Hilfe Hausbock




Hallo, ich habe nun endlich mal einen Fachmann kommen lassen (in Frankreich wohlgemerkt), der sich unseren Dachstuhl angesehen hat und auch er ist der Meinung, wir haben den Hausbock und nicht zu knapp. Komisch ist nur, dass ich in anderen Berichten von Nagegeräuschen lese und ich selber nicht sagen kann, dass ich schon mal einen gesehen hätte. Woran erkennt man denn den Befall. Gut, die Ausfluglöcher sind wirkllich zahlreich. Heißt das, einmal Hausbock, immer Hausbock? Und ganz offensichtlich ist er auch noch ne behandelt worden, jedenfalls ncht mit Profimethoden wie Injektion oder Wärmebehandlung, letztere ist hier eher rar.
Wir selber haben fleißig mit dem Zeug aus dem Baumarkt gestrichen (Xylophène ö.a., das eine Art von Permethrin oder Cypermethrin enthält).
Kann man mir bestätigen. dass das nicht ausreichend ist, um den Hausbock unschädlich zu machen? Und wenn nein, wie giftig und gesundheitsschädlich ist das Zeug denn? Wir haben vor etwa 6 MOnaten alles gestrichen und jetzt erwarte ich ein Baby und wir haben Angst, uns das ganze Haus mit diesem Gift zu verseuchen und langfristig die Gesundheit unseres Kindes und unsere auch zu gefährden....

Laut Expertenmeinung vor Ort kann man das Haus nach der Behandlung, also etwa 4 Stunden danach wieder bewohnen, ohne etwas zu befürchten, aber soll das stimmen?

Danke im Voraus für jegliches Feedback! Simone



Experten


Hausbock (Hylotrupes bajulus)  hier die Larve

Hallo Simone
Deine Eingangsfragen zu den Nagegeräuschen und der Frage "Einmal Hausbock immer Hausbock" sind mir nicht ganz klar.

Das Einstreichen mit dem genannten Mittel ist(unabhängig von dem genauen Wirkstoff) zu einer erfolgreichen Bekämpfung auf jeden Fall nicht ausreichend. Das Produkt ist mir in seiner Zusammensetzung nicht näher bekannt, daher erscheint mir das studieren ein technisches Merkblattes zur genauen Beurteilung sinnvoll.

Sollte es sich hier tatsächlich um die Wirkstoffe Permethrin oder Cypermethrin handeln, würde ich diese "Experten" wegen ihrer Äußerungen zum Teufel jagen. Diese Inhalte wären persistente Nervengifte die sich für lange Zeit im Haus anreichern . In diesem Fall hast du euer Heim bzw. eure Wohnräume für dich und dein Kind bereits erheblich mit diesen neurotoxischen Wirkstoffen belastet.

Wahrscheinlich wäre es sinnvoll gewesen, durch einen erfahrenen Holzschutzsachverständigen eine differenzierte Bekämpfungskonzeption erarbeiten zu lassen.

Gruß
L. Parisek





Hallo L.Parisek,

ich war wohl etwas verwirrt, aufgrund der Ausführungen. Die Mittel, mit denen wir den Dachstuhl gestrichen haben, enthalten defintiv diese-methrin-gifte. Man kann das Mittel überall kaufen und meine Nachbarin sagte mir damals, dass ihr Mann immer damit gearbeitet hat. Dass es mit Sicherheit nicht gesundheitsförderlich ist, war uns bewußt, aber auf Grund der Konzentration von 0,1% und der Tatsache, dass dieses Insektengift auch im Zeckenmittel, das wir auf die Hunde auftragen enthalten ist, dachten wir, dass diese Behandlung schon in Ordnung gehe.
Mit "einmal Hausbock, immer Hausbock" wollte ich fragen, ob die Tiere nicht gänzlich ausgeflogen sein können, da man ja nur Ausfluglöcher findet, aber keine Insekten und in einem Balken, der herausgesägt werden mußte auch keine Larven.
Mein Experte hat sich ja nur die Asfluglöcher angesehen und daraus geschlossen, dass es noch eine Aktivität gibt.
Ich denke, wir lassen eher den Dachstuhl komplett neu machen, als dass wir unser Haus weiter verseuchen...



eigene Erfahrungen



Hallo Simone

Permethrin ist ein künstliches Pyrethroide, also dem Gift der Chrysantheme nachempfunden.

zur Wirksamkeit gegenüber Holzbock kann ich nicht viel sagen, aber vielleicht soviel:

Permethrin ist sehr "lipophil", das heisst es sorbiert sehr gut an Holz. Das bedeutet aber auch, dass es nicht in Holz eindringen kann, sondern an der Oberfläche verbleibt. Dort findet sich, meines Wissens, der Holzbock nicht. Allerdings sagt Wikipedia, dass es gegen holzzerstörende Insekten eingesetzt wird. Vielleicht hat's ja tatsächlich geholfen.

Zur Verwendung: ja, der Stoff wird sehr weitgehend eingesetzt, u.a. als Anti-Zeckenmittel, oder als Nagerspray (dann gerne auch in Kinderzimmern mit Kaninchen).

Bei einem SETAC (Society for Environmental Toxicology and Chemistry) Treffen in Amsterdam wurde Permithrin als das giftigste und gefährlichste Mittel beschrieben, das man im Supermarkt kaufen kann. Glückwunsch.

Aus eigenen Messungen weiss ich: Die Mutter meiner Kinder hatte auch mal massiv Permithrin eingesetzt (gegen Flöhe bei Katzen; Mistviecher; ich meine jetzt natürlich die Flöhe).

Zwei Jahre später fand ich in ihrer Muttermilch immer noch einen Peak im ppm-Bereich. Ob das nun allerdings daher kam ... wer weiss.

Im Tierversuch wirkt sich Permethrin nicht negativ auf die Schwangerschaft aus, und meine Tochter ist auch völlig gesund. Soweit erst mal keine Bedenken.

Besser, weil schneller abbaubar, sind "natürliche Pyrethroide", so etwa Resmethrin. Bei diesem ergaben Messungen meiner Studenten eine Halbwertszeit von 21 Tagen im Innenraum.

Falls ihr in euren Zimmern jetzt ständig tote Fliegen und andere Insekten rumliegen habt, würde ich mir schon Sorgen machen. Glaub ich aber nicht. Permethrin ist wirklich sehr weit verbreitet, u.a. in "Wollsiegel"-Teppichen, Textilien uva. Bei grosser Angst kann man für etwa 100 € mal nachmessen, das hilft aber auch kaum was, weil man aus der Konzentration z.B. im Hausstaub noch lange nicht auf giftige Effekte schliessen kann. Für Menschen ist der Stoff relativ ungiftig, soweit bekannt.

Soweit meine Erfahrungen und Kenntnisse.

Gruss
stt





Hallo S Trapp,

vielen Dank für diese Antwort.

Wenn Per- oder Cypermethrin nicht in das Holz eindringen kann, müßte es doch im Unkehrschluss bedeuten, dass das Mittel, wenn es per Injektion unter Druck ins Holz gebracht wird, auch nicht mehr herauskommen können, oder sehe ich das falsch?

Tote Fliegen haben wir übrigens (leider) nicht, im Gegenteil, da wir in der Nähe eines sumpfigen Naturschutzgebietes wohnen. Das beruhigt mich jetzt doch ein wenig, da ich mir schon schlimme Vorwürfe wegen unseres unüberlegten Einsatzes von Permethrin u.ä. auf unserem Speicher gemacht habe. Zu meiner Ehrenrettung, ich habe das Zeug weitestgehend vermieden.
Komisch ist nur, dass ich gar keine alternativen Methoden hier finde, in Frankreich scheint man sich gerne freiwillig zu verseuchen.

Viele Grüße, Simone



Die biologische Lösung



Hallo Simone

Um der Larve des Hausbocks Einhalt zu gebieten ist wohl die thermische Methode (Erhitzen des Holzes im Inneren für mehrere Stunden auf über 60°C) die einzig wirksame und verträgliche.
Ansonsten bleibt nur das Aussitzen, d.h. den erneuten Anflug der begatteten Käfer und somit deren Möglichkeit der Eiablage in die Ritzen des Holzes zu verhindern. Da die Larve des Hausbocks zwischen 5 bis 7 Jahren im Holz nagt bis sie sich verpuppt und dann zum Hochzeitsflug auszieht, kann das doch recht lange dauern...