Ihre Überschrift ist falsch. Ein Bläuepilz ist nicht schwarz, sondern blau. Der von Ihnen im Text beschriebene Pilz ist typisch für kurzfristige falsche Lagerung. Er ist nur äußerlich. Güteklasse 10 bedeutet, dass wenig Äste drin sein dürfen, und wenn, dann nicht zu groß. Ob das auch die Optik betrifft, wenn das Holz durch falsche Lagerung schwarz wird, weiß ich nicht. Schnittklasse S heißt scharfkantig.
Sowohl Bläuepilz als auch der Schwarze beeinflussen die Statik erst mal nicht. Pilze brauchen Feuchtigkeit und mögen keine frische Luft. Das heißt die verrecken wenn die durch Regen eingedrungene Feuchtigkeit verdunstet ist. Bläue ist bei Bauholz zulässig.
Gesundheitsschädlich? Das sind sie alle! Mehr oder weniger! Ich vermute aber mal stark, dass die Abschleifaktion für die Zimmerer gesundheitsschädlicher war als die Dauerbelastung für Sie unter der belüfteten Terrassenüberdachung. Nicht zu vergessen: Chlorlauge ist auch nix Leckeres.
Es ist mit Sicherheit ein optischer Schaden an einer sichtbaren Holzkonstruktion und für Sie sehr ärgerlich.
Zum Gegengutachter: Der kostet Geld: No risk, no fun!
Ralph Schneidewind





Danke für die schnelle Antwort. Ich habe das Problem, dass das Holz nicht blau ist, wie es auf vielen Fotos zu sehen ist, sondern schwarze Streifen und punktartige Flecken hat. Außerdem schreiben alle, auch der Gutachter, daß der Pilz nicht weitewächst, wenn das Holz trocken und gut belüftet ist. Die erste Maßnahme des Dachbauers war Abschleifen. Bis auf einen Balken sind also nahezu alle Balken abgeschliffen worden. Eine Woche später war der Gutachter vor Ort, zwei Wochen später war das Gutachten da. Ich habe fleißig weiterfotografiert. Nach dem Anschleifen sind also min. drei Wochen vergangen und die schwarzen Streifen sind wieder da. Außerdem verändern sich die außen sichtbaren Balken der Terrassenüberdachung ebenfalls. Bei einem entstehen graue Punkte und der zweite ist auf einer Seite fast vollständig grau. Ich befürchte, dass es sich garnicht um einfache Bläue handeln könnte. Der Gutachter schreibt, dass der Bläuepilz, bzw. die Holzbläue unter den gegebenen Umständen nicht weiterwächst. Tut er aber doch. Was macht man da?



Was tun?



Kontaktieren Sie nochmal den ausführenden Zimmermann und zeigen Sie ihm Ihre datierte Fotodokumentation.
Es sollte ihm peinlich genug sein und im gleichem Maße in die Zunftehre pieksen,so das es bestimmt zu einem Abkommen im beiderseitigen Einverständniss kommen kann,ohne gleich mit großen Kanonen und Euronen ins böse Blut zu schießen.
Wenn das nämlich erst mal kocht,wirds eher schwer und am Ende bleibt keiner zufrieden zurück.
Mir ist das mit dem "Schwarzen Pilz" auch mal passiert:
Der komplett abgebundene sichtbare Dachstuhl(ca.15qbm) aus KVH lagerten abgedeckt auf der Baustelle,als ein Sturm meine Plane teilweise zerstörte und die Stapel freilegte und dem nachfolgenden ergiebigen Regen aussetzte. Als die Auftraggeber das später bemerkten,deckten Sie das nun klatschnaß geregnete Holz wieder zu,so das es dann zu allem Überfluß noch schön "schwitzen" konnte.
Nach dem Aufschlagen und dem Aufbringen der ebenso sichtbaren Schalung,zeigten sich auf fast jedem Balken schwarze Punkte oder Streifen mit teilweise sogar schwarzem "Flaum" drauf.
Sehr unangenehm...sehr unschön...dem Infarkt nahe...aber ich hatte Glück (im Unglück).
Nach eimaligem Abschliff, die Verfärbung saß ja praktisch auf der Oberfläch ohne Eindringtiefe,kam nichts wieder zum Vorschein und alle waren glücklich.
Wahrscheinlich hat Ihr Holz einfach noch mehr Wasser abgekriegt und der erste Schleifgang geschah einfach zu früh.
Meine Empfehlung ist nach dem erneuten Kontaktieren des Ausführenden noch 3 Wochen abwarten und dann einen weiteren Abschleifversuch zu vereinbaren.
Danach sollte es ein Ende haben mit dem Pilz und das dann auch ganz ohne Chemiekeule.

Mit handwerklichen Grüßen
ollerich



Bläuepilz an Dachbindern



Danke für die guten Ratschläge und Tips. Gerade habe ich einen weiteren Gutachter beauftragt. Ich muss einfach wissen um welche Art Pilz es sich hier handelt. Mit dem ersten Gutachter, den die Dachfirma beauftragt hat, habe ich gesprochen. Hat mir nicht weitergeholfen. Dass sich der Pilz deutlich sichtbar weiterentwickelt, kann er sich nicht erklären??? Das Labor, das die Proben untersucht hat, hat auch eine Anzuchtprobe angesetzt, um festzustellen, ob noch andere Pilze beteiligt sind. Dieses Ergebnis lag bei Abschluss des Gutachtens noch nicht vor. Trotzdem meint der Gutachter für ihn sei der Auftrag erledigt. Am Ende des Gutachtens nimmt er Bezug auf Güteklasse und Sortierklasse des Holzes um zu begründen, dass bei dieser Güteklasse Bläue zulässig ist. Da ist merkwürdig, dass er am Anfang des Gutachtens schreibt, aus den Lieferscheinen gehe nicht hervor um welche Güteklasse es sich handelt. Auf mögliche Gesundheitsgefährdung geht er weder im Gutachten, noch im Gespräch ein. Das allermerkwürdigste ist allerdings, dass der Gutachter empfiehlt, überhaupt nichts zu machen. Keinerlei Behandlung notwendig.
Das scheint mir absurd. Das weitere Gutachten habe ich in Auftrag gegeben, weil ich durch dieses Gutachten völlig verunsichert bin. Was die rechtliche Seite betrifft, habe ich ein Beweissicherungsverfahren in Auftrag gegeben. Das muss ich machen, denn sonst würde ich ja das eher unklare Gutachten akzeptieren, müsste die Abschlagszahlung leisten, bzw. geriete in Verzug, was ja ehrlich gesagt auch das gute Recht des Dachbauers wäre. Mit einem Haus in dem möglicherweise Schimmel steckt, kann ich aber nichts anfangen. Nicht mal vermieten, mach ich mich auch noch Schadenersatzpflichtig. Ich will ja auch garnicht mit dem Dachbauer streiten und wenn das zweite Gutachten sagt es ist nur Bläue, dann sei's drum, aber behandelt werden muss es trotzdem. Ganz besonders die an der Terrassenüberdachung sichtbaren Balken, denn dort wäre sonst auch in Zukunft jeder Holzschutzanstrich unsinnig.
Also Danke noch mal und
Grüße A.K.





Hallo,

dass es sich nicht um Bläue sondern um Schwartzschimmel handeln dürfte, hat Ralph Schneidewind Ihnen ja schon geschrieben. Und da ist Schleifen m.E. sinnlos, weil die Sporen nur verschmiert werden.
Desinfizieren Sie einfach mit Alkohol 70% und fertig is.
Dieser Schimmel ist eklig, vielleicht auch gesundheitsschädlich, aber weg zu kriegen. 10 Liter Alkohol kosten auch nicht mehr als eine Gutachterstunde.

Grüße vom Niederrhein