antikes Fischgrätpflaster verfugen

20.04.2013 Lindenhof



Hallo!
Ich habe in meinem Bauernhaus von 1789 altes Pflaster und Fischgrätpflaster (Kleinstein natur)in der Deele verlegt bzw. ergänzt. Weiss jemand, wie nach alter Tradition die Fugen mit Lehm verfüllt wurden? Wird der Lehm trocken in die Fugen verbracht und später mit Wasser aufgefüllt oder wurde er in feuchter Form eingebracht? Ich habe begonnen, eine Lehmschlämme einzubringen, aber eine große Schmiererei veranstaltet. Ich bin Dipl.- Keramik - Designerin und mit dem Material vertraut, wüsste aber gerne, wie es damals gemacht wurde. Über eine Antwort freue ich mich.



Pflaster



Das im Innenraum Pflaster mit Lehm verfugt wurde ist mir neu. Das kenne ich nur aus Kellerräumen. Wie sieht denn das zu verfugende Pflaster aus(Foto!)?
Was soll der Lehm bezwecken?

Viele Grüße
p.s. Fischgrätpflaster kenne ich nur in Form von Klinkern. Bei Kleinstein kenne ich nur Schuppenpflaster.



antikes Fischgrätpflaster verfugen



Dass in alten Bauernhäusern in Innenräumen (z.B. Deele, nicht unterkellert) Pflaster mit Lehm oder einer Lehmmischung (womit?) verfugt wurde, ist mir nicht nur durch die Untersuchung des historischen Pflasterbestandes in meinem Haus bekannt. Auch im westf. Freilichtmuseum Detmold reichen die Deelenböden von Stampflehm über Kleinpflaster bis zu großen Natursteinplatten, deren Fugen mit Lehm aufgefüllt wurden. Wie gesagt (s. Überschrift), der Lehm soll die Fugen füllen, Festigkeit geben und somit verhindern, dass die Steine wackeln...
Über eine kompetente Antwort auf meine konkrete Frage nach der historischen Arbeitsweise, nämlich WIE die Fugen damals gefüllt wurden, wäre ich sehr dankbar.



antikes Fischgrätpflaster verfugen



- so sieht das originale Pflaster aus - in Westfalen üblich



antikes Fischgrätpflaster verfugen



- auch dieses Pflaster - KEIN Fischgrätmuster - im Flur (ehemals Fohlenstall) wartet seit Jahren auf Fugenfüllung...



antikes Fischgrätpflaster verfugen



- hier ein Beispiel für meine Fischgrätpflaster-Ergänzung, noch ohne Fugenfüllung...



Pflaster



das war doppelt



Pflaster



Langsam sehe ich klarer.
Diese Pflaster waren früher einmal im Wirtschaftsbereich. Logisch das bei der damaligen Nutzung Lehm in die Fugen gelangte. Heute befinden sich diese Räume infolge Umnutzung im Wohnbereich.
Ob der Fußbodenbelag dafür besonders geeignet ist müssen Sie selber entscheiden. In Wohnbereichen gab es früher Keramik- bzw. Natursteinplatten und Ziegel als Belag. Verlegt wurden die in ein Kalk-Sandgemisch und mit Kalkmörtel verfugt. Kalkmörtel staubt, schmiert und sedimentiert nicht, egal wie trocken oder nass die Oberfläche ist. So konnte auch mal nass gewischt werden.
Zu Ihrem Pflaster bzw. Bodenbelag:
Das ein ordentlicher und tragfähiger Unterbau vorhanden ist setze ich voraus.
Ich empfehle ihnen die Steine handwerksgerecht mit dem Pflasterhammmer in Bettungssand, besser in Kalkschlag (Kalk- Sandgemisch)zu setzen. Dazu wird auf die Bettung ein Stein schräg aufgesetzt und gegen die schon verlegten Steine geschoben bzw. geklopft, so das sich die Fuge etwa zu einem Drittel mit Bettungsmaterial füllt. Dabei wird mit dem Pflasterhammer festgeklopft. Nach dem Versetzen wird mit der Handramme verdichtet und die Fugen mit Kalksandgemisch ausgekehrt. Ich würde dafür Trasskalk oder hydraulischen Kalk verwenden. Die Fläche wird anschließend leicht gewässert. Nach dem Trocknen der Steinoberflächen und dem Anziehen des Mörtels kann dann mit Stücken einer zerknüllten alten Kalktüte, einem rauhen Putzlappen o.ä. die Steinoberflächen sauber gerieben werden.

Viele Grüße



antikes Fischgrätpflaster verfugen



Hallo,
herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Ausführungen. Leider helfen sie mir aber nicht weiter, weil ich ja den Boden schon gepflastert habe (siehe Fotos).Es geht mir lediglich darum, zu erfahren, wie die Leute vor 200 Jahren die Fugen gefüllt haben. Ganz sicher war dort kein Kalk-Sand-Gemisch im Untergrund und auch nicht in den Fugen. Das Haus ist, wie schon gesagt, von 1789 und steht unter Denkmalschutz. Herzliche Grüße Dorothee Jung



Pflaster



So wie ich es beschrieben habe wurde schon vor 2.000 Jahren gepflastert und auch vor 200 Jahren.
Sie können etwas Fugenmaterial trocken einfegen und dann mit der Handramme die Fläche versuchen zu verdichten.
Nach dem Abrammen den Rest einfegen. Die Steine werden natürlich beim Rammen etwas auswandern, das Fugenbild verändert sich und wird unregelmäßiger. Wenn der Unterbau stimmt können Sie auch versuchen statt mit Kalk-Sandgemisch mit Zement- Sandgemisch einzufegen und gar nicht zu verdichten. Vielleicht reicht die eingschlämmte Fuge zur Stabilisierung.

Viele Grüße



antikes Fischgrätpflaster verfugen



Ganz herzlichen Dank für Ihren Rat.
Das Pflaster ist übrigens völlig trittfest, so wie ich es in ein Splitbett gesetzt habe. Über die größeren Steine laufen wir schon 15 ! Jahre. (siehe Foto)
Ich werde wohl ein Kalk-Sand-Gemisch einfegen und dann etwas Wasser hinzufügen. Nochmals danke und herzliche Grüße