Betonierten Hof pflastern

27.06.2008



Hallo. Ich habe eine Frage, die ich bisher nicht beantwortet bekommen konnte.

Wir möchten unseren hässlichen, betonierten Hof mit einem Kieselpflaster verschönern. Wir wissen aber nicht, ob wir das Kieselpflaster (soll in ein Magerbetonbett gesteckt werden) direkt auf den vorhandenen Beton aufbringen können oder ob der Beton vorher entfernt werden muss?

Kann uns jemand weiterhelfen, bitte? Vielleicht ist hier ein Fachmann/eine Fachfrau, die Rat weiss?

Vielen, lieben Dank im voraus.
Kathrin & Jörg



Hof pflastern



Da wäre erst einmal zu klären, wie der Hof künftig genutzt wird bzw. ob dieser geplante Belag für diese Nutzung geeignet ist.
Dazu gehört auch die Klärung der Wasserableitung.
Und dann sind sicher andere Baumaßnahmen nötiger, bevor man den unschönen, aber funktionierenden Belag austauscht.

Viele Grüße



Lieber entfernen



Hallo, Ihr zwei.
So, wie ich das auf dem Foto erkennen kann, liegen die Betonplatten jetzt auf Höhe der Türschwelle.
Wenn Ihr jetzt einen Belag aufbringt, hättet Ihr eine Stolperkante und u.U. auch ein Problem mit Regenwasser.
Was ist mir dem rechten Anfahrschutz oder der Schwelle, die lägen dann auch "im Wasser", oder?
Des Weiteren liegen Betonplatten manchmal auch nicht so fest, wie sie sollten, das könnte dazu führen, daß die Bettung reißt. Und da es sich offenbar nur um Platten handelt: raus und weg den Mist.
Nebenbei gesagt, halte ich von dem anvisierten Belag nix, aber das soll Eure Entscheidung bleiben.
Grüße und viel Erfolg,
Mario Albrecht



Danke euch erst einmal ...



... für eure schnellen Antworten. Wir haben nicht präzise genug erklärt, merken wir gerade.

Der Hof wird jetzt und soll auch zukünftig als Abstellplatz für unsere Autos genutzt werden. Als ehem. Scheunenvorplatz wurde er früher von div. Landmaschinen befahren. Die von Georg angesprochenen "anderen Baumaßnahmen" werden dahin gehend erledigt, dass die im Hintergrund zu sehende Scheune demnächst eh abgerissen werden wird. Die fällt aus der Gesamtbetrachtung somit heraus.

Abwasser liegt im Hof und funktioniert. Ein Grund von mehreren, warum wir die Betonplatten möglichst belassen wollen.

Die Frage, ob wir darauf ein Kieselpflaster aufbringen können, ist jedoch nach wie vor offen. Jetzt, da wir die Details erklärt haben, würden wir uns über eine diesbezügliche Antwort riesig freuen!

Danke im voraus und ein schönes Wochenende!

Kathrin & Jörg



Mal ganz doof



gefragt: Was ist ein Kieselpflaster?
Für eine befahrbare Fläche brauchts wenigstens 6 cm starke Pflastersteine. Darunter mindestens 4 cm Splitt, um das Regenwasser abzuführen, dass ja durch den vorhandenen Beton nur unzureichend versickern kann.
Also würde der Hof mindestens 10 cm höher kommen.
Vielleicht hilft euch das ja weiter bei euren Überlegungen.
mfg
dasMaurer



Doofe Fragen gibt es nicht!



Aber schlaue Antworten sehr wohl! Und für deine sagen wir herzlich: danke! (Obwohl "Beton lassen" vs. "Beton raus" noch immer nicht ganz geklärt ist ..."

Kieselpflaster ist ein aus einzelnen Kieseln (versch. Größe, je nach Anwendung) gesetztes Pflaster. War früher einmal recht üblich, da leicht zu finden (die Steine) und rel. einfach zu verlegen.

Wir haben's in Goslar gesehen (in einem Hinterhof der Altstadt) und waren absolut begeistert. "So wollen wir unseren Hof haben!" lautete der einstimmige Beschluss des Familienrates.

Einen ersten Eindruck bekommst du ggf. hier: http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/Marktplatz/a/showMaterialpool/BR000006_372$.cfm

Einstweilen lieben Gruß aus dem Vorharz.
Kathrin & Jörg



Aha,



nun kann ich mir was drunter vorstellen.
Aber wenn ich dann über die Verlegung nachdenke, werden 10 cm Aufbauhöhe über dem Beton nicht ausreichen, denn die wasserführende Splittschicht ist auf jeden Fall erforderlich und dann werden die Kiesel ähnlich wie beim Granitkleinpflaster einzeln ins Sandbett geklopft.
Sehr arbeitsintensiv und erfordert bei grösseren Flächen sorgfältige Höhenplanung und intensives Schnürespannen.
MfG
dasMaurer



Betonierten Hof pflastern



Hallo,
es gibt ein sehr gutes Buch zu diesem Thema inklusive aller Anleitungen und vorarbeiten insbesondere zu der Thematik Tragfähigkeit und Entwässerung um ein Kieselpflaster zu erstellen.
Der Beton muss auf jedenfall weg damit ein vernünftiger Aufbau stattfinden kann.
Hier der Link : http://www.deutschesfachbuch.de/info/detail.php?isbn=3800147777
Mfg
Hartmut



Mein Vater...



hat dies auch schon vor 30 Jahren versucht und zwar auf einer Garageneinfahrt, die zwei betonierte Spuren zum Fahren hat und links und rechts sowie in der Mitte dieses in Beton gesteckte Kiesel(pflaster). Folgende Erfahrungswerte:

1. Es ist kaum sauber zu kehren, da der Besen durch die unterschiedlichen Höhen nicht mit normaler Kraft zu bewegen ist.

2. Der Dreck bleibt um die Kiesel vermehrt hängen und bildet dort Nester für Pflanzen.

3. Die Steine lösen sich mit der Zeit, so fest kann man die gar nicht hineindrücken. Danach lassen sie sich nicht mehr befestigen. Und es lösen sich im Winter bei Frost eine Menge... da muss gar nicht mal drüber fahren.

4. Ein Ausbessern oder Verändern ist nur mit hässlichen Ansätzen zu bewerkstelligen.

In der Summe dieser Erfahrungen kann man bei Kieselpflaster nicht unbedingt von verschönern sprechen. Für Sitzplatz evtl. ja, für Hof eigentlich nein.

Gruss aus dem Wonnegau
Michael





Die Steine lösen sich nicht, wenn sie richtig ausgewählt und richtig verlegt werden. Man braucht aber sehr viel Material und Zeit. Zu reinigen ist so ein Belag nicht gut; Pflanzennester werden nicht von allen als störend empfunden.
Solche Pflaster waren früher häufig, auch auf Wegen mit viel Viehtrieb und Säumerei, wo der Belag stark beansprucht wird (Siehe z. B. in Luis Trenker, Berge und Heimat, Berlin 1933, Abb. 147).
Eine Variante davon sind die sog. "Katzenköpfe", d.h. zerschlagene oder geköpfte Flusskiesel, die mit der Bruchseite nach oben verlegt werden. In der Altstadt von Basel oder Colmar viel zu sehen.



Hof pflastern



Mag sein, das Euch so ein Pflaster gefällt, für den geplanten Zweck als Stellfläche für PKW würde ich es nicht einsetzen.
Wo früher so ein Pflaster eingebaut wurde, war es nicht für Autostellplätze gedacht.
Es war entweder eine Notlösung, um trotz Geld- und Materialmangels mit eigentlich ungeeigneten, daher verfügbaren Steinen nicht durch den Matsch zu laufen.
Darauf kam immer mindestens eine Sandschicht.
Eine andere Ursache für solches Pflaster kann das Fehlen des Oberbaues auf einer klassischen alten Schotterstraße sein.
Als Tragschicht wurden hier unter der lehmgebundenen Schotterdecke eine Packlage (Grundbau, Gestück, Rollierung) eingebaut. Wenn die Verschleißschicht nicht regelmäßig erneuert und repariert wurde, kamen die Köpfe der Packlage zum Vorschein. Gerade bei Wegen mit viel Viehtrieb und Säumerei bemühte man sich übrigens darum, diese Wege instand zu halten; Pferde und Kühe haben große Probleme, auf solch unebenem, hartem und spizigen Untergrund zu laufen.
Und in den Städten waren solche Beläge auch geschottert und geschlämmt.
Mit eisenbereiften, ungefederten Fuhrwerken über steinerne Waschbretter zu holpern, wäre früher niemandem eingefallen.
Es ist wie mit dem steinsichtigen Bruchsteinmauerwerk.
Im romantisierenden 19.Jhr. nahm man an, früher sahen alle Burgen so aus, obwohl nur der Putz abgefallen war und erhob dies zum Modetrend.
Mag sein, das dies in der Zeit auch mit Pflasterungen im historisierenden Gewand geschah.
Technisch gesehen ist solch ein Pflaster unsinnig.
Aber, wems gefällt...
Falls Ihr trotz aller Bedenken und Hinweise (das mit dem Reinigen und Vermoosen sollte Euch zu denken geben)solch eine Oberfläche haben wollt,empfehle ich folgenden Aufbau:

1. Ausbau der vorhandenen Betonfläche,
2. Einbau einer frostsicheren unteren Tragschicht aus min. 10 cm Kiessand, verdichtet,
3. Einbau von 5-10 cm großen Rundkieseln in min. 5, besser 10 cm dicker erdfeuchter Betonbettung hohlraumfrei mit Pflasterhammer,
4. Höhenegalisierung mit Handramme oder leichter Rüttelplatte,
5. Nach Erstarren des Bettungsbetons einkehren und Einschlämmen einer Zement- Sandmischung,
5. Nach dem Erstarren der Schlämme Waschen der Fugen mit Wurzelbürste und Wasserschlauch auf die gewünschte Tiefe.

Die Flächen sollten ein Mindestgefälle von ca. 3% aufweisen und in die vorhandene Entwässerung einbinden.
Säcke und Dellen in der Vermörtelung vermeiden, sonst steht Wasser und friert im Winter auf.
Besuch vorwarnen, keine hochhackigen Schuhe oder Sneaker mit dünnen Sohlen tragen.
Reifen immer mit vollem Luftdruck fahren.

Viele Grüße



Danke euch allen!



Hallo, ihr Lieben.

Da sind ein paar wirklich gute Tipps, Anregungen und auch Bedenkenswertes zusammen gekommen. Vielen Dank euch allen für die rege Diskussion. Das hilft uns sehr bei der Entscheidung und bei der Umsetzung.

Vielleicht probieren wir's erst einmal an einem kleinen Gartenweg aus, bevor/falls wir uns an die große Fläche wagen?!

Das Buch haben wir übrigens bereits, Hartmut. Leider kommt darin das Kieselpflaster nur recht kurz vor :-/

Sobald wir unsere Erfahrungen gemacht haben (oder auch nicht), lassen wir euch daran teilhaben.

Lieben Gruß aus dem Vorharz
Kathrin & Jörg